Windows XP-Systeme bei 1/3 der Firmen im Einsatz

Es sind interessante Zahlen, die mir sechs Monate vor dem Ende des Supports von Windows 7 in die Finger gefallen sind. Windows XP ist im aktiven Einsatz nicht tot zu kriegen, obwohl dessen Support bereits 2014 ausgelaufen ist.


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Dass immer noch Systeme mit Windows XP aktiv und online unterwegs sind, lässt sich an den Zahlen von netmarketshare zur Desktop-Verteilung der Betriebssysteme ablesen. Ende Juni 2019 wird dort noch ein Wert von 1,81 % genannt – wobei es mit den Online-Aktivitäten bald vorbei sein dürfte. Wegen des fehlenden Supports kommt man mit Windows XP kaum noch auf https-Webseiten, da die Aktualisierungen der Zertifikate für dieses Betriebssystem nicht mehr verfügbar sind (siehe auch diesen Kommentar).

Man könnte sich damit beruhigen, dass das die Raubkopierer in Asien sind, die noch Windows XP-Systeme im Einsatz haben. Daher ist es Blick auf Firmenumgebungen besonders interessant.

Ein Sicherheitsreport von Spiceworks

Gerade bin ich über Twitter auf einen Post von TechRepublic aufmerksam geworden, der ein neues Bild im Hinblick auf die Verwendung von Windows XP in Unternehmen wirft.

Die thematisieren den Spiceworks-Report The Future of Network, der sich mit (fehlenden) Sicherheitsaspekten in Unternehmen befasst. Ein Problemkreis, der dort explizit genannt wird, sind Betriebssysteme, deren Support ausgelaufen ist, die aber weiterhin im Einsatz sind. Spiceworks schreibt im Report, dass häufig ältere Geräte oder Software in Netzwerken weit über das Ende des Support-Termins hinaus präsent sind. Die Gründe sind vielfältig und reichen von:

  • Legacy-Anwendungen, die nicht auf neueren Betriebssystemen laufen, über
  • Embedded-Software, etc. die vom Hersteller nie aktualisiert wurde, bis hin zu
  • fehlenden Mitteln und Ressourcen, die für die Aktualisierung von Endbenutzer- oder Backend-Systemen benötigt werden.

Nach Angaben von Spiceworks Technology Deployment Data haben 32% der
Unternehmen  Windows XP immer noch auf mindestens einem Gerät in ihrem Netzwerk installiert. Und das trotz des Umstands, dass das Ende des Supports von Windows XP im Jahr 2014 war.

Windows OS penetration rates (Spiceworks)
(Windows OS penetration rates, Source: Spiceworks)

Das obige Diagramm aus dem Bericht von Spiceworks zeigt die weltweite Windows-Betriebssystemverteilung in Unternehmen zwischen 2017 und 2019. Die Grafik gibt die Prozentzahl an Unternehmen an, die mindestens ein Gerät mit der genannten Betriebssystemversion in Betrieb haben. Windows 10 konnte zwar von 60% etwas auf 78% zulegen, aber Windows 7 ist nach wie vor in Unternehmen mit 80% omnipräsent verbreitet.


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Was aber frappierend ist: Das Abschneiden von Windows XP. Während im Jahr 2017 noch 42% der Unternehmen mindestens ein Windows XP-System im Netzwerk unterwegs waren, ist die Zahl 2019 leicht auf 32% zurückgegangen. Aber das bedeutet, dass jedes dritte Unternehmen mit veralteten und damit gefährdeten Maschinen im Netzwerk unterwegs ist – eine alarmierende Feststellung.

Mit Windows 7 droht dem NHS ein Desaster

Das Kürzel NHS steht für National Health System, das nationale Gesundheitssystem Großbritanniens. Die Politiker haben aktuell wohl mit dem Brexit zu tun und das NHS ist meinen Beobachtungen nach chronisch unterfinanziert. Diesem ZDNet-Artikel entnehme ich, dass das NHS ab Januar 2020 ein weiteres Problem bekommt. Über eine Million Computer im NHS verwenden immer noch Windows 7. Eine Umstellung in den verbliebenen 6 Monaten wird kaum möglich sein. Also wird das NHS zusätzliche Gelder für den Extended Security Update Support bereitstellen oder die Systeme ungepatcht betreiben müssen.

Keine sonderlich gute Prognose, was Windows 7 angeht – hier steht sich Microsoft selbst, speziell mit Windows 10, ziemlich im Weg. Oder was meint ihr?

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20 Antworten zu Windows XP-Systeme bei 1/3 der Firmen im Einsatz

  1. Lothar sagt:

    Bei einem großen Tankstellenkonzern läuft die Umstellung (Tankstellen) von Windows XP auf Windows 10 gerade. Die "neue" Software läuft aber "nur" auf IE11 mit ASP!

    Zum Einloggen hat man eine 2-Faktor-Authentifizierung einrichten müssen, ursprünglich.

    Der Servicetechniker hat dem Anwender aber gezeigt und es so eingerichtet, dass er diese umgehen kann, da dies ja lästig sei.

  2. deoroller sagt:

    Der kostenpflichtige Support lief bei XP noch bis Mai 2019. Da habe ich das letzte neue Sicherheitsupdate installiert. Im April gab es noch eienn ganzen Schwung neuer Updates.
    https://abload.de/image.php?img=2019-05_xp_updateverlr0k05.jpg
    sogar bei Chip findet man den letzten Patch https://www.chip.de/downloads/Windows-XP-Sicherheitsupdate-KB4500331_168632054.html

    Für Privatnutzer ist der Support in der Tat 2014 zu Ende gegangen, aber Firmen konnten noch bis vor kurzem patchen und hier ist ja auch die Rede von Firmen.
    Also war 2014 für Firmen bei XP kein Drama, weil sie den kostenpflichtigen Support noch 5 Jahre lang nutzen konnten. In der Zeit mussten auch keine extra Investitionen für Upgrades in Hard- und Software investiert werden, man sparte Aufwand und Ausfälle was man gegen rechnen muss. Alleine wenn ich daran denke, wie oft Windows 10 in der Zeit mit seinen Upgrades an Zeit, Mühen und Ärger hatte, so hat man doch mit XP eine ruhige Zeit gehabt. Jetzt stehen die Firmen aber endgültig mit XP im Feuer. XP darf nur noch einen begrenzten Netzwerkzugang haben, am besten keinen und wenn immer es geht, sollte es in einer VM laufen, damit man keine alte Hardware vorhalten muss.

  3. Thomas D. sagt:

    Moin Moin,

    wie Sie schon so schön öfters aufführten:
    Windows ist für MS KEIN wichtiges Produkt mehr.
    Es ist nur noch ein Anlocker und MitarbeiterPool aus dem gute Leute genommen werden können…

    So long

  4. Walter G. sagt:

    Auch im Privatbereich läuft noch ein Windows XP 32 Bit bei mir, allerdings in der VirtualBox und ohne Internetzugang auf einem Windows 7 64 Bit Host. Damit kann ich weiterhin meine unkaputtbare Hardware (Drucker und Scanner) aus dem Jahre 2002 noch nutzen, aber auch MS Office XP, Adobe Acrobat 5.0 sowie einige andere ältere Programme. Und alles läuft stabil und besser als Windows 7 und Office 2013, die zunehmend mehr rumzicken. Sogar ein 16-Bit-Programm aus 1990 funktioniert unter Windows XP noch, sofern es nicht schreibend auf NTFS zugreift.

    • Sven Fischer sagt:

      Genau so habe ich es auch gemacht. Allerdings mittels disk2vhd. Hat einwandfrei funktioniert. Das virtualisierte XP nutze ich auch nur noch für meinen HP Scanjet 3970, weil HP für Win7 keine Treiber anbietet und mit den internen WIA kann ich nicht die Durchlichteinheit (Dias, Filmstreifen) ansteueren. Dann ist noch als Archiv, der E-Mail Client The!Bat drauf, damit ich noch auf meine alten Mail zugreifen kann. Nun kann ich locker flockig die VM auf auf ein Linux mitnehmen.

      Grüße aus dem Erzgebirge

  5. Alfred Neumann sagt:

    Mir sind 2 Reha Einrichtungen bekannt, die noch heute auf XP fahren und dort sogar Patientendaten speichern.
    Ein "Schlaubie" hat dann mal die Updates auf "Windows XP Embedded" umgestellt….

  6. Micha sagt:

    Im Vergleich zu den heutigen Updates die sehr viele Fehler haben war Windows XP zwischen 2014 und Mai 2019 recht unkompliziert zu updaten. Registry Eintrag setzen und anschließend Update Pakete aus dem Microsoft Update Catalog laden und Installieren.

    In den 5 Jahren hat Microsoft nur 3 fehlerhafte Updates fabriziert. Sie haben die Benachrichtigungsfunktion in der Task leiste beeinträchtigt. Das Symbol für die Netzwerkverbindung wurde nicht mehr aktualisiert und es wurden keine Sprechblasen mehr angezeigt.

    Wenn Microsoft es mal wieder schafft ein Betriebssystem zu programmieren das einfach ohne Fehler läuft werden die Nutzer auch freiwillig wechseln da es keine Nachteile mit sich bringt.

    • Hans Thölen sagt:

      Windows 98 SE, Windows XP und jetzt Windows 7 waren oder sind fast
      fehlerfrei. Windows 10 as a Service ist wegen der immer wieder neuen
      Versionen und wegen der Fehler in diesen Versionen unbrauchbar.
      Jetzt warte ich auf ein fehlerfreies Betriebssystem von Microsoft welches
      mal einige Jahre fehlerfrei läuft, dann steige ich sofort um.

      • shreub3 sagt:

        boah, haste auch noch ne andere platte? bekannt und irgendwann langweilig.

        • Hans Thölen sagt:

          Die Platte ist gut, weil es die Tatsache ist.
          Die Tatsache können einige Windows 10 Hörige
          nicht vertragen.

          • penyarmon blien sagt:

            naja, es ist jetzt aber nicht unbedingt Raketenwissenschaft, zu erkennen, dass aus deiner Ecke fast immer das gleiche oder sogar dasselbe? kommt. Dazu braucht es keine w10-"Hörigkeit", nichtmal ne win10-Benutzung. weil, wie erwähnt, nicht schwer.
            Es reichte win98, sogar linux ginge… ;)

      • Micha sagt:

        Das in Werkseinstellungen optisch nicht so schöne Windows 8.1 ist mit Open Shell (Classic Shell) ein brauchbares Betriebssystem.

        Habe es auf 2 von 3 PCs am laufen und macht keine Probleme. Ich installiere aber auch nur die Sicherheitsqualitätsupdates, das IE 11 Update und das für Falschplayer.

        Der letzte Patchday ist der 10. Januar 2023.

  7. RedOne sagt:

    Windows 10 – was sonst?

    Machen wir uns nichts vor. In Deutschland werden die allermeisten bei Windows 10 landen – wo denn sonst.

    Wie will man z.B. das Online-Banking machen? Mit ungeschütztem Windows 7?

    Es gibt kein europäisches Betriebssystem! Linux schafft es nicht zu begeistern – warum?
    Man kann sich wohl nicht auf eine einfache und intuitive Desktop-Oberfläche einigen.
    Ist ja auch verständlich, da werkeln zuviele für sich rum – anstatt zusammen.

    Und eine einfache Umzugshilfe bzw. -erklärung habe ich bis jetzt nicht gesehen.
    Druckertreiber usw. müssen da sein und funktionieren.

    Und das muss man wirklich mal verstehen – ein solcher Wechsel muss einfach sein!
    Ansonsten bleibt er eben aus – und das tut er ja, die Linux-Verbreitung ist unterirdisch.

    Bleibt noch Android. Selbst auf billigen Smartphones wird Android, sprich Google, genügend Power und Speicher bieten um für viele Leute zu genügen.
    Smartphones sind heute schliesslich kleine Computer. Und die Banking-Apps funktionieren ja schon und werden gepuscht.

    China wird auf jeden Fall ein eigenes Betriebssystem entwickeln, kein Wunder bei jährlich zehntausenden von neuen IT-Studium-Abgängern und dem Überwachungswahn den die haben. Russland schafft es wohl auch irgendwann.

    Nur wir Europäer bleiben an den Amerikanern kleben, da wir keine eigene Vision von der Zukunft haben. Die haben uns die Amis abgekauft und nun müssen wir mit den Folgen leben – halt eben mit Windows 10.

    Der Windows 10 – Wechsel von V1803 auf V1903 hat bei mir übrigens am Montag in einer Firmenumgebung problemlos geklappt.
    Beim Nachhausegehen fing das Update an und am nächsten Morgen war der PC startbereit und funktioniert seither tadellos.

    • deoroller sagt:

      Wenn man nach der Verbreitung geht, dann war Windows 2000 grottenschlecht, da der Marktanteil bescheiden blieb. Glaubt das wirklich jemand und war dann Windows ME das bessere Windows zu der Zeit, weil es deutlich verbreiteter war? XP kam danach automatisch auf den höchsten Marktanteil, weil es für Firmen und Privatnutzer konzipiert war. Ich war damit Anfangs gar nicht zufrieden.

      • RedOne sagt:

        Fragen der Verbreitung führen m.E. in die Irre

        Das Betriebssystem Apple oder MacIntosh war meines Erachtens immer besser als Windows.
        Das Betriebssystem OS/2 von IBM war 1987 wohl auch besser als Windows 2.

        Aber Microsoft waren immer die BESTEN im Marketing und so hatte auch Linux ab 1992 keine Chance, da die Bedienung wohl zu technisch ausgerichtet war.

        Windows 7 war m.E. das beste Windows aller Zeiten, zumal es einem nach dem Kauf gehörte und man es updaten kann wenn man Zeit dafür hat.

        Windows 10 ist m.E. kein richtiges Windows mehr im herkömmlichen Sinn und ist auf totale Abhängigkeit ausgerichtet.

        Will Linux erfolgreich sein muss ein Wechsel ganz einfach sein und auch die Bedienung muss sich mehr an Windows angleichen.
        Ansonsten bleibt die Linux-Verbreitung unterirdisch, was aber nichts über die Qualität aussagt.

        • Hans Thölen sagt:

          Dieser Kommentar schildert sehr gut die Fakten.

          • penyarmon blien sagt:

            ne sorry, aber das ist klischeehafter mythos-quatsch mit bisken Halbwissen zusammengebastelt zu einem unwichtigen Brei. Wer das als Fakt ausgeben will, hat wohl noch ganz andere Probleme.
            Hat so die "Qualitätshöhe" früherer Computerzeitschriften.

  8. SROTH sagt:

    Wer zukünftig auf Windows XP upgraden will (z.B. alle armen WIN 7 User), der sollte sich ReactOS mal näher anschauen.

    (nicht gänzlich ernst gemeinter Ratschlag ;-)

    • Günter Born sagt:

      Meinst Du das 'nicht ganz ernst gemeint' bzgl. Upgraden oder eher ReactOS? Ich hatte vor einigen Wochen was zu ReactOS im Blog. Leider ist das Projekt für den Produktiveinsatz – nach meiner Einschätzung – ungeeignet. Und ich sehe auch nicht, wie sich das ändern sollte.

      • SROTH sagt:

        Ich meinte es auf Beides bezogen.

        Natürlich sollte niemand von WIN7 auf XP "upgraden".
        Für ReactOS habe ich mich schon vor Jahren -als das Service-Ende von XP näher rückte- interessiert. Aber die Entwicklung geht leider sooo langsam voran, dass es eventuell in 2 Jahren als Privat-Spielerei funktioniert (aber: Treiber-Unterstützung der dann aktuellen HW?)
        Für Unternehmen indiskutabel.

        Ich hänge sehr an WIN7 und mag die Entmündigung von WIN10 überhaupt nicht. Ob ich nächstes Jahr zähneknirschend doch mit WIN10 arbeiten werde, oder auf eine Linux-Distri umsteige, ist noch offen…

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