Windows 10: Was sind Delta-Updates?

Im Zusammenhang mit Updates unter Windows 10 fällt manchmal der Begriff der ‘Delta Updates’, speziell, wenn es Probleme gibt. Hier eine Erklärung, was sich dahinter verbirgt und was man wissen sollte.


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Ich hatte das Thema bereits kurz im Blog-Beitrag Windows 10 Creators Update: Rollout gestartet angerissen. Aber es kann nicht schaden, die Sache nochmals dedizierter auf die Füße zu stellen.

Die Idee mit den kumulativen Updates

In Windows 10 hat Microsoft ja das Prinzip der kumulativen Updates eingeführt. Wird ein solches Update installiert, prüft der Installer, welche Patches auf der betreffenden Maschine fehlen und installiert diese nach. Dies führt dazu, dass die Größe eines kumulativen Updates mit jedem Patchday wächst. Das Paket muss ja alle Patches beinhalten, damit der Update-Installer die fehlenden Patches auf der Maschine nachholen kann.

An dieser Stelle bin ich mir nicht ganz sicher, ob die schöne Theorie von Microsoft auch funktioniert. Denn nach diesem Modell müsste ich eine Windows 10-Maschine, die lange Zeit ausgeschaltet war, nur booten. Dann zieht dies sich das letzte Update und gut ist. Ich habe aber die Beobachtung bei meinen Test-VMs gemacht, dass diese beim Einschalten oft die kumulativen Updates der Vormonate ‘nachtanken’ und in eine Download- und Installationsorgie verfallen. Aber möglicherweise trügt der Schein.

Der zweite Pferdefuß an der ganzen Sache mit den kumulativen Updates: Jede Maschine muss diese riesigen Pakete herunterladen, um vielleicht einen einzigen, fehlenden Patch zu installieren. Das erzeugt eine gigantische Last im Internet, sowie in den Netzwerken von Firmen, die mehrere Maschinen mit Updates versorgen, ohne WSUS zu verwenden. Auch Microsofts Update Server müssen entsprechende Kapazität bereitstellen.

Express-Updates mit WSUS
(Updates mit WSUS, Quelle: Microsoft)

Bei Verwendung von WSUS in Unternehmensumgebungen holt der WSUS sich ja erst die Metadaten vom Microsoft-Update-Server. Erst wenn der Administrator ein Paket frei gibt, wird dieses auf den WSUS heruntergeladen.

Da ich keinen WSUS betreibe, kann ich aktuell nicht beurteilen, ob auf WSUS- und SCCM-Servern alle freigegebenen, fetten kumulativen Updates für Windows 10 gespeichert werden, oder ob nur noch das aktuellste kumulative Update abgelegt wird. Ich tippe darauf, dass der Administrator festlegen muss, welche ‘Alt-Updates’ gelöscht werden dürfen.

‘Delta Updates’, die Theorie

Die in obigem Abschnitt angerissenen Nachteile veranlassten Microsoft über eine Optimierung für Systeme mit Windows 10 nachzudenken. Bereits seit Windows 7-Zeiten gab es ein Feature Express, um die Update-Größe zu reduzieren (siehe). Die Funktion Expressinstallationsdateien in WSUS ist ein unterstützter Update-Verteilungsmechanismus. Man kann Express-Installationsdateien verwenden, um die in im lokalen Netzwerk verbrauchte Bandbreite zu begrenzen. Das geht jedoch auf Kosten des Bandbreitenverbrauchs der Internetverbindung. Microsoft hat es diesem Dokument ausführlich beschrieben.

Größe von Delta-Updates zu kumulativen Updates
(Quelle: Microsoft)

In Windows 10 sind die Microsoft Entwickler auf die Lösung mit den sogenannten ‘Delta Updates’ verfallen, die auch ohne WSUS funktionieren sollen. Die Delta-Updates enthalten nur die Patches des Vormonats und nicht mehr die gesamte Update-Historie der betreffenden Windows 10-Build. Dies soll dazu führen, dass die Größe der Update-Pakete um bis zu 40 % sinkt. Microsoft hat mal die obige Grafik mit dem Größenvergleich zwischen kumulativen Updates, Express-Paketen und den Delta-Updates veröffentlicht.


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Beschrieben ist das Ganze im Microsoft-Dokument Monthly Delta update ISV support without WSUS von Oktober 2017. Verfügbar sind Delta-Updates erst seit Windows 10 Version 1607 (Anniversary Update). Microsoft empfiehlt folgendes:

  • Stellt die Größe des Updates auf dem Client-Gerät ein Problem (beim Download) dar, wird die Verwendung von Delta-Updates empfohlen.
  • Bedingung ist aber, dass das System dass das Update des Vormonats bereits installiert ist.
  • Bei Geräten, die in Bezug auf die Installation monatlicher Updates im Rückstand sind, sollten kumulative Updates verwendet werden.

Eingeführt wurde das Ganze im Frühjahr 2017 bei der Freigabe von Windows 10 Version 1703 (siehe meinen Beitrag Patchday März 2017: Updates für Windows 10). Aber auch für Windows 10 Anniversary Update werden die Delta-Updates angeboten. Microsoft stellt diese im Microsoft Update Catalog zum Download bereit. Diese tauchen dort mit der Markierung Delta-Updates wie ‘2017-03 Delta Update for Windows 10 Version 1607 for x64-based Systems (KB4013429)’ auf (siehe folgender Screenshot).

Da beide Update-Typen gleichzeitig im Microsoft Update Catalog angeboten werden, muss man sich entscheiden, welches Update-Paket man herunterlädt und installiert. Wnn Administratoren in WSUS die gleiche Version des Delta- und Kumulativ-Updates genehmigen und bereitstellen, erzeugen Sie nicht nur zusätzlichen Netzwerkverkehr. Die Updates werden ja beide auf den PC heruntergeladen. Es kann auf den Systemen dazu führen, dass diese beim erforderlichen Neustart während der Update-Installation nicht mehr neu starten können. Microsoft gibt für diesen Fall in diesem Dokument einige Hinweise zur Problemlösung.

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3 Kommentare zu Windows 10: Was sind Delta-Updates?

  1. Max Presser sagt:

    Die Ausführungen zum kumulativen Updates unter Windows 10 kann ich für Windows 7 bestätigen:
    Ich habe einen Rechner mit Windows 7 Sp1 neu eingerichtet und das zuvor heruntergeladene kumulative Update zum Nachinstallieren der fehlenden Patches verwendet, allerdings sind diese Patches nicht im Updateverlauf aufgelistet, das Fenster “nach Updates suchen” meldet, es sei noch nie nach Updates gesucht worden.
    Nach fehlerfreiem Durchlauf der Updates ging der Rechner ins Internet und siehe da: Es wurden eine Reihe von Patches (in meinem Fall 59 Patches mit einem Volumen von rd. 540 MB) heruntergeladen und anschließend installiert.
    Meine laienhafte Vermutung: Die Patches aus dem kumulativen Update-Paket werden am üblichen Verfahren vorbei installiert, sodass der normale Update-Modus das Vorhandensein der Patches nicht erkennt und halt nochmals installiert.
    Dennoch dürfte der Rechner nach dem Neuaufsetzen des Betriebssystems bereits hinreichend geschützt ins Internet gegangen sein, weil die Patches aus dem kumulativen Update ja tatsächlich installiert waren.
    Allerdings nimmt das Downloaden des kumulativen Updates sehr viel Zeit und Bandbreite in Anspruch, ich verwende es deshalb nur bei Update-Lücken.
    Benni11

    • Eddy Current sagt:

      Lesen bildet!
      Die kumulativen Updates für Windows 7 wurden im August/September 2016 eingeführt und enthalten nur die seitdem veröffentlichten Updates; die älteren Updates fehlen und werden von WU brav installiert.
      Zudem sind Updates des .NET Framework sowie dessen als “wichtige” Updates getarnten Vollversionen darin nicht enthalten.

      Installation oder besser Integration von KB3125574 sowie des IE11 in das Installationsmedium ist die richtige Methode.

      Und: WU erkennt selbstverständlich anhand der installierten Dateien, welche Updates fehlen, nicht anhand irgendwelcher KB-Nummern oder anderer Metadaten.

  2. Markus sagt:

    Hatte vorgestern einen Rechner der 11 Monate nicht am Netz war, er zog sich insgesamt nur 5 Updates, darunter tatsächlich nur ein kumulatives.

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