Lehrer in Ghana unterrichtet Word und bekommt PC

[English]Es ist eine der Geschichten die das Leben so schreibt, und die letzte Woche im Internet viral ging. In Facebook erschien ein Foto von einem Lehrer, der in seinem Informatikkurs den Bildschirm von Word mit Kreide an eine Schultafel zeichnete. Damit unterrichtete er dann offensichtlich seinen Word-Kurs, und die Schüler haben wohl auch keinen PC. Nun hat Microsoft versprochen, dem Mann einen PC zu stiften.


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In Afrika ist vieles anders – ich schreibe bewusst nicht schlechter. Da gibt es oft kein schnelles Internet, aber kreative Lösungen, vor denen ich meinen Hut ziehe. Da werden Zahlungsoptionen per Handy, neue Internetdienste mit langsamem Internet und mehr implementiert. Das ist so gänzlich anders, als die Jungs und Mädel von der US-Westküste sich die Welt zurecht basteln. Firmen wie Facebook (siehe meinen Beitrag Cool: Facebook führt für Angestellte den 2G-Dienstag ein) oder Google (Android Go) reagieren darauf.

Word-Trockenkurs mit Kreide auf Schultafel

Eine dieser kreativen Lösungen hat sich ein Lehrer in Ghana einfallen lassen. Weil dort offenbar PCs knapp – oder genauer ‘nicht vorhanden’ – sind und auch kein Beamer oder Whiteboard vorhanden ist, benutzt er ein ‘Blackboard’ (Schultafel) und einen Stift (aus Kreide). Damit hat er für seinen Word-Kurs den Bildschirm des Textprogramms an die Schultafel gezeichnet. Mir ist die Spucke weg geblieben, als ich das Foto die Woche gesehen habe.

Engagierter Lehrer in Ghana
(Owura Kwadwo Hottish, Facebook)

Es handelt sich um Owura Kwadwo Hottish, der die obigen Fotos auf Facebook geteilt hat. Er schreibt, dass das Unterrichten von ICT (Information and Communication Technology) in Ghana eine Herausforderung sei. Also hat er ein Abbild dessen, über das er spricht, mal eben ‘an die Wand geworfen’. Die wahre Bedeutung wird klar, wenn man das obige Foto vergrößert. Dieser französischsprachige Artikel (gelöscht) hat noch ein paar Infos.

(Quelle: Facebook)

Das ist doch einfach nur wow, oder? Der Junge hat einen Word-Screenshot gezeichnet. Dem Wissenden fällt auf, dass die Symbolleiste und die Formatleiste in der Position vertauscht sind – aber sonst hat der Lehrer das doch klasse hin bekommen.

Anmerkung: Das Ganze läuft wohl als Trockenkurs – es ist so etwas wie eine Dorfschule (Farm-Schule), wo es zwar Strom, aber keine Computer gibt. Auch die Schüler haben so etwas wohl nicht, sollen aber zumindest die Basics zum Arbeiten mit Word lernen.

Ach ja, ich vergaß, die älteren unter den Blog-Lesern haben noch einen Blick für so was. Da ist keine Multifunktionsleiste, sondern eine Menüleiste zu sehen. Es geht also um so etwas wie Word 2000 bis 2003. Die wissen in Afrika noch den Wert guter Software, die auf älterer Hardware, und ohne Schnickschnack, läuft, zu würdigen.

Microsoft reagiert …


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Als ich das Bild bei Facebook gesehen habe, schrieb ich ‘schickt mal eine Horde der Verantwortlichen von Microsoft verpflichtend für 2 Monate nach Afrika, dann klappt es vielleicht künftig wieder mit der Software’.

Der Schuss ist leider nach hinten los gegangen, wenn ich diesen Artikel richtig interpretiere. Rebecca Enonchong hat in obigem Tweet nachgefragt, wer der Lehrer sei. Schnell kam die Rückmeldung, dass es sich um Owura Kwadwo aus Kumasi in Ghana handelt. Und irgendwann hat sich @MicrosoftAfrica gemeldet. Owura Kwadwo bekommt von einem der Microsoft Partner einen PC gesponsort. Ist natürlich kein Rechner mit Windows 7 und Word 2003, sondern vermutlich was in der Kombination Windows 10 mit Office 365. Wird dem Lehrer und seinen Schülern wohl noch weniger nutzen, da die Kids wohl auch solche Hardware eher nicht in die Finger bekommen.

Und tief im Herzen bewegt mich die Frage, warum Owura Kwadwo nicht irgend ein Linux samt einem freien Office wie Libre Office im Kurs vermittelt. Offenbar ist Word auch in Afrika alternativlos. Aber das ist wiederum eine andere Baustelle.


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9 Antworten zu Lehrer in Ghana unterrichtet Word und bekommt PC


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  2. Andres Müller sagt:

    Auf einer Blog Seite las ich jetzt folgendes darüber:

    “Da es in Ghana keinen Computer gibt, tauschten tausende Benutzer Fotos des Lehrers aus, der Schüler im Technologieunterricht Computer unterrichtet.”

    Ich möchte hier nicht die Besonderheit schmälern, wo hier der junge Professor die Schüler im Trockenen auf Word vorbereitet. Aber die Chance dass diese Kids irgendwo in ihrem Umfeld und später in der Schule auf einen laufenden PC stossen werden ist relativ gross (siehe unten).

    Einige weitere vielleicht weniger bekannte Infos zu Ghana:

    Das Gesundheitssystem gehört zu den besten in Afrika (gemäss Bill Gates, der mit seiner Stiftung und auch selbst in diesem Land sehr aktiv ist).

    35% der 29 Millionen Ghanaer verkehren über das Internet ( Januar 2018 )
    Es gibt etwas mehr Mobiltelefone in Ghana als es Einwohner gibt.
    Der besagte Lehrer fährt mit einem grossen PKW zum Unterricht.

    Da es auch viele Ghanaer auf Facebook gibt, sind die Politiker auch sehr aktiv in sozialen Medien:

    Es gibt schon auch Schulen die Kinder am Computer unterrichten:

    ( ob es Zufall ist dass diese Schule im Link oben “Gates Coding Club” heisst? )

    Es gibt Bemühungen von Grossunternehmen wie Microsoft und Facebook Ghana zu einem Zentrum für (billige?) IT Industrie zu machen. Auch Block Chain Technologie Zentrum soll in Ghana entstehen, für den Umgang mit digitalen Währungen.
    https://twitter.com/ghanablockchain/status/921336785724207106

    Schwarz-Afrika und Länder wie Ghana stehen vermehrt im Fokus der Grosskonzerne, zumal hier im Gegensatz zu vielen anderen Orten auf der Welt Expansion stattfindet und in der möglicherweise schon sehr bald folgenden neuen “Industrierevolution” (vor allem infolge “künstlicher Intelligenz” AI) zu einem neuen Zentrum dieser Technologien werden soll.

    Weil die Grosskonzerne in Schwarzafrika oftmals freie Hand erhalten bei der Einführung von Technologien die hier in Europa lange politische Diskussionen auslösen würden, wird Afrika zunehmend beliebter. Auch ist nicht mehr von der Hand zu weisen dass sich Afrikaner sich seit einiger Zeit besonders gut für Internet Technologien begeistern lassen, und dass sie auch beim Programmieren nicht weniger geschickt sind als zum Beispiel die Inder.

    • Günter Born sagt:

      Danke für die ergänzenden Informationen – war mir die Nacht schon zu spät, um das noch irgendwie zu recherchieren. Ich erwarte in einigen Ländern von ‘Schwarz-Afrika’ noch einige spannende Entwicklungen. Dies sind noch ‘frisch’. Ob es dabei unbedingt Word für ‘Education’ sein muss, sei dahin gestellt.

  3. der_Puritaner sagt:

    So wie ich Microsoft kenne wird das Office 365 spätestens nach einem Jahr abgelaufen sein und die Update Version des Windows 10 Rechners nie über die Augenblicklich laufende Version hinaus aktualisiert werden.

    Ich kenne Ghana nicht, aber hab gerade die Woche einen Bericht gelesen das die ganzen großen Europäischen Mobil Konzerne Telefonicà, Telekom usw. dort in Afrika eine regelrechte Abzocke an Tarifen betreiben, wenn wir uns darüber aufregen das die Mobilen Tarife zu teuer seien, sollte man sich erst mal die Tarife bzw. auch die Bandbreite dort unten erst ein mal anschauen. Die Tarife für Mobiles Internet in Afrika sind zum teil 3 bis 5 mal so Teuer wie bei uns, vor allem die Bandbreite ist unterirdisch.

    Aus diesem Grund sehe ich das ganze eher als einen Werbewirksamen Auftritt, Microsoft könnte es sich durchaus leisten dort in die Schule 20 – 30 Computer zu stellen ansonsten ist das ein Tropfen auf den heißen Stein.

    Ich frage mich dennoch woher hat der die Kenntnisse wie so eine Word Seite aussieht, und wenn er aus einen Buch arbeitet wüsste er auch dass die Symbolleiste und die Formatleiste in der Position vertauscht sind!

    • Günter Born sagt:

      Nun ja – wenn ich das Thema ‘unterirdische mobile Bandbreite’ mit Windows 10 und Office 365 verknüpfe, bin ich mir nicht so sicher, ob das ein werbewirksamer Auftritt wird ;-).

      Zur Symbol- und Formatleiste: Habe ich hier öfters gehabt, dass die Leute mit der Maus ‘hängen bleiben’ und die Leisten vertauscht werden. Im dümmsten Fall hat er einen Rechner gehabt, wo das genau der Fall war.

      Sehe den obigen Beitrag einfach als das, als für was ich den gedacht habe: Einfach etwas Fun zum Wochenende und einen Blick über den Schüsselrand. Nicht immer hat man eine Klasse mit 30 Rechnern und Whiteboard.

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  5. Cmd.Data sagt:

    Ist das ein Gag?

    Eine ausgeklügelte PR-Kampagne, damit die Kritik an Microsoft nicht zu gross wird?

    • Günter Born sagt:

      Kann man nie ausschließen. Aber das FB-Profil des Mannes zeigt jetzt mal nicht, dass er da besonders affin zu MS ist – er arbeitet bei einer staatlichen Bildungseinrichtung, wenn ich das beim kurzen Überfliegen richtig behalten habe.

  6. J.G. sagt:

    Tja reich an Rohstoffen und dann so was. Besser wäre da für jedes Kind ein Raspberry PI Zero mit kleinem Monitor ode gleich ein Tablet auf dem man ein Linux isntallieren kann.

  7. Dekre sagt:

    mir viel es irgendwie wieder in der Nacht ein. Das ist kein neues Ding, sondern älter. Es kam in den Medien (ZDF/ARD) wesentlich vor dem Datum auf dem Foto/ Screenshot.
    Ich bin mir ziemlich sicher. Ich war nämlich erstaunt , wie er das machte. Er wurde auch vorgestellt.
    Ansonsten – das was die Kommentatoren schon sagten, sonst rege ich mich wieder auf.

  8. Andreas B. sagt:

    Trevor Baylis, the creator of the wind-up radio that helped millions in the developing world to access life-saving information, has died aged 80. (The Guardian)

    Mir fällt gerade ein: Die Tage wurde in den englischen Medien (Guardian, BBC) gemeldet, dass Trevor Baylis gestorben ist. – Und der hatte vor etlichen Jahren etwas nun wirklich Sinnvolles erfunden, wie man in Entwicklungsländern die Bildung auf dem platten Land unterstützen kann: robuste Radios, die ganz ohne Batterien auskommen, weil man sie aufziehen kann wie einen Küchenwecker. – Ist wie gesagt schon lange her; mir hat diese pfiffige low-tech Idee damals sehr imponiert. (Ich denke, ich brauche hier keine Links zu posten; nach dem Namen kann man die Story auch so finden.)

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