Android Corona-Warn-App: Frust, schwerer Bug und Implementierung für F-Droid

Die Deutschen sind von der Corona-Warn-App gefrustet, und einige Nutzer klagen über einen schweren Bug in älteren Android-Versionen, der mit der Version 1.7.1 zum 30.11.2020 behoben wurde. Während SAP und Telekom sich wohl ausruhen, hat ein Entwickler die App ‚entgoogelt‘ und stellt diese für F-Droid bereit. Kleiner Rundumschlag zum Thema Corona-Warn-App unter Android.


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Deutsche sind von der App gefrustet

Eigentlich könnte die Corona-Warn-App ein grandioser Erfolg sein. Die Konzeption in Sachen Datenschutz ist vorbildlich (ob die Erkennung der Risikobegegnungen technisch hinhaut, steht auf einem anderen Blatt). Aber die Corona-Warn-App kann zum 26.11.2020 auf 23,2 Millionen Downloads zurückblicken (siehe) und es wurden mehr als 4,4 Millionen Ergebnisse (positiv oder negativ) an Nutzer/innen übermittelt. Bis zum 26.11.2020 wurden 87.637 positive Testergebnisse geteilt.

Aber die Leute sind unzufrieden mit der App, wie die Wirtschaftswoche in diesem Artikel berichtet. Die Leute sind genervt von den häufiger auftauchenden Meldungen zu Risikobegegnungen, wie eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsunternehmens Civey Ende Oktober 2020 für die WirtschaftsWoche unter insgesamt 5000 Menschen ermittelte. Bemängelt werden wohl unzureichende Informationen wie man im verlinkten Artikel der WiWo nachlesen kann.

Android Corona-Warn-App V1.7 mit Bug

In der am 26.11.2020 veröffentlichten Version 1.7 hat die Android-Variante der Corona-Warn-App wohl einen dicken Bug, der die Nutzung unter älteren Android-Versionen verhindert, wie die Kollegen von Golem hier anmerkten. Nachfolgender Auszug einer Bewertung aus dem Google Play Store enthält das Eingeständnis, dass es einen Fehler gibt, der die App unter Android 7 und 7.1 auf Geräten mit MediaTek-Chipset am Start hindert.

Bug in Corona-Warn-App

In weiteren Kommentaren wird auch Android 6 als problematisch angegeben. Inzwischen gibt es jedoch ein App-Update, von dem das Robert-Koch-Institut (RKI) am 30. November 2020 schreibt:

Robert Koch-Institut30. November 2020

Danke für Ihr Feedback! Der Fehler wurde mit Version 1.7.1 behoben. Sollte das Verhalten aktuell noch bestehen, bitten wir Sie die App wie folgt zurücksetzen ohne dass Ihre Daten verloren gehen: ‚Einstellungen‘ – ‚Anwendung zurücksetzen‘. Ihr Infektionsrisiko wird nach 24 Std wieder korrekt angezeigt.

Dieses App-Update ist also frisch herausgekommen. Vielleicht hilft das Betroffenen weiter.

Corona-Warn-App soll in F-Droid-Store kommen

Die Corona-Warn-App setzt ja auf die Google Play Services auf, funktioniert also nicht auf Android-Geräten, die entgoogelt wurden (Lineage OS ohne Google Play Services). Der Entwickler Marvin Wißfeld hat die GmsCore-Bibliothek für die Corona Warn App nachgebaut. Sie kann dann auf den Android-Geräten ohne Google Play Services installiert werden. Die F-Droid Community hat einen Fork der Android Corona-Warn-App erstellt, der im F-Droid-Store bereitgestellt werden soll. Heise hat hier einen Artikel mit Details dazu veröffentlicht.


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7 Antworten zu Android Corona-Warn-App: Frust, schwerer Bug und Implementierung für F-Droid

  1. z sagt:

    Ihre Einschätzung eines vorbildlichen Datenschutzes dürfte etwas übertrieben sein. Immerhin wurden weder von Microsoft noch von Apple veröffentlicht, was da alles so im Betriebssystem läuft. Dort sind natürlich alle Informationen zuerst verfügbar. Dass aus diesen Informationen ein Teil in der App verarbeitet wird, das wurde veröffentlicht. Ob aber aus dem Betriebssystem Daten an Microsoft oder Apple fließen, konnte bisher nicht überprüft werden. Das würde dann keinesfalls zu einer Zertifizierung nach Common Criteria (CC) genügen. CC ist bei vermutlich allen IT-Projekten im Gesundheitswesen vorgeschrieben, aber dazu mussman sich voraus Gedanken um ein möglichst wasserdichtes Sicherheits- Und Schutzkonzept machen. Außerdem gab es für eine „vorbildlich“ Einschätzung keine Datenschutzfolegeabschätzung die bei solchen Projekten durch unabhängige Dritte vor der Implementierung vorgesehen ist. Die wurde formal ungenügend von den Implementierern so nachgeholt, dass der Eindruck entstehen kann, es gäbe keine nachteiligen Folgen. Dies wiederum wurde nie verifiziert.

    • Günter Born sagt:

      Wir reden von der Corona-Warn-App. Wenn ich mich auf den Punkt stelle ‚ich vertraue weder Apple noch Android‘, darf ich die Geräte nicht einsetzen. Punkt.

      Das dann der App in Punkte ‚Datenschutz‘ anzulasten, ist imho am Thema vorbei. Da wären wir bei F-Droid und entgoogelten Android-Geräten.

      Und die Einschätzung stammt nicht von mir, sondern aus berufenerem Mund wie CCC und Datenschutzbeauftragte.

      • z sagt:

        Soweit ich die Text- und Videostatements lese, hat CCC sich vor einer eindeutigen Stellungnahme gedrückt und ausdrücklich die Lösung als akzeptabel bezeichnet. Den Begriff „sicher“ kann ich bei CCC diesbezüglich nicht finden.
        Aber ich bitte meine Anmerkung in die beiden gemachten Punkte zu unterscheiden:
        1. Die App kann überprüft werden, nicht jedoch die Folge, was da bedeutet, alles was auf dem Server läuft ist nicht bekannt.
        2. Das Betriebssystem ist nun mal Teil der Lösung, und wenn das nicht überprüft werden kann, dann ist der Datenschutz zumindest fragwürdig. Das hat natürlich auch mit der Frage zu tun, ob man generell Mobiltelefone nutzt, deshalb bleibt diese, wie auch die Entscheidunmg die Corona-App zu nutzen bisher fast jedem selbst überlassen.

        Trotzdem bleibe ich bei meiner Bemerkung, dass der Datenschutz der Corona-App nicht vorbildlich ist.

    • 1ST1 sagt:

      Microsoft hat nun garnix mit der App bzw. den Basis-Diensten dafür zu tun. Entweder Google oder Apple. Ob man denen vertrauen kann, muss man selber wissen. Das gillt allerdings auch für MS. Daher ist der Ansatz, diese Funktionen aus iOS und den Playservices auszugliedern und durch den OpenSource-GmsCore, der jetzt von FDroid benutzt wird, zu ersetzen schon sinnvoll.

  2. 1ST1 sagt:

    Was ich nicht verstehe, ist dass die Leute sich durch die App gestört fühlen, zu viele wohl positive Kontakte? Leute! Genau das ist der Sinn der App. Wenn das Ding rot leuchtet, sollt ihr euch nicht belästigt fühlen, sondern handeln! Testen! Testen! Testen! Und anschließend den Befund in die App füttern, damit die eigenen Kontakte (anonym!!!) (ob man die Leute kennt, oder nicht) gewarnt werden. Und bei wem das rote Fenster so oft aufleuchtet, sollte mal drüber nachdenken, wo man sich so rumtreibt. Das Gebot der Stunde ist: Daheim bleiben, wann immer es geht. Möglichst kurz an einem Ort bleiben, Sachen schnell erledigen und dann weiter. Maske tragen! Hygienevorschriften befolgen!

    Nur so kommen wir aus der Situation wieder raus. Viele denken wohl zu viel „quer“ (oder garnicht). Leute!

    Ich habe die App drauf, seit dem sie draußen ist, bisher habe ich noch nie was angezeigt bekommen, immer nur „geringes Risiko“.

    • Michael Bickel sagt:

      … würde ich jedem Wort voll zustimmen

      „Die Leute sind genervt von den häufiger auftauchenden Meldungen zu Risikobegegnungen“ – Warum sind Leute davon genervt? Ist doch Zweck der App, genervt könnte man höchstens sein, wenn man grundlose Warnmeldungen bekäme und so unnötig verunsichert würde, wenn dem so wäre. Gehe mal davon aus, dass dem nicht so ist.

      Aber im Allgemeinen sind solche Warnungen doch genau der Grund, warum die App entwickelt wurde, damit Leute entsprechend handeln können.

      Angesehen davon bin ich auch genervt von dem Virus, von Masken, von Leuten, die keinen Abstand halten können und einigen mehr – aber von genervt sein, verschwindet der Virus halt nicht. Eventuell aber mit vernünftigen Verhalten, Einschränken von Kontakten, mal ein wenig ernsthafter Disziplin, aber das schaffen manche halt nicht. Denen sollte man eine Woche Hilfsdienst auf einer Intensiv Station verordnen, um mal den „kleinen Schnupfenvirus“ vor Ort zu sehen.

  3. 1ST1 sagt:

    Einen echten Kritikpunkt an der App habe ich aber noch. Die gesammelten Kontakt-IDs ziehen nicht mit um, wenn man das Smartphone wechselt. Ich habe jetzt gewechselt, und vorher hatte ich „geringes Risiko“ duerch wenige harmlose Kontakte. Momentan habe ich garkeine Kontakte.

    Die Idee aus dem WiWo-Artikel mit der „Gaminication“ (Bewertung von Abstandshalten) finde ich super, das sollte unbedingt gemacht werden. Eine Infoseite mit den gerade geltenen Bestimmungen am Standort, vielleicht noch ein paar Statistikdaten (wieviele Kontakte hatte ich, R-Wert, Inzidenz am Standort, …) wären sicher auch interessant. Wenn das auch im Ausland funktionieren würde, noch besser!

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