DSGVO: Google hat Sprachaufzeichnungen weiter gegeben

Google hat gerade eingestanden, dass vertrauliche Sprachaufzeichnungen eines Sprachassistenten von einem beauftragten Sprachanalysten in den Niederlanden unbefugt weiter gegeben wurden. Das dürfte ein Verstoß gegen die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sein, ist aber auf jeden Fall kritisch zu sehen und zeigt, wie problematisch die Sprachassistenten sind.


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Vor wenigen Tagen hatte ich noch den Beitrag Amazons Alexa-Aufzeichnungen werden nicht gelöscht zu einem Problem der ganzen Sprachassistenten hier im Blog thematisiert. Dort kam schon der Hinweis ‘Google macht das doch aus’. Insidern war das alles klar, nur der gemeine Nutzer ignoriert so was gerne. Nun kommt die nächste Meldung, diesmal zu Google.

Google sammelt Sprachaufzeichnungen

Googles Sprachassistenten sammeln ebenfalls fleißig Sprachnachrichten und übermitteln diese an Google. Ähnlich wie bei Amazon hören sich dort Sprachanalysten die Aufzeichnungen an, um die Sprachauswertung der Assistenten zu verbessern. Das Unternehmen schreibt dazu:

Im Rahmen unserer Arbeit zur Entwicklung von Sprachtechnologien für weitere Sprachen arbeiten wir mit Sprachexperten auf der ganzen Welt zusammen, die die Nuancen und Akzente einer bestimmten Sprache verstehen. Diese Sprachexperten überprüfen und transkribieren eine kleine Reihe von Fragen, um uns zu helfen, diese Sprachen besser zu verstehen. Dies ist ein kritischer Teil des Prozesses der Entwicklung von Sprachtechnologie und ist notwendig, um Produkte wie den Google Assistant zu erstellen.

Es muss also jedem Nutzer klar sein, dass selbst intimste Unterhaltungen durch ‘die Wanze’ (Google Home, Android Smartphone mit Google Assistant) aufgezeichnet werden. Dazu schreibt Google:

Der Google-Assistent sendet Audio an Google nur dann, wenn Ihr Gerät feststellt, dass Sie mit dem Assistenten interagieren – z.B. durch “Hey Google” oder durch physisches Auslösen des Google-Assistenten. Eine deutliche Anzeige (wie die blinkenden Punkte auf einem Google Home oder eine Anzeige auf dem Bildschirm auf Ihrem Android-Gerät) wird jedes Mal aktiviert, wenn das Gerät mit Google kommuniziert, um Ihre Anfrage zu erfüllen.

Aber es gibt auch falsche Aktivierungen (laut Google selten), bei denen der Google Assistant ungewollt aktiviert wird. Das bedeutet, dass es einige Geräusche oder Wörter im Hintergrund gab, die Googles Software als Hotword interpretierte (wie “Ok Google”). Google dazu: Wir haben eine Reihe von Schutzvorkehrungen getroffen, um das zu verhindern. Aber die Gefahr ist da, die Assistenten sollten deaktiviert werden, wenn jemandem die Privatsphäre wichtig ist.

Sprachaufzeichnungen wurden weiter gegeben

Im Dokument More information about our processes to safeguard speech data musste Google jetzt einen Datenverstoß eingestehen. Dort schreibt man:

Wir haben gerade erfahren, dass einer dieser Sprachprüfer gegen unsere Datenschutzrichtlinien verstoßen hat, indem er vertrauliche niederländische Audiodaten weitergegeben hat.

Das ist natürlich ein dicker Hund, die setzen zig Leute an die Auswertung und es ist klar, dass es Leaks geben wird. In meinen Augen handelt es sich um einen DSGVO-Verstoß – zumindest um einen Bruch der vom Benutzer vermuteten ‘Vertraulichkeit’. Wie der Fall an die Öffentlichkeit gelangte, war mir unbekannt.

Ergänzung: Der Hintergrund der Geschichte

Der belgische Rundfunk VRT (Sender für den flämisch sprechenden Teil der Bevölkerung) berichtete hier über den Fall. Der Sender konnte tausende Sprachaufzeichnungen anhören und hat Leute diese Sprachaufzeichnungen ebenfalls anhören lassen. Einige erkannten sich oder Angehörige bzw. Bekannte in diesen Nachrichten.


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VRT schreibt, dass dort klar Adressen oder andere sensitive Informationen zu hören waren. So konnte der Sender die Leute identifizieren und mit den Audioaufzeichnungen des Google-Sprachassistenten konfrontieren. Und es geht noch weiter, wie VRT NWS schreibt. Von den mehr als tausend Auszügen von Sprachaufzeichnungen waren 153 Gespräche dabei, die nie hätten aufgezeichnet werden dürfen. Dort wurde eindeutig nie der Befehl ‘Okay Google’ gegeben.

Eine der VRT-Quelle führte aus, dass er eine Aufnahme beschreiben musste, in der er eine Frau hörte, die in großer Not war. Die Frage: Was sollen die Google-Mitarbeiter mit solchen Informationen machen? Den Mitarbeitern wird gesagt, dass es in solchen Fällen keine klaren Richtlinien gibt. Es handelt sich jedoch um eine wichtige ethische Frage. Nur bei Kontonummern und Passwörtern erhalten die Mitarbeiter bestimmte Anweisungen. Diese sind als sensible Informationen gekennzeichnet. Die Lektüre des englischsprachigen Texts von VRT ist da sehr aufschlussreich.

Dem Medium haben drei unabhängige Quellen bestätigt, dass Google so arbeitet, sprich: Sprachaufzeichnungen werden gespeichert und auch durch Sprachanalysten ausgewertet.

Jeder Google-Nutzer kann sich in so was wiederfinden

Es wird zwar keine systematische Überwachung betrieben. An dieser Stelle sollte aber auch dem letzten Nutzer klar sein, dass bei Verwendung des Sprachassistenten jederzeit das Gesprochene aufgezeichnet und an Google übermittelt werden kann.

Kritisch ist dies, sofern Vertraulichkeit erforderlich ist. Mir ist dabei unklar, wie der Google Assistent in Android agiert, wenn er vermeintlich ausgeschaltet ist. Würde mich nicht wundern, wenn wir irgendwann lesen, dass Google ungewollt auch dort mitgehört hat. In Firmen würde ich Handy-Verbot in Besprechungen anordnen. Besonders kritisch wird es auch in Bereichen wo Leute auf die Vertraulichkeit bauen (in Beratungsstellen, beim Arzt, im Beichtstuhl, bei Anwälten etc.). Dort müssten beide Parteien ebenfalls Smartphones ausschalten.

Google verspricht …

Das hat Google wohl auf dem falschen Fuß erwischt. Jedenfalls dürfte bei Google jetzt die Hütte brennen. Das Unternehmen schreibt dazu:

Unsere Sicherheits- und Datenschutzteams wurden zu diesem Thema aktiviert, untersuchen, und wir werden Maßnahmen ergreifen. Wir führen eine umfassende Überprüfung unserer Sicherheitsvorkehrungen in diesem Bereich durch, um zu verhindern, dass sich ein solches Fehlverhalten wiederholt.

Hier gilt: Nach dem Verstoß ist vor dem Verstoß – das wird nicht der letzte Fall sein, wo so etwas passiert.

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6 Responses to DSGVO: Google hat Sprachaufzeichnungen weiter gegeben

  1. i9100 sagt:

    Ich bin nicht überrascht und dennoch enttäuscht. Konsumverzicht scheint die einzige Lösung zu sein. Go away Echo, Alexa and Bixby.

  2. Red+ sagt:

    Überrascht mich nun auch nicht wirklich, aber Konsumverzicht war schon immer eine Sinnvolle Methode.

    Ich meine vor 20 Jahren hatte ich die Telefonnummern die ich brauchte im Kopf gespeichert, 10 Jahre Später hatte ich sie dann im Handy gespeichert, die Leute vergessen das man ja nicht Dummer wird nur wenn man alle wichtigen Telefonnummern im Kopf abspeichert, ein bisschen Gehirn Training ist durchaus eine Sinnvolle Methode um Geistig etwas fit zu bleiben.

    • Günter Born sagt:

      Schwierige Kiste mit dem Kopf – Kennwörter und Zugangsdaten gehören da auch hin …
      und dann trifft den Kopf ein Schlaganfall (oder der Mensch verstirbt, wie hier) und keiner kommt mehr an das Zeug heran. Ich habe zumindest für meine Geschichten und den Blog hier die Infos offline dokumentiert und der Sohn weiß für den Notfall bescheid, wie er das Ganze im Fall der Fälle geordnet ins Exit führen kann ;-).

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  4. Christian59 sagt:

    “…hören sich dort Sprachanalysten die Aufzeichnungen an, um die Sprachauswertung der Assistenten zu verbessern…”

    Interessante Umschreibung für “Wirtschaftsspionage” ;-)

    Gruss, Christian

    • Hans Thölen sagt:

      Spionage heißt überall anders.
      Bei Microsoft heißt das : Security only Update.
      Ich habe KB4507449 installiert. Das ist das kumulative Update.
      Ich weiß nicht, ob da auch die Spionage von MS drin ist.

  5. nook sagt:

    “von einem BEAUFTRAGTEN Sprachanalysten in den Niederlanden unbefugt weiter gegeben wurden”

    Da steht das Wort “Auftrag” drin!

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