Windows 10 LTSC: Nächste Version nur noch mit 5 Jahren Support

[English]Microsoft hat gerade seine Pläne für seine Windows 10-Versionen im Long Term Servicing Channel (LTSC) bekannt gegeben. Es gibt im Herbst wohl eine neue Version – aber diese wird (Überraschung) nur noch für fünf Jahre mit Updates versorgt.


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Standardmäßig wird Windows 10 ja per „Windows as a Service“ mit halbjährlichen Feature-Updates ausliefert. Microsoft hat aber für spezielle Zwecke, die man mal als Missions-kritisch bezeichnete, noch den Windows 10 Enterprise Long Term Servicing Channel (LTSC) bereitgestellt. Diese Windows 10-Versionen erhielten bisher 10 Jahre Support mit Sicherheitsupdates. Das ändert sich nun gravierend. Die Ankündigungen von Microsoft-Mitarbeiter Joe Luri (Senior Product Manager for Microsoft 365) finden sich im Techcommunity-Beitrag The next Windows 10 Long Term Servicing Channel (LTSC) release.

  • Die nächste Version von Windows 10 Enterprise LTSC und Windows 10 IoT Enterprise LTSC wird in der zweiten Hälfte (H2) des Kalenderjahres 2021 veröffentlicht.
  • Beim Windows 10 Enterprise LTSC Client für den Desktop wird Microsoft zu einem 5-Jahres-Lebenszyklus wechseln, während Windows 10 IoT Enterprise LTSC den 10-jährigen Support-Lebenszyklus beibehält.

Die Verkürzung des Lebensdauerzyklus von 10 auf fünf Jahre bei Windows 10 Enterprise LTSC wird damit begründet, dass man dann mit den Änderungen beim Lebenszyklus von Microsoft Office 2021, was ebenfalls angekündigt wurde, übereinstimmt.

Windows 10 LTSC für bestimmte Szenarien

Microsoft betont erneut, dass die Windows 10 Enterprise LTSC-Variante für spezielle Geräte und Szenarien gedacht ist. Szenarien, in denen keine Änderungen am Betriebssystem während der Benutzung akzeptiert werden können. Oder Szenarien, in denen keine Verbindung mit der Cloud erwünscht ist, aber ein Desktop benötigt wird. Im Sinn hat man Prozesssteuerungsgeräte in der Fertigung, die keine Verbindung zum Internet haben, und spezielle Systeme, die einen langfristigen Supportkanal benötigen.

Im Blog-Beitrag erklärt Joe Luri, das man ‚in ausführlichen Gesprächen mit Kunden festgestellt habe, dass viele, die zuvor eine LTSC-Version für Information-Worker-Desktops installiert haben, nicht den vollen 10-Jahres-Lebenszyklus benötigen.‘ Er argumentiert, dass es angesichts des schnellen und zunehmenden technologischen Wandels eine Herausforderung sei, ein zehn Jahre altes Produkt auf dem neuesten Stand zu halten, den die Kunden erwarten. Bei Szenarien, die 10 Jahre Support erfordern, habe Microsoft in Gesprächen festgestellt, dass diese Anforderungen oft besser mit Windows 10 IoT Enterprise LTSC gelöst werden könnten.

Microsoft empfiehlt Kunden den Umstieg auf Windows 10 IoT Enterprise LTSC, da dort ja weiterhin die 10 Jahre Support gelten. Und dann rät Microsoft vom Einsatz von Windows 10 Enterprise LTSC in Office-Umgebungen ab. Um aber die Lebenszyklen von Windows 10 LTSC und Office LTSC aufeinander abzustimmen, habe man die Supportzeit von Windows 10 LTSC im Sinne seiner Kunden von 10 auf 5 Jahre reduziert. Die Lebensdauer von Windows 10 Enterprise LTSC 2015, 2016 und 2019 bleibt jedoch bei 10 Jahren, so dass Leute, die diese 10 Jahre brauchen, auf Windows 10 Enterprise LTSC 2019 setzen.

Meine 2 Cents

Mich überzeugt diese Argumentation nicht, weil sich Microsoft da selbst widerspricht. Microsoft hat immer erklärt, dass die Windows 10 Enterprise LTSC nicht für Büroarbeitsplätze mit Office (also die hier erwähnten Information-Worker-Desktops) vorgesehen sei. Ziel sei der Einsatz in Steuerungen und Prozessleitsystemen etc. Dort kann mir aber niemand erzählen, dass die Kunden erklären ‚wir brauchen unsere Maschinen, Steuerungen, Laborgeräte etc. nur 5 Jahre und können dann die Rechner verschrotten‘.

Wenn ich aber Systeme betreibe, wo sich Windows 10 über lange Zeiträume nicht ändern darf, verfängt die Argumentation eines schnellen und zunehmenden technologischen Wandels und der Schwierigkeit, ein Produkt über zehn Jahre auf dem neuesten Stand zu halten, nicht wirklich. Auch die vermeintliche Argumentation der Abstimmung des Supportzeitraums auf den Office LTSC ist eine Luftnummer. Wenn ich Windows 10 LTSC nicht mit Office LTSC in Büroumgebungen einsetzen soll, was brauche ich denn eine Abstimmung der Lebenszyklen.

Es mag für Microsoft interne Gründe geben – aus Kundensicht ist dies für die mir vorschwebenden Einsatzszenarien mit Sicherheit kein Wunschtraum. Eine teure Werkzeug-Maschine oder ein Computer-Tomograph (TC) bzw. Magnet Resonanz Tomograph (MRT) haben mit Sicherheit eine Betriebsdauer, die weit über die genannten fünf Jahre hinausreicht. Spannend wird daher sein, was nach 2025 von Microsoft vom Stapel gelassen wird, wenn die On-Premises-Produkte geschlachtet werden sollen.


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Gänzlich skurril wird die gesamte Argumentation, wenn man liest, das Windows 10 Enterprise LTSC und Windows 10 IoT Enterprise LTSC binär identisch seien. Der Unterschied liege nur in der Lizenzierung. Wenn es dann aber heißt: Windows 10 Enterprise LTSC wird nur 5 Jahre unterstützt, während der gesamte Binärcode für Windows 10 IoT Enterprise LTSC über 10 Jahre gepflegt und mit Updates versorgt werden muss, wird das Ganze für mich schlicht nur noch bizarr. Es ist mal wieder eine reine Lizenz- und Marketing-Entscheidung, die die Kundschaft doch sicher freudig mitmacht.

Ähnliche Artikel:
Schnapsidee Windows 10 LTSC und andere V1607-Basteleien

Links zu meinen heise-Artikeln:
Windows 10 Enterprise LTSC-Version: Ab kommender Version nur fünf Jahre Support
Microsoft Office 2021 und Office LTSC für 2021 angekündigt

 


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14 Antworten zu Windows 10 LTSC: Nächste Version nur noch mit 5 Jahren Support

  1. Martin sagt:

    Da hast Du wunderbar die Widersprüche aufgezeigt. Unfassbar, was Microsoft sich da erlaubt. Wahrscheinlich möchten sie auch hier analog dem ESU-Modell für Windows 7 dann hohe Zusatzeinnahmen für bis zu fünf weitere Jahre Support generieren. Nur hat man sich mit den dazu nötigen Ausreden jetzt in einige Widersprüche verstrickt.

  2. Chris sagt:

    Das größte Problem bei den LTSC Versionen ist das Net Framework, jede LTSC Version hängt irgendwann auf einer Version fest und wird nicht mehr aktualisiert.
    Das führt bei der Weiterentwicklung von Programmen, nicht nur am Büroarbeitsplatz, auf einen Zeitraum von 10 Jahren zwangsläufig zu Problemen.

    Wenn MS jetzt noch ankündigt das die 5 Jahre LTSC Version immer das aktuelleste Net Framework bekommt, hat MS es geschafft. Dann werden Firmen Geld in die Hand nehmen und die LTSC Version großflächig ins Büro holen. Nur alle 5 Jahre eine Windows Version Upgraden zu müssen…. das wäre nach heutigen Maßstäben ein Traum.

    Bin mal gespannt ob MS bei Enterprise und Education nachzieht.

    • oli sagt:

      „Das größte Problem bei den LTSC Versionen ist das Net Framework, jede LTSC Version hängt irgendwann auf einer Version fest und wird nicht mehr aktualisiert.“

      Wir nutzen ja in der Firma komplett 2019 LTSC als Office-Rechner und unser Buchhaltungsprogramm verlangte vor kurzem ein Upgrade von .Net 4.7 auf .Net 4.8. Hab dann einfach den Offline-Installer runtergeladen und .Net 4.8 installiert -> loift.

      Also bisher kann ich nur sagen: MS lügt euch mit LTSC massiv was vor. Wir nutzen LTSC 2019 jetzt seit 1.5 Jahren und den ganzen Trouble, den andere mit ihren Upgrades haben (Treiber-Software-Blockaden, Inkompatiblitäten, Scanner die nicht scannen etc.), gibts hier halt nicht.

      Und obiger Text bestätigt das einfach nur. Kann G.B. nur zustimmen.

      • Anonymous sagt:

        Natürlich ist das Lüge. Solange es einen Server Betriebssystem mit gleicher Codebasis gibt ist doch eigentlich alles klar. Denn als Terminalserver muss da doch auch Office drauf laufen. Und gerade Office 365, oder wie auch immer das jetzt heißt, ist doch eigentlich das einzige Office das ich richtig auf dem Terminalserver lizensieren kann!

        Davon abgesehen habe ich hier einen 2019er Server als Workstation. In zwei Jahren habe noch ich keine Software gefunden die darauf nicht laufen wollte. Auf dem Ding kann man sogar hervorragenden Zocken ;) Selbst ein Xbox One Controller läuft darauf wenn man ihn per Bluetooth verbindet! Das ist wie immer die typische Microsoft wir versauen euch den Tag weil wir es können Taktik.

  3. jup sagt:

    aus eigener Erfahrung:
    man kann bei LTSC Enterprise und LTSC Enterprise IoT die gleichen Lizensschlüssel nehmen ..
    Da ist alles gleich … (ob das dann sauber lizensiert ist, ist eine andere Frage)

    Im IoT sind nur ein paar zusätzliche Packete zusätzlich enthalten (ReadOnly Treiber usw.).

    Wir haben auch flächendeckend LTSB/LTSC (auch IoT) im Einsatz. Von Steuerungen bis Office, keinerlei Probleme.

    Würde nicht die 2021 LTSC vor der 2019 LTSC aus dem Support fallen ?
    Macht das Sinn ?

  4. Chris sagt:

    Version 2019 hat das Problem auch noch nicht, LTSB Versionen bekommen die ersten 5 Jahre Neuerungen wie Net Framework mit, werden die letzten 5 Jahre aber nur noch mit Sicherheitsupdates versorgt.

    Das führt dazu das Windows 1507 LTSB , das noch bis 2025 läuft, kein Net Framework 4.8 mehr bekommt, die sind einige momentan echt am Ar*** wenn es darum geht.

    Das selbe Schicksal werden auch die anderen LTSB Versionen mit 10 Jahren Laufzeit teilen, nach 5 Jahren werden diese auch keine Net Framework Updates mehr bekommen, es sei denn MS erbarmt sich auch nach 5 Jahren für diese Versionen weiter das Net Framework zu aktualisieren.

    Durch die Verringerung auf 5 Jahre umgeht MS zukünftig elegant das Net Framework Problem.

  5. Anonymous sagt:

    Das mit office hatte ich noch gar nicht wahrgenommen.
    Laufen dann 2016, 2019 und 2021 gleichzeitig aus? Und dass alles nur um Microsoft 365 interessanter zu machen?

  6. Zocker sagt:

    Hauptgrund dürfte eher sein, dass man im Laufe des Jahrzehnts endgültig auf ein Abomodell umstellen möchte.

    .NET könnte MS problemlos einpflegen, selbst auf Win7 läuft noch jegliche .NET Version von 4.x bis 6.0. Warum sollte es also nicht auf jeder Version von Win10 laufen (können)?

    @Chris: Sollte das von dir beschriebene Problem tatsächlich zutreffen, umgeht es MS damit in keinster Weise, sie lindern nur die Auswirkungen. Und nicht einmal das, denn es stand dir bislang immer frei auf eine neuere LTSB-Version zu wechseln (mit entsprechend hohem Aufwand natürlich, weil M$ hier alle möglichen Steine in den Weg legt). Im Grunde genommen ändert sich rein gar nichts für Admins, die Situation verschlechtert sich sogar deutlich.

  7. Chris sagt:

    https://docs.microsoft.com/de-de/dotnet/framework/install/on-windows-10

    .NET Framework 4.8 wird unter folgenden Versionen nicht unterstützt:

    Windows 10 1507
    Windows 10 1511

    Wenn Sie Windows 10 1507 oder 1511 verwenden und .NET Framework 4.8 installieren möchten, müssen Sie zunächst ein Upgrade auf eine höhere Windows 10-Version durchführen.

    • Zocker sagt:

      Danke für den Link! Das betrifft demnach aber „nur“ die LTSB 2015, die ich ohnehin für etwas sinnbefreit halte. Trotzdem stellt sich die Frage, warum ältere Windowsversionen keine Probleme damit haben. Mir scheint es, dass MS gewisse Win10-Versionen mit Nachdruck bewusst unattraktiv machen möchte.

      • Anonymous sagt:

        Wäre ja nicht das erste Mal ;) War doch bei Windows 7/8 und den Server Varianten davon auch nicht anders. Läuft hervorragend auch auf neueren CPUs nur hat Microsoft die Installation der Windows Updates dann unterbunden. Gab dazu auch diverse Hacks die dann die Windows Updates wieder möglich machten, bis Microsoft auch das wieder unterbunden hat. Ich habe da sogar selber gebastelt, einfach die letzte Funktionierende wuaueng.dll in wuaueng2.dll umbenannt, nach System32 kopiert und den Registryeintrag für den Update Dienst angepasst. Voteil daran auch Windows Updates haben nichts geändert denn ich habe die Original DLL nie angefasst. HAtbe mich imemr gewundert das niemand anders auf diese Idee gekommen ist. Hat bis for 1,5 Jahren sowohl auf Windows 2012 R2, hatte noch Lizenzen aus dem Dreamspark Programm, und auch Windows 8.1 gut funktioniert. Danach habe ich Mal wieder auf eine neue CPU Generation gewechselt und doch auf Windows 10 umgestellt. Der Directx 9 VRAM Bug in Windows 8.1 hat dazu auch sein übriges getan.

        Linux hatte ich da allerdings auch Mal wieder angetestet :) Würde ich nicht zocken würde ich dem Microsoft Dreck auch einfach Tschüss sagen aber das gebastle unter Linux was das Zocken angeht ist mir zu stressig. Vorallem der Nvidia Treiber kann echt die Hölle sein. Wobei beim letzten Test schon einiges wie Tomb Raider oder Doom sehr gut lief. Naja immerhin habe ich damals dann auf LibreOffice gewechselt und Office 2010 noch mit Gewinn wieder verkauft!

        • Zocker sagt:

          Ja stimmt, das hatte MS auch künstlich beschnitten. Ursprünglich sogar rückwirkend, aber die OEMs gingen daraufhin auf die Barrikaden.

      • Chris sagt:

        Ja, noch betrifft es nur die 2015 Version, nachfolgend Versionen mit 10 Jahre Laufzeit kann es dann aber später auch treffen. Das Thema ist auch nicht reine Theorie, es gibt da draußen wirklich Admins die damit jetzt ein Riesen Problem haben weil Sie direkt von Anfang an auf die Upgrade Sessions verzichten wollten.

        Bei Win 7 und 8.1 sieht es anders aus, beide Betriebssysteme waren zum Zeitpunkt der Erscheinung noch im Full Support, da gab es diese 5 Jahre dies, 5 Jahre das System beim OS nicht, da gab es einfach 10 Jahre Support.

        Das nächste Net Framework wird es für Win 7 wahrscheinlich auch nicht mehr geben, außer MS berücksichtigt dies für die Firmen die für den verlängerten Support zahlen, sofern es den dann noch gibt.

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