Virtualisierung: Neue Office-Versionen als Performance-Killer

[English]Wie schaut es eigentlich mit der Performance neuer Versionen von Microsoft Office aus? Gefühlt wird jede neue Version fetter und behäbiger. Mir ist gerade eine interessante Auswertung von VMware für Office in virtuellen Desktop-Infrastruktur (VDI) Umgebungen unter die Augen gekommen, die den Eindruck bestätigt und die ich euch nicht vorenthalten möchte.


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Microsoft schiebt ja die Nutzerschaft auf Microsoft Office 365 und modernisiert dieses Produkt monatlich an allen Ecken und Enden. Aber die vielen Neuerungen in den letzten Office-Versionen haben ihren (Performance-) Preis. Es ist nicht alles besser und wer Office in einer VDI-Umgebung virtualisiert, sollte die Kenndaten kennen.

Benchmarking von Office in VDI-Umgebung unter vSPhere

Denn Microsoft Office ist eine häufig installierte Produktivitätssuite in der Umgebung der virtuellen Desktop-Infrastruktur (VDI). Im Laufe der Jahre werden mehrere Office-Updates veröffentlicht, und Unternehmen wählen Office-Versionen auf der Grundlage ihrer Funktionsanforderungen und Leistungsanforderungen aus. Für einen Benchmark kann man sich bisher erschienen Office-Varianten, in einer VDI-Umgebung mal ansehen – lässt ggf. auch Schlüsse auf Office 365 zu.

Die Leute von VMware haben genau das getan und die Office-Versionen 2013, 2016 und 2019 in Bezug auf den Ressourcen-Hunger in virtuellen Maschinen (VDI-Umgebung auf vSphere) in einem Benchmark verglichen. Für den Test verwendeten die Tester den VMware View Planner, um die Leistungs- und Skalierbarkeitsgrenzen einer VDI-Umgebung mit Anwendern zu vergleichen, die Office 13, Office 16 und Office 19 ausführen. Ich bin über nachfolgenden Tweet auf den verlinkten VMware-Bericht mit den Ergebnissen gestoßen.

Office-Performance

Die obige Grafik zeigt bereits die Tendenz: Während Microsoft Office 2013 noch ‘rennt’, hat Office 2016 bereits eine Leistungseinbuße gebracht, die sich dann bei Microsoft Office 2019 nochmals gravierend fortsetzt. Bezieht sich zwar auf VDI-Umgebungen in vSphere, dürfte aber in anderen Virtualisierungsumgebungen und auf Bare-Metal-Maschinen genau so sein.

Testbed-Hardware und -Software

In den Tests verwendeten die VMware-Leute einen Zwei-Sockel-Knoten mit der folgenden Konfiguration:

Prozessortyp Intel Xeon Gold 6140-Prozessor @ 2,30 GHz
Logische Prozessoren 72
Speicher 766,46 GB
Speicher 2,91 TB (SSD)
vSphere/ESXi Version 6.7.0
View Planer/Benchmark-Version 4.5


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Konfiguration der virtuellen Maschine (VM)
Darüber hinaus wurde eine VM mit folgendem konfiguriert

vCPUs 2
Speicher 4 GB
Speicherplatz 50 GB

In den Leistungstests wurden folgende Microsoft Office-Versionen verwendet:

Microsoft Office 13 – 15.0.4420.1017
Microsoft Office 16 – 16.0.4266.1001
Microsoft Office 19 – 16.0.12827.20200

Außerdem haben die Tester eine Basis-VM mit dem VMware OS-Optimierungstool optimiert und mit dem VMware Horizon-Pool sofortige Klone erstellt.

Beschreibung des Tests

Um die Auswirkungen verschiedener Office-Versionen auf die Leistung zu messen, haben die VMware-Leute einige Experimente mit dem VMware View Planner durchgeführt und die folgenden Parameter für jede Office-Version verglichen:

  • VM-Konsolidierung (wie viele VMs auf einem einzelnen vSphere-Host ausgeführt werden können)
  • CPU-Auslastung
  • Speichernutzung
  • Datenspeicher IOPS

In den Tests wurde das View Planner Standard-Profile verwendet, das Microsoft Office-Workloads wie Excel, Outlook, Word und PowerPoint sowie andere häufig verwendete Anwendungen wie Google Chrome und Adobe Acrobat Reader umfasst.

Das Hauptergebnis dieser Tests wurde bereits mit der Grafik aus obigem Tweet deutlich: Wir können einen signifikanten Rückgang der VM-Konsolidierungszahlen von Microsoft Office 19 im Vergleich zu Office 16 und Office 13 feststellen. Vielleicht ganz interessant, falls jemand sich mit VDI-Umgebungen auseinander setzen muss.

Ergänzung: Der Bericht mit den Details wurde leider gelöscht – möglicherweise war der Benchmark unerwünscht. Im Google Cache oder Wayback gibt es keine Kopien. Falls Bedarf besteht, ein Leser hat mir den Report als PDF-Kopie zukommen lassen, ich könnte den für einige Tage bereitstellen (ggf. einen Kommentar hinterlassen, obwohl das Beef bereits aus obiger Grafik hervorgeht).


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12 Antworten zu Virtualisierung: Neue Office-Versionen als Performance-Killer


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  2. 1ST1 sagt:

    Interessanter Vergleich, aber eine 4 GB VM ist auch schon seit Jahren nicht mehr praxisgerecht, die swappt ja öfters, was wiederum iops kostet. Mehr RAM für die einzelne VDI kostet halt auch RAM auf dem Host, muss man halt passend dimensionieren… Was ich auf jeden Fall beobachtet habe, ist dass Office 2019/365 beim Speicher auf Terminalservern schlechter skaliert, als ältere Versionen. Scheinbar liegt das daran, dass Office 365 scheinbar Binaries im Benutzerprofil anlegt und ausführt. So ganz habe ich das noch nicht verstanden, aber Terminalserver sind normalerweise in der Lage, gleichen Code, den verschiedene Benutzer ausführen, z.B. word.exe, zwischen den Nutzern zu teilen. Jeder bekommt seine (Laufzeit-)Daten (das ist dann das was man im Taskmanager pro User sieht), aber die word.exe liegt nur einmal im RAM. Das geht aber z.B. bei Teams nicht mehr, weil da die Exe-Dateien und DLLs usw. im Benutzerprofil liegen, das sind dann unterschiedliche Dateien, die der Terminalserver nicht mehr teilen kann. Extrem speicherfressend… Noch schlimmer ist das auch auf Citrix-VDIs, die per Provisioning-Server ausgelifert werden, Dann liegen diese Teams-Dateien ständig im Writecache, der bei jedem Reboot der VDI wieder gelöscht wird, oder im Roaming-Profile des Nutzers. Ganz schlecht für die Performance…

    • Johnripper sagt:

      Die per User Installation war schon bei OneDrive Quatsch und auf per Maschine umgestellt. Bei Teams geht das mW zwischenzeitlich auch, aber nur in virtuellen Umgebungen.

  3. Robert sagt:

    Dann täuschte mich der Eindruck vom langsamer werdenden Office, insbesondere Excel über die Jahrzehnte nicht. Ein scherzhafter Test für Windows, wie bald man nach Strg+Alt+Entf mit Enter bestätigen darf, weist ähnliche Trägheit auf.

    Das Schwergewicht wird beeindruckender, wenn man sich die Entwicklung auf Prozessor-Ebene in Assembler am anderen Ende ansieht. Bei der gestrigen Sichtung der verbliebenen VMs zeigte Menuet OS 2,9 Megabyte, wobei das OS selbst auf Diskette passt. Ich vermutete ein Problem und habe es nach Ewigkeiten gestartet. Neben Betriebssystem gibt es eine gefällige GUI, Applikationen, Mail, Browser, Spiele (D0om), technisch/grafische Demos, Unterstützung bis hin zu DVB-T etc…… auf 1,44 MB! So kann das also aussehen, wenn man die PS der Prozessoren kennt und beherrscht.

    Teams als eine jüngere Entwicklung von MS hatte kürzlich bei einem Call mit 8 Leuten unglaubliche 1,2 GB RAM-Nutzung auf der Uhr. So einen Output kann nur noch “Zusammenklicken” sein, mit Programmierung erzeugt man nicht so viel Code ;-)

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  5. Micha sagt:

    Das ist richtig. Im Vergleich mit Office 2016 rennt Office 97 dem um Welten davon. Ein Excel Dokument unter Windows XP mit Excel 97 auf einen alten Core 2 duo mit 1GB RAM und onboard Intel GMA öffnen geht um Welten schneller als unter Windows 10 mit Office 2016.

    Da hilft dem Modernen Lenovo PC auch keine SSD ein Intel® Core™ Prozessor der 9 Generation und 8GB RAM weiter.

    Es ist ein Armutszeugnis das die ständig steigende Rechenleistung nur bedingt dazu führt das Programme schneller laufen.

    • 1ST1 sagt:

      Man darf dabei allerdings nicht vergessen, dass ältere Officeversionen im Hintergrund weder Rechtschreib- noch Grammatik- noch Stilanalyse machen und auch keine Vorschläge zur Verbesserung anzeigen, si so gut treffen, wie es heute der Fall ist. Word ist heute viel intelligenter geworden. Das kostet natürlich Speicher und Rechenzeit. Trotzdem starten die einzelnen Office-Anwendungen wesentlich schneller als früher.

  6. Nobody sagt:

    Jetzt weiß ich auch, warum meine mit Office 2003 angefertigten Briefe fertig sind, kaum dass der Betreff geschrieben ist.

  7. Walter G. sagt:

    Die Ergebnisse lassen sich genauso auch bei älteren Versionen nicht nur von Office, sondern auch von Windows feststellen. Seit meinem Umstieg auf Linux habe ich einen guten Vergleich mit diesen VMs unter VirtualBox:

    Windows XP 32 Bit mit Office XP (3 GB RAM)
    Windows 7 Home 64 Bit mit Office XP 32 Bit (4 GB RAM)
    Windows 7 Home 64 Bit mit Office 2013 32 Bit (4 GB RAM)

    Anhand von selbst geschriebenen Excel-Makros lassen sich die Geschwindigkeiten gut miteinander vergleichen. Was unter Windows XP in ca. einer halben Sekunde abläuft, benötigt unter Win 7 mit Office XP die doppelte Zeit und mit Office 2013 mindestens 2 Sekunden. Auch beim Starten von Windows und Office sind die Unterschiede deutlich erkennbar. Noch deutlicher gestaltete sich der Unterschied bei der Installation unter Windows 7. Office 2013 benötigte etwa die vierfache Zeit gegenüber Office XP. Obwohl eine gleiche Ausgangsbasis bei Windows 7 war, ist die VM mit Office 2013 um 5 GB größer als bei Office XP. Soviel mehr Funktionalität gibt es bei Office 2013 nicht, die 5 GB rechtfertigen würden. Was da noch so alles insgeheim mitinstalliert wurde, überlasse ich den Gedankenspielen der Leser.

  8. CR sagt:

    Hat VMware den Artikel entfernt?
    > Bekomme immer eine 404.

    Linkaufrufe von hier und aus dem VMware Tweet: https://blogs.vmware.com/performance/2020/10/microsoft-office-performance-with-vdi.html

    • Günter Born sagt:

      Sieht mir so aus – habe mir leider keine Version aufgehoben und die haben auch alle Cache-Versionen entfernen lassen. Könnte mir vorstellen, dass es Ärger gab – Benchmarks mögen manche Leute nicht … die grobe Aussage geht aber aus dem Artikel hervor.

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