Duldung der MS Teams-Nutzung als VKS in hessischen Schulen endet am 31.7.2021

[English]Schulen und Schüler in Hessen werden im nächsten Schuljahr Winterhalbjahr 2021/2022 nicht mehr mit Microsoft Teams als Kommunikationslösung arbeiten können. Der der Hessische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (HBDI) hatte ja bereits zum 31. März diesen Jahres den deutlichen Hinweis gegeben, dass die Duldung von nicht datenschutzkonformen Videokonferenzsystemen (VKS) in der hessische Schullandschaft ausläuft. Ab dem 31. Juli 2021 endet diese Duldung, Schulen müssen auf datenschutzkonforme Videokonferenzsystem umsteigen. Von diesem Ende der Duldung ist auch Microsoft Teams explizit betroffen, wie der Hessische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (HBDI)  kürzlich mitteilte.


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Ich hatte es dieser Tage im Radio gehört und habe dann gezielt im Internet recherchiert. In dieser Mitteilung vom 14. Juni 2021 geht der hessische Datenschutzbeauftragte auf die Thematik ein.

Coronabedingte Duldung

Nach dem Ausbruch der ersten Welle der Coronavirus-Pandemie im April 2020 wurde vom Hessische Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit (HBDI) eine Duldung (fast) aller VKS ausgesprochen. Diese Duldung wurde im Juli 2020 für ein weiteres Schuljahr bis zum 31. Juli 2021 verlängert. Bis zu diesem Zeitpunkt hat das Hessische Kultusministerium zugesagt, allen Schulen ein landeseinheitliches, datenschutzkonformes und technisch leistungsfähiges VKS zur Verfügung zu stellen (Landes-VKS). Damit entfällt für die Schulen in Hessen die sachliche Grundlage, andere VKS zu nutzen.

SCHREM II-Urteil und die Folgen

Die aktuelle Rechtslage wird derzeit insbesondere durch das sog. „Schrems II-Urteil“ des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) geprägt, schreibt der Datenschutzbeauftragte. Nach diesem Urteil ist die Übermittlung von personenbezogenen Daten europäischer Bürgerinnen und Bürger in Staaten, die nicht den Datenschutzstandard der Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) garantieren, untersagt. Mit der Nutzung des Landes-VKS würden hessische Schulen (vorbehaltlich der Prüfung durch den HBDI) die von dem EuGH verlangten Standards erfüllen.

Nur Videokonferenzen in Teams betroffen

Zudem macht der HBDI erneut darauf aufmerksam, dass von dem Auslaufen der Duldung lediglich die Videokonferenzfunktion von MS Teams betroffen ist. Andere Funktionen von MS Teams (z.B. Chatfunktion, Austausch von Dokumenten) und auch Microsoft 365 können im pädagogischen Bereich durch Schulen zunächst weiterverwendet werden.

Ein Auge zugekniffen

Wie heißt es so schön in der Mitteilung des Datenschutzbeauftragten: Selbstverständlich ist sich der HBDI darüber im Klaren, dass es aufgrund schulspezifischer Prozesse in den einzelnen Schulen des Landes zu unterschiedlichen zeitlichen Verläufen bei der Migration kommen kann. Der HBDI ist jedoch bereit, die hieraus resultierenden Verzögerungen mitzutragen, soweit erkennbar ist, dass die Schulen den Weg hin zu einem datenschutzkonformen VKS eingeschlagen haben. Allerdings geht der HBDI davon aus, dass die Schulen bis spätestens zum Ende des ersten Schulhalbjahres 2021/22 die Umstellung vollzogen haben.

Die Schotten gehen also für die Microsoft-Lösungen, in denen Teams integriert ist, in diversen Bundesländern dicht. Unter diesem Aspekt wird es interessant zu beobachten sein, wie dieses Windows 11, welches von Microsoft gerade für Windows Insider freigegeben wurde. Dort soll Teams ja als „Standard-Videokonferenzlösung“ mit ausgeliefert werden.

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10 Antworten zu Duldung der MS Teams-Nutzung als VKS in hessischen Schulen endet am 31.7.2021

  1. Blubmann sagt:

    Also ich bin verwirrt, was ist an der Videokonferenzfunktion so viel schlimmer als an den anderen Funktionen oder gar Microsoft/Office 365? Ergibt für mich ehrlich gesagt recht wenig Sinn. Meines Erachtens nach ist mit Schrems-II auch generell Microsoft 365 kritisch. Die Standardvertragsklauseln reichen nach Ansicht verschiedener Aufsichtsbehörden nicht aus, da es zwar organisatorisch geregelt ist, aber was juckt eine US-Behörde schon organisatorisch, da müssen technische Maßnahmen ala Verschlüsselung oder Anonymisierung her.

    Btw wenn wir es gerade von VKS haben. Ich habe mal BigBlueButton aufgesetzt. Erster Kritikpunkt der Etage über mir…. Ja dann muss ich immer auf diese Web-GUI und mir einen Raum anlegen? Ich hätte gerne eine Outlook-Integration

    • Wil Ballerstedt sagt:

      Im einfachsten Fall geht es um biometrische Daten. Oder es soll verhindert werden, dass Microsoft duch verschickte Telemtriedaten weiß, wie es zu Hause bei den Kiddies aussieht.

      Letztlich wird wieder alles auf die lange digitale Bank geschoben. Dazu das Bemühen der Bundesländer, bloss nicht Konzept und Software der doofen Nachbarn zu übernehmen.

      In den Schulen soll nur offenste Software genommen werden und die Arbeitswelt geht immer mehr Richtung MS …

      • Blubmann sagt:

        Wobei es, wenn man es ganz genau nimmt beides durch Schrems-II verboten ist. Aber ja bei Firmen geht alles Richtung Microsofft 365 und Co. und bei öffentlichen Stellen wird versucht genau das abzuschaffen.

  2. EGUG sagt:

    Was ist so schlimm daran neben Facebook, WhatsApp, YouTube, Instagram, … auch Teams zu nutzen ? Die Daten sind doch über das private Surfverhalten soundso schon in den USA. Das ohne Teams datenschutztechnisch alles besser wird ist ein Trugschluß. Statt pragmatische realitätsnahe Entscheidungen zu treffen wird auf Paragraphen herumgeritten. Gut funktionierende, eingeführte und vor allem einfach zu bedienende Lösungen wie Teams werden durch kompliziertere neu zu erlernende Lösungen ersetzt die mitunter Grundfunktionalitäten vermissen lassen aber (nur) datenschutzkonform sind. Und ja, meine Frau ist Lehrerin. Und ja, sie hat im Lernraum gearbeitet schon zu Zeiten als Corona weit weg in der Zukunft war.

    • Zocker sagt:

      Was du oder der Schüler privat machen, ist euer Bier, da optional. Wenn etwas verpflichtend ist, dann ist das ein anderes Kaliber. Oder sind FB, WA, YT-Account und Insta in der Schule verpflichtend?
      Und wenn Schüler die genannten Dienste privat nutzen, dann haben Schule und Bildungssystem auf ganzer Linie versagt. Da wäre MS im Grunde genommen noch das kleinere Übel.

      • mindgame sagt:

        Wie genau ist das gemeint?

        „Und wenn Schüler die genannten Dienste privat nutzen, dann haben Schule und Bildungssystem auf ganzer Linie versagt.“

        Wenn Schüler das generell nutzen, ob in der Schule oder privat? Ungeachted ob auf einem Schulrechner oder einem privatem Gerät?

        • Zocker sagt:

          Richtig, wenn Schüler das generell nutzen. Es gibt etwas, das nennt sich Medienkompetenz. Sollte in der Schule eigentlich frühzeitig vermittelt werden. Gelingt das, werden die (meisten) Schüler freiwillig auf genannte Dienste verzichten und ggf. auf seriöse Alternativen ausweichen. Warum, das muss denke ich nicht weiter erläutert werden. Die Gefahren sind den Meisten hier bekannt.
          Und auf Schulgeräten gehören diese Dienste ohnehin unterbunden.

          • Stexu sagt:

            Was ist denn bitte eine alternative für YT?

            Vimeo mit Tonnenweise Fleischfarbenen Videos? BilliBilli als Chinesische Datenkrake? Deutsches Fernsehen, wo das Programm entweder voller Werbung oder einfach auf Erwachsene ausgelegt ist?
            Und an Whatsapp sind definitiv die älteren Generationen schuld. Ich vermute, das Whatsapp nurnoch genutzt wird weil Eltern das nutzen, und die meist die treibende Kraft dort sind. Aber bei Facebook und Instagram stimm ich dir voll zu.

  3. Tom sagt:

    Behörden sind Evolutionsbremsen „at it’s best“!

  4. Paul sagt:

    @Tom
    Und das ist gut so. Sonst überleben nämlich nur die Stärkeren und Klügeren.Und dann sieht es für uns hier ganz schlecht aus.

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