Windows 7 / 10 verhindert Herunterfahren/Neustart (Feb. 2020)

win7[English]So mancher Windows 7-Nutzer stellt überrascht fest, dass das Betriebssystem plötzlich das Herunterfahren oder einen Neustart verhindert. Die Operation wird wegen fehlender Berechtigungen (You do not have permission to shutdown this computer) abgelehnt. Ergänzung: Nach Recherchen kristallisiert sich heraus, dass ein Adobe Creative Cloud-Update von Diensten für dieses Problem verantwortlich ist. Und es gibt einen Hinweise auf Bitdefender Total Security 2020. Ergänzung 2: Kann auch Windows 10 betreffen.


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Ich hatte dies die Nacht bereits bei askwoody.com gesehen, bin dann aber noch per Mail (danke dafür) sowie über Twitter gefragt worden, ob mir was bekannt sei.

Die ersten Meldungen scheint es auf reddit.com hier und hier gegeben zu haben.

Die Fehlerbeschreibung

Die betroffenen Benutzer bekommen beim Versuch, Windows 7 herunter zu fahren oder neu zu starten eine Fehlermeldung.

You do not have permission to shutdown this computer

You do not have permission to shutdown this computer

Windows 7 verweigert die Operation. Auf Twitter hat jemand diesen Tweet mit einem Screenshot dazu gepostet.


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Im Microsoft Answers-Forum findet sich zum 6. Februar 2020 dieser Thread, wo jemand den Fehler beschreibt. Auf reddit.com beschreibt jemand dies folgendermaßen:

Don’t have permission to shutdown

End of day I received a few calls with this error. Don’t see anything in event logs. After log off and reboot same issue. Doing a gpupdate in pc seemed to fix issue for now. Worried end of day Friday I may get a ton off calls

Has anyone else run into this?

Geht man im Internet nach diesem Fehler auf die Suche, gibt es Millionen an Treffern – teilweise aus 2013 und früher. Das ist also kein neuer Bug – es ist lediglich merkwürdig, dass er gerade jetzt auftritt. Und es scheint eine Reihe Nutzer von Windows 7 getroffen zu haben.

Einige Gedanken vorab

In Mails und Tweets wurde ich gefragt, ob das Update zum Fixen des schwarzen Desktop-Hintergrunds (siehe Windows 7: Update KB4539601 / KB4539602 fixes black Desktop) die Ursache sein könnte. Ich denke nein, denn die Probleme wurden wohl berichtet, bevor das Update freigegeben wurde.

Auf MS Answers gibt es die Vermutung, dass die am 14. Januar 2020 gepatchte crypt32.dll die Ursache sei (ist auf askwoody.com hier erwähnt). Ich halte das für unwahrscheinlich (siehe meinen Post auf askwoody), da das Sicherheitsupdate zum Schließen der Kryptografie-Schwachstelle für Windows 10 ausgerollt wurde (siehe Beitrag Windows: Neues zur NSA-Schwachstelle CVE-2020-0601 und dieses Microsoft-Dokument).

Im Web gibt es, nachdem die Kollegen bei Bleeping Computer und Catalin Cimpan bei ZDnet berichteten, jede Menge Artikel, die den Workaround mit gpedit.msc transportieren. Was alle Artikel nicht sagen: gpedit.msc ist in Windows 7 Home Edition nicht verfügbar – und  die in den Artikeln beschriebenen Schritte zum Anpassen der UAC GPO funktionieren nur unter Administratorkonten. Ich habe die Vorgehensweise unten in Fix #2 so beschrieben, dass es unter Standard-Benutzerkonten ebenfalls funktioniert.

Diverse Maßnahmen zur Reparatur

Es scheint mir, als ob dort die Berechtigungen für das Benutzerkonto kaputt gegangen sind.

Fix #1: Adobe Genuine Monitor Service

Ich habe im Internet mehrfach (hier und hier) gelesen, dass Adobe einen Dienst ‘Adobe Genuine Monitor Service’ (Teil der Adobe Creative Cloud) benutzt und dass es am 3. Februar 2020 ein Update gab. Der Dienst scheint zu prüfen, ob die Adobe-Software legal genutzt wird und scheint auch mit anderen Adobe-Programmen installiert zu werden. Ein Benutzer hat den Dienst deaktiviert, einen Neustart durchgeführt und das Problem war behoben. Er kann jetzt wieder per Startmenü herunterfahren.

Ein andere Administratoren hat seinen Nutzern den Ratschlag gegeben, den über den nachfolgend unter Fix 3 skizzierten Workaround zum Herunterfahren zu verwenden.

Ergänzung: Nachdem ich auch den englischsprachigen Beitrag erstellt hatte, bin ich bei weiteren Recherchen auf diesen Kommentar bei Bleeping Computer gestoßen. Dort bestätigt jemand, dass der Adobe Service bei einigen Computern genau das Problem verursacht hat. Er gibt an, dass die drei Adobe Dienste im Dienste-Manager zu stoppen und dann zu deaktivieren sind. Alles schließen, Abmelden und Windows neu starten.

Inzwischen gibt es auf MS Answers eine dritte Bestätigung meiner Theorie, dass die Adobe Creative Cloud mit einem Update das Problem verursacht (danke an Julia für den Hinweis).

Ergänzung 2: Bei Bleeping Computer gibt es diesen Nutzerkommentar, der angibt, dass BitDefender Total Security 2020 (wurde wohl am 6. Feb. 2020 aktualisiert, was mit den Meldungen harmoniert, diese Symptome verursacht. Deinstallation der Software behebt das Problem. Jemand, der das bestätigen kann?

Irgend etwas scheint Microsoft mit dem Sicherheitsupdate vom 14. Januar 2020 geändert zu haben, so dass Drittanbieter-Software-Pakete möglicherweise bei Updates diesen Kollateralschaden verursachen.

Fix #2: Gruppenrichtlinien überprüfen

Bei so etwas klingelt bei mir immer: ‘Eine Gruppenrichtlinie verhindert das Herunterfahren.’ Falls die obigen Hinweise nicht fruchten und die folgenden Fixes nicht gangbar sind, kann man die GPO für die Benutzerkontensteuerung anpassen. Unter Windows 7 Pro, Ultimate und Enterprise sollte man folgende Schritte versuchen:

1. Im Suchfeld des Startmenüs den Befehl gpedit.msc eintippen und dann den Gruppenrichtlinien-Editor über den im Startmenü angezeigten Treffer per Kontextmenübefehl Als Administrator ausführen starten und die Ausführung per Benutzerkontensteuerung bestätigen.

2. Im Gruppenrichtlinien-Editor in der linken Spalte zum Zweig Computerkonfiguration > Windows Einstellungen > Sicherheitseinstellungen > Lokale Richtlinien > Sicherheitsoptionen navigieren.

3. Dort die Richtlinie Alle Administratoren im Administratorbestätigungsmodus ausführen per Doppelklick anwählen und dann auf Aktiviert setzen.

Alle Administratoren im Administratorbestätigungsmodus ausführen

Im Anschluss lässt sich in einer administrativen Ausgabeaufforderung der Befehl:

gpupdate /force

eingeben, um die Übernahme der Richtlinienänderung zu erzwingen (denn ein Neustart ist ja nicht möglich). Der obige Ansatz ist in ähnlicher Form in diesem Beitrag (englisch) beschrieben und wird auf reddit.com referenziert.

Windows 7 Home Edition und Starter

Bei Windows 7 Home Edition und Starter gibt es keinen Gruppenrichtlinieneditor. Eine Möglichkeit ist, über die Systemsteuerung auf Benutzerkonten -> Einstellungen der Benutzerkontensteuerung zu gehen und dort den Schieberegler auf die 3. Stufe von unten zu stellen. Müsste helfen.

Für Nutzer von Windows 7 Home und Starter kann man die Anpassungen auch per Registrierungseditor vornehmen. Der Schlüssel ist:

HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Microsoft\Windows\CurrentVersion\Policies\System

Der DWORD-Wert EnableLUA ist auf 1 zu stellen. Das ist hier beschrieben.

Fix #3: Versuche über Strg+Alt+Entf

Es gibt Benutzer, wie z.B. hier, die angeben, die Tastenkombination Strg+Alt+Del zu drücken. In der angezeigten Seite Computer sperren gibt es rechts unten in der Ecke eine Schaltfläche, um Windows 7 herunterzufahren. Dort versuchen, ob das noch klappt.

Computer sperren

Die Kollegen bei Bleeping Computer haben hier noch einen weiteren Workaround in Form von Konten und Profile löschen erwähnt – sowie in einem Nachtrag die Schritte zum Deaktivieren der Adobe-Dienste beschriebe). Gleiches findet sich bei Catalin Cimpan auf ZDnet, wo aber nur der GPO-Ansatz skizziert wird. Ich tippe aber darauf, dass der oben erwähnte Adobe-Dienst (oder Bitdefender Total Security 2020) der Bösewicht ist. Jemand von euch betroffen, der näheres zu sagen kann?

Windows 10 auch betroffen!

Ergänzung: Inzwischen habe ich auf Twitter einen Rückmeldung über nachfolgenden Tweet bekommen.

Die Adobe Creative Suite (CC) verursacht den Fehler auch unter Windows 10.


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9 Antworten zu Windows 7 / 10 verhindert Herunterfahren/Neustart (Feb. 2020)


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  2. Nobody sagt:

    “…oder einen Neustart” verweigert ?

    • Alitai sagt:

      Korrekt…

      Schon ein komischer Fehler.
      Man findet alte Meldungen mit dem gleichen Fehler.
      Dort wurde in einem Blog der Wurm SASSER als Ursache erwähnt. Bin auch gespannt, ob es noch Updates für dieses Problem gibt.

      Gruss
      Alitai

  3. Tommy R. sagt:

    Herzlichen Dank für den umfassenden Artikel. Ich selbst nutze Win 7 nur noch auf einem alten Laptop der nicht mit dem Internet verbunden ist. Produktivsystem ist Windows 10.

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  5. woodpeaker sagt:

    Mal klassisch Fehlereingrenzug betreiben.
    Ging es am Tag zuvor noch?
    Dann würde ich den aktuellen Fix verdächtigen.

    • Günter Born sagt:

      Da die Leute im Amiland den PC wohl nur am Freitag herunter fahren, ist das etwas schwierig. Ich vertraue da schon auf die Stimmen, die die Adobe Dienste deaktiviert haben und dann ging es. Und wenn die .exe-Dateien der Adobe Dienste den 3.2.2020 als Datum tragen, spricht vieles dafür, dass da irgend eine Update von denen genau zu diesem Zeitpunkt zugeschlagen hat. Mag mich aber täuschen. Da ich nicht betroffen bin, kann ich auch nichts testen.

      • woodpeaker sagt:

        Gebe dir recht – mangels Fehler nicht testbar.
        Aber wer lässt denn heutzutage noch Updates automatisch aufspielen?
        Immer in homöophatischen Dosen und nach Erstellung eines Backups unter Aufsicht des Kapitäns. :-)

    • fre4kyC0de sagt:

      Aktuelle Windows-Fixes auf in Summe 7 Systemen (1x Ultimate x64, 1x Pro x64, 1x Home Premium x64 und 4x Home Premium x86) installiert (Ultimate hat Software diverser Art installiert, Pro ist eine VM mit Visual Studio 2013, die Home Premium sind Vereins-PCs, auf denen nur eine selbst entwickelte .NET-Software installiert ist). Keiner dieser Rechner hat das Problem (weder als Admin, noch als User).

      Viele Grüße

  6. Steter Tropfen sagt:

    In so einem Fall wäre es interessant, ob die Fehlermeldung auch auf deutschen Installationen den englischen Text bringt. Das wäre ein Zeichen, dass sie nicht vom Betriebssystem kommt.
    Ein Dialogfeld ist in gewissen Sinne das Fenster eines Programms. Mit etwas Glück ist es im Taskmanager gelistet, wenn schon die Titelzeile des Dialogfelds den Namen der Anwendung nicht verrät. Ich hatte mal mit einem Meldungsfenster „Process creation failed“ zu kämpfen und kam auf diese Weise dem „Absender“ auf die Spur.

  7. Markus K sagt:

    Entschuldigung, dass ich mich da jetzt Melden Muss:
    Das ist der neue Microsoft Weg um ein upgrade von Windows 7 via Mediacreation-Tool auf Windows 10 zu verhindern! :)

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