Microsoft Kontensperren: Das sagt der Anwalt …

ParagraphIch hole mal ein altes Thema erneut aus der Gruft: Es geht um willkürlich von Microsoft, wegen angeblicher Verstöße, gesperrter Microsoft-Konten. Ich halte das Thema ja zusammen mit Martin Geuß etwas am Köcheln – und Martin hat nun einem Anwalt einige Fragen zum Thema stellen können.


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Microsoft-Kontensperren, worum geht es?

Microsoft versucht seine Nutzerschaft verstärkt in Richtung Online-Konto (Microsoft-Konto) zu schieben. Microsoft Office lässt sich in neueren Versionen ohne Microsoft-Konto nicht mehr verwenden, Windows 10 versucht Anwender beim Setup mit allen Tricks auf ein Microsoft-Konto zu locken. Microsoft verlangt für viele Aktivitäten zwar die Registrierung und Nutzung eines Microsoft-Kontos (Online-Konto), behält sich aber vor, dieses Konto von jetzt auf Gleich sperren und deaktivieren zu dürfen.

Und diese Kontensperrungen kommen in der Praxis vor, wie ich im Artikel Tretmine Microsoft Konto: Willkürliche Sperre bei Online-Funktionen berichtet habe. Dort können ‘Nacktfotos’, die automatisch auf ein OneDrive hochgeladen werden oder die Verwendung eines VPN-Zugangs schon für eine Sperre ausreichen. Noch kruder wird es bei Microsoft-Konten für Microsoft Office, die ohne Mobilfunknummer gesperrt werden (siehe Werden Microsoft-Konten von Office ohne Telefonnummer gesperrt?).

Für den Betroffenen bedeutet das den ‘digitalen Tod’ und möglicherweise auch finanzielle Verluste. Allerdings hat ein deutscher Betroffener erstmals Klage gegen Microsoft Irland als Vertragspartner eingereicht. Ich hatte das im Blog-Beitrag Klage gegen willkürliche Microsoft Kontensperre aufgegriffen und stehe mit Martin Geuß (Dr. Windows) hinter den Kulissen wegen der Thematik im Kontakt.

Was meint der Anwalt zu diesem Thema?

Zu meinen Artikeln hier im Blog oder bei Golem (Digitale Amnesie durch willkürliche Kontensperrungen und Sperrt Microsoft neue Konten, wenn die Telefonnummer fehlt?) gab es ja zahlreiche Anmerkungen von Lesern ‘bezüglich der Rechtslage’. Ergiebiger ist es aber, einen ausgewachsenen Rechtsanwalt zu befragen. Am besten natürlich den Rechtsanwalt, der die Klage gegen Microsoft Irland in der Sache vertritt. Ich wusste von Martin Geuß, dass er ein Gespräch mit diesem Anwalt führen und dann darüber berichten wird. Gestern kam eine Mail von Martin, mit der Information, dass er seinen Beitrag nun online gestellt habe und ich berichten könne. Hier die Kurzfassung:

  • Darf ein Konto ohne Begründung gesperrt werden? Es gibt keine ‘Begründungspflicht’, so der Anwalt, dieser sieht aber eine Hinweispflicht, in welche Richtung der Verstoß begangen wurde.
  • Dürfen alle Dienste gesperrt werden? Ein deaktiviertes Microsoft-Konto entzieht den Leuten ja den Zugang auf alle Microsoft Dienste. Hier sieht der Rechtsanwalt keine Handhabe, dass Microsoft so etwas wie eine allumfassende Sperre zivilrechtlich durchsetzen könne. Was Microsoft macht, ist also Willkür und Raubrittertum.
  • Muss Microsoft gespeicherte Daten zugänglich machen? Wer Daten auf seinem OneDrive gespeichert hat oder Outlook als Dienst für Mails nutzt, kommt nach einer Kontensperre nicht mehr an diese Daten heran. Auch hier ist die Meinung des Rechtsanwalts, dass die Daten nach der Sperre dem Kunden zugänglich gemacht bzw. ausgehändigt werden müssen. Hier liegen mir aber Leser-Rückmeldungen vor, denen nach einer Sperre vom Support eine kurzzeitige Freigabe zum Sichern der betreffenden Daten eingeräumt wurde.

Die Positionen des Rechtsanwalts, der den Kläger vor einem deutschen Gericht gegen Microsoft Irland vertritt, ist also eindeutig. Microsoft dürfte in diesem Verfahren wegen einer willkürlichen Kontensperre den kürzeren ziehen.

Das ist die gute Botschaft, kommen wir nun zu den  schlechteren Nachrichten. Wenn Microsoft sperrt, sieht man als Nutzer erst einmal alt aus. Man kann den Klageweg beschreiten – was aber, laut Martins Ausführungen, wegen des wohl erforderlichen Marschs durch alle Instanzen bis zum BGH so zwischen drei bis sieben Jahre dauern kann. Der Anwalt vermutet, dass Microsoft vorher eine möglichst geräuschlose Klärung der Einzelfälle anstrebt.

Details könnt ihr bei Martin Geuß in diesem Artikel nachlesen. An dieser Stelle mein Dank an Martin, der das Thema federführend im Fokus behält und entsprechend aufbereitet.


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10 Antworten zu Microsoft Kontensperren: Das sagt der Anwalt …


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  2. A. Non sagt:

    Für “Daten in der Cloud” gilt dasselbe wie “kein Backup”, also kein Mitleid.

    • Günter Born sagt:

      Das ist deutlich zu kurz gedacht. Ein OneDrive, welches dem Anwender bei einem unbedarften Klick seine Dateien in der Cloud synchronisiert und zur Kontensperre führt, schneidet den Betreffenden ggf. auch von seinem Mail-Konto ab. Wird das für weitere Authentifizierungen benutzt, sieht es düster aus.

      Zur Sache an sich: Es ging im Beitrag um die juristische Einschätzung eines Sachverhalts und weniger um deine Einschätzung zu irgendwelchen Backups aus der Cloud.

      • Buchhalter sagt:

        Wer seine Daten auf fremder Hardware speichert, der hat die Daten bereits hergegeben. Und wer noch dazu den Zentralschlüssel in einem “Konto” ablegt, dem ist nicht mehr zu helfen. Das bezieht sich nicht nur auf M$!

        In diesem Sinne kann ich mich nur A.Non anschließen:
        KEIN MITLEID!

        Am besten wäre es, wenn dieser M$ – Schrott einmal für eine Woche in einem größeren Gebiet (z.B. Deutschland) ausfallen würde. Vielleicht kapieren dann wenigstens ein paar dieser … User, daß man seine Daten nicht einem Dritten geben soll.

        Und wenn A.Non meint, daß dieses Cloud – Gedöns ebenso sträflich ist, wie das Versäumnis einer ordentlichen Datensicherung, dann ist dieser Vergleich mehr als angebracht. Beides ist der pure Wahnsinn!

        Zur Erinnerung Murphys Law:
        Anything that can go wrong will go wrong.

        Mir fällt zu M$ – Konto und geCloud immer folgendes ein:
        Tand, Tand, ist das Gebilde von Menschenhand.

        Eigentlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Hexen wieder einmal so richtig tanzen. Murphy hat es uns ja schon versprochen.

        Danach wird die “juristische Einschätzung” niemandem mehr helfen. Die Daten sind dann mehr oder weniger “weg”.

        • Günter Born sagt:

          Again: Welchen Mehrwert trägt dein Kommentar jetzt zum Thema des Artikels bei? Ich habe da schlicht Verständnisprobleme …

          denn es geht im Artikel nicht um technische Sachverhalte, sondern um die Frage der juristischen Einschätzung, ob ein Anbieter detailliert über Sperren informieren muss, ob er alles sperren darf und ob er Zugriff auf die Daten zur Sicherung gewähren muss.

    • Ärgere das Böse! sagt:

      Exakt!
      Wenn Cloud, dann eigene Cloud.

  3. oli sagt:

    Problematisch ist das vor allem für Laien und kleine Firmen, die keine Ahnung haben, dass man einen Windows PC auch ohne MS-Konto betreiben kann. Auch MS Office ist bei vielen “Briefschreibern” nur aus Gewohnheit die erste Adresse, Alternativen gibt es ja genug.

    Bei Firmen ist ein Umstieg im Office-Bereich natürlich nicht immer so einfach, hier bremst häufig auch eher eingesetzte Branchensoftware (Warenwirtschaft etc.) den Umstieg, die MS Office teilweise als Voraussetzung haben. Ich hoffe mal, dass es im Zuge der DSGVO jetzt häufiger zu Konflikten in den Unternehmen kommt, damit auch mehr Druck auf die Softwarehersteller entsteht, solche Abhängigkeiten zu vermeiden.

    • Dat Bundesferkel sagt:

      Es hat sich schon beim BDSG nichts getan, die DSGVO ist im Vergleich dazu auch nichts Besonderes (außer, daß man “theoretisch” mal hart bestrafen “könnte”).

      Mittlerweile sehe ich in vielen Unternehmen, daß die anfängliche Furcht und Panikmache vor der DSGVO einer absoluten Gleichgültigkeit gewichen sind. Es interessiert keinen, da nicht geklagt wird. Es hat keine nennenswerten Folgen, wenn Verstöße vorliegen, darum wird weiterhin geschludert, wie bisher.

      Hauptsache “dem Pöbel” wurde mit medienwirksamen “jawoll, denen zeigen wir’s jetzt” Genüge getan. :D

      Und ansonsten: Ja, egal in welcher Branche – alle relevanten Anwendungen bieten lediglich Schnittstellen zu Microsoft Office (teils sogar nur 32-Bit) und / oder setzen einen MS SQL Server voraus… gilt auch für meinen selbständigen Kollegen (RA).

      Otto Normal müßte eigentlich auch mit LibreOffice hinreichend gut arbeiten können. Und ernsthaft: Ob ich nun mit Word 6.0 von anno dunno, oder Word 2019 arbeite – der gedruckte Text sieht gleichermaßen gut / bescheiden aus… nur, daß das alte Word auf einem 486er flüssig lief und man heute fast ‘n Threadripper für flüssiges Arbeiten benötigt*.

      * … ich liebe überspitzte Vergleiche. :D

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  5. woodpeaker sagt:

    Mir wird Linux immer sympathischer. ;-)

    • Tom sagt:

      Was hat denn nun Linux mit dem Sachverhalt hier zu tun? Nichts!
      Das kann dir bei Linux genauso passieren, dass du da irgend einen Online dienst verwendest, der dann dein Konto sperrt und du dann nicht mehr an deine Daten ran kommst.
      In dem Fall hier ist es Microsoft kann aber jeder x-beliebige Online Dienst sein. Irgendein Mail Anbieter oder irgendwas anderes.

  6. uwe sagt:

    Erste Reaktion: Kein 0,nix Mitleid mit Jemanden, der solch Konten und oder Cloud verwendet! Das bezieht sich aber nur auf kundige Menschen. Es gibt viele Nutzer, die sind sich der Materie, Online Konto, Cloud rein nicht bewusst. Weder, das da ihre Daten komplett Fremden zugängig sind noch, dass sie diese Daten verlieren können.

    Es muss eine klare Schulung geben, derartige Dinge nie zu nutzen!

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