Windows 10X der nächste Flop für PCs?

Microsoft hat gerade bestätigt, dass man Windows 10X erst einmal für klassische PCs ausrollen werde. Das Dual-Display Surface Neo ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Spontan ging mir die Frage ‘haben wir gerade die Ankündigung zum nächsten Flop vernommen?’, durch den Kopf.


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Was war nochmals Windows 10X?

Ist womöglich ein Zeichen, dass ich so langsam zu alt für so einen Mist werde. Den verschwurbelten Begriff Windows 10X hatte ich zwar schon gelesen. Aber so ad hoc war ich nicht in der Lage, aus dem effeff zu benennen, was das eigentlich ist. Damit ist eigentlich der absolute Grundsatz aus dem Marketing verletzt, nach dem ein Produkt für den Kunden ‘wichtig, wahrnehmbar und dauerhaft’ sein muss, um Erfolg zu haben.

Ich habe dann im Internet und in meinem Blog gesucht, um Informationen zu bekommen. Im Blog-Beitrag Windows 10X (Emulator-Abbild) auf Hardware installieren muss ich mal was zu geschrieben haben. Kurz auf einen Nenner gebracht, schrieb ich damals:

Windows 10X ist Microsofts Versuch, Geräte mit zwei Bildschirmen unter Windows zu verwalten. Vor einigen Tagen haben die Redmonder daher einen SDK und einen Windows 10X Emulator zum Ausprobieren herausgebracht. Ich habe es nicht thematisiert, da ich es nicht so ganz spannend finde, mit einem Emulator für irgendwelche Vaporware zu experimentieren. Die Redaktion von heise hat diesen Artikel zum Nachlesen publiziert.

Gut, ich bin da gelegentlich etwas Borniert – lassen wir andere Leute zu Wort kommen. Bei windowsaere.de verspricht man hier vollmundig alles, was man über das neue Betriebssystem wissen muss. Schlechte Übersetzung eines englischen Artikels, von dem ich nach Lektüre nicht verstanden habe, wozu ich das brauche. Es sei denn, Windows 10X wäre zwingende Basis für ein Windows-Gerät mit zwei Bildschirmen – was ich aber auch nicht brauche.

Martin Geuß hat sich die Mühe gemacht, sich mit dem von Microsoft herausgegebenen Emulator zu quälen und diesen Artikel veröffentlicht. Es gibt bei Windows 10X keinen Desktop, sondern einen Launcher, auf dem man Apps anheften und starten kann. Wenn ich es richtig sehe, kann Windows 10X nur UWP-Apps und hat irgendwie auch die Möglichkeit, Win32-Anwendungen zu unterstützen.

Das Ganze segelte früher mal unter Core OS – Computer Bild hat hier einen Artikel zur Einordnung veröffentlicht, wo man einige Details entnehmen kann. Martin schreibt noch: Apps können unter Windows 10X nur im Vollbild-Modus laufen, d.h. sie füllen entweder den linken oder rechten Bildschirm und man kann sie per Drag and Drop hin und her schieben. Und das Ganze wird stark mit Microsofts Online-Diensten (Cloud) verwoben.

Windows 10X soll für ‘normale PCs’ kommen

Beim Lesen von Martins Artikel wurde mir wieder bewusst, warum ich mich nie für Windows 10X interessiert habe. Im Hinterkopf war: Gut, es wird irgendwann ein paar Prototypen mit zwei Bildschirmen geben und ein paar Leute mühen sich mit den Apps ab. Und wir werden ein paar Artikel im Internet zu dem Kram finden. Hatte ich achselzuckend zur Kenntnis genommen – wenn’s Spaß macht, bitte schön.

Bei der Recherche ist mir dann auch aufgefallen, dass Martin Geuß auf Dr. Windows die ‘Neuigkeit’ aus diesem Microsoft Blog-Beitrag, dass das Surface Neo auf ein Erscheinungsdatum nach Silvester 2020 verschoben ist und dass Windows 10X für klassische PCs kommt, bereits Anfang April 2020 bekannt gegeben hat.

Die Ab- und Ankündigung von Panos Panay

Damit ist dieser Blog-Beitrag von Panos Panay (vom 4. Mai 2020) im Grunde ein alter Hut. Er bestätigt, das Windows 10 Mai 2020 Update im Mai kommen soll, was wir längst wissen. Dann bestätigt er, dass man bei Microsoft die Prioritäten geändert habe, das Surface Neo kommt nicht in 2020. Und weil man so flexibel bei Microsoft ist, und die OEM-Partner wohl Druck machen, und man da jetzt eine unfertige Entwicklung namens Windows 10X für ein nicht verfügbares Dual-Display-Gerät hat, muss man sich was einfallen lassen. Weihnachten müssen ja ein paar neue Geräte unter dem Tannenbau liegen, wenn Corona nicht allzu tiefe Spuren hinterlässt. Und so verkündet Panos Panay, dass man Windows 10X erst einmal für normale Geräte mit einem Bildschirm ausliefern will.


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Ein Betriebssystem, was niemand braucht, für ein Produkt was es nicht gibt

Wenn ich die Berichte richtig verstanden habe, wird Windows 10X nur über OEMs ausgeliefert werden – Endanwender bekommen das nicht. Ein Betriebssystem, was man imho nicht braucht, für Geräte (mit zwei Bildschirmen), die es nicht gibt, als Notnagel für andere, abgespeckte Geräte zu verkaufen, ist so ungefähr das dümmste, was man machen kann. Der Umstand, dass ich als vermeintlich IT-affiner Mensch ad-hoc nicht die Vorteile von Windows 10X benennen und das Produkt einordnen kann, sprechen Bände. Wie soll Otto-Normalnutzer das auseinander halten?

Ich mag mich täuschen, aber aktuell sehe ich Windows 10X auf der ‘Erfolgsschiene’ von Windows RT, Windows 10 Mobile und Windows 10S. Cool finde ich es trotzdem, so kann ich als Blogger verfolgen, wie Microsoft das nächste Projekt an die Wand fährt. Vielleicht fällt man wieder ein Blog-Beitrag ab. Oder was habe ich jetzt essentielles an diesem Windows 10X übersehen?


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9 Antworten zu Windows 10X der nächste Flop für PCs?

  1. Georg S. sagt:

    „….., dass ich so langsam zu alt für so einen Mist werde.“
    Nein, es ist die persönliche Lebenserfahrung bzw. Altersweisheit!

    Aber vielleicht soll das X bei Windows 10X für Exit stehen?
    Bei Windows XP stand XP für Experience.

  2. Mira Bellenbaum sagt:

    Windows 10X erinnert mich irgendwie an diese blöden Kisten aus den 80’ern!
    Bildschirm, Tastatur und Maus, das eigentliche System stand irgendwo anders.
    Im Prinzip läuft es auf etwas Ähnliches heraus!
    Der User hat 0 Kontrolle, der „Verwalter“ des Systems ist wie „Gott“.
    Er bestimmt, was Du darfst oder zu lassen hast.

  3. Steter Tropfen sagt:

    Naja, zwei Bildschirme trifft es scheinbar nicht ganz: Das eine soll ein richtiger Bildschirm sein, das andere eine Multifunktionsfläche, was man bereits als „Tablet“ kennt. Mal mit eingeblendeter Tastatur, mal mit anderen Bedienelementen, und eben durch Berührung steuerbar (neudeutsch „Touch-Oberfläche“).

    Eine flexible Bedienfläche und eine separate pure Präsentationsfläche.
    Im Prinzip hat das was (wobei das Text-Tippen auf eine harte Oberfläche niemals ergonomisch sein wird, aber für die zunehmend üblichen einzeiligen Geistesergüsse reicht’s): Z.B. ein Mediaplayer ohne das lästige „On-Screen-Display“ und ohne für sämtliche Betrachter sichtbare Steuerschaltflächen. Davon träume ich, seit ich meine Medien nicht mehr in speziellen Geräten, sondern mit dem Rechner wiedergebe!

    – Wenn da nur nicht „Windows 10“ vorn dran stünde, zusammen mit zig Restriktionen wie die Beschränkung auf ein paar wenige Äpps aus dem hauseigenen Store.
    Gerade die Selbständigkeit und Flexibilität war für mich der Grund, nicht auf fertige Internetradios oder DVB-Recorder zu setzen, sondern auf den Alleskönner PC.

  4. Ärgere das Böse! sagt:

    ich habe Windows 10 Pro mit 3 Bildschirmen, und es funktioniert. auf meinem 2. PC do. mit 2 Bildschirmen.
    Das 10 X ist vielleicht ein falsch abgespecktes 10, man hat die Muskeln entfernt, anstatt das Fett. Also noch schlimmer als die Home-Version.

  5. PRISM sagt:

    Vielleicht läuft das ja auch meinen Lenovo ThinkPad W701. Das hat nehmlich 2 Bildschirme :D:D

    https://www.techfieber.de/2010/02/24/lenovo-thinkpad-w701-grafik-notebooks-mit-core-i7/

  6. Heiko sagt:

    Windows 10X ist nichts anderes als der Versuch Microsofts, ein Windows-artiges, verschlossenes Betriebssystem neben Chrome OS und macOS zu platzieren. Die Einschränkungen gegenüber Windows 10 sind massiv. Windows 10X soll also übersetzt ein DAU-Betriebssystem werden, eben für Leute, die von Computer und Co. keinen blassen Schimmer haben und sich damit auch nicht auseinandersetzen wollen.

    Dass Microsoft abermals versagt, ist auch nicht verwunderlich. Nach nun gut fünf Jahren ist Windows 10 noch immer in einem desaströsen Zustand. Kein einheitliches UI, kein einheitliches GUI, immer wieder Treiberprobleme, jüngst spinnt bei mir OneDrive (obwohl weder installiert noch sonst irgendwie in Verwendung) rum und verursacht Systemabstürze, dazu die Microsoft-übliche Uneinsichtigkeit.

    Unter Satya Nadella hat das Unternehmen extrem stark abgebaut. Es gilt die Cloud als Eier legende Wollmichsau irgendwie vom Eis zu holen. Die Kunden sollen sich gefälligst selbst in einem geschlossenen Ökosystem aus dem Hause Microsoft einschließen.

    Lock-in-Effekt nennt man das.

  7. Dekre sagt:

    Wenn ich das alles richtig lese ist das nichts für sog. Stand-PC mit separaten Bildschirmen. Es ist wohl was für Notebook, Tablet und so was und dafür müssen wohl die Geräte 2 Bildschirme eingebaut habe. Die Geräte müssen dann auch noch produziert werden.

    Wenn ich den Artikel von ComputerBild lese, so hat es höhere Hardwareanforderungen. Sollte es wirklich auch für Stand-PC „zwangsweise“ später kommen, so wird es wohl auf den Großteil der PCs die gerade auf Win10 gewechselt haben, nicht laufen.

    Erfahrungsbericht mit Stand-PC und Win10:
    Ich habe eine Grafikkarte von Nvidia NVS 310 für 2 Bildschirme. Die Steuerung der Teilung der Bildschirme und das verschieben geht über das Programm nview. Windows selbst hat wohl das auch, die Hintergrundbilder kann man besser aufteilen. HP hat für die Monitore auch so ein Programm wie nview. Das heißt HP Display Assistant. Das spinnt aber immer und ist mit nview überflüssig.
    Bestimmte Programme machen mit nview Probleme, insbesondere wenn diese im Vollbildmodus laufen. Mit Umstellung auf Win10 musste ich feststellen, dass bei Vollbildanwendung diese mit dem Bildschirmschoner Probleme machen.

  8. OwenBurnett sagt:

    „Gut, ich bin da gelegentlich etwas BORNiert.“
    Ja was den sonst Herr Born LOL
    das steckt schon im Nahmen

  9. Triceratops sagt:

    Windows 10X auf einem PC ist in etwa so sinnvoll, wie eine Kuh im Schweinestall. Mehr muss ich dazu nicht sagen.

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