Bundesbehörden: Viertelmilliarde Lizenzgebühren an Microsoft

MozillaEs ist deprimierend: Alleine die Bundesbehörden zahlen mehr als eine Viertelmilliarde Euro, finanziert aus Steuermitteln, an Lizenzgebühren an die Firma Microsoft.


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Ich gestehe, mir ist die Hutschnur hoch gegangen, als ich das hier gelesen habe. Der Bundestagsabgeordnete Victor Perli (Die Links) hatte die Zahlen bei für den Software-Einkauf zuständigen Innenministerium angefragt.

  • Alleine die Bundesbehörden zahlen Beträge zwischen 43,5 Millionen Euro (2015) und knapp 74 Millionen Euro (2017) an Microsoft.
  • In den Zahlen fehlen Lizenzzahlungen für das Verkehrsministerium und das Verteidigungsressort, da diese die Microsoft-Lizenzgebühren nur teilweise beziffern konnten.

Insgesamt summieren sich die Lizenzzahlungen bis 2019 aus 2015 geschlossenen Verträgen auf über 250 Millionen Euro. Hinzu kommen in Deutschland Lizenzzahlungen aus Länderbehörden und Kommunen.

Auch Facebook bekommt von Bundesbehörden Millionen für Werbung, wie Spiegel Online hier berichtet.

Abhängigkeitssumpf Deutschland

Ich hatte vor Wochen im Blog-Beitrag Open Source, Windows 10, der Bundesclient und Europas fatale Abhängigkeit von Microsoft … auf das Problem hingewiesen. Deutschlands und Europas Verwaltung machen sich von Microsoft abhängig. Zitat:

In ganz Europa, von Finnland bis Portugal, von Irland bis Griechenland, setzen Regierungen auf Microsoft-Software. Da ihre digitalen Systeme an Größe und Bedeutung zunehmen, werden die Länder zunehmend von diesem einzigen amerikanischen Unternehmen abhängig. Doch welche Konsequenzen hat diese “Lock-in”? Welche Risiken birgt sie für die Sicherheit europäischer Daten? Und was können Regierungen tun, um dem entgegenzuwirken?

Im Jahr 2012 veröffentlichte die Europäische Kommission einen Bericht, in dem sie feststellte, dass 1,1 Milliarden Euro unnötigerweise durch den europäischen öffentlichen Sektor durch Abhängigkeiten von IT-Systemanbietern verloren gingen.

Während in vielen Schulen und öffentlichen Einrichtungen der Putz bröckelt und es durch das Dach regnet, schiebt die Stadt München mindestens 60 Millionen raus, um von LiMux auf Microsoft-Lösungen zu wechseln. Ich hatte u.a. im Blog-Beitrag LiMux: Stadt München entscheidet endgültig über Rückkehr zu Windows berichtet.

Als ich im Blog-Beitrag Das Microsoft-Dilemma – Pflichtprogramm für IT-Entscheider auf die Sendung des öffentlichen Fernsehens hinwies, wurde dies teilweise als linke Agitation und Hetze ausgelegt. So langsam kristallisiert sich aber heraus, dass Windows für Microsoft nur noch ein Anhängsel ist – wenn auch Business-Kunden noch eine Weile bedient werden.

Ein Lichtschimmer ist da Barcelona (siehe mein Beitrag Barcelona goes Linux; München will von LiMux zurück zu Windows …) und der Ansatz der Stadt Dortmund, den OpenSource-Einsatz zu prüfen (siehe Stadt Dortmund stellt Weichen Richtung Open Source).


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“Die Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter ist nicht nur teuer, sondern eine Gefahr für die IT-Sicherheit”, sagte Perli, der für die Linke im Haushaltsausschuss sitzt, laut heise.de. Perli forderte von Innenminister Horst Seehofer (CSU), bei der nächsten Vergabe einen offenen Quellcode vorzuschreiben. “Dann haben auch kleinere Unternehmen eine Chance, die Steuerzahler sparen viele Millionen, und unsere Daten sind besser geschützt”, so Perli.

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10 Kommentare zu Bundesbehörden: Viertelmilliarde Lizenzgebühren an Microsoft

  1. Ismir Egal sagt:

    Ja, und? Bekommen ja auch ne Gegenleistung…

    Berlin Flughafen, Dieselskandal, Bankster, Steuerverschwendung…

    Da ist MS nur ein kleiner Furz

  2. Dekre sagt:

    Das ist der Skandal, dass die Bundesregierung und -behörden fazebuk bezahlen. Aber was ist schon ein Skandal in Deutschland.
    Man muss sich das Thema mal richtig verorten.
    (1) Die BRD zahlt an fazebuk und will gleichzeitig auf die Gefahren von fazebuk hinweisen.
    (2) Die neue DSGV ab 25.05.2018 kann man in die Tonne treten und die Bundesbehörden sind federführend dabei. Es trifft dann nur die kleinen.
    (3) Die BRD unterstützt zielgerichtet mit der Schaltung von fazebuk und sonstigen auf ihren Seiten Betrug und Datenerfassung.
    Es verwundert mich in diesem Land gar nichts mehr.
    Der “BER” in Berlin – das ist das Millardengrab,wo Vorstände und Geschäftsführer (etc …..!) mächtig abzocken und täglich und täglich vernichtet dieses Grab zielgerichtet Menschen und stürzt diese in Armut. Der Bundesrechnungshof ist dabei eine Institution, die lächerlich ist – Eine Einrichtung ohne Substanz und berichten uns dann im Jahr 2023, was im Jahr 2018 sinnloses ausgegeben wurde, na toll.

    bevor ich richtig loslege und mein Kommentar sachlich mit Fakten ergänze höre ich auf, auch wegen Gesundheit (ernst gemeint).

    Das mit Bayern und München ist sicherlich noch nicht drin mit Linux/ Windows etc, Günter berichtete hierüber auch, siehe seine Links.

  3. ThBock sagt:

    Jeder Mist muss ausgeschrieben werden.
    Aber bei sowas schreibt man nur die günstigsten MS Lizenzen aus.

    Quelle: http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Das-Microsoft-Dilemma/Das-Erste/Video?bcastId=799280&documentId=50159194

    Für DIE Kohle könnte man sich ‘ne eigene Software Firma halten, die einem ALLES auf den Leib schneidern…

  4. Ralf sagt:

    Nun binde die Hutschnur mal wieder runter :-) Ich finde das als Meldung etwas zu knapp und zu platt. Denn es fehlen ein paar wesentliche Angaben: wie viel Arbeitsplätze sind betroffen, was betrifft Lizenzkosten für den Windows Client, für Office, was für Client Lizenzen Server/Active Directory, was für Windows-Server, was für Exchange-Server, SQL-Server, … Und was entsteht an Kosten für Support und Softwareverteilung, …

    Ich finde, da muss man schon etwas genauer hinschauen, bevor man endgültig laut Alarm schreit. Professionellen Support für Linux-Server, SQL-Server, Mail-Server gibt es auch nicht umsonst. Und auch wenn man Support externer Firmen für den Linux-Client und Open-Source-Office einkaufen muss, erlebt man bei Ausschreibungen machmal sein blaues Wunder, was die Konkurrenzfähigkeit betrifft. Im professionellen Umfeld benötigt man eine Gesamtlösung mit einheitlicher Rechteverwaltung, Softwareverteilung und Updatemanagement. Da reicht es nicht aus, wenn einer aus Begeisterung einen Linux-Client und Server installieren und betreiben kann.

    Und nein, ich mag das Quasi-Monopol von Microsoft im Clientbereich und Oligopol mit anderen professionellen IT-Firmen im Server-Bereich auch nicht. Aber nur zu rufen, wir machen das mit Open-Source, hilft auch nicht weiter, wie viele ambitionierte Projekte belegen. Genau an der Forderung, kein Geld für diesen IT-Bereich auszugeben, scheitern diese Projekt oft gerne. Um langfristig Lizenzkosten zu sparen, benötigt man erst einmal Support und Geld für die Einführung und später für die Lösung entstehender fachlicher Anforderungen. Auch mit Open-Source kostet IT weiter Geld (und nicht nur für die Hardware).

    Wenn das Ganze so einfach wäre, würde es viel mehr Anfechtungen der Ausschreibungen geben. Und jede größere Ausschreibung wird von Mitbewerbern kritisch beäugt und bei Erfolgsaussicht gerne mit einer Klage angefochten.

    • Al CiD sagt:

      Jeder Weg, sei er noch so lang oder kurz, fängt mit dem 1. Schritt an.

      Auch wenn der Schritt in Richtung Opensource am Anfang definitiv steinig sein wird oder kann (meist weil sich ein paar Sturköpfe dagegen auflehnen!), so ist es mMn. der einzig richtige um Transparenz und Kontrolle der eigenen Daten zu garantieren un die Entwicklung in der eigenen Hand zu halten.
      Auch in Zukunft sollte man gegen Datenmissbrauch und Korruption weitgehend mit Opensource besser geschützt sein als mit irgend einem Daten absaugenden WaaS (Windows as a Service, bzw. “…Surprise” – den fand ich letztens sehr gut) basiertem System.

      Und für ein so reiches Land wie Deutschland ist es eine Schande so viel Geld zum Fenster hinaus zu werfen und gleichzeitig die Bildung und Wohl der eigenen Kinder so zu vernachlässigen, wie die der Alten auch, die schon ihren Beitrag in der Gesellschaft geleistet haben.

      Ich habe fertig

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  6. klaudfish sagt:

    platt(itüd) ist hier allerdings gern angesagt.
    Dumm nur, so sehr die Dominanz von MS auch nervt, zB. linuxe et al. funktionieren nicht, ist ja bereits auf dem desktop ein seit Jahren gescheitertes “Projektchen” (die Tabelle lügt nicht). Es sei denn, man heisset ‘Bastl-Wastl’. Nix dagegen, wenn man sowas toll findet – statt sich mit flagellanten-Stäben zu hauen ;) – die meisten normalen user finden das erwiesenermaßen nicht, durchaus verständlich. Kann man ausblenden und sich schönlügen – es ändert nichts.
    im business-Bereich, egal ob Behörde oder Firma, funktionierts erst recht nicht. Die meisten Arbeitnehmer sind, normalität, Gewohnheitstiere. Und diese heisst nunmal leider MS. Die Option, sich auch mal anderen Dingen zu öffnen, sprich sich wirklich mal umzugewöhnen, ist bei den meisten eher begrenzt. Diese Messen sind leider alle gelesen, dies nicht erst seit “limux” – aber sowas hätte vor 15-20 Jahren gemacht werden müssen. Und in einigen Bereichen, es gibt ja noch anderes als word, sind Alternativen zu MS eh nur theoretischer Natur, das funktiert von vornherein nicht. Ob ichs mag oder nicht. Das rumnölen zB. in diesem Blog ändert daran nichts.

  7. Siebenhof sagt:

    Die oben genannte Reportage “Das Microsoft Dilemma” habe ich mir kürzlich angesehen. Nichts für schwache Nerven. Da rollen sich einem die Fußnägel auf. Man hat den Eindruck, Korruption und Mafiagebaren sind inzwischen hoffähig geworden.

    • wombad sagt:

      GEWORDEN?!?
      Das war doch noch nie anders! Früher nur wesentlich unverhohlener, weil weniger Öffentlichkeit, heute etwas mehr im Hintergrund.
      Beim ollen Kohl hieß det “mer kenne uns, mer helfe uns”.
      etc. pp … :-P bzw. :(

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  9. Knusper sagt:

    Ich hatte mit einigen Leuten zu tun, welche Limux eingeführt / genutzt haben. Das Geld was da den Bach runtergegangen ist wird gern verschwiegen.

  10. Cmd.Data sagt:

    Die Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter ist nicht nur teuer, sondern eine Gefahr für die IT-Sicherheit”:

    Mit der neuen DSGVO wird man die Kleinen fertigmachen und in den Ruin klagen, während die grossen Firmen lachen. Damit hat uns die EU schon wieder mächtig verarscht.

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