Nachbeben im Facebook/Cambridge Analytica-Skandal

Zum Wochenstart noch ein paar Informationen rund um den Facebook/Cambridge Analytica-Skandal. So hat die Facebook-App wieder Daten abgesaugt, Zuckerberg hält die Leute für Idioten, wobei die Amerikaner diesem Unternehmen nicht mehr trauen und einiges mehr.


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Zum Fall Facebook und Cambridge Analytica hatte ich ja im Blog-Beitrag Bricht Cambridge Analytica Facebook das Genick? einen Abriss gegeben. Hier noch einige Ergänzungen, die sich im Anschluss ergaben.

Entschuldigung und Anzeigen

In einer groß angelegten Kampagne versucht sich Facebook nicht nur an einer Entschuldigung, sondern hat auch eine Anzeigenserie in diversen Zeitungen in den USA und in Großbritannien geschaltet. BBC berichtet in diesem Artikel über diese Anzeigen, ein deutschsprachiger Artikel lässt sich bei heise.de abrufen. Marc Zuckerberg gibt zudem Interviews, in denen er Fehler eingesteht, aber am Geschäftsmodell festhält. Eine schöne Replik findet sich auf mondaynote.com im Artikel Mark Zuckerberg Thinks We’re Idiots.

Die Justiz und die Politik

Aktuell läuft die Maschinerie der Justiz im Hinblick auf Facebook an. Zuckerberg hat in den USA wohl bereits vier Klagen am Hals (siehe auch). In Großbritannien wurden derweil die Londoner Zentrale von Cambridge Analytica durchsucht. Wer sich für das Thema interessiert, findet hier eine Übersicht. Inzwischen wurde auch bekannt, dass der Whistleblower, der das Ganze ins rollen brachte, ursprünglich Pläne für einen ‘feuchten Traum der NSA’ hegte.

Die Politik versucht jetzt auch (medienwirksam) Flagge zu zeigen. Im Bundestag sollte die deutsche Geschäftsführerin Aufklärung leisten (siehe und hier). Ist aber wohl wie das Hornberger Schießen ausgegangen – außer Spesen nichts gewesen. Justizministerin Barley drängt derweil auf bessere ethische Maßstäbe der Digitalwirtschaft – was Teile der CDU/CSU aber wohl eher nicht wollen. Auch die EU-Datenschützer fordern eine schärfere Regulierung (siehe).

Selbst Tim Cook von Apple sieht in einer ‘gut gemachten’ Datenschutzpraxis gewissen Vorteile, wie The Verge berichtet. Ergänzung: heise.de hat einen separaten Artikel drüber veröffentlicht. Bei Techcrunch gibt es aber einen Artikel mit interessantem Gedankengang: Härtere Datenschutzauflagen könnten Facebook sogar nützen, während sie Startups aus dem Geschäft kegeln.

Einen wirksameren Hebel habe wohl die Datenschützer, die hier eine Prüfung ankündigen. Der Bundesdatenschutzbeauftragte bezweifelt aber das Datenschutzversprechen von Facebook.

#DeleteFacebook: Firmen löschen Facebook-Konten

Die Amerikaner trauen Facebook nicht mehr. Nach diesem Reuters-Bericht trauen nur 41% der Amerikaner Facebooks Datenschutz. Amazon kommt auf 66%, Google auf 62%, Microsoft auf 60% und selbst Apple kommt noch auf 53%.


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Auf Twitter macht der Hashtag #DeleteFacebook medienwirksam die Runde. Vor ein paar Tagen hat Elon Musk in einer werbewirksamen Aktion (kam sogar in der Tagesschau) die Facebook-Konten seiner Firmen Tesla und SpaceX gelöscht. Hier Auszüge aus dem Stream an Tweets (neowin.net berichtete hier).

Das Konto bei Instagram (gehört auch zu Facebook) behält er aber noch, die würden unabhängig agieren.

Bei heise.de listet dieser Artikel noch Firmen auf, die vorübergehend keine Werbung mehr auf Facebook schalten. Über den Sinn und Unsinn solcher Aktionen kann man streiten (die Daten bleiben ja erhalten). Und bei heise.de fasst der Artikel Kommentar: #deletefacebook ist auch nicht die Lösung das Dilemma ganz gut zusammen.

Generell scheint es mehr ein ‘Hype-Thema’. Zwar erwägt die Hälfte der Facebook-Nutzer die Abmeldung an Social Media-Plattformen, wie man hier nachlesen kann. Die letzten Meldungen deuten aber an, dass Facebook kaum Nutzer verloren hat.

Ein in Nutzer fasst es so zusammen: Ich kann mein Facebook-Konto nicht löschen, weil dieses als Login für zig andere Webseiten verwendet wird – da müsste ich ja alle Daten einzeln zur Authentifizierung eintippen. Wie heißt es so schön: Der Wurm muss dem Fisch, nicht dem Angler schmecken. Facebook hat den Fisch also mit dem richtigen Wurm an den Angelhaken bekommen.

Im Nachgang habe ich diesen Artikel von Mai 2017 gefunden. Dieser beleuchtet die Tricks (z.B. der Like-Button), die soziale Netzwerke anwenden, um Nutzer abhängig zu machen. Das seien Tricks, die auch in Kasinos benutzt werden. Ergänzend sei auf meinen Artikel Facebook nervt, wenn Du es nicht mehr nutzt verwiesen.

Loggen Facebook-Apps Anrufe und SMS-Protokolle?

Facebook versucht sich ja durch zahlreiche weitere Dienste und Funktionen in alle möglichen Bereiche des Lebens zu drängen. Die Kommunikation mit Freunden per WhatsApp – hier haben die Datenschützer ja die Weitergabe von Daten an Facebook erstmals untersagt. Fotos auf Snapchat – die sollen noch unabhängig agieren. Und Telefonieren und Chatten im Facebook-Messenger ermöglicht noch mehr Kontrolle, was die Leute treiben bzw. mit wem sie kommunizieren.

Kommen wir noch zu ‘härteren Fakten’. Von Facebook gibt es ja Apps, um das soziale Netzwerk etwas ‘händischer’ auf Mobilgeräten zu handhaben. Die App von Facebook wird daher ja als Leck beim Abfluss von Daten genannt. Bis auf einen 2 Stunden-Test der Beta hatte ich diese Apps nie auf meinen Testgeräten und rate in meinen Büchern für die Zielgruppe 50 Plus sogar von der Verwendung dieser Apps ab. War im Nachgang keine schlechte Entscheidung.

Nun schreibt Ars Technica in einem Artikel, dass die Facebook-App so etwas wie der Wolf im Schafspelz sei. Diese würde Protokolle von Anrufen und SMS anlegen und zu Facebook hochladen. Das Ganze wird dann im Artikel dokumentiert. Hier ein Tweet eines Nutzers:

Man muss als Nutzer aber in die Funktion per Opt-in explizit einwilligen. Das macht Facebook auch in diesem Beitrag klar. Allerdings behaupten Nutzer, nie eine Einwilligung gegeben zu haben (wobei ich das aber auf unsicherer Basis stehend sehe – wer weiß schon, was er wann benutzt und unwissentlich seine Zustimmung gegeben hat).

Ich habe im obigen Text auf das Facebook-Login von diversen Webseiten hingewiesen, bei dem der Benutzer Facebook die Kontrolle über diese Anmeldung gibt. Zumindest können die sehen, wo sich der Benutzer gerade einloggt. The Atlantic berichtet hier, dass eigentlich jede Facebook-App seit 2010 Daten sammelt und dass Facebook die Büchse der Pandora nie wieder schließen kann.

Candy Crush Saga
(Quelle: The Atlantic)

Dabei ist mir der obige Screenshot ins Auge gesprungen. Candy Crush Saga weist in der Anmeldung darauf hin, dass das öffentliche Profil, die Freundesliste und die E-Mail-Adresse übertragen wird. War das nicht die App, die von Microsoft über Windows 10 millionenfach auf die Systeme der Benutzer gespült wird? Schönen Start in die Woche.

PS: Es gibt auch Vermutungen, dass die obigen Konsorten am Brexit mit gefeilt haben (siehe). Momentan ist Facebook wohl für alles schlechte schuld. Grad einen Pickel am Hintern gefunden, da stecken die bestimmt auch mit drin (so in der Art ‘die sind so verkommen, da kriege ich Pickel von’).

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6 Responses to Nachbeben im Facebook/Cambridge Analytica-Skandal

  1. Stefan sagt:

    Ich nutze Facebook überwiegend passiv, hauptsächlich als Fun- und Newsfeed sowie regionale An- und Verkaufgruppen.

    Fürs Smartphone empfehle ich die Nutzung einer alternativen FB Software, ein sogenannter “Wrapper”. Angenehmer Nebeneffekt: Keine Werbung und keine Vorschläge aller Art.

  2. N. Westram sagt:

    Dazu fällt mir spontan der Artikel aus der Welt ein:
    Überwacht Facebook unsere Gespräche?
    https://www.welt.de/wirtschaft/article174722839/Facebook-Ueberwacht-Facebook-unsere-Gespraeche-Ein-Versuch.html

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  4. Rolf Dieter sagt:

    “Zuckerberg hält die Leute für Idioten”
    Da er genügend Daten von den Leuten gesammelt hat, kann er das sicherlich auch empirisch belegen. :-)
    Dazu passt eine gestrige vom, ich meine Forsa Institut erstellte Umfrage, in der lediglich 19% der Facebook User Facebook den Rücken kehren wollen. 79% ist das vollkommen Wumpe.
    Alles aus Idiotie oder aus Bequemlichkeit.

  5. Borom sagt:

    Komisch,als auf heise.de vor paar Monaten berichtet wurde das ca. 2000 Seiten alles aufzeichnen was man eingibt(ohne Enter zu drücken!)berichtete keine einzige grosse Zeitung oder Sender.Und ja es sind sehr bekannte Seite darunter…

    ps:Ich bin kein Freund von VT aber kurz bevor die fb Sache ans Licht kam sagte der Multimilliardär Soros der politisch auf der ganze Welt mitspielt(Stiftungen etc.)das die Zeit der grossen Netzwerke vorbei sei…

    • Günter Born sagt:

      Nun ja, die relevanten Seiten wie heise.de, golem.de und die US-Presse berichtete – ich selbst musste es unter den Tisch fallen lassen, da ich ein paar Tage andere Themen hatte und dann war die Info durch.

      Das Thema ist halt komplex und für die Leute abstrakt. Dass FB Daten auswertet, ist ja eigentlich jedem bekannt, der das wissen will. Der springende Punkt ist nun einfach: Die Implikationen werden jetzt deutlich – da müssen wir den Amis dankbar sein, dass die einen Trump for President wollten und diesen trotz Stormy Daniels und vieler anderer Skandale weiter dafür haben wollen. Jetzt lässt sich eine Story aus der Geschichte machen, die auch der Letzte (Idi…) irgendwie erahnen kann. Ob und welche Folgen das hat, wird man sehen – die Zeit von FB ist eh vorbei, das es da eine biologische Lösung gibt (Stichwort: FB ist ein Seniorennetz).

  6. Al CiD sagt:

    Hallo Herr Born,

    wie ich schon im Blog erwähnte, es dürfte sich nur um die Spitze des Eisbergs handeln, als der Skandal um Datenhandel bei Facebook publik wurde.

    https://www.cnbc.com/2018/04/05/facebook-building-8-explored-data-sharing-agreement-with-hospitals.html

    Facebook schreckt vor nichts zurück, wie wohl andere auch nicht…

    Schönes Wochenende

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