Gerüchte zu Windows Lite

Seit kurzem geht das Gerücht um, dass Microsoft an einem Windows Lite arbeitet. Es könnte, so wird spekuliert, ein Gegengewicht zu Googles Chrome OS werden. Hier ein paar Informationen zum Thema.


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Ich bin bereits am 20. November 2018 über das Thema gestolpert, als Tero Alhonen diesen Tweet veröffentlichte.

Im Windows 10 SDK 18282 war er auf eine Definition für die betreffenden SKU gestoßen, ohne dass jedoch weitere Informationen gegeben wurden. Der Folgetweet sprach dann von einer abgespeckten Windows-Version, die bereits im Skip Ahead-Zweig im Installationabbild angeboten werde.

Windows Lite, ein Chrome OS-Killer? 

Am Montag, den 3. Dezember 2018 hat dann Brad Sams auf Petri.com einen Artikel zu Windows Lite veröffentlicht. Dem Tenor zufolge Microsoft arbeitet an einer neuen Version von Windows, die Windows Lite genannt wird. Die Stoßrichtung: Windows Lite soll ein Chrome OS-Killer werden, was immer das heißen mag.

Windows 10 Lite soll nur PWAs und UWP-Apps ausführen können, alle anderen Funktion zum Starten von Win32-Anwendungen seien entfernt worden. Erinnert an den Flop Windows RT, wo nur Apps liefen. Dies ist keine Windows-Version, die im Unternehmen oder sogar in kleinen Unternehmensumgebungen läuft. Brad Sams geht davon aus, dass diese Variante nur über OEMs angeboten werden wird. Aber es Soll endlich eine wirklich schlanke Version von Windows, die einen solchen Ansatz nicht nur im Namen trägt.

Laut Brad Sams ist es das Ziel von Windows Lite, nicht nur schlank daherzukommen. Das Betriebssystem soll sofort einsatzbereit und immer mit dem Internet verbunden (Always Connected) sein. Es soll auf jeder Art von CPU lauffähig sein, darf aber nicht mehr Windows genannt werden. Damit würde die Beschränkung auf die Intel-Schiene aufgehoben und auch ARM-Hardware könnte mit Windows Lite ausgestattet werden.

Rückblick und meine 2 Cents


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Martin Geuß hat gestern auf Dr. Windows diesen Artikel zum Thema veröffentlich und dort erklärt, warum er diesen Ansatz begrüßt. Ich sehe die Geschichte trockener: Der Zug ist für Microsoft abgefahren! Punkt.

Dabei hätten die Leute aus Redmond alle Chancen gehabt. Es war im Jahr 2011, als ich hier im Blog den Beitrag Microsofts “Drawbridge”-Projekt vorgestellt veröffentlicht habe. Ein Ansatz, der mich damals extrem begeistert hat. Es handelt sich um eine Technik aus den Microsoft Research-Labors, um Anwendungen zu virtualisieren und in einer Sandbox ablaufen zu lassen. Drawbridge kombiniert dabei die bereits in meinem früheren Beitrag erwähnten Pico-Prozesse mit einer Betriebssystembibliothek (library OS).

Quelle: Microsoft

Die Pico-Prozesse sind prozess-basierende Container, die ein Sandboxing vornehmen und einen minimalen Kernel mit den API-Schnittstellen bereitstellen. Alle API-Aufrufe werden umgesetzt und dann an das Host-Betriebssystem weitergereicht.

Mit diesem Ansatz wird erreicht, dass die Anwendung in einem isolierten Adressraum (Sandbox) läuft. Gleichzeitig stellt der Pico-Prozess der Anwendung einen Satz an API-Aufrufen zur Verfügung, mit denen der Anwendung ein Betriebssystem vorgespiegelt wird. Der Pfiff bei diesem Ansatz: Es muss also nicht mehr ein ganzes Betriebssystem virtualisiert werden. Das macht die Picoprozesse schlank und eröffnet gänzlich neue Möglichkeiten.

In einer Forschungsarbeit hatten Leute bei Microsoft damals gezeigt, dass mit einem schlanken MinWin-API bzw. Kernel praktisch so gut wie alle Win32-Anwendungen lauffähig gemacht werden können. Man brauchte also nicht den ganzen Overhead der vollen Windows API zum Ausführen von Anwendungen.

Die zweite, in Drawbridge eingesetzte Technik ist “library OS”. Dies ist quasi eine verschlankte Betriebssystemversion, die effizient in einem Pico-Prozess ausgeführt werden kann. Das Drawbridge Windows library OS enthält einen user-mode NT Kernel (hier NTNUM genannt), der im Pico-Prozess läuft. NTNUM stellt nun die gleichen NT API-Aufrufe wie ein konventioneller Kernel bereit. Damit lassen sich beliebige Win32-Anwendungen in diesen Pico-Maschinen ausführen. Und diese Pico-Prozesse hätten nicht unbedingt Windows als Host benötigt. Es wäre auch denkbar gewesen, einen schlanken Linux-Kern als Host zu verwenden, auf denen die Pico-Prozesse mit Windows library-OS ausgeführt werden. Microsoft hätten eine Menge Optionen (z.B. Chrome OS oder Linux als library OS ausführen) offen gestanden. Allerdings ist dieses Konzept wohl irgendwann in der Versenkung verschwunden.

Stattdessen versucht man nun, irgendwo auf der verkorksten Basis von Windows etwas aufzusetzen, was UWP- und PWA-Apps ausführen kann, will, wenn die obigen Aussagen von Brad Sams stimmen, das Kind aber nicht Windows nennen. Warum soll ich in aller Welt dann nicht direkt zu einem Chromebook mit Chrome OS greifen? Da habe ich eine Basis, wo Google seit Jahren Erfahrungen hat und Anwendungen bereit stellt. Und wenn ich in Apps fuhrwerken will, schnappe ich mir mein Android-Smartphone und gut ist.

Ich bin jedenfalls gespannt, welcher Rohrkrepierer nun in 2019 wieder vorgestellt wird. Aber möglicherweise muss ich mich in 50 Jahren hinstellen und verkünden ‘Leute, ich habe mich geirrt’ und ist doch ganz anders gekommen.


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4 Kommentare zu Gerüchte zu Windows Lite

  1. Also so langsam sollte sich Microsoft mal überlegen was sie eigentlich wollen, gab es da nicht noch diese Windows 10 S und nun noch eine Windows Lite, wofür das ganze Drama.
    Demnächst gibts dann noch eine Windows Version in der mir Microsoft noch vorschreibt welche Software ich installieren darf oder was?

    Also ich will den Kastrierten Kram nicht, sonst würde ich auch gleich auf ein Google Chrome Book umsteigen, da weiß ich wenigstens was ich zu erwarten habe.

    • Phil sagt:

      Vor Windows 10 S hatten sie das ganze schon mal unter einem anderen Namen. Die Idee eine abgespeckte – oder “verstümmelte”, wie ich es gerne nenne, – Variante von Windows auf dem Markt zu platzieren ist afaik bereits seit Windows 8 gegeben. Ich denke, dass Microsoft dem Kind bewusst verschiedene Namen gegeben und die jeweiligen Varianten nie groß beworben hat, schlicht um Erfahrungen zu sammeln, wie der Markt worauf reagiert, ohne mit großem Aufschrei der Community rechnen zu müssen. Es gibt auch einen Grund, stets den Namen zu wechseln: Hast du den Namen erst mal bei den ersten Gehversuchen verbrannt, wird die Community einen großen Bogen um das fertige Produkt machen, egal wie gut das finale Produkt dann ist.

      Was installiert werden darf und was nicht, ist doch mit solch einer Version bereits vorgegeben. Da du nur noch Web-Apps und die Apps aus dem Store nutzen kannst, hat Microsoft schon eine recht große Kontrolle darüber, was läuft und was nicht. Web-Apps können sie nicht verbieten ohne dir den Browser zu nehmen, was für ein Betriebssystem in 2018 absolut nicht tragbar wäre. ;)

      • Der spezialisierte User macht ja nur einen kleineren Prozentsatz aus, eben so Leute wie du und ich die sich statt irgendwelche dämlichen Youtube-Kanäle lieber Blogs über Betriebssysteme durchlesen und Kommentieren. Die Leute die sich durch so einen Schrott veräppeln lassen ist der Normal User der sein Laptop oder Spiele PC beim Mediamarkt oder im Aldi kaufen und der wird damit ganz sicher nicht glücklich, ich verwende Privat gerade mal 4 Apps aus dem Store nichts Produktives sondern auch noch Apps die Windows Verbessern.

        Wie dem auch sei solange ich keinen normalen Mozilla Firefox & Thunderbird installieren kann macht das für mich keinen Sinn!

        • Mich@ sagt:

          was würde passieren…

          …wenn ms den ie beerdigt weil nicht mehr zeitgemäß..
          ..wenn ms den Edge beerdigt weil keine Sau ihn nutzt..
          .. wenn die hausinternen Programmierer es nicht auf die Kette bekommen einen Abklatsch von Chromium zu basteln und dann
          .. MS vergisst das es nun in der lite Version keine Browser mehr gibt!

          Ich finde es ein klasse Szenario (könnte eintreffen ;)

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