Windows10: Fast Boot in Multiboot-Umgebungen abschalten

[English]Wer Windows 10 in Multiboot-Umgebungen betreibt, der sollte den Schnellstart (Fast Boot) abschalten, um sich Ärger zu ersparen. Blog-Leser Karl hat dazu einige Bemerkungen zusammen geschrieben.


Anzeige

Der Windows 10 Schnellstart

Der sogenannte Schnellstart wurde in Windows 8 eingeführt (siehe Windows 8 “Fast Boot” bestätigt …), um die Zeit zum Systemstart zu verkürzen. Beim Herunterfahren nutzt Windows einen Trick, um den nächsten Start zu beschleunigen. Vor dem Herunterfahren beenden Windows 8.1 – 10 alle laufenden Anwendungen und schließen die Benutzersitzung. Dann wird aber der Windows-Kernel nicht, wie bei Windows 7, gestoppt, sondern ab Windows 8 schreibt das Betriebssystem während des Herunterfahrens Teile des Arbeitsspeichers mit dem Abbild des Kernels in einer Datei.

Beim nächsten Booten werden der gesicherte Systemstatus (Speicherabbild, Prozessstatus) aus der Ruhezustandsdatei (hiberfil.sys) zurückgelesen und die Treiber ggf. neu initialisiert. Dieser Ansatz hat den Vorteil, dass beim Wechsel in den Ruhezustand wesentlich weniger Daten als unter dem Windows 7-Ruhezustand gesichert werden müssen (bei Windows 7 werden die Anwendungsabbilder aus dem Arbeitsspeicher ja auch noch mit in die Ruhezustandsdatei gesichert). Beim Starten ist das System wesentlich schneller wieder arbeitsfähig als beim konventionellen Booten.

Probleme beim Multiboot

Aber es gibt auch Nachteile des Schnellstarts, speziell in Multiboot-Umgebungen mit Windows 10. Blog-Leser Karl hat sich des Themas Schnellstart (Fast Boot) in einer Reihe von Tweets angenommen und einige Bemerkungen dazu zusammen geschrieben. Er schreibt, dass man bei einem schnellen Computer mit SSD /NvME unter Windows 10 die Deaktivierung des Schnellstarts erwägen solle.

Fast Boot in Windows 10

Das erste Argument geht in die Richtung, dass die Ruhestandsdatei hiberfil.sys durch die Speicherung des Kernelabbilds bei Maschinen mit viel RAM einfach riesig wird. Dann kostet das Laden dieser Datei mehr Zeit als dies durch das Booten des Betriebssystems samt laden des Kernels benötigt wird. Auch beim Neustart mit Wechsel auf eine andere Betriebssysteminstallation wird dieser Vorgang durch den Schnellstart letztendlich ausgebremst.

Karl hat in seinem Lab den Schnellstart bei mehreren Multiboot-Windows 10-Installationen deaktiviert und so 4 x 64 Gbyte an Speicher gespart. Wie man den Schnellstart in Windows 10 deaktiviert, habe ich im Blog-Beitrag Windows 10: Schnellstart abschalten beschrieben.


Cookies blockieren entzieht uns die Finanzierung: Cookie-Einstellungen

Anzeige


Dieser Beitrag wurde unter Tipps, Windows 10 abgelegt und mit Tipp, Windows 10 verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Antworten zu Windows10: Fast Boot in Multiboot-Umgebungen abschalten

  1. Martin Feuerstein sagt:

    Es gibt zwar eine Richtlinie „Verwendung des Schnellstarts erforderlich“, aber ist diese nicht konfiguriert, wird die „lokale Richtlinie“ verwendet. Eine Richtlinie, um das Deaktivieren des Schnellstarts zu erzwingen, gibts afaik nicht.
    Per Registry könnte man HKEY_LOCAL_MACHINE\System\CurrentControlSet\Control\Session Manager\Power\HiberbootEnabled=dword:0 setzen.

  2. TAFKAegal sagt:

    Würde ich grundsätzlich deaktivieren! Es bringt im besten Fall ein paar Sekunden schnellere Bootzeit, in der Regel aber eher Probleme. Den Registry Key oben kann man auch problemlos über Gruppenrichtlinieneinstellungen setzen.

  3. Anonymous sagt:

    hab ich seit dem SSDs genutzt werden überall abgeschaltet, da der zeitgewinn seit dem irrelevant klein ist

  4. Lothar sagt:

    War bei uns auch gerade ein Problem!

    Addison Software hat damit ein Problem einen Dienst zu starten wenn der Benutzer keine Adminrechte besitzt, obwohl es einen speziellen Account dafür gibt, der Adminrechte hat.

    Das Problem tritt aber nur bei Systemen mit Win10 1909 auf, bei Systemen mit 1809 funktioniert es problemlos.

  5. jss sagt:

    Entfernt verwandt ist ein Problem, dass bei manchen Windows 10 Rechnern auftritt, bei denen der Ruhezustand nicht funktioniert bzw. mit einem Bluescreen abstürzt. Das äußert sich in der Praxis dann gerne so, dass der Rechner scheinbar immer „neu startet, wenn er herunterfahren soll“ (in Wirklichkeit setzt es vo dem Abschalten einen Bluescreen und automatischen Neustart, was man aber in der Grundeinstellung nicht mitbekommt).

    Ich rate dann immer dazu, die Ruhezustandsdatei ganz abzuschalten:

    powercfg -h off

    Meist ist das Problem damit dann behoben, und eventuelle Zicken mit dem hybriden Standby auch, weil der logischer Weise mit abgeschaltet wird. Und es spart auch noch Platz. Zum Abschalten des Rechners gibts dann halt nur noch Suspend-to-RAM und klassisches Herunterfahren.

  6. Henry Barson sagt:

    In einer adm.CMD „powercfg -h off“ führte schon unter Windows 2000 zum Ziel und funktioniert auch immer noch unter Windows 10.

    EDIT: Ach Ups, das kommt davon, wenn man den Kommentarbereich nicht neu lädt, wenn man zwischendurch was anderes macht :c)

  7. oli sagt:

    Kann dem hier Geschriebenen und Kommentaren nur zustimmen (einer meiner Gründe ist z.B. Wake-On-Lan, was mit aktiviertem Schnellstart nicht funktioniert), aber eine der Hauptgründe, warum man den Schnellstart in Multiboot-Umgebungen abschalten sollte, sehe ich hier nicht: Das Dateisystem wird mit aktiviertem Schnellstart beim Herunterfahren nicht in einen sauberen Zustand überführt. Das führt dann zu Dateisystemfehlern, wenn man jetzt ein anderes Betriebssystem bootet und auf die per Schnellstart heruntergefahrene Parition schreibend zugreift. Wer unbedingt den Schnellstart in Multibootumgebungen nutzen will, sollte dann die „Schnellstart“-Partitionen ausblenden (in Windows über die Datenträgerverwaltung, entweder Laufwerksbuchstaben ausblenden, oder bei kompletten Laufwerken am besten das ganze Laufwerk „offline“ schalten), damit nicht aus Versehen darauf zugegriffen wird.

  8. Sven Fischer sagt:

    Ist so ziemlich mit das erste, was ich bei einer Win10 Neuinstallation abschalte. Auch sollte man bei einem Funktionsupdate, nach dessen Installation, noch mal eine Nachkontrolle machen.

  9. Roland K sagt:

    In eine ähnliche Richtung gehen die diversen Probleme mit „Modern Standby“ (auch mal „Connected Standby“ genannt).

    Bei uns sorgt dieses Feature dafür, dass das SAP GUI die Verbindung zum Server verliert, sobald der Client in den Modern Standby Modus wechselt. Die aktivierte Option „Allow network connectivity during connected-standby“ hilft leider auch nicht.

    Da das SAP GUI leider nicht in der Lage ist, einen automatischen Reconnect durchzuführen, muss das Programm dann manuell beendet und wieder gestartet werden.

    Bis Windows 10 1909 lässt sich Modern Standby via Registry deaktivieren. Ab 2004 geht das aber leider nicht mehr.

    Gibt es zu diesem Thema vielleicht auch irgendwo ein paar gute Tipps?

  10. Extrawurst sagt:

    Die Warnung vor dem Schnellstart in Multibootumgebungen ist doch so alt wie der Schnellstart.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Hinweis: Bitte beachtet die Regeln zum Kommentieren im Blog (Erstkommentare und Verlinktes landet in der Moderation, gebe ich alle paar Stunden frei, SEO-Posts/SPAM lösche ich rigoros). Kommentare abseits des Themas bitte unter Diskussion.