1&1: DSL-Kundschaft wird auf Dual-Stack Lite umgestellt

Kurze Meldung zu einem Sachverhalt, der mir bezüglich 1&1 unter die Augen gekommen ist. Der Internetanbieter plant, alle Kunden auf Dual-Stack Lite umzustellen. Nachtrag: Auch Vodafone arbeitet an der Thematik.


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Die Information habe ich gerade bei deskmodder.de gelesen – offiziell ist noch nichts durch 1&1 bestätigt, aber ich denke, es wird so kommen.

Umstellung von Dual Stack auf Dual-Stack Lite

Das Thema wurde auf Grund eines Leserhinweises bekannt. Die Botschaft: 1&1 plant wohl alle Kunden von Dual Stack auf Dual-Stack Lite umzustellen. Diesem Foreneintrag von November 2019 entnehme ich, dass seit der Verfügbarkeit von FRITZ!OS 7 die Option IPv6 mit DS-Lite vom Anbieter 1&1 bei neuen Schaltvorgängen aktiviert wird. Bisher war es, aber laut Timbo Tillo so, dass man bei einem Vertragswechsel noch zwischen Dual Stack und Dual-Stack Lite wählen konnte. Neukunden, die auf Dual-Stack Lite umgestellt wurden, konnten sich über die Hotline wieder auf Dual Stack umstellen lassen. Das haben Kunden, die Daten per VPN auf eine FRITZ!Box übertragen wollten, wohl genutzt (zumindest, wenn ich diesen Forenbeitrag von November 2017 richtig interpretiere). Auch die ComputerWoche hat einen Beitrag zu VPN-Problemen mit IPv6.

Laut dem Artikel von deskmodder.de klappt dieser Rücksprung auf Dual Stack jetzt bei 1&1 nicht mehr. Zitat: Wer umgestellt wurde, bleibt umgestellt. Hier die Kernpunkte, die Timbo Tillo veröffentlicht hat.

  • Dual-Stack Lite wird nach und nach für alle DSL Kunden geschaltet
  • Wer wieder auf „echtes“ Dual-Stack zurück möchte, wird abgewiesen
  • Ausschließlich Kunden mit Großservern können Dual-Stack schriftlich beantragen

Wann das genau bei den einzelnen Kunden passiert, geht aus dem Beitrag nicht hervor, und offiziell ist es von 1&1 auch noch nicht angekündigt. Ich habe aber mal eine Anfrage an die 1&1-Presseabteilung gestellt und werde eine Antwort hier nachtragen.

Was bedeutet das?

Zuerst einige Hinweise, was eigentlich hinter Dual Stack und Dual Stack Lite steckt. Problem ist, dass Internetzugänge per IPv4 und IPv6 möglich sind. Provider stellen inzwischen den Zugang über IPv6 bereit. Aber es gibt Kunden, die noch Infrastruktur mit IPv4 verwenden. Speziell bei VPN-Verbindungen wird oft IPv4 zur Verbindungsaufnahme genutzt.

Mit Dual Stack können die Verbindungen sowohl IPv4- als auch IPv6-Daten verwenden. Allerdings ist diese Technologie wohl mit Aufwand verbunden. Daher gehen die Provider auf die neue Dual Stack Lite-Technik über. Das ist eine Hilfstechnik, mit der eine IPv6-Verbindung auch Zugang zu IPv4-Geräten herstellen kann. Kurz gesagt: Dual-Stack Lite (auch DS-Lite genannt) ermöglicht Internet-Providern ihren Kunden über eine IPv6-Verbindung Zugang zu IPv4-Servern zu verschaffen. Die IPv4-Pakete werden über eine IPv6-Verbindung zu übertragen (IPv4-über-IPv6-Tunnel).  Lancom hat es auf dieser Webseite dargestellt. Zitat:

Der Router verpackt dazu die IPv4-Pakete in einen IPv4-in-IPv6-Tunnel und übermittelt sie unmaskiert an den Provider. Der führt anschließend eine NAT mit einer seiner eigenen verbliebenen IPv4-Adressen durch.

Das bedeutet einerseits, dass der Router dieses Dual Stack Lite überhaupt unterstützt. Ich habe mal im Blog gesucht – im Blog-Beitrag FRITZ!OS 7.10 für FRITZ!Box 7590, 7580 und Repeater 1750E findet sich folgende Information:

Mit FRITZ!OS 7.10 ist nun auch am DS-Lite-Anschluss (IPv6-Adresse nach extern, IPv4 nur intern) möglich, eine VPN-Verbindung von der FRITZ!Box zu einer anderen FRITZ!Box herzustellen, die über IPv4 erreichbar ist. Anwender von FRITZ!Box-Modellen für VDSL erhalten ab 7.10 die Möglichkeit, die Verbindungsstabilität zu verbessern. Zudem wird auf der DSL-Übersichtsseite nun die Leitungslänge zwischen FRITZ!Box und Vermittlungsstelle (DSLAM) angezeigt.


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Ob und wie das in der Praxis Probleme mit anderen Routern aufwirft, kann ich nicht beurteilen. Beim Stichwort DS-Lite klingelte aber etwas anderes bei mir im Hinterkopf. Im Mai 2019 hatte ich den Blog-Beitrag UnityMedia und die Internet-Verbindungsabbrüche veröffentlicht. Dort beschrieb ich die Erfahrungen von Hans Brender im Hinblick auf wiederkehrende Verbindungsabbrüche beim Kabelnetz-Anbieter UnityMedia. Eine Sache, die mich dann ganz hibbelig macht, ist die Aussage aus einem UnityMedia Community-Beitrag.

Du wirst (sehr) wahrscheinlich einen DS-Light-Anschluss haben. Da ist es so, dass sich bis zu 60 Kunden eine IPv4-Adresse teilen. Es scheint so zu sein, dass es da wohl öfters Probleme mit dem AFTR gibt, der “verteilt” die IPv4-Adresse auf die Kunden

AFTR = Address Family Transition Router
Definition Dslight

Es kann natürlich sein, dass ich momentan die ‘Flöhe im Wald husten höre’ und das Ganze kein wirkliches Problem darstellt. Eine Suche im Internet hat mich bisher auf keine Artikel mit größerem Ärger geführt. Gibt es von eurer Seite Erfahrungen mit DS-Lite bei 1&1 oder Hinweise auf mögliche Probleme?

Ergänzung: Die Kollegen von deskmodder.de haben in diesem Artikel in einem Nachtrag mitgeteilt, dass neben 1&1 auch Vodafone an der Unterstützung von PCP arbeitet. Diese Information ging mir auch über private Kanäle zu – belassen wir es bei dem, was deskmodder.de als Nachtrag gepostet hat.


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6 Antworten zu 1&1: DSL-Kundschaft wird auf Dual-Stack Lite umgestellt


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  2. Dat Bundesferkel sagt:

    Probleme wirst Du immer dann haben, wenn Du Serverdienste bereitstellst (Web-, File-, Cloud-, Media-, Gameserver) etc. pp.

    Das liegt schlichtweg daran, daß das providerseitige, nicht beeinflussbare NAT nicht imstande ist, Antwortpakete an den richtigen Absender zurückzusenden.

    Natürlich jetzt nur auf IPv4 bezogen. Aber mal ganz ehrlich: IPv6 gibt es nun wie lange? Offiziell 21 Jahre (https://tools.ietf.org/html/rfc2460)?

    Wer es bis jetzt nicht geschafft hat, seine Infrastruktur umzustellen, hat eben Pech gehabt. Nur selten hat man in der IT ein dermaßen gewaltiges Zeitfenster zur Umstellung gehabt.

    Via IPv6 gibt es nämlich keinerlei Einbußen, man hat mit eigenem Router auch noch einen schönen Adressraum (/56 nutze ich derzeit bei Vodafone) und ist schön flexibel. Wer die öffentliche Erreichbarkeit seines Rechners bei IPv6 fürchtet, sollte sich die Frage stellen, ob das nicht ein klein wenig Paradox ist, wenn gleichermaßen IPv4 hinter NAT den Zugang zu Rechnern gewährt…

    PS: “Beim Stichwort DS-Liste…” – ich mutmaße, das “s” soll da so nicht sein.

    • Henry Barson sagt:

      IPv6 gibt es schon seit 1995, wurde seit dem hier und da noch umgebogen, weshalb wohl viele (auch Hersteller) noch warteten mit der Implementierung. Problem ist nur das selbst heute, 2019, IPv6 immer wieder (Verbindungs-)Probleme bereitet, egal ob DS-lite, oder echtes DualStack. Auch bei großen “Vorreiter”-Diensten wie Youtube/Google. Und es ist auch egal, ob man den Präfix vom Provider übernimmt. Auch ob eine Fritzbox, oder eine pfSense im Einsatz sind, ist egal. schaltet man dauerhaft auf IPv4 only läuft alles stabiler und gefühlt auch “flotter”, selbst an bububösen CGN-Anschlüssen, die zur PrimeTime angeblich immer rumächzen.

      Für mich ist IPv6 nach wie vor: Gut gemeint, ist noch lange nicht gut gemacht.

  3. Ich habe bei m-net ebenfalls DS-lite via FTTB und keine Probleme.
    Alles, was mir wichtig ist, wickle ich über IPv6 ab.
    Das weniger wichtige läuft eben über das AFTR-Gateway.
    Wie stabil solch ein Gateway ist, hängt neben den systembedingten Unzulänglichkeiten eben auch etwas vom Provider ab (Stärke der Überbuchung, allgemeines Monitoring und Service)

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  5. Triceratops sagt:

    “Dual-Stack Lite wird nach und nach für alle DSL Kunden geschaltet”.: Denke nicht das daß wirklich alle Kunden betreffen wird. Hab noch einen “Freenet Komplett 16000 inkl. Doppelflat” vertrag, den 1&1 2009 ja von der Freenet Breitband GmbH übernommen hat. Seit ich bei 1&1 bin hatte ich nie IPv6 (Dual Stack oder Dual Stack Lite). Ich denke mal nicht das mich das Betreffen wird da 1&1 meinen anschluß erst über die Telefonica Deutschland Infrastruktur realisiert hatte, und mich 2017 dann auf die Vodafone Infrastruktur umgestellt hat (Mein Router: AVM 7490). Aber mal Abwarten und Tee trinken.

    • Gerold sagt:

      Ich habe offiziell noch kein IPv6 (Kabelanbieter in der Schweiz). In den selber gekauften Routern ist IPv6 ab Werk deaktiviert da es mehrere Möglichkeiten der Implementierung gibt und auch jeder Router Hersteller wieder eigene Bezeichungen erfindet. Ich habe im ASUS Router den Verbindungstyp “Native” gewählt und siehe da ich habe IPv6 mit Dual Stack.

      • Triceratops sagt:

        Nein mein Anschluss verfügt nicht über IPv6. Selbst wenn die IPv6 unterstützung in meiner AVM 7490 aktiv ist wird mir auf folgender website nur “IPv6 nicht vorhanden” angezeigt.:

        https://www.wieistmeineip.de/ .

        Mein ADSL 2+ anschluß ist daher nach wie vor Nativ nur IPv4 fähig.

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