Insides zum Windows 10 V1909-Deployment (19H2) [Service Pack-Ansatz]

[English]Im nachfolgenden Blog-Beitrag möchte ich auf einige Fragen bzw. Insides im Umfeld der Entwicklung von Windows 10 Version 1909 eingehen. Das Microsoft Insider-Team hat dazu in einer Session (Webcast) einige Informationen offen gelegt. So ist zum Beispiel noch nicht wirklich sicher, dass der mit 1903/1909 praktizierte Ansatz, gleiche Updates für beide Windows 10-Varianten auszurollen und das Herbst-Update als eine Art Service Pack bereitzustellen, weiter verfolgt wird. Denn es gab einige Probleme bei diesem Ansatz, wenn dieser auch Vorteile hat. Ich habe das Ganze für den eiligen Leser mal in komprimierter Form in einen Text gegossen.


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Zum Hintergrund: Insider Webcast

Das Microsoft Insider Team hält von Zeit zu Zeit sogenannte Webcasts für Windows Insider ab. Dort nehmen Microsoft-Entwickler teil und geben Einblick in ihre Arbeit. Ich selbst verpasse diese Webcasts regelmäßig (vergessen, keine Lust/Zeit, mir den Kindergarten anzuschauen, oft ist es die sprichwörtliche Katze im Sack, wenn man an einem solchen Webcast teilnimmt). Und wenn die Informationen unter eine Verschwiegenheitsklausel (NDA) fallen, ist es für mich als Blogger eh witzlos. Am gestrigen 21. November 2019 fand wieder ein Insider Webcast statt, der sich auch nachträglich im mixer-Kanal abrufen lässt.

Der obige Tweet von Blog-Leser Karl hat mich veranlasst, mir den Webcast nachträglich auf die Schnelle anzuschauen. Webcasts empfinde ich als extrem sperrig, weil man viel Zeit verbrät, um ein paar Informationen, die man sonst in einer Minute erfassen kann, zu erfahren. Da der Webcast nun öffentlich abgerufen werden kann, sehe ich mich auch nicht mehr durch mein NDA gebunden. Ich habe daher das Ganze mal in ein paar Sätzen Text  zusammengefasst und gebe das nachfolgend komprimiert wieder.

Das Ganze wirft auch eine erhellendes Licht auf das, was ich die letzten 24 Stunden in den Beiträgen Windows 10 V1909: Kruder Update-Status …. Bits verklemmt? und Windows 10 V1909: Verwirrung um Microsoft-Konten bei einer Neuinstallation thematisiert habe.

Die Delivery-Optionen für Windows 10 Version 1909

Im Webcast gingen die Microsoft-Entwickler auf folgenden Fragen im Zusammenhang mit der Windows 10-Entwicklung ein. Kern und Angelpunkt sind die Neuerungen beim 19H2 Delivery, also der Art, wie das Windows 10 November 2019 Update ausgerollt wird.

Mixer: Windows 10 19H2-Webcast

Microsoft hatte ja bereits bei der Freigabe des Windows 10 Mai 2019 Update bekannt gegeben, dass das Funktionsupdate auf die Windows 10 Version 1909 über Windows Update als ‘normales Update’ erfolgen werde. Die folgende Folie zeigt die Kernpunkte, die beim Feature-Update auf den Entwicklungszweig 19H2 (Windows 10 V1909) neu sind.

Mixer: Windows 10 19H2-Webcast New with 19H2 Delivery


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Ich hatte ja in diversen Blog-Beiträgen (z.B. Windows 10 V1909 wird das November 2019 Update in Kombination mit Windows 10 V1909 verfügbar, so bekommt man es) bereits erläutert. Microsoft rollt für Windows 10 Version 1903 und Version 1909 die gleichen Updates aus. Die beiden Windows 10-Builds besitzen intern also den gleichen Code. Benötigt wird nun nur noch ein Freischalt-Update (Enablement Update, KB4517245), welches die betreffenden Funktionen für das Windows 10 November 2019 Update freischaltet.

Funktionsupdate für Windows 10, Version 1909

Dieses Paket wird von der Update-Suche als Funktionsupdate für Windows 10, Version 1909 als optionales Update angezeigt (siehe obige Abbildung). Der Download und die Installation dieses Funktionsupdates muss explizit über den Hyperlink Jetzt herunterladen und installieren angestoßen werden. Es ändert sich also nichts gegenüber der Vorgehensweise zur Installation des Funktionsupdates für Windows 10 V1903, auch wenn das November 2019 Update als ‘Update-Paket’ bereitgestellt wird.

Mixer: Windows 10 19H2-Webcast Changes in 19H2 Delivery

Hinter den Kulissen hat das aber enorme Änderungen zur Folge, wie die obige Folie verdeutlicht. Werden bei früheren Windows 10-Feature Updates noch bis zu 3,5 Gigabyte große Pakete übertragen, wird das beim 19H1-Entwicklungszweig anders. Windows 10 Version 1903 besitzt ja schon den Code von Windows 10 Version 1909, die neuen Features sind nur noch nicht freigegeben. Ohne das letzte kumulative Update werden maximal 330 MByte heruntergeladen. Sind alle kumulativen Updates bereits vorhanden, braucht das Enabler Update maximal 180 KB zum Download. Der gesamte Update-Prozess von Windows 10 Version 1903 auf die Version 1909 soll viel schneller als ein früheres Feature-Update ablaufen. Voraussetzung ist aber, dass alle kumulativen Updates bereits auf Windows 10 Version 1909 installiert sind.

Anmerkung: Beim Umstieg von Windows 10 Version 1809 oder früher ändert sich für das Feature Update nichts – es müssen immer noch die 3,5 GByte heruntergeladen werden. Aber das hatte ich ja im Blog in diversen Beiträgen schon erklärt.

Wie schaut es für WSUS aus?

In nachfolgender Folie fassen die Entwickler nochmals die Situation für Administratoren in Unternehmensumgebungen zusammen, die Updates über Windows Server Update Services (WSUS) verwalten.

Mixer: Windows 10 19H2-Webcast Changes in 19H2 Delivery WSUS

Für das Upgrade älterer Builds vor der Version 1903 ändert sich in WSUS nichts gegenüber früheren Builds. Alle Optionen zum Ausrollen der neuen Windows 10 Version 1909 sind auch weiterhin vorhanden. Für den Windows 19 Version 1903 Entwicklungszweig 19H1 gibt es ISO- und ESC-Installationsmedien, um das Ganze auszurollen. Auch dort ist also nichts neues gegeben. Zum Umstieg auf Windows 10 Version 1909 (19H2) von Windows 10 V1903 wird auch im WSUS das Enablement Package als Update KB451724 angeboten. Der Vorteil ist auch dort, dass die Paketgröße sehr gering ist und das Upgrade der Clients schneller erfolgt.

Vorteile des neuen Ansatzes und weitere Fragen

Die Entwickler fassen den neuen Ansatz zum Ausrollen des 19H2-Feature Update in folgender Folie zusammen. Bei einem System mit Windows 10 Mai 2019 Update (Version 1903) braucht die Umstellung auf die Version 1909 weniger als 25 Megabyte Platz auf der Festplatte. Das ist letzten Endes das kumulative Enablement Update, was gespeichert wird.

Mixer: Windows 10 19H2-Webcast: Details

Wichtig ist aber, dass intern die Systemdateien weiterhin auf dem Stand der Build 18362 sind. Nur Winver, WMI und die API-Aufrufe zur Versionsabfrage liefern die Build 18363.

Das könnte eine Erklärung für die im Betrag Windows 10 V1909: Kruder Update-Status …. Bits verklemmt? Merkwürdigkeit sein. Irgend etwas ist da noch nicht sauber umgestellt worden.

Soll das so bleiben, oder kann das weg?

Dann gehen die Entwickler im Webcast auf die Frage ein, ob man das künftig weiter so halten will und wo die Herausforderungen des neuen Experiments waren. Die folgende Folie fasst es zusammen. Die Entwicklung der Windows 10 Version 1909 mit Auslieferung als kumulatives Update war ein ‘Pilot-Projekt’!

Mixer: Windows 10 19H2-Webcast: FAQ - Future Plans

Es gibt keine formalen Pläne, das auch künftig so zu handhaben. Vielmehr beobachtet man jetzt das Feedback und entscheidet dann, ob das eine Schnapsidee war und weg kann oder beibehalten wird. Es ist also das Eingeständnis einer ‘Operation am offenen Herzen’ der willigen Windows 10-Nutzerschaft – egal, ob Privater oder Unternehmenskunde. Mutig, mutig.

Wenn ein Gerät kein Feature-Update angeboten bekommt

In der zweiten Frage aus obiger Folie wird auch nochmals klar gestellt, warum ein Gerät das Windows 10 V1909 Feature Update nicht angeboten erhält. Es müssen alle empfohlenen Updates auf dem Windows 10-Client installiert sein, bevor das Enablement Update angeboten wird. Hier will man in den nächsten Monaten aber noch optimieren.

Bei Kompatibilitätsproblemen kann Microsoft sowieso einen Upgrade-Stopper setzen, der dann aber für Windows 10 Version 1903 und 1909 wirkt.

Hosen runter: Operation am offenen ‘Windows-Herzen’

In einer weiteren Folie lässt man vom Team dann ‘die Hosen’ runter. So einfach und elegant ist das Vorhaben wohl nicht geglückt. Hier die Folie mit den Kernaussagen des Teams. Es war wohl bereits frühzeitig klar, dass Microsoft (nach dem Desaster bei der Auslieferung der Windows 10 Versionen 1803 und 1809) sich etwas einfallen lassen musste. Die grobe Idee war, die Feature-Updates im Herbst als normale Updates auszurollen.

Mixer: Windows 10 19H2-Webcast: FAQ - the Challenge

Im Nachhinein erwies sich das Vorhaben aber als größte Herausforderung in der Windows 10-Entwicklung. Wie kriegt man es hin, dass der Code für die V1903 und 1909 gleich ist, die Version 1909 aber die korrekte Version anzeigt? Und das, obwohl die Dateien auf der Build 18362 bleiben? Es hat die Entwickler fünf Monate gekostet, zwischen verschiedenen Design-Optionen die jetzt gewählte Variante zu finden und die Anpassungen zu implementieren.

Einerseits ziehe ich den Hut vor so was. Andererseits zeigt es, auf welch wackeligen Füßen die Windows as a Service-Geschichte bei Windows 10 steht. Jede Entscheidung kann ich in einem Jahr als Mist herausstellen. Dann muss die Mannschaft ihre Energie in das Projekt ‘wie bekomme ich die Kuh vom Eis’ stecken und ist für sonstiges geerdet.

Instabilere Netzwerkverbindung in 19H2?

In der letzten Folie gehen die Entwickler noch auf die Frage diverser Nutzer ein, dass das Netzwerk in der Build 19H2 von Windows 10 unstabiler geworden sei. Da der Code der V1903 und 1909 gleich ist, hat sich intern für Windows 10 nichts geändert.

Mixer: Windows 10 19H2-Webcast: FAQ - the Issues

Die Entwickler gehen daher davon aus, dass da noch ein Bug vorliegt, der bereits in Windows 10 Version 1903 enthalten sein muss. Wer Netzwerkprobleme hat, sollte den Netzwerk-Troubleshooter (Problembehandlung) ausführen und sicherstellen, dass alle Netzwerktreiber aktuell sind.

Soweit meine Kurzfassung aus dem Webcast nach Anschauen des Mixer-Videos.

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4 Antworten zu Insides zum Windows 10 V1909-Deployment (19H2) [Service Pack-Ansatz]


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  2. Timo Hertkorn sagt:

    Windows Suche funktioniert nicht in windows 10 1909…
    Ich installiere Windows 10 1909 Enterprise neu in einer Domain Umgebung. Die Updates
    kb4524569
    kb4524570

    habe ich in das Image intergriert.

    Windows Suche funktioniert nicht.
    Weder bei einer Inplace Migration noch Neuinstallation.

    Hab schon sfc /scannow
    laufen lassen.

    Policy
    Dont search web or display web results in Search = disabled

    gestellt.
    Windows Search geht nicht.

    Jemand eine Idee?
    Knann das jemand bestätigen und in die entsprechende MS Kanäle weitergeben.

  3. mihi sagt:

    Gibt es eigentlich eine (dokumentierte/undokumentierte) Möglichkeit, den “Enablement”-Status von 1909 offline (also ohne das System zu booten) herauszufinden? Bislang genügte immer ein Blick auf die Versionsnummer von NTDLL.DLL bzw. NTOSKRNL.EXE, um die unterschiedlichen Windows7/8/10-Versionen eindeutig auseinanderzuhalten.

    Da die Dateiversionen alle gleich sind, muss man vermutlich die Registry mounten und drinnen irgendeinen Key nachsehen?

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