Das war es mit AudaCity – neue Datenschutzvereinbarung

[English]Die Audacity-Saga geht weiter – zum 2. Juli 2021 gab es eine weitere Änderung an der Datenschutzvereinbarung der Audio-Anwendung. Dort hält sich das Management des neuen Besitzers einige Hintertüren offen, um Telemetriedaten von der Anwendung und ggf. von der Verwendung dieses Programms erfassen zu können. Nach dem Hin- und Her des neuen Managements in Sachen Telemetrie und Benutzerdatenerfassung in den letzten zwei Monaten ist die Community ziemlich sauer. Es scheint an der Zeit, sich von der Anwendung zu verabschieden. Hier ein kurzer Überblick über den Sachstand.


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Audacity ist ein freier Audioeditor und -rekorder, der das Mischen und Bearbeiten beliebig vieler Spuren von Audiodateien ermöglicht. Das Windows-Programm war lange Zeit recht populär bei Benutzern, die Audiodaten bearbeiten müssen. Die Open-Source-Audiosoftware Audacity wurde aber kürzlich durch die Muse Group übernommen, wodurch auch ein neues Management für die operative Führung zuständig ist. Und dieses Management hat es binnen kurzer Zeit geschafft, die Community in ziemliche Rage zu bringen.

Ich hatte ja Anfang Mai 2021 im Blog-Beitrag Audacity und deren Telemetrie: Stinkefinger des Managements an die Community über die Pläne des neuen Managements berichtet, einige „grundlegende Telemetriefunktionen“ zur Software hinzuzufügen. So wollte man Google Analytics verwenden, um mehr über die Verwendung des Programms herauszufinden.

Das Ganze kam in der Community nicht gut an und es gab mächtig Ärger. Das bewog das Muse-Management scheinbar zurückzurudern, wie ich im Blog-Beitrag AudaCity macht Kehrtwende bei Telemetrie berichtete. Das war aber wohl eher ein Manöver, um zu warten, bis sich die Aufregung legt. In der neuen Datenschutzerklärung vom 2. Juli 2021 behält man sich ausdrücklich vor, persönliche Daten wie die Betriebssystemversion und -details, das Land des Benutzers, identifiziert über dessen IP, die CPU und Fehlercodes sowie ggf. Daten, die Behörden fordern, erfassen zu dürfen. Hört sich aktuell harmlos an, aber auf Grund der Vorgeschichte sind die Leute skeptisch.  Gerade der letzte Punkt in der genannten Liste lässt viele Beobachter aufhorchen. Auf reddit.com gibt es einen Thread mit entsprechenden Diskussionen.

Patrick hatte mich gestern auf diesen t3n-Artikel zum Thema hingewiesen, wo genau das thematisiert wurde. Und auch Kevin Kozuszek hat vor einigen Stunden auf Dr. Windows das Drama in drei Akten rund um Audacity nachgezeichnet. Dass Ende Mai ein neues Lizenzmodell eingeführt und die CLA (Contributor License Agreement) geändert wurde, hatte ich nicht mitbekommen. Zudem sollen auch neue Cloud-Dienste eingeführt werden. Ich denke, es ist Zeit für einen Exit der Benutzerschaft. Ob es einen relevanten Fork von Audacity gibt, wird man sehen.

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28 Antworten zu Das war es mit AudaCity – neue Datenschutzvereinbarung

  1. Mira Bellenbaum sagt:

    Welche Version von Audacity ist denn noch nicht Problem behaftet?

    • Georg S. sagt:

      Meines Wissens ist dies Version 3.0.2 vom 19. April 2021.

    • Zocker sagt:

      Ich würde schlicht bei Version 2 bleiben. Die dürfte im Gegensatz zu v3.0.2 ausgereift sein.
      Alternativ auf einen Fork warten.

    • Ralf Lindemann sagt:

      Eigentlich müsste man die Fragen umdrehen: Welche Version von Audacity ist aktuell mit dem Problem behaftet? – Ich kenne keine. Das Problem, das hier diskutiert wird, betrifft die kommenden Versionen und perspektivisch die Weiterentwicklung von Audacity. Die aktuelle Version 3.0.2 zeigt zumindest kein erkennbar anderes Verhalten, was die Interaktion mit dem Internet betrifft, wie die Vorgängerversion 2.x.x: Es findet keine Interaktion statt. Version 3.0.2 ist im Übrigen – vor – der Muse Group-Übernahme erschienen. Ist nur ein Detail, aber in diesem Zusammenhang vielleicht nicht ganz unwichtig. – Meiner bescheidenen Meinung nach kann man die Version 3.0.2 und die Vorgängerversion 2.x.x weiter verwenden wie bisher. Automatische Updates ziehen diese Produkte nicht. Was soll da passieren? – Problematisch sind die kommenden Versionen: Wenn man die wegen der angekündigten Datenabgreiferei nicht nutzen will, ist man faktisch von der Weiterentwicklung abgeschnitten und muss sich perspektisch neu orientieren … – oder nutzt die liebgewonnenen alten Versionen einfach weiter …

  2. Dat Bundesferkel sagt:

    Muah, für Kinder ist Audacity auch nicht mehr. Nutzung unter 13 Jahren verboten. :-D

    https://www.theregister.com/2021/07/05/audacity/

    Naja, wird wohl alles auf Druck der Investorengruppe WSM Group geschehen sein. Und wieder eine Unternehmung, die aus finanziellen Gründen an den Teufel verkauft wurde.

    In einigen Jahren gibt es von den Entwicklern dann das offizielle Geflenne, „hätte man es doch damals™ schon gewußt, daß (…)“.
    Siehe WhatsApp-Entwickler. Da folgte auch die Reue, daß sie ihre „Nutzer“ verkauft haben. Da frage ich mich nur: Geld schon alle? Dann fangen die Leute in der Regel erst an zu bereuen. :-D

    • Art sagt:

      Wobei sich „Nutzer“ auch an die eigene Nase fassen sollten: wenn ich mir die „Contributors“ vieler FOSS Projekte ansehe, finde ich viele „One-Man-Show“ (Commits) und auch wenn das eigene Hobby „Programmieren“ ist, gehört zu einer Software für tausende Benutzer eben auch viel Arbeit jenseits von „Programmieren“ – Docu, Issue Tracking, etc.
      -> Sucht Euch Projekte, die Euch interessieren und unterstützt diese im Rahmen Eurer Möglichkeiten – das ist nicht auf Geld/Programmieren begrenzt.

  3. Mario W. sagt:

    Es gibt bereits einen Fork der sich zum Ziel gesetzt hat genau diese Änderungen wieder rückgängig zu machen:
    https://github.com/temporary-audacity/audacity

  4. Patrick sagt:

    Ich hatte Audacity für die gelegentliche Nutzung als portable Version hier bis gestern zur Verfügung. In ein paar Sekunden war alles erledigt: Uninstall.

  5. Georg S. sagt:

    @Mira Bellenbaum:
    Meines Wissens ist dies Version 3.0.2 vom 19. April 2021.

  6. Blupp sagt:

    In den Paketquellen liegen noch ältere Versionen, unter Linux Mint wird aktuell v2.3.3 geliefert die den Quatsch noch nicht hat. Bis es da soweit ist vergeht noch Zeit, zudem sind schon andere aus den Paketquellen der Distros rausgeflogen. Da Audacity unter der GPL steht würde es mich nicht wundern wenn es bald einen Fork gibt.

  7. Bernd Bachmann sagt:

    Ich glaube, ich schrieb es zu diesem Thema schon einmal: Einfach den Internet-Zugang von Audacity in der Firewall sperren.

    • Blupp sagt:

      Kann man machen und da fällt mir meine Zeit mit Windows ein.
      Auch da hat man gesperrt, gepatcht und sonst was für Verrenkungen gemacht um seine Privatsphäre zu schützen. Letztlich bin ich da weg weil es den Kampf nicht wert war.
      Und nun fängt man mit Audacity ebenfalls mit diesem Unfug an. Zum Glück ist es nur eine einzelne Software und nicht gleich ein OS, es gibt Alternativen.

    • Zocker sagt:

      Prinzipiell ja. Das geht solange, bis das Programm irgendwann doch eine Internetverbindung braucht. Grundsätzlich sollte man sich besser nach Alternativen umsehen. Je mehr Nutzer ein Zeichen setzen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sich das un Zukunft nicht wiederholt. Ansonsten schaufeln die Nutzer nur ihr eigenes Grab.

  8. Joachim Herbert sagt:

    Niemand weiß bisher, ob und wie welche Daten aus welchen Gründen für welche Zwecke erhoben werden sollen. Es gibt ein klärendes Statement von Muse, das offensichtlich ausgeblendet wird.

    https://cdm.link/2021/07/audacity-makers-clarify-data-usage-and-theres-not-reason-to-dump-the-editor-yet/

    Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Aber was weiss ich schon.

    Vielleicht lieber ein teures kommerzielles Programm mit Telemetrie? Gibt es ja auch.

    • Blupp sagt:

      Der Einwand ist durchaus verständlich, geht aber an dem eigentlichen Problem vorbei.
      Das wäre: Die Nutzer von Software reagieren auf Telemetrie empfindlich.

      Die Frage warum Nutzer empfindlich reagieren kann man vielleicht damit erklären, dass einige kommerzielle Softwareanbieter auf diesem Feld Schindluder treiben und die Nutzer ihrer Software zur Telemetrie und somit zur Preisgabe persönlicher Daten zwingen. An dieser Stelle wird verschleiert und versucht den Nutzer zum Erhalt von Daten aufs Glatteis zu führen. Wenn nun so ein Projekt zu einem Anbieter mit kommerziellen Interessen geht bzw. so plötzlich Datenschutzbestimmungen präsentiert werden die man abnicken muss, dann wirds problematisch und man denkt nach und reagiert.

      So auch z.B. ich, ich bin sicher gern bereit Daten nach denen man mich fragt auf Grund eines bestimmten Anlasses zu übermitteln nach dem ich diese Daten prüfen konnte. Ein Crash der Software könnte so ein Anlass sein. Kommen da aber irgendwelche Datenbschutzbestimmungen EULAs oder sonst was ins Spiel die ich pauschal abnicken muss ist auch bei mir der Ofen aus.
      Die Reaktion mag hart erscheinen, ist aber nachdem wenige Softwareanbieter Telemetrie zum Zwang und die erhobenen Daten vorab zu einem Geheimnis machen nicht verwunderlich. Man könnte sagen, dass wenige Softwareanbieter durch ihr Tun die ganze Branche in Verruf gebracht haben. Damit sind Datenerhebungen die man pauschal abnicken muss einfach Ähh Bähh Pfui oder wie immer man es ausdrücken will, eben unerwünscht wie Fußpilz.

      Das mag keine allgemein gültige Antwort sein aber es ist meine, das Vertrauen ist nunmal tief erschüttert, wenn nich gar zerstört.

    • Ralf M. sagt:

      Bei solchen Kommentaren kann ich nur den Kopf schütteln. Hat jahrelang auch ohne Telemetrie und komischen Abfragen funktioniert. Wenn der neue Besitzer versucht durch die Hintertür Optionen einzubauen die gegen die GPL verstossen (mind. Alter 13) und die ganzen Abfragen ohne Nachfrage als Default Settings in irgendwelchen Systemdateien dem User unterschiebt braucht sich nicht über die Reaktionen aus der Community wundern.
      Schon bei den ersten Ankündigungen wurde das Programm auf die Blacklist gesetzt. Was geht es die Muse Group an, wann, wie oft und wofür ich das Programm benutze? Für die Bereinigung von Fehlern gibt es Fehlerberichte, da kann man freundlich nachfragen, ob der User das verschicken möchte.

  9. defr0ke sagt:

    Mich wundert´s dass Audacity nicht schon viel früher verkauft wurde… Diese Software hat Potential zur Monetarisierung, denn für eine freie Audiobearbeitungssoftware war dieses Programm sehr umfangreich und technologisch ausgereift.

    Bei einer restriktiven Anpassung der Datenschutzerklärung ist schließlich der Weg nicht weit, aus der Kuh die Milch zu saugen. Sonst wäre die Software sicher nicht übernommen wurden. Dafür gibt es für die neuen „Besitzer“ sicher auch gute Gründe, sie wollen im Markt der Audio-Tools / Recordingsoftware ein Stück vom Kuchen abbekommen, ohne dafür was grundlegend neues zu entwickeln.

    Entgegen der Aussage der neuen Besitzer, dass diese Software kostenlos bleibt, gehe ich davon aus, das früher oder später eine Version mit erweiterten Funktionen Geld kosten wird. Und auch der Support wird sicher nicht mehr frei sein…

    Früher oder später wird das ganze sowieso nach hinten losgehen und Audacity Original aussterben. Weil es genügend andere, etablierte und umfangreichere Bezahlprogramme der selben Sparte gibt und weil die Community einen Fork entwickelt, der dieses Projekt so gut es geht kostenlos weiterführt.

  10. Luzifer sagt:

    Ist doch recht simpel: Deinstalliert und gut ist! Ist jetzt keine Software für die es keine Alternativen gibt oder überlebensnotwendig ist … aus dem Alter Konsumsklave bin ich längst raus. Wer mich gängelt fliegt von der Platte!

    fast, easy, simple

  11. viebrix sagt:

    Eine Artikelserie mit einigen Details gibt es auch auf https://linuxnews.de/ zu dem Thema.
    Da Muse Group Namesrechte etc. übernommen haben dürfte, gibt es Diskussionen zur Namens und Logoänderung des Forks auf https://github.com/temporary-audacity/audacity/issues/5
    Da ist dann auch jeder eingeladen selbst neue Vorschläge einzubringen, dafür gibt es aber eine eigene issues nummer. (findet man im selben Thread)

    (Ich hoffe die Links sind hier erlaubt, ich hab jedenfalls nichts gegenteiliges gefunden – falls jedoch nicht, bitte einfach den Kommentar nicht freigeben)

  12. Ich nutze seit ca. 1998 Goldwave mit einer preiswerten Lifetime-Lizenz, mit der ich bis heute die neuste Versionen installieren darf.

    • Norbert sagt:

      Auch ich verwende dieses Programm seit vielen Jahren. Sicher eine hervorragende Alternative. Meines Wissens wird hier nicht ausspioniert.

    • nobody sagt:

      Deutsch kann das Programm nicht und will auch noch 60 Euro – ich sehe da keine Alternative.

  13. ralf sagt:

    HEISE: „Nach drei Wochen Streit überarbeitet Audacity seine Richtlinie zur Privatsphäre – mit einer Entschuldigung, dass das Projekt gar keine Daten erhebe.“

    https://www.heise.de/news/Audioedtior-Audacity-Das-mit-der-Datensammlerei-das-war-gar-nicht-so-gemeint-6147420.html

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