Apple, die EU und die USB Typ C-Schnittstelle

Die EU denkt darüber nach, den einheitlichen Ladestandard für Mobilgeräte in einer Richtlinie festzuschreiben. Apple bezieht erst einmal Position dagegen. So die Nachrichtenlage der letzten Tage. Hier einige Informationen zur Phantomdiskussion, die da gerade geführt wurde.


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Worum geht es?

Es ist ein unendliches Thema: Die EU-Kommission wollte schon vor 10 Jahren eine einheitliche Ladeschnittstelle bzw. –Buchse. Ziel ist es, 51.000 Tonnen unnötigen Elektronik-Sondermüll durch nicht mehr passende Ladekabel und –Netzteile zu reduzieren. Das sollte durch ein Standardkabel zum Laden passieren. Ich habe mal nachgeschaut, 2013 gab es im Blog den Artikel Sauerei! Smartphone-Hersteller torpedieren einheitliche Ladeschnittstelle. Die Hersteller hatten sich damals auf eine freiwillige Selbstverpflichtung zur Einführung einer einheitlichen Ladeschnittstelle geeinigt.

microUSB-Buchse am Smartphone

Nun sind wir ein paar Jährchen weiter. Bei Smartphones und Tablet PCs gibt es die MicroUSB-Buchse, die sich auch zum Laden eignet. Persönlich empfinde ich es als sehr angenehm, ein Ladekabel mit einem USB-Steckernetzteil für alle Geräte verwenden zu können. Wobei ‘alle Geräte’ nicht ganz stimmt. Apple fährt da mit seinem Lightning-Anschluss einen eigenen Stiefel.

Die EU-Kommission ist unzufrieden

Die EU-Kommission ist mit dem ‘Status Quo’ nicht zufrieden. Im August 2018 hatte ich den Blog-Beitrag EU-Ziel: Einheitliches Ladekabel; trifft es Apples Lightning? schon mal im Blog. Aus diesem Beitrag stammt der Textauszug bis zu diesem Satz. Im Beitrag ging es auch darum, dass die EU-Wettbewerbskommissarin Margarethe Vestager über ihre Behörde eine Studie in Auftrag geben wollte. Diese Studie soll herausfinden, wie das Problem uneinheitlicher Ladekabel gelöst werden könne. Die Hersteller Apple, Google, Lenovo, LG, Motorola, Samsung und Sony hatten auf Druck der EU-Kommission am 20. März 2018 dieses Memorandum of Understanding für künftige Ladestandards bei Smartphones unterzeichnet. Dort kommt eine erneute Selbstverpflichtung, spätestens ab 2021 Smartphone-Modelle mit einer USB-C-Schnittstelle zum Laden in der EU zu vermarkten. Zitat aus meinem damaligen Text:

Es gibt aber eine Hintertür: Das Ladekabel braucht nur einen USB-C-Stecker zu haben, und kann am anderen Ende einen Sonderstecker aufweisen. Würde Apple die Möglichkeit eröffnen, ein USB-C-zu-Lightning-Ladekabel anzubieten.

Nun gibt es neue Unruhe im Medienwald. Hintergrund ist, dass der Vizepräsident der EU-Kommission, Maroš Šefčovič, am 13. Januar in Straßburg gehalten hat, wie SPON hier meldet. Dort kündigte er die Veröffentlichung einer Studie an, die die Möglichkeiten zur Einführung eines Standards für Ladegeräte klären soll (dürfte die von mir oben erwähnte Studie sein).Er erklärte auch, dass die Kommission erneut regulatorische und nicht-regulatorische Möglichkeiten prüfen werde, um die Industrie zur Einführung eines Standards zu bewegen. Eigentlich eine Nicht-Aussage und man könnte zur Tagesordnung übergehen – es hat sich ja nix geändert.

Im Blätterwald gab es dann Schlagzeilen wie EU-Regeln dürften Apple zwingen, sich von seinen Ladekabeln zu verabschieden. Heise hat hier einen Artikel veröffentlicht, demzufolge Apple mit Nachdruck vor einer möglichen EU-Vorschrift für ein einheitliches Ladeverfahren für Mobilgeräte warnt. Und es gibt noch den nachgeschobenen Artikel USB-Entwickler über Apples Lightning-Stecker: “Wir waren zu träge”.

Phantomdiskussion am Thema vorbei?

Schaut man auf die Details, findet gerade eine Phantomdiskussion statt. Die EU hat nur das mal wieder aufgewärmt, was ich seit Jahren im Blog wiederholt angesprochen haben. Die Studie der EU soll Anfang Februar 2020 vorgelegt werden. Dann wissen wird zu deren Ergebnissen mehr. Ob die EU reguliert, und was das konkret bedeutet, steht dann immer noch in den Sternen. Neu ist lediglich, dass über USB-Typ-C-Anschlüsse statt microUSB nachgedacht wird.


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Bei Smartphones gibt es die microUSB-Ladeschnittstelle, und wenn ich mir die Apple-Welt so anschaue, gibt es bei neuen iPhone längst einen Adapter im Pfennig-Bereich, der es ermöglicht, ein USB-Ladegerät für das Laden dieser Geräte zu verwenden. Für die alten iPads in meinem Haushalt habe ich ähnliche Adapter für den Dock.

Bei den neuen iPads der 3. Generation (iPad Pro 11 und 12,9 Zoll) gibt es den USB-C-Anschluss, über den nun von der EU-Kommission mal nachgedacht wurde. Bei den Macs ist der Anschluss wohl auch vorhanden. Und beim iPhone? Hier gehen mir Meldungen im Kopf herum, dass Apple ab 2021 neue Modelle gänzlich ohne Lightning-Anschluss plant. Die werden kabellos geladen, und der Datentransfer erfolgt per WiFi oder Mobilfunk. Also sehe ich das Ganz aktuell als unnötige Phantom-Diskussion, die uns keinen Schritt weiter bringt. Oder wie schätzt ihr das ein?

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4 Antworten zu Apple, die EU und die USB Typ C-Schnittstelle


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  2. Alitai sagt:

    Apple wird zu USB-C wechseln und der wird für immer bleiben. Den zu entfernen halte ich für BS.

  3. Ärgere das Böse! sagt:

    Ladegeräte gibt es nicht nur für die Dööfi-Phones. Fotoapparate haben auch eines, und eine Menge anderer Dinge werden auch ein Ladegerät brauchen.

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  5. Puffer sagt:

    USB-C halte ich als Standard für sehr praktikabel. Ich habe letztes Jahr ein neues Notebook gekauft, dass bereits über diese Buchse geladen wird und nebenbei darüber das Thunderbolt 3 Protkoll unterstützt.
    Auch mein Google Pixel 3 wird über USB-C geladen, weswegen ich ein Netzteil (das auch 5W und 10W Laden unterstützt) für beide Geräte verwenden kann.

    Ich begrüße alle Vereinheitlichungen, die weg von dem Kabeldschungel führen. Es ist doch inzwischen so, dass ich für meine Spiegelreflexkamera ein USB-Mini Kabel benötige, für einen USB Stick den USB-A Anschluss (der gefühlt immer falsch rum gesteckt wird) und für meine Maus einen Micro-USB Anschluss brauche. Also trage ich sämtliche Adapter oder verschiedenste Kabel mit mir herrum, wenn ich unterwegs bin.

    Noch dazu sammle ich endlos viele Netzstecker aus Hardware vergangener Tage, “da man sie ja vielleicht wieder brauchen könnte”.

    Da USB-C über eine sehr gute Transferrate zu heutigen Zeiten verfügt und eben darüber auch Strom ans Gerät kommen kann, halte ich es für eine Sinnvolle Überlegung auch auf die nächsten Jahre gesehen.

    Apple bricht sich keinen Ast ab, nicht mehr nur sein eigenes Süppchen zu kochen und seine Produkte mehr an die Mehrheit anzupassen…

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