Python-Erfinder geht zu Microsoft

Kleine Information zum Wochenabschluss: Der Erfinder der Programmiersprache Python, Guido van Rossum, hat seinen Ruhestand sausen lassen (war ihm zu langweilig) und hat bei der Developer Division von Microsoft angeheuert. Aufgabe: Python zu verbessern. Hier ein paar Informationen 'aus der Gruft'.


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Es gibt sie noch, die richtigen Geschichten, die das Leben so schreibt. Es war nur ein kleiner Tweet von Guido van Rossum, den man früher als 'die Hölle friert zu' einsortiert hätte, aber heute ist das normal.

Der am 31. Januar 1956 geborene Guido van Rossum ist ein niederländischer Softwareentwickler, der 1982 an der Universität von Amsterdam seinen Master-Abschluss machte. Van Rossum wurde als Autor der Programmiersprache Python bekannt, deren Entwicklung er bis zu seiner, aus eigener Initiative veranlassten, Emeritierung im Juli 2018 leitete. Über den Ursprung von Python schrieb van Rossum 1996 (laut Wikipedia):

Vor über sechs Jahren, im Dezember 1989, suchte ich nach einem Programmierprojekt, das mich über die Weihnachtswoche beschäftigen würde. Mein Büro würde geschlossen bleiben, aber ich hatte auch zu Hause einen PC und sonst nicht viel zu tun. Ich entschied mich, einen Interpreter für die Skriptsprache zu schreiben, über die ich kürzlich nachdachte: Ein Nachfolger von ABC, der auch Unix- und C-Hacker ansprechen würde. Ich wählte Python als Arbeitstitel für das Projekt, weil ich in einer leicht respektlosen Stimmung (und ein großer Fan des Monty Python's Flying Circus) war."

Ist so ein typisches Feiertags-Projekt eines Informatikers. Weckt hier Erinnerungen an 1987/1988, wo ich mir am Wochenende einen IBM PC/XT der Firma auslieh, um richtig (Turbo) Pascal zu lernen und als Fingerübung einen 80×86/Z80 Disassembler von Basic nach Pascal portierte. Hat aber nicht den durchschlagenden Erfolg von Python gehabt, obwohl ich das Ergebnis in Form von zwei Artikeln an eine Zeitschrift verkauft habe und dafür über Tausend Mark Honorar erhielt. Diente dann, zusammen mit den mageren Einnahmen meines ersten Buches, zur Finanzierung eines ersten eigenen DOS-PCs, eines Amstrad PC-1520 (1512-Variante mit 20 MByte Festplatte). Wat'n Mist aber auch, ohne den Schlenker wäre ich Hufschmied geworden, ich glaube, mich tritt ein Pferd. 

Später arbeitete van Rossum an verschiedenen Forschungsinstituten, einschließlich des niederländischen Centrum Wiskunde & Informatica, des National Institute of Standards and Technology (NIST) (Gaithersburg, Maryland) und der Corporation for National Research Initiatives (CNRI) (Reston, Virginia). Ab Dezember 2005 war van Rossum für Google tätig, ab Januar 2013 für Dropbox.

Im Oktober 2019 ging van Rossum in den Ruhestand, musste aber feststellen, dass das total langweilig ist (hehe, habe ich jetzt mal interessiert zur Kenntnis genommen). Jedenfalls hat Van Rossum jetzt in obigem Tweet bekannt gegeben, dass er sich wieder vom Ruhestand verabschiedet und bei Microsoft im Entwicklungsbereich angeheuert hat. Bei Microsoft, sagt van Rossum, wird er daran arbeiten, "Python mit Sicherheit besser zu machen (und nicht nur unter Windows)". Techcrunch hat hier einige Worte dazu verloren.

Ich habe mal geschaut, Python ist bei Microsoft ganz gut im Geschäft. Hier mal einige Links:

Python-Blog
Einführung in Python
Entwickeln von Python-Anwendungen (Visual Studio Technologien)

PS: Ach ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht bei Microsoft anheuere, um dem Ruhestand zu entgehen. Eher friert die Hölle zu, bzw. mir fällt sicher was ein, kann ja hier weiter bloggen. Aber es ist schon krass, wenn Du feststellst, wie dir das Leben so auf die Füße fällt, wenn der Ruhestand droht und Du mitkriegst, was andere (Neuer Kopf bei askwoody.com) so machen. 


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7 Antworten zu Python-Erfinder geht zu Microsoft

  1. Remo sagt:

    Kleiner Tip für den Ruhestand: Landschaftsgärtner rund ums Haus ;-)
    Wie schon dokumentiert, ist da der Feedback garantiert. Sorry, der musste sein .. LOL

  2. Knusper sagt:

    Seltsam.
    Soviel Langeweile?

    • Günter Born sagt:

      I need to confess: Aktuell beobachte ich ganz interessiert 'die, die voran gehen' und hege irgendwelche gemischten Gefühle. Ich kann van Rossum irgendwie verstehen.

      Für die Ideen des Kollegen Theo Jansen ist es für mich eindeutig zu spät – und einen Strand habe ich auch nicht vor der Türe.

      Wenn ich überlege, was ich im Leben hätte werden können, wenn ich denn lange genug in Holland Physik oder Informatik studiert hätte … dabei war ich quasi ganz nah dran (von Aachen/Jülich war es nur ein Katzensprung nach Maastricht oder Eindhoven). So hat es nur für ein paar Wochen Bundeswehr in Büdel gereicht. Das Leben ist einfach ungerecht ;-).

      Obwohl: Ich darf nicht meckern, meine letzten 27 beruflichen Jahre waren auch ohne Katzen, Schlangen und Strandtiere echt ne geile Nummer …

  3. Bernard sagt:

    Dem seine Begründung ist dämlicher Bullshit.

    Er sollte lieber helfen, Linux zu verbessern.

  4. gpburth sagt:

    "Python mit Sicherheit besser zu machen".

    Wunderschön doppeldeutige Übersetzung des harmlosen "I'll make using Python better for sure" :-)

  5. Susann sagt:

    Naja, wenn keine guten Leute zu Microsoft gehen, werden deren Programme auch nicht besser…

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