Feuer in Amazon-Rechenzentrum? Blink-Kameras gehen nicht mehr

[English]Blink ist ja der Serienname von Überwachungskameras von Amazon, die in vielen Haushalten zu finden sind. Mir sind die Blink-Überwachungskameras etwas suspekt, da diese Amazon über ein Benutzerkonto mit ins Boot nehmen. Aber es kommt noch dicker. Wie es aktuell ausschaut, streiken die Blink-Kameras in bestimmten Regionen, da ein Amazon-Rechenzentrum „unter Feuer steht“ (Ergänzung: na ja, Amazon spricht von erhöhter Umgebungstemperatur, so hoch, dass sich Rechner ausgeschaltet haben – inzwischen heißt es, dass die Steuerung eines Kühlungssystem ausgefallen sei, was den Temperaturanstieg bewirkte – die Techniker konnten die Räume über Stunden nicht betreten, da die CO2-Feuerlöscheinrichtung ausgelöst hatte). Das zeigt, wie wackelig die ganze Konstruktion der Cloud ist.


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Besonders viele Informationen habe ich nicht – nur einen brandfrischen Tweet vom 10. Juni 2021, in dem Kevin Beaumont fragt, ob bei anderen Nutzern auch die Blink-Kamera ausgefallen sei.

Blink camera issues due to AWS data centres in EU is on fire
Blink camera issues due to AWS data centres in EU is on fire

War es ein Feuer im Rechenzentrum Frankfurt?

Bei einer Recherche hat Beaumont dann festgestellt, dass ein Rechenzentrum von Amazon (AWS) in Europa in Flammen steht. Die Meldung über dieses Feuer ist nachfolgendem Tweet zu entnehmen.

AWS Data center in Europe on fire

Die Details werden in nachfolgendem Statusausriss deutlich – es wird ein Anstieg der API-Fehler in einer Availability Zone (euc1-az1) auf Grund gestiegener Umgebungstemperaturen gemeldet.

Issue with EU Amazon Elastic Computer Cloud (Frankfurt)
Issue with EU Amazon Elastic Computer Cloud (Frankfurt)

Das ist aber mal wirklich nett ausgedrückt – die Cloud kommt ins Schwitzen. Man kann es auch drastischer ausdrücken: In Frankfurt brennt die Hütte mit der Amazon Web Cloud und nichts geht mehr – selbst die Überwachungskameras streiken – keine Bilder vom Brand.

Hochsommer-Temperaturen können es nicht gewesen sein. Ich wohne ja im Umland und wir hatten eine laue Sommernacht mit Temperaturen etwas unter 20 Grad Celsius.

Kunden in Europa betroffen

Ergänzung:Bei einer kurzen Recherche auf Twitter habe ich aber festgestellt, dass einige Leute tangiert wurden, weil ihre Anwendungen plötzlich nicht mehr die AWS-Cloud nutzen konnten. Zitat:


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Ingenieure zahlreicher Unternehmen in Europa werden jetzt von ihren Alarmierungssystemen geweckt, um Unternehmen vor katastrophalen Folgen zu bewahren.

Kinesis Data Streams, Kinesis Firehose, Amazon Relational Database Service uand AWS CloudFormation waren auch betroffen.

Ergänzung 1: Inzwischen habe ich nachfolgende Statusmeldung auf Twitter gefunden. Durch die erhöhte Umgebungstemperatur haben sich einige wenige EC2-Instanzen in einer einzelnen Availability Zone (euc1-az1) in der EU-Central-1-Region abgeschaltet. Amazon spricht eisern von erhöhter Umgebungstemperatur, so hoch, dass sich Rechner ausgeschaltet haben – nach wie vor von Feuer keine Rede.

Fire on Amazon AWS data centre in Frankfurt/Germany

Dort schreibt man, dass die Umgebungstemperatur sinke und die meisten betroffenen EC2-Instanzen wieder laufen bzw. zurück in Betrieb sind. Zudem versucht man, die Nutzer auf andere verfügbare EC2-Zonen umzurouten.

Ausfall von Kühlungseinheiten

Ergänzung 2: The Register hat vor 3 Stunden diesen Artikel zum Ereignis veröffentlich. Der Artikel zitiert weitere Statusmeldungen von AWS:

While temperatures continue to return to normal levels, engineers are still not able to enter the affected part of the Availability Zone. We believe that the environment will be safe for re-entry within the next 30 minutes, but are working on recovery remotely at this stage.

A 4:12PM update reported that staff were still unable to enter the site for safety reasons.

Es scheint, dass das giftige Gas in den Räumen des Rechenzentrums freigesetzt worden sein könnte, so dass es nicht sicher ist, diese zu betreten. Oder es wurde ein CO2-Feuerlöschsystem ausgelöst.

AWS hat später seinen Bericht zum Vorfall aktualisiert und enthüllt, dass das Ereignis durch „den Ausfall eines Steuerungssystems verursacht wurde, das mehrere Luftkühler in der betroffenen Availability Zone deaktiviert hat.“ Laut The Register fielen die Lüfter zur Kühlung des Rechenzentrums aus. Daraufhin begannen die „Umgebungstemperaturen zu steigen“ und erreichten ein unsicheres Niveau, so dass das Netzwerk-Kit der AWS-Server abgeschaltet wurde.

„Da dieses Problem mehrere redundante Netzwerk-Switches betraf, verlor leider eine größere Anzahl von EC2-Instanzen in dieser einzigen Availability Zone die Netzwerkkonnektivität“, heißt es im AWS-Update weiter. Und später gab es noch mehr Details:

While our operators would normally had been able to restore cooling before impact, a fire suppression system activated inside a section of the affected Availability Zone.

When this system activates, the data center is evacuated and sealed, and a chemical is dispersed to remove oxygen from the air to extinguish any fire.

Also genau das oben vermutete Szenario, dass eine CO2-Feuerlöschanlage angesprungen ist und die Räume des Rechenzentrums nicht betreten werden konnten. Die AWS-Mitarbeiter mussten warten, bis die örtliche Feuerwehr eintraf und bescheinigte, dass das Gebäude wieder sicher für das Betreten war. Sobald diese Bestätigung vorlag, musste laut AWS „das Gebäude wieder mit Sauerstoff versorgt werden, bevor die Techniker die Anlage betreten und die betroffenen Netzwerkgeräte und Server wiederherstellen konnten.“

Passt zum gerade erst erfolgten Ereignis, dass ein Softwarefehler im Fastly CDN zahlreiche Webseiten aus dem Internet geschossen hat (siehe Software-Bug Grund für Fastly-Ausfall.

Amazon Elastic Compute Cloud (Amazon EC2)

Laut dieser Seite stellt der Web-Service Amazon Elastic Compute Cloud (Amazon EC2) sichere, skalierbare Rechenkapazitäten in der Cloud bereit. Der Service ist darauf ausgelegt, Cloud Computing für Entwickler zu erleichtern. Mit der einfachen Web-Service-Oberfläche von Amazon EC2 können Sie mühelos Kapazität erhalten und konfigurieren. Sie ermöglicht Ihnen die vollständige Kontrolle über Ihre Rechenressourcen sowie die Ausführung in der bewährten Rechenumgebung von Amazon. Die Highlights:

  • Per SLA garantierte Verfügbarkeit von 99,99 % in jeder Amazon EC2-Region. Jede AWS-Region besteht aus mindestens 3 Availability Zones.
  • Das AWS-Modell mit Regionen und Availability Zones wird von Gartner als bewährter Ansatz für den Betrieb von Unternehmensanwendungen empfohlen, die eine hohe Verfügbarkeit erfordern.

Und gemäß diesem Artikel betreibt Amazon zwei Rechenzentren für Amazon Web Services (AWS) in Frankfurt. Mehr konnte ich noch nicht herausfinden.

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6 Antworten zu Feuer in Amazon-Rechenzentrum? Blink-Kameras gehen nicht mehr

  1. woodpeaker sagt:

    Das ist eine neue Unsitte, dass Kameras nur mit einer Zwangsregistrierung und nur über den Umweg der Cloud funktionieren.
    Dem kann man nur entgegenwirken indem man diese Art von Geräten kategorisch meidet.

    Was ich von der Cloud halte habe ich ja schon oft genug kundgetan. :-)

  2. Foegi sagt:

    Dieses Jahr zeigt sich wie wackelig Cloud und Internet-Dienste sind und welche auswirken es haben kann wenn diese mal ausfallen. Und was den Datenschutz angeht kann einem Bange werden wenn man sieht wie einfach es ist an Daten zu kommen zb. bei den Corona-Testergebnisse Leaks.

  3. Ralf Unger sagt:

    Ich weiß nicht, was so schwer daran ist, sauber im Internet zu recherchieren. Entweder man veröffentlicht Fakten (okay) oder eine Meinung (auch ok, aber dann kennzeichnen).
    So wird im oberen Artikel Stimmung gemacht, weil wieder unsauber recherchiert wurde.

    Beispiel:
    „Und gemäß diesem Artikel betreibt Amazon zwei Rechenzentren für Amazon Web Services (AWS) in Frankfurt. Mehr konnte ich noch nicht herausfinden.“

    Da scheint der Autor bei Google nachgeschaut zu haben, ohne seinen Kopf anzustrengen.

    Ich habe mir 2(!) Minuten Zeit genommen und bin direkt auf die AWS Webseite drauf (https://aws.amazon.com/). Unter „Global Network of AWS Regions“ bin ich auf Ffankfurt und da stehen dann 3 Availability Zones. Und nicht zwei RZ wie oben suggeriert.

    Dann lese ich mir kurz die SLA durch und da steht ja auch oben im Text: „Per SLA garantierte Verfügbarkeit von 99,99 % in jeder Amazon EC2-Region“

    Jetzt zähle ich 1 und 1 zusammen und stelle fest, dass 1 von 3 RZ’s ausgefallen ist, also keine ganze Region. Und als SW Architekt einer großen Firma setze ich NIE auf ein Pferd. Wer also nur in einer AZ unterwegs ist und keine Fault Back Lösung hat (AWS nennt das Multi AZ Architektur, kann man da auch nachlesen), hat seine Workloads nicht als kritisch eingestuft und muss halt damit leben.
    Das OHV Desaster war eins, weil in Frankreich Gebäude falsch gemanaget wurden. Aber auch hier, wer alles auf ein Pferd setzt, ist selbst schuld.
    Und was den Datenschutz angeht – Auch hier gilt erst lesen, dann mitreden. Was haben die Corona-Testergebnisse Leaks mit der Cloud zu tun? Wenn man die Cloud Dienste falsch nutzt und eine SW darauf laufen lässt, die nicht sicher ist, kann der Cloud-Anbieter nichts dafür.

    Nichts für ungut, aber wie oben geschrieben, Recherche kann man auch gründlich machen.

  4. Jean Pütz sagt:

    Auch vor der „Cloud“, seit Anbeginn des Internets, gab es Dienstleister wie „Web-Hoster“, z.B. Schlund, da konnten sich die gleichen Probleme ergeben. Man nannte das dann nur nicht Cloud. Ebenso in firmeneigenen Rechenzentren sind und waren solche Probleme möglich.

    • Harald Bock sagt:

      Wenn eine Kamera ohne A. nicht funktioniert ist das eine Lachnummer.
      Es ist ja bekannt das die USA die gesamten Telefonate die sie(kam schon vor 20 Jahren im ZDF und manche glauben immer noch das sei eine Verschwörungstheorie,ok damals wurde glaube ich gesagt das nur bei bestimmten Stichwörtern die Speicherung beginnt)anzapfen können speichern.
      Ob sie da auf Videos verzichten?

  5. Anonymous sagt:

    Tja ich kaufe grundsätzlich nichts für das man einen Onlineaccount bzw. eine Onlineverbindung oder eine App braucht. Ich möchte Dinge gerne solange nutzen wie ich das für richtig finde und nicht nur solange wie der Hersteller Lust hat den Kram zu unterstützen. Ich spiele ein einziges Online Spiel aber jedes Mal wenn man einen echt bekackten Tag hatte, hat das blöde Spiel gerade einen Serverdown wegen Wartungsarbeiten. Ist natürlich nicht der Weltuntergang ist aber einfach nicht komfortabel!

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