Samsung kann mit TV Block seine TV-Geräte remote deaktivieren

[English]Dass es bei Software häufig einen sogenannten Killswitch gibt, mit dem man diese ferngesteuert stillgelegt wird, ist Insidern bekannt. Bei Microsoft und anderen Herstellern lässt sich die Aktivierung zurücksetzen, schon schaut der Nutzer in die Röhre. Oder ein Sicherheitsfeature wie Secure Boot ließe sich für solche Zwecke verwenden. Bei Samsung gibt es auch die Möglichkeit TV-Geräte weltweit ferngesteuert abzuschalten. Die Funktion nennt sich TV-Block und wurde kürzlich bekannt.


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Ich bin über den nachfolgenden Tweet der Kollegen von Bleeping Computer auf den Sachverhalt bzw. TV Block aufmerksam geworden.

Samsung TV Block

Das Ganze wurde mehr oder weniger durch Zufall bekannt, als es in Südafrika nach Unruhen im Juli 2021 zu Plünderungen von Geschäften kam. In einer Pressemitteilung von Samsung Südafrika gab der Hersteller bekannt, dass er von Plünderungen betroffene Einzelhändler mit einer innovativen Fernsehsperrfunktion unterstütze. In der Meldung heißt es:

Samsung Südafrika hat die Einführung einer Fernsehsperrfunktion für alle Samsung-Fernsehgeräte angekündigt. Das Sperrsystem soll bei Fernsehgeräten zum Einsatz kommen, die von Nutzern auf unrechtmäßige Weise erworben und in einigen Fällen aus den Samsung-Lagern gestohlen wurden.

TV Block ist eine ferngesteuerte Sicherheitslösung, die erkennt, ob Samsung-Fernsehgeräte unrechtmäßig aktiviert wurden, und sicherstellt, dass die Fernsehgeräte nur von den rechtmäßigen Besitzern mit einem gültigen Kaufnachweis verwendet werden können.

Ziel der Technologie ist es, die Entstehung von Sekundärmärkten im Zusammenhang mit dem Verkauf illegaler Waren sowohl in Südafrika als auch außerhalb der Landesgrenzen zu verhindern. Diese Technologie ist bereits auf allen Samsung TV-Produkten vorinstalliert.

Im Rahmen dieser Aktion hat Samsung die TV-Sperre für alle Samsung-Fernsehgeräte aktiviert, die seit dem 11. Juli 2021 aus seinem Vertriebszentrum in Cato Ridge in KZN (Südafrika) gestohlen wurden. Samsung Television Block funktioniert wie folgt:

  • Für die aus dem Samsung-Lager gestohlenen Samsung-Fernsehgeräte wurde das TV-Sperrsystem aktiviert.
  • Die TV Block-Sperrung tritt in Kraft, wenn der Benutzer eines gestohlenen Fernsehers eine Verbindung zum Internet herstellt, um den Fernseher zu bedienen.
  • Sobald die Verbindung hergestellt ist, wird die Seriennummer des Fernsehers auf dem Samsung-Server identifiziert und das Sperrsystem wird aktiviert, wodurch alle Funktionen des Fernsehers deaktiviert werden.

Sollte der Fernseher eines Kunden fälschlicherweise gesperrt worden sein, kann die Funktionalität wiederhergestellt werden, sobald ein Kaufnachweis und eine gültige TV-Lizenz an serv.manager@samsung.com übermittelt wird. Weitere Informationen finden sich hier. Samsung will damit den Schwarzmarkt gestohlener Geräte eintrocknen, denn die Geräte werden damit unverkäuflich, sobald sich dies herumgesprochen hat. Mike Van Lier, Direktor für Unterhaltungselektronik bei Samsung Südafrika wird mit folgender Aussage zitiert:

Im Einklang mit unseren Werten, die Kraft der Technologie zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen zu nutzen, werden wir kontinuierlich strategische Produkte in unserer Unterhaltungselektroniksparte mit verteidigungsfähiger Sicherheit entwickeln und ausbauen, die speziell mit innovativen und intuitiven Business-Tools für eine neue Welt entwickelt wurden. Diese Technologie kann sich jetzt positiv auswirken und wird auch in Zukunft sowohl der Industrie als auch den Kunden von Nutzen sein.

Der Ansatz des Herstellers ist zwar nachvollziehbar, aber die Entwicklung zeigt einmal mehr, wie der Kunde am Gängelband der Hersteller geführt wird. Wer sagt mir denn, dass da nicht irgendwann die Sperre für andere Zwecke ausweitet wird, so ein „TV gucken as a service“, und wenn Du nicht zahlst, schalten wir dir die Glotze ab. Oder eine Fehlkonfiguration auf Samsung-Servern legt weltweit alle Samsung TV-Geräte über TV Block still. Ich denke, es ist auch ein gefundenes Fressen für Hacker, die einerseits Besitzer von TV-Geräten ärgern können. Aber es wäre ja auch vorstellbar, dass eine Hackergruppe sich mal den TV Block-Server genauer vornimmt, vorsorglich alle Samsung TV-Geräte deaktiviert, den Server sperrt und dann Lösegeld von Samsung fordert. Das oben zitierte Statement von  Mike Van Lier, dass man „kontinuierlich strategische Produkte in unserer Unterhaltungselektroniksparte mit verteidigungsfähiger Sicherheit entwickele“ klingt in diesem Kontext wie eine Drohung. Vielleicht den nächsten Kauf eines Samsung-Geräts einfach überdenken.


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22 Antworten zu Samsung kann mit TV Block seine TV-Geräte remote deaktivieren

  1. Micha sagt:

    „Sollte der Fernseher eines Kunden fälschlicherweise gesperrt worden sein, kann die Funktionalität wiederhergestellt werden, sobald ein Kaufnachweis und eine gültige TV-Lizenz an serv.manager@samsung.com übermittelt wird.“

    Das kann dann problematisch werden wenn das Gerät mehrere Jahre alt ist und als gebraucht TV an jemand anderen verkauft wurde. Wie soll der Käufer des gebraucht TV dann nachweisen das dieser vor mehreren Jahren legal erworben wurde. Die Originalrechnung wird er ja wahrscheinlich nicht haben. Selbst wenn er sie haben sollte passt der Name auf der Rechnung dann nicht zum Besitzer.

    Alternativ kann man die Funktion nutzen um alte TV Geräte die diese Funktion schon unterstützen unbrauchbar zu machen. Das wäre dann ähnlich wie bei Druckern die dann nur noch blinken.

    • Markus K sagt:

      Ein Schelm wer böses denkt und vielleicht das „defekte“ Gerät nur geblockt wird und eigentlich gar nicht defekt ist. Damit konnte man die Verkaufszahlen durchaus optimieren?

    • 1ST1 sagt:

      Woher soll der schon aktivierte Fernseher wissen, dass er gebraucht wieder verkauft wurde? Einmal aktiviert bleibt aktiviert.

      • David sagt:

        Nicht ganz richtig – er kann „jederzeit“ wieder deaktiviert und damit unbrauchbar gemacht werden!

        • Zocker sagt:

          Theoretisch ja, aber wie soll das genau funktionieren? Haben die Fernseher eine SIM eingebaut? Man wird als Nutzer ja wohl kaum gezwungen zu sein, den Fernseher ans Internet anzuschließen.

          • Günter Born sagt:

            Es ist immer die fehlende Phantasie, die die Lemminge über die Klippe führt. Wie man das macht, wird doch seit Jahren an IoT-Geräten gezeigt. Da ist plötzlich eine Cloud-Anbindung erforderlich, um die Geräte in Betrieb nehmen oder irgend eine Funktion verwenden zu können. Wenn das Smart TV-Setup zur Freischaltung der Funktionen eine Internetverbindung braucht, wird keine SIM benötigt …

          • Zocker sagt:

            Die Frage ist doch, ob man zum sinnvollen Betrieb überhaupt eine Internetverbindung benötigt. Wenn nein, dann kann der Hersteller den Fernseher nicht einfach deaktivieren, wenn er keine SIM verbaut hat. Und wenn er ohne Internetverbindung nicht läuft, dann hat sich das Modell doch direkt disqualifiziert. Augen auf beim Kauf sag ich da nur. Genau informieren. Und wenn sich doch herausstellt, dass ein Betrieb ohne Internet nicht möglich ist, dann gibt man das Teil zurück. Über die Klippe muss der Lemming schon selbst laufen. Wenn er nicht merkt, dass er in einer Sackgasse ist, an deren Ende die Klippe ist, kann man ihm auch nicht helfen. Dann sollen sie halt drüber springen. Das Denken muss man schon selbst erledigen. Und da sollte man auch mal stutzig werden und Dinge hinterfragen. Zur Not bei Freunden.
            Sicher mag es da den normalen Nutzer geben, der sich damit nicht beschäftigen will. Leider ist es heutzutage generell so, dass man sich mit solchen Themen befassen MUSS. Alternativ kann man gerne Geräte von 2010 nutzen, wenn die Faulheit siegt.

            Die Smart-TV-Funktionen sind ohnehin eine Sache für sich. Oft von der Bedienung schlecht und träge, aber definitiv irgendwann veraltet (spätestens wenn sich wieder eine API ändert). Außerdem muss man davon ausgehen, dass Daten wie Sehgewohnheiten an den Hersteller gesendet werden (Samsung ist glaube ich besonders ein Kandidat).
            Für „smarte“ Funktionen würde ich ein separates Gerät verwenden. Alleine schon weil man das bei Bedarf erneuern kann. Beispielsweise ein FireTV Stick. Den kauft man im Laden und gibt bei der Einrichtung Fakedaten inkl. Kreditkarte an (versuchen etwas zu kaufen sollte man natürlich nicht). Leider scheint Amazon keine große Konkurrenz zu haben und (gute) Testberichte zu dieser sind leider auch Mangelware.

            Mal ganz davon abgesehen: warum sollte ein Hersteller einen Fernseher einfach so deaktivieren? Natürlich darf eine solche Funktion eigentlich nicht verbaut sein, jedoch sollte man auch auf dem Boden der Tatsachen bleiben und die tatsächliche Gefahr vernünftig einschätzen. Und die ist ziemlich niedrig, solange da keine Uhr runtertickt. Für den Hersteller wäre so etwas ein PR-GAU, wenn das rauskommt. Samsung hat ähnliches bereits durch BD-Spieler erlebt, an die ein fehlerhaftes Firmwareupdate verteilt wurde, welches die Geräte unbrauchbar machte. Die PR-Auswirkungen waren aber nicht so hoch, da sich Samsung ohnehin aus dem Markt zurückgezogen hatte.

    • Zocker sagt:

      „Die Originalrechnung wird er ja wahrscheinlich nicht haben. Selbst wenn er sie haben sollte passt der Name auf der Rechnung dann nicht zum Besitzer.“

      Wahrscheinlich hat der Dieb die Rechnung dann gleich mitgeklaut…

  2. janil sagt:

    Lacht. Jetzt ist es doch wirklich nur noch eine Frage der Zeit, bis die Hacker übernehmen. Nach dem Bericht darüber ist es sicher schon in Arbeit.

  3. Chris sagt:

    Also am besten den Fernseher nicht ans Netz hängen und ggf. smarte Funktionen nur über ein separates Gerät, wir ein Fire TV Stick, Apple TV, Konsole, usw, herstellen.

    Dann ist und bleibt man Herr über sein Eigentum.

    Ist auch schon vorgekommen, das durch Updates nachträglich Funktkionen gestrichen wurden, sehr ärgerlich wenn man einserseits angehalten wird die Geräte aktuell zu halten und auf der anderen Seite der Willkür des Herstellers ausgesetzt ist.

    Zum Glück ist damit ab dem 01.01.2022 Schluss.
    Dank der Aufnahme der Europäischen Wareneinkaufichtlinie, zur Regelung des Verkaufs von Sachen mit digitalen Elementen und anderer Aspekte des Kaufvertrags ins BGB.

    Gruß

    • 1ST1 sagt:

      Naja, diese abschaltbaren Funktionen gehen wohl ohne Online zu sein nicht. Ich kenne das ja auch von meinem Philipps-TV, bei dem dann die Youtube-App entfernt wurde, weil man keinen Bock mehr hatte, sie weiter upzudaten. Von daher sitzt so ein Hersteller leider immer am längeren Ende des Hebels.

  4. 1ST1 sagt:

    So ein Killswitch in den richtigen Händen ist vielleicht garnicht so schlecht, so kann man jedem den Fernseher still legen, der Propaganda-TV guckt, egal welcher Couleur. Und man kann davon ausgehen, wenn Samsung die Funktion in den Fernsehern hat, dass sie auch in den Smartphones steckt, gleich mal alle in Afghanistan registrierten Geräte abschalten…

  5. Gerold sagt:

    Wunderbar, neues Geschäftsfeld für Ransomwarehersteller. Den Leuten den TV abschalten, am besten geeignet sind Sportübertragungen mit grossem Publikumsinteresse.

  6. Blupp sagt:

    Muss nur noch jemand den passenden Exploit finden und dann Willkommen zu Ransom-TV.

  7. Andy sagt:

    So eine Funktion dürfte es eigentlich nur geben, wenn die Kontrolle darüber vollständig in der Hand des Eigentümers liegt. Und wer das ist, hat sich ausschließlich nach dem BGB zu richten.
    Nachdem solche Enteignungsmöglichkeiten bei Produkten von marktbeherrschenden Herstellern langsam überhand nehmen, wird es wohl Zeit, etwas dagegen zu tun.

    Wenn mal jemand so freundlich wäre, diese Infrastrukturen so schmerzhaft zu missbrauchen, dass die Empörung hochkocht, dann wäre es sicher über Nacht vorbei mit diesen Allmachtsfantasien.
    So lange das nicht passiert, werden unsere aktuellen Politiker das wohl leider für eine tolle Idee halten und das sicher bald in irgendeine Richtlinie als Pflicht einflechten…

  8. Bolko sagt:

    Warum muss man einen TV „aktivieren“?
    Welche Funktionen fehlen denn, wenn an nicht „aktiviert“?
    Einen LG TV muss man jedenfalls nicht „aktivieren“.

  9. Steter Tropfen sagt:

    Ach ja, natürlich alles nur, um bösen Dieben das Handwerk zu legen. Bei Bedarf dann auch anderen, die als „böse“ definiert werden. Länder wie China nutzen solche Technologien sicher gern, um unangenehm aufgefallene Bürger mit Fernsehverbot zu belegen.
    Das Internet ist eben in erster Linie ein Kontrollinstrument!
    Wenn ich denke, dass Leute allen Ernstes Lampen kaufen, bei denen sie jedesmal online darum bitten müssen, dass Alexa die für sie ein- und ausschaltet… irgendwann wird ihnen dann Big Brother heimleuchten und vorgeben, wie lange ein anständiger Mensch schlafen darf, bevor er als Tagedieb gilt.

  10. Dat Bundesferkel sagt:

    „(…) wenn der Benutzer eines gestohlenen Fernsehers eine Verbindung zum Internet herstellt (…)“

    Ja, ich hörte schon von diesen Menschen, die tatsächlich diese unkluge Entscheidung treffen, obgleich schon mehrfach in der Fachpresse berichtet worden ist, wie regelrechte Zuschauer-Profile erstellt und ungefragt versandt werden – die Apps, die so eine TV-Gurke anbietet, sind das Netzwerkkabel in der Regel nicht wert.

    Es gibt andere, sinnvollere Wege, sein Gerät „smart“ zu machen. Muß jeder für sich selber wissen.

    Ansonsten wiederhole ich gerne eine Aussage, die ich seit Jahren bei jeder Gelegenheit vom Stapel lasse:
    „Alles, was technisch möglich ist, wird auch früher oder später genutzt werden, ganz gleich wie die Beteuerungen und Versprechen von Herstellern, Entwicklern, Politikern, Arbeitgebern etc, auch sind.“
    Der Partner bespitzelt seinen Partner via Smartphonetracking, der Arbeitgeber überwacht den Mitarbeiter im Office @ Leistung (oder unterwegs via GPS – natürlich nur aus Gründen der Versicherung fürs Fahrzeug = Kostenersparnis), Windows hat nur Code integriert um 3rd Party Apps zu entfernen, als „Schutzfunktion“, der Bundestrojaner wird nur ganz dolle selten eingesetzt (hat sich ja nun offiziell geändert)…

    Ich schweife ab. Alles was eine Verbindung herstellt / herstellen kann (Netzwerk, Funk etc.) sollte mit äußerster Vorsicht verwendet werden.

  11. Paul Brusewitz sagt:

    Danke, gut zu wissen. Damit hat sich der Kauf von Samsung TV-Geräten für mich erledigt. Samsung Mobiltelefone werden bald folgen, vermute ich. Von einer Sperrung durch den konkreten, bestohlenen Eigentümer bis zur allgemein möglichen Sperre durch den Hersteller ist es ja nur ein kleiner Schritt.

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