Windows Server 2008/R2: Microsoft erklärt das In-place-Upgrade

[English]Microsoft hat in einem Blog-Beitrag den komplexen Ansatz zum Inplace Upgrade eines Windows Server 2008/R2 auf Nachfolgesysteme erklärt. Ist alles nicht so ganz einfach – und ergänzend möchte ich nachtragen, dass einige der ‘Ratschläge’, die der Microsoft-Beitrag so gibt, schlicht falsch bzw. irreführend sind und in Probleme führen.


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Der Hintergrund des Ganzen: Neben Windows 7 SP1 fallen auch Windows Server 2008 und Windows Server 2008 R2 am 14. Januar 2020 aus dem Support. Es wird ein Upgrade auf einen Nachfolger erforderlich, wobei Microsoft dort Windows Server 2019 vorschlägt. Die Alternative besteht darin, die Server-Instanzen in einer Microsoft Azure-Cloud laufen zu lassen. Dort gewährt Microsoft ja bis Januar 2023 weiterhin Support (siehe Windows 7 auf Microsoft Azure als Windows Virtual Desktop).

Dreisprung auf Windows Server 2019

Dass ein Inplace Upgrade von Windows Server 2008/R2 auf eine neuere Version nicht so ganz easy ist, hatte ich schon in diesem administrator.de-Post gesehen. Dort ging es aber um einen Fehlerabbruch, den es abzuklären galt. Wer aber seinen Windows Server 2008/R2 per Inplace Update auf Windows Server 2019 haben will, darf einen Dreisprung üben. Laut Microsoft läuft das Inplace Upgrade folgendermaßen ab:

  • Zuerst aktualisieren Sie Windows Server 2008 R2 auf Windows Server 2012 (beachtet meinen Nachtrag, wenn schon, sollte man auf Server 2012 R2 aktualisieren).
  • Dann dürfen Sie Windows Server 2012 (R2) auf Windows Server 2016 aktualisieren.
  • Und abschließend führen Sie ein Upgrade auf Windows Server 2019 durch.

Das nachfolgende Schaubild stammt von Microsoft und zeigt, wie lange die einzelnen Server-Versionen noch unterstützt werden. Windows Server 2012/R2 läuft 2023 im Support aus und Windows Server 2016 fliegt 2027 raus.

Windows Server In-Place Upgrade
(Windows Server In-Place Upgrade, Quelle: Microsoft)

Nach der In-Place Upgrade-Orgie ist man dann endlich auf Windows Server 2019 angelangt und kann sich dessen Konfigurierung widmen. Im Techcommunity-Beitrag gibt Microsoft noch zahlreiche Hinweise, was zu beachten ist.

Kritik am Microsoft Artikel

An dieser Stelle noch eine Ergänzung. Sowohl in den Kommentaren zum Techcommunity-Beitrag von Thomas Maurer als auch über meine Twitter-Kanäle gab es den Hinweis, dass die Informationen nicht so korrekt seien. So wird im Techcommunity-Artikel noch das Upgrade auf Windows Server 2012 vorgeschlagen, aber es gibt keine weiteren Erläuterungen. Damit schießt sich ein Administrator aber ziemlich ins eigene Knie. Über eine private Nachricht erhielt ich den Hinweis, dass der obige Techcommunity-Artikel zum Upgrade von Windows Server 2008 R2 schlicht falsch sei und die Themenseite seit Monaten verlottere – es fühlt sich niemand zuständig.

Über Blog-Leser Karl bin ich dann den Details auf die Spur gekommen. Blog-Leser Karl hat sich auf Twitter in zwei kurzen Beiträgen geäußert und versucht, jemand bei Microsoft zu kontaktieren. Er hat auf folgendes hingewiesen:


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Karl hat dann in nachfolgendem Tweet auf einige Haken beim von Thomas Maurer vorgeschlagenen Ansatz hingewiesen. Maurer hat wohl wenig praktische Erfahrungen im On-Premises-Geschäft oder das alles vergessen, denn er ist im Cloud Engineering Team von Microsoft Schweiz und als Cloud Advocate aktiv. Da interessieren einige Feinheiten nicht. Wer die Techcommunity-Vorgaben befolgt, wird in massive Probleme laufen – oder anders ausgedrückt: Bei Microsoft ist scheinbar schlicht nicht vorgesehen, dass jemand mit Windows Server 2012 arbeitet – und die R2-Variante wird komplett ausgeblendet.

Bringen wir mal ein wenig Licht in die Angelegenheit, was Microsoft da verbeutelt hat. Hier ein paar schmutzige Feinheiten, die Karl aufgespießt hat.

Wer einen voll gepatchten Windows Server 2008 R2 auf Windows Server 2012 aktualisiert, kommt vom Regen in die Traufe.

  • Der Internet Explorer wird dann auf die Version 10 heruntergestuft (erst ab Windows Server 2012 R2 gibt es wieder den IE 11).
  • Und auch beim .NET-Framework gibt es ein Downgrade. Ein Nutzer hat es in diesem Kommentar zum Techcommunity-Artikel zusammen gefasst.Good article but no mention of the requirement to reinstall .NET4.5.2, the possibility of losing your static IP, or the Net.Tcp Port Sharing Service that gets set to Disabled preventing the other Net.* services from starting.  Also, a big gotcha is if you have WSUS role installed, you have to uninstall the role (but you don’t have to delete the DB).

Da kommt natürlich Freude auf, denn da wackelt der Hamster mit dem Schwanz. Passt schon mit Microsofts Credo ‘Habt Vertrauen in den IT-Abteilungen, wir wissen, was gut für euch ist’.

Genereller Ratschlag, in Abweichung zu den obigen Microsoft-Anweisungen. Man sollte also ein direktes Upgrade von Windows Server 2008 R2 auf Windows Server 2012 R2 machen, um die obigen Probleme zu vermeiden. Laut diesem Kommentar zum Techcommunity-Beitrag ist das Upgrade auf Windows Server 2012 R2 auch möglich. Der Technet-Beitrag Performing an in place upgrade of Server 2008 R2 to Server 2012 R2 aus 2013 beschreibt, wie das geht. Scheinbar ist dieses Wissen bei Microsoft inzwischen verloren gegangen. Und von Windows Server 2012 R2 kann man direkt auf Windows Server 2019 upgraden (ein Upgrade ist immer zur übernächsten Version möglich). Ist natürlich übel, wenn Microsoft so einen Mist postet – die stellen es extra kompliziert dar – und haben wohl den gleichen Text, der schon mal das Upgrade auf Windows Server 2016 beschrieb, etwas ‘recycelt’. Daher mein Dank an Karl für den Hinweis aus der Praxis.

Die Qual der Wahl für Administratoren?

Mein erster Chef, den ich so als junger Ingenieur erleben durfte, meinte immer, wenn ich mit tollen Vorschlägen kam: ‘Born, ich kann mir auch ein Loch in die Kniescheibe bohren, heiße Milch reingießen und Stacheldraht drum herum wickeln’. Egal, meine Konstruktionslösungen (Feinwerktechnik und Maschinenbau) haben 20 Jahre überlebt. Fiel mir so bei Schreiben des Blog-Beitrags ein – denn die Administratoren haben die Qual der Wahl, wobei jede irgendwie auf ‘in den Fuß schießen’ hinaus läuft – optimal erscheint mit keine Option.

  • Beim In-place-Upgrade auf Windows Server 2012/R2 geht das Geschwurbel Ende 2022 wieder los, da Windows Server 2012 Standard bereits im Januar 2023 kippt, während Windows Server 2012 R2 Essentials ‘noch’ bis Oktober 2023 hält.
  • Bei Windows Server 2016 hat man zwar bis Januar 2027 Ruhe. Aber hier möchte ich an das Thema langsame Update-Installation erinnern (siehe Windows Server 2016: Lange Patch-Zeiten für Updates–Microsoft sieht keinen Handlungsbedarf).
  • Bei Windows Server 2019 gibt es bis Januar 2029 Support und noch muckt das Teil nicht bei Updates (könnte sich mit steigender Patchzahl aber noch ändern).

Und beim Upgrade des Servers müssen dann die passenden Client Access Licenses (CALs) neu gekauft werden. Zudem lese ich, dass die Lizenzierung der CALs für Windows Server 2019 um ca. 10 % teurer wird. Und nun dürft ihr euch entscheiden, wie groß das Loch in der Kniescheibe werden soll.


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6 Antworten zu Windows Server 2008/R2: Microsoft erklärt das In-place-Upgrade


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  2. Thomas sagt:

    “Windows Server 2012/R2 läuft 2012 im Support aus” … 2023?

  3. Tobias sagt:

    Bei allen Server 2012 Versionen läuft der erweiterte Support im Oktober 2023 aus
    https://support.microsoft.com/de-de/lifecycle/search?alpha=windows%20server%202012

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  5. Robert Richter sagt:

    Habe bei deskmodder.de einen Kommentar gelesen, in dem gesagt wurde, dass diese MS-Grafik nicht passen würde. Man könne von 2K8/R2 direkt auf 2K12/R2 gehen (also nicht erst auf 2K12 ohne R2) und dann von dort gleich zu 2K19. Und dass der Verfasser dieses Kommentars es ausgetestet hätte.

    Gut, wir machen eh’ kein InPlace-Upgrade, daher nicht so wichtig für uns, ob das stimmt, aber ich wollte es hier mal zur Diskussion stellen.

    seht selbst: https://www.deskmodder.de/blog/2019/07/23/windows-server-2008-r2-per-inplace-upgrade-auf-die-windows-server-2019-in-mehreren-schritten/#comments

    • Tobias sagt:

      Ja, das geht. Wir haben schon einige 2008 R2 auf 2012 R2 per Inplace hoch gezogen. Allerdings gibts da durchaus auch Probleme mit dem Servermanager die man im Nachgang beheben darf. Ich hab das .Net Frame über die Powershell neu installiert, dann war alles gut

      • Karl Wester-Ebbinghaus (al Qamar) sagt:

        Das ist richtig es gibt ein schnell lösbares Problem mit dem Server Manager auch bein Upgrade von 2012r2 auf 2016, weil ein regkey nicht gelöscht wird. Aber grundsätzlich ist die Grafik und Themenseite falsch und das lässt sich auch mit Microsoft Dokumenten belegen.

        Das Upgrade von 2008R2 ist seit Release auf 2012r2 Update 1 KBxxx355 (ohne dieses würde ich es aus diversen Gründen nicht tun ) und dann weiter von da auf 2016 oder 2019 supported.

        Vollständigkeit halber die ISOs von 2012r2 update 1 und 2019 oder 2016 lassen sich prima mit osdbuilder erstellen so dass Microsoft Empfehlung Rechnung getragen wird, das ein Upgrade nur auf ein vollständig gepatchtes System empfohlen wird.

        Bei 2008R2 / 2012 R2 wäre dies insbesondere .Net 4.7.2 oder 4.8, WMF 5.1 (soweit supported) und IE 11.

        Diese genannten Pakete sind in 2019 enthalten.

        Es würde mich sehr freuen wenn Günter und Deskmodder diese Falsch Informationen nicht helfen weiter zu verbreiten.

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