Edge, powered by Chromium kommt für Windows und macOS

In einem Blog-Beitrag hat Microsoft nun bestätigt, dass der Edge-Browser eine Chromium-Basis bekommt. Gleichzeitig will Microsoft den Edge-Browser auf allen Desktop-Systemen bereitstellen. Erste Previews werden für 2019 erwartet. Ergänzung: Einige Informationen und Gedanken hinzugefügt.


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Manches klingt wie ein April-Scherz, anderes wie eine Drohung – aber es wird wahr. Die Woche hatte ich im Artikel Killt Microsoft den Edge und bringt eine Chromium-Variante? noch spekuliert, ob Microsoft so einen Schritt geht. Und nun wird es bittere Realität – Microsoft will seine Drohung wahr machen: Der Edge-Browser mit Chromium-Kern soll auf den Desktop kommen – und möglicherweise von Windows 7 bis Windows 8.1 (und die Server Pendants) – vielleicht sogar unter macOS verfügbar gemacht werden. Tero Alhonen hat per Twitter darauf hingewiesen.

Microsoft wird mit dem Edge-Browser auf einen Chromium-basierende Variante wechseln – die eigene Browser-Engine wird gekickt. Gleichzeitig will Microsoft den Edge-Browser auf ‘alle unterstützten’ Windows-Systeme (Windows 7 bis Windows 10) bringen. Gleichzeitig sollen häufiger Updates kommen. Erste Builds sind für Anfang 2019 zu erwarten.

Die Details hat Microsoft Mitarbeiter Joe Belfiore am Nikolaustag (6.12.2018) in einem Blog-Beitrag Microsoft Edge: Making the web better through more open source collaboration verkündet.

Heute geben wir bekannt, dass wir beabsichtigen, das Chromium Open-Source-Projekt bei der Entwicklung von Microsoft Edge auf dem Desktop zu übernehmen, um eine bessere Web-Kompatibilität für unsere Kunden und eine geringere Fragmentierung des Webs für alle Webentwickler zu erreichen.

In diesem Zusammenhang wollen wir einen wesentlichen Beitrag zum Chromium-Projekt leisten, und zwar in einer Weise, die nicht nur Microsoft Edge, sondern auch andere Browser auf PCs und anderen Geräten besser machen kann.

Im Laufe des nächsten Jahres oder so werden wird Microsoft einen Technologiewechsel vornehmen, der “unter der Haube” für Microsoft Edge stattfindet. Die Entwicklung ist folgendermaßen angedacht:

  • Microsoft wird zu einer Chromium-fähigen Webplattform für Microsoft Edge auf dem Desktop wechseln. Die Absicht ist es, die Microsoft Edge-Webplattform gleichzeitig (a) an Webstandards und (b) an andere Chromium-basierte Browser anzupassen. Dies wird zu einer verbesserten Kompatibilität für alle führen und eine einfachere Testmatrix für Webentwickler schaffen.
  • Microsoft Edge wird nun für alle unterstützten Versionen von Windows und mit einer häufigeren Aktualisierungsfrequenz bereitgestellt. Microsoft erwartet auch, dass Microsoft Edge auf andere Plattformen wie macOS portiert werden kann. Die Verbesserung der Web-Plattform-Erfahrung sowohl für Endanwender als auch für Entwickler erfordert, dass die Web-Plattform und der Browser für so viele Geräte wie möglich konsistent verfügbar sind. Um dies zu erreichen, will Microsoft den Browsercode so weiter entwickeln, dass der Edge auf allen unterstützten Versionen von Windows läuft.
  • Microsoft wird Verbesserungen an der Webplattform an das Chromium-Projekt übertragen, um Chromium-basierte Browser auf Windows-Geräten besser zu machen. Microsoft will eine größere Beteiligung an Chromium Open Source und mehr zu diesem Projekt beitragen.

Für Endanwender von Microsoft Edge ändert sich nichts. Irgendwann wird der Browser aktualisiert und unter der Haube hat sich die Chromium HTMLEngine eingefunden. Ab Anfrage 2019 soll es dann Preview-Build der neuen Edge-Variante geben. Man wird sehen müssen, was da konkret daraus wird. Ob das Ganze Sinn macht, wo der Google Chrome-Browser eigentlich auf allen genannten Plattformen schon heute verfügbar ist?

Noch ein paar Ergänzungen

War die Nacht spät, als der Beitrag entstand. Martin Geuß hat inzwischen auf Dr. Windows den Beitrag Microsoft Edge kommt auch für Windows 7, 8.1 und Mac OS mit einigen Gedanken veröffentlicht. Weiterhin könnt ihr bei Martin die ‘Reaktionen anderer Browser-Entwickler’ auf die Ankündigung Microsofts nachlesen. Dass das Sterben einer Browser-Engine mehr Monopole schafft, haben einige von Euch ja schon in anderen Blog-Beiträgen kommentiert. Aber die 4% Edge haben nicht wirklich am Chrome-Browser-Monopol gekratzt.


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Weiterhin schreibt Martin hier, dass der Edge sein eigenes Insider-Programm bekommt. Nun, sei es drum.

Was mich wundert: Dass Microsoft den Edge noch für Windows 7 SP1 portiert. Fakt ist, dass Windows 7 SP1 im Januar 2020 aus dem Support fällt (die Verlängerung bis 2023 für zahlende Unternehmenskunden klammere ich mal aus). Wird Edge ab Anfang 2019 als Beta implementiert, ist der Browser vor Sommer 2019 nicht produktiv verfügbar. Bleibt noch ein halbes Jahr zur Nutzung – wozu der Aufwand? Und wer Chromium nutzen will, kann direkt einen Google Chrome oder einen der anderen, Chromium-basierenden Browser einsetzen. Könnt ihr euch einen Reim darauf machen?

 


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23 Kommentare zu Edge, powered by Chromium kommt für Windows und macOS

  1. Martin sagt:

    Dann hat man wenigstens die Wahl, welcher Datensammelhölle (Google oder MS) man ungewollt Daten über den auf Chromium basierenden Browser zur Verfügung stellt.

    Ich hatte lange Zeit Slimjet genutzt, aber zu den Bugs fiehlen mir dann immer mehr unangenehme Dinge auf, die auch den Firmeninhaber (Shanfeng Cheng) von Flashpeak betreffen:

    Es gibt in den Einstellungen, bei den Ausnahmen für Flash, jede Menge chinesischer Domains, die man zwar alle löschen kann, die aber auch nach einem Neustart alle wieder da sind.

    Ich hatte mich im Flashpeak-Forum registrieren wollen, hatte aber auf zwei meiner dafür genutzten E-Mail Adressen meines Providers die nötige Bestätigungsmail nie bekommen und musste deshalb dann eine Adresse eines Wegwerfanbieters nutzen. Da war ich auch nicht der Einzige. Da ich deutlich über ein Jahr nach Nutzung des Forenaccounts mit der Wegwerfadresse diese für Benachrichtungen zu neuen Posts dann doch noch mal versucht hatte, sie auf die zuvor versuchten Mailadressen zu ändern, wurde das mit dem Hinweis abgewiesen, dass diese bereits in Benutzung seien, was ja nicht sein kann, da ich damit ja keinen Forenaccount erfolgreich anlegen konnte.

    Daraufhin versuchte ich den Entwickler zu erreichen, aber er reagierte weder auf meine PM über den Forenaccount, noch auf das Feedback-Formular der Unternehmenswebsite. Und ich hatte das mehrfach versucht. Als ich es dann per E-Mail versuchen wollte, stellte ich fest, dass alle offiziell angegebenen E-Mail-Adressen des Unternehmens gar nicht existieren und nach dann erfolgter weiterer Recherche auch wohl nie existierten oder schon seit etlichen Jahren nicht mehr existieren.
    Ich fand schließlich das hier (leider nur über GEO-Proxy erreichbar):

    Nach weiterer Recherche zur Postadresse gibt es eine weitere Ungereimtheit:
    Eine Website für Unternehmensdaten gibt eine andere Postadresse für das Unternehmen Flashpeak aus, als Shanfeng Cheng überall angibt:

    Da der Enwickler ja nie reagierte und er der Moderator keine entsprechenden Rechte hat, hatte ich einen Post im Forum veröffentlich, auf den er auch nicht reagierte. Wochen später hatte ich mich dazu entschlossen auch meine Recherchen zu posten, worauf er ohne jeglichen Kommentar mit einer dauerhaften Forensperre reagierte.

    Unseriöser und dreister geht es gar nicht mehr! Man kann weder dem Entwicker noch Privacy-Funktionen seiner Produkte trauen.

    Ich nutze seither wieder ausschließlich den aktuellen Firefox, einen alten Pale Moon und den Internet Explorer.

    • Günter Born sagt:

      Danke für die Info – ich habe Slimjet seit langer Zeit links liegen lassen – weil mir der Eigentümer Flashpeak und einige Entwicklungen suspekt vorkamen – gab dazu sogar einige Beiträge. Wie ist die Meinung – soll ich da mal wieder einen Beitrag mit einer Warnung vor Slimjet erstellen?

      • Martin sagt:

        Du hast die beiden Links aus meinem Beitrag ja entfernt, was ich verstehen kann. Das war Dir wahrscheinlich zu heikel. :-) Angesehen wirst Du sie Dir ja haben. Den Geogeblockten kann man ja einfach über kostenlose Web-Proxys (z. B. hide.me) ansehen.

        Herr Cheng hat mich natürlich nicht nur im Slimjet-Forum gesperrt, sondern auch meinen sachlichen Beitrag gelöscht, sonst hätte ich einfach den verlinkt, aber der enthielt natürlich auch beide Links.

        Dass ich die beiden E-Mail Adressen für den Forenaccount mit der Wegwerfadresse auch nach weit über einem Jahr nicht nutzen konnte, zeigt ja, dass er Mailadressen sammelt und sie wohl dauerhaft speichert! Das finde ich schon unseriös und den weiteren Verlauf natürlich auch. Ich hatte in den Kontaktversuchen irgendwann auch auf die in der EU neue DSGV verwiesen, da er seine Website und den Browser ja auch auf Deutsch anbietet. Das hat ihn natürlich ebenfalls nicht interessiert, war dann aber vermutlich der Grund für die Forensperre und Löschung meines Beitrags, oder der Hinweis, dass ich zu Firefox gewechselt habe. :-)

        Du kannst das natürlich in einen neuen Artikel zu Slimjet einfließen lassen.

        • Günter Born sagt:

          @Martin: Bewusst habe ich diese Links nicht gelöscht. Aber es läuft hier ein Plugin mit, welches Links auf Erreichbarkeit prüft. Die Tage hatte ich viele gebrochene Links – und Google straft mich dann in der Suche ab, wenn das nicht bereinigt wird. Es kann sein, dass die Links in dieser Aktion gelöscht werden (bei 200 gebrochenen Links kann ich nicht jede Artikelstelle manuell prüfen.

          Wenn Du die Links noch hast, poste sie in der Form www[dot]name[dot]com/…..

          Dann sollte die Blog-Software diese nicht automatisch in Links umwandeln und meine Plugins bemeckern das auch nicht.

  2. Martin Feuerstein sagt:

    “und möglicherweise von Windows 7 bis Windows 7” – passiert den Besten ;-)

  3. Herr IngoW sagt:

    Bei Win7 läuft doch bald der Support aus, ob da dann noch was kommt ist wohl fraglich.
    Wäre ja weggeworfene Zeit wenn Win7 sowieso weg soll.
    Wird dann über dieses “Chromium”-Zeugs beim “Edge”genauso viel geschnüffelt wie bei “Google” allgemein üblich?

  4. Nobody sagt:

    Vielleicht auch ganz interessant zu dem Thema das Statement von Herrn Hentzschel:
    https://www.camp-firefox.de/forum/viewtopic.php?t=126650

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  6. riedenthied sagt:

    Super, dann ist der Firefox nun wirklich der letzte relevante Browser, der sich dem Google-Diktat noch nicht untergeordnet hat. Leider haben die alles dafür getan, dass sie immer irrelevanter werden und ihre Stammnutzer vergrault haben. Google macht nun also de facto die Web-Standards. Toll.

    • Windoof-User sagt:

      Web-Standards werden im “World Wide Web Consortium” (www [.] w3 [.] org) von allen interessierten Beteiligten der “Internet-Gemeinschaft” entwickelt — und jeder kann mitmachen (github [.] com [/] w3c). Sicherlich gehören auch bekannte Unternehmen dazu. Die Umsetzung obliegt den Entwicklern der Webbrowser.

      • riedenthied sagt:

        Eben. Aber auch die Nichtumsetzung und auch die Einführung nicht standardkonformer Entwicklungen, die durch die Stellung als Monopolist dann zum Quasi-Standard werden, weil es die Webentwickler halt nutzen. Im Grunde wird alles wie vor 20 Jahren werden, als es eine absolute Dominanz des IE gab.

        • Windoof-User sagt:

          Das wäre denkbar, aber Chromium ist kein geschlossener Container. Jeder Webbrowser-Hersteller kann den Chromium-Quellcode nach Belieben anpassen — und Microsoft wird mit Sicherheit die eigene Duftnote absetzen.

  7. Micha sagt:

    Das wird Microsoft schon für Windows 7 und 8.1 freigeben. Wenn sie es nicht machen werden geschätzt 45% der Nutzer den neuen Browser nicht nutzen können.

    Des weiteren stelle ich mir die Frage weshalb Microsoft die Kostenpflichtige Support Erweiterung nicht für alle Nutzer zugänglich macht. Als Endkonsument hätte ich auch Interesse daran bis 2023 Windows 7 Updates zu erhalten.

    MS müsste eigentlich nur Produktschlüssel für den erweiterten Windows Support verkaufen. Die Funktion “Windows Anytime Upgrade” bringt ja Windows 7 nativ mit. Damit könnte man sie dann einfach aktivieren.

  8. Alitai sagt:

    Für mich stellt sich die Frage, was mit dem Internet Explorer passieren wird?
    Im Moment ist er noch in Windows enthalten aber wie lange noch…

    Edge nutzt im Moment eh fast niemand, darum möchte MS ihn loswerden (ersetzen). Sonst macht es für mich keinen Sinn.

    • Windoof-User sagt:

      Der “Moment” wird noch sehr lange andauern (möglicherweise Jahrzehnte), da die “Internet Explorer”-Technologie ein fundamentaler Bestandteil des Betriebssytems ist.

      • riedenthied sagt:

        Das wird gern behauptet, ist aber Quark. Selbst wenn es so wäre, könnte man ihn problemlos unsichtbar machen, wenn man wollte. Dann würde er auch endlich nicht mehr genutzt.

    • riedenthied sagt:

      Der IE ist (leider) im Unternehmen der am besten zu administrierende Browser. Wenn sich Microsoft durchringen würde, den Edge fit für das Enterprise-Umfeld zu machen, dann würde er durchaus signifikante Markanteile gewinnen und der IE-Zombie könnte verschwinden. Zwingende Voraussetzung ist da natürlich, dass der Edge eben auch auf Windows 7/2008 (R2)/8.1/2012 (R2) lauffähig ist.

  9. Der Kurt sagt:

    “Und wer Chromium nutzen will, kann direkt einen Google Chrome oder einen der anderen, Chromium-basierenden Browser einsetzen. Könnt ihr euch einen Reim darauf machen?”

    Naja, wenn sich ein Browser nur über die verwendete Engine definieren würde, dann bräuchte man in Zukunft auf einem frisch installierten Windows 10 ja gar keinen anderen Browser mehr installieren sondern könnte einfach direkt den Chromium basierten Edge verwenden.

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