Microsoft-Studie zeigt: Remote-Arbeit gefährdet Zusammenarbeit und Zukunftsfähigkeit

[English]Brisantes Ergebnis, was eine Studie bezüglich des Remote-Arbeitens aus dem Home-Office bei 61.000 Microsoft-Angestellten herausgefunden hat. Die neue Studie kommt zu dem Schluss, dass die Corona-bedingte unternehmensweite Umstellung von Microsoft auf Remote-Arbeit aus dem Home-Office die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Geschäftsbereichen innerhalb des Unternehmens beeinträchtigt hat, was die Produktivität der Mitarbeiter und langfristige Innovationen gefährdet.


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Die Coronavirus-Pandemie (CPVOD-19) hat ja viele Unternehmen bewogen bzw. gezwungen, ihre Mitarbeiter, wo immer es ging, kurzfristig aus den Firmenbüros ins Home-Office zu verlagern. Schaute man sich die Artikel seit April 2020 an, gab es zwar ein Jammern, dass eine Reihe Angestellte die Arbeit in der Firma vermissen. Aber es gibt auch Mitarbeiter, die den gesparten Weg zur Arbeitsstelle als positiv empfanden. Zudem gibt es ja sogenannte Kollaborationswerkzeuge wie Microsoft Teams, die die Zusammenarbeit ermöglichen und sogar fördern. Also alles bestens? Zwar arbeiteten vor der Pandemie schon immer Menschen im Home-Office, aber die weitgehende Verbannung der Mitarbeiter in Firmen kann man letztendlich als gigantisches Experiment betrachten.

Studie schaut genauer hin

Bei Microsoft wollte man es wohl genauer wissen und hat eine Studie in Auftrag gegeben, die herausfinden sollte, wie sich das Remote-Arbeiten auf die Kommunikation und Zusammenarbeit von Wissens- oder Informationsarbeitern untereinander bei den eigenen Angestellten auswirkt. Die Studienautoren verwendeten umfangreiche Daten zu E-Mails, Kalendern, Sofortnachrichten, Video-/Audioanrufen und Arbeitsstunden von 61.182 US-amerikanischen Microsoft-Mitarbeitern in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020, um die kausalen Auswirkungen der unternehmensweiten Fernarbeit auf die Zusammenarbeit und Kommunikation abzuschätzen.

Microsoft Study: Remote work

Die Studie ist am 9. September 2021 in Nature erschienen. Der obige Tweet fasst die Ergebnisse so zusammen, dass die Studie zum Schluss kommt, dass die unternehmensweite Umstellung von Microsoft auf Remote-Arbeit die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Geschäftsbereichen innerhalb des Unternehmens beeinträchtigt habe. Dies gefährdet die Produktivität der Mitarbeiter und vor allem langfristig auch die Innovationen im Unternehmen.

Dazu schreiben die Studienautoren: Unsere Ergebnisse zeigen, dass die unternehmensweite Fernarbeit dazu führte, dass das Kollaborationsnetzwerk der Arbeitnehmer statischer und isolierter wurde und weniger Brücken zwischen den verschiedenen Teilen (Abteilungen, Geschäftsbereiche) schlug. Außerdem kam es zu einem Rückgang der synchronen Kommunikation und einem Anstieg der asynchronen Kommunikation. Zusammengenommen können diese Auswirkungen dazu führen, dass es für die Mitarbeiter schwieriger wird, neue Informationen über das Netzwerk zu erwerben und auszutauschen.

Eine plötzliche Verlagerung der Arbeit ins Home-Office schafft nicht so Probleme bei der bestehenden Arbeit und in den Teams, sondern liegt vor allem in der Zukunft der Organisationen. Die Menschen schaffen keine neuen Verbindungen mehr unter der Belegschaft und werden immer mehr isoliert. Das sei schlecht für Innovation und Karriere, heißt es im Fazit der Studie. Die Studienautoren schreiben dazu:

Ohne Intervention haben die von uns entdeckten Effekte das Potenzial, die Fähigkeit der Arbeitnehmer zu beeinträchtigen, neue Informationen zu erwerben und gruppenübergreifend auszutauschen, was sich wiederum auf Produktivität und Innovation auswirkt. Angesichts dieser Ergebnisse sollten sich Unternehmen gut überlegen, ob und wie sie langfristige Richtlinien für die Arbeit von zu Hause aus einführen wollen.


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14 Antworten zu Microsoft-Studie zeigt: Remote-Arbeit gefährdet Zusammenarbeit und Zukunftsfähigkeit

  1. Bernd Bachmann sagt:

    Kann ich (seit 1 1/2 Jahren ausschliesslich im Heimbüro) mir gut vorstellen. Die „Zufallskomponente“ fehlt vollständig. Spontaner Ideenaustausch, das beiläufige Aufschnappen von Informationen oder das zufällige Kennenlernen von Kollegen, mit denen man normalerweise nicht zusammenarbeitet — das findet alles nicht mehr statt.

    Andererseits arbeite ich ohne den Lärmpegel des Grossraumbüros sehr viel effizienter und habe daher Zeit, mir über Dinge Gedanken zu machen, zu denen ich vorher nicht gekommen bin. Da ist dann durchaus auch schon die ein oder andere Innovation bei herausgekommen.

  2. Alfred Neumann sagt:

    Für die Gefährdung der Zukunftsfähigkeit sorgt doch die Geschäftsleitung von MS seit Jahren mehr als erfolgreich.

  3. HansGS sagt:

    Habe mal gehört dass die Mitglieder eines Projektteams nicht weiter als ca. 10m voneinander entfernt sitzen sollen um optimal am Projekt zu arbeiten, sonst reden die Leute nicht mehr miteinander (.. zu weit um zu rufen, zu umständlich um mal eben zu telefonieren). Home Office erfüllt das eher nicht.

    • chw9999 sagt:

      Im Homeoffice ist man eher geneigt, zum „Hörer“ zu greifen, als im Office selber, so zumindest meine Erfahrungen.
      Persönlich ist das Telefonieren mit oder ohne Bild, da obligatorisch in der Pandemie, einfach noch natürlicher geworden. Der Buschfunk hat ausgedient!

  4. Lukas sagt:

    Es kommt denke auch immer auf die Prozesse im Unternehmen an. Auch hier muss ein generelles Umdenken erfolgen was insbesondere die Kommunikation angeht. Vor allem die Geschäftsführer und Abteilungsleiter sehe ich da in der Pflicht die „neuen“ Kanäle sinnvoll zu integrieren. Unterm Strich wird eine Kombination aus Homeoffice und vor Ort der richtige Weg sein, wobei das natürlich auch abhängig vom jeweiligen Mitarbeiter ist.

  5. Mance sagt:

    Das momentane Problem damit ist, daß es aus dieser Zwangslage heraus geboren wurde. Entweder ganz oder garnicht. Homeoffice war für mich während meiner aktiven Zeit eigentlich normal. Tagsüber wärend der normalen Arbeitszeit mit den Kollegen beim Alltagskram rumgeärgert. Abends und am Wochenende dann zuhause in Ruhe mit ’ner Zigarette im Maul und ein zwei Halbe dazu, vor mich hin programmiert ;-))

  6. Schulze sagt:

    Man könnte Teamarbeit/Homeoffice an den Impfstatus des Personals anpassen. Die Politik sendet ja ein ganz klares Signal: Wer sich impfen lässt, hat seinen Dienst an der Allgemeinheit geleistet und wird dafür belohnt.

    • Jackie sagt:

      Sowas ließt man in den letzten Wochen ständig man soll sich impfen lassen und den Dienst an der Allgemeinheit tun. Endlich hat der Deutsche wieder ein Feindbild gefunden. Ich warte nur noch auf den Aufruf nicht bei Ungeimpften zu kaufen. Schön wie Politik und Wirtschaft von ihrem Versagen ablenken und den schwarzen Peter den Ungeimpften zuschieben. Hätte man von Anfang an hart durchgegriffen und ordentliche Lockdowns gemacht und HomeOffice durchgesetzt, ständen wir jetzt mit weniger Mutationen und sehr wahrscheinlich auch besser da. Ich bin geimpft aber dazu musste ich schon einiges an Eigeninitiative aufwenden, ob es die richtige Entscheidung war kann ich nur hoffen. Niemand kann jetzt mit absoluter Sicherheit sagen ob und welche Spätfolgen es haben wird. Manche wenige sterben halt doch auch zeitnah an der Impfung. Für die war der Nutzen dann halt nicht so groß. Indessen können wir uns nicht auf ein Tempolimit auf Autobahnen oder Tempo 30 in Städten einigen. Das wäre doch auch ein Dienst an der Allgemeinheit ganz ohne Risiken für einen selber. Oder einfach mal dafür sorgen das Menschen nicht mehr auf dem Planeten verhungern oder einfach nur angemessen für ihre Arbeit bezahlt werden, geht aber alles nicht. Ungeimpfte werden bestraft, Rauchen oder Saufen geht aber auch weiterhin ohne Konsequenzen. Um es klar zu stellen ich bin für die Solidargemeinschaft ohne wenn und aber. Aber so ganz typisch gibt es in der Impfdebatte auch wieder nur zwei Zustände und wird vor allem Hass geschürt. Das macht mir persönlich langsam mehr Angst als das Virus selber. Aber erstmal zeigen wir überall fröhlich unseren Impfstatus vor und schauen verachtend nach China und deren Sozialpunktesystem. Wir haben in den letzten Jahren vorallem Freiheit und Menschlichkeit verloren! Ich frage mich was bei der nächsten Krise passieren wird, denn die steht dank Klimawandel schon vor der Tür.

      • Günter Born sagt:

        Ich habe den Kommentar mal zugelassen, sollten wir aber nicht vertiefen, da das arg off-topic wird.

        • Schulze sagt:

          Vielen Dank.
          Es war nicht ernst gemeint, ist aber eines der möglichen Schreckensszenarien, die ich befürchte.

          Bei meinem Arbeitgeber spielt das ohnehin kaum eine Rolle, da über mehrere Standorte verteilt, keine Großraumbüros vorhanden und durch die räumliche Trennung schon immer vieles per Mail oder Telefonat erledigt wird. Der Kundendienst wird entweder telefonisch oder persönlich vor Ort, oft nur von einem Mitarbeiter, abgewickelt.

  7. Luzifer sagt:

    naja ich denke da muss man ganz klar unterscheiden: ein IT nahes Berufsbild kann sicher auch safe aus dem Homeoffice arbeiten (wobei das auch schon blauäugig mit beiden Hühneraugen ist), aber wenn ich mir anschaue wie oft die Security Appliance
    hier in der Firma schlimmeres verhindert hat, wage ich doch ehrlich zu bezweifeln das das Homeoffice der typischen Bürotipse das auch nur ansatzweise leisten kann!
    Es ist in der heutigen Zeit so schon schwer genug seine Firma sauber zu halten, Home Office reißen da nur zusätzliche Scheunentore!

    • 1ST1 sagt:

      Kommt darauf an wie man das Homeoffice konzipiert. Bei uns sind das keine zusätzlichen Scheunentore. Die Notebooks gehen sofort ins VPN, sobald sie eine Netzwerkverbindung erkennen, sie lassen sich im Heimnetz nicht anfunken und können auch selbst im lokalen Subnetz keine Adressen anfunken. Die VPN-Verbindung prüft als allererstes, wenn sich ein Notebook mit dem Firmennetz verbindet, dass das Notebook die neuesten Patches und Pattern hat, und wenn nicht, wird sofort dieser Updatevorgang gestartet, und solange kann der Benutzer keine anderen IP-Adressen in der Firma erreichen.

  8. chw9999 sagt:

    „Das sei schlecht für Innovation und *Karriere*“ – und mit letzterem Punkt haben wir einen signifikanten Treiber für Manager, um ohne Sinn und Verstand die Leute wieder ins Office zu prügeln, damit man sich am eigenen Headcount laben kann – und natürlich dem Konkurrenten zu zeigen, wie seine eigenen Häschen arbeiten!

    Die *eigene* Karriereleiter kann davon natürlich auch betroffen sein, nix mit mal eben über einer Zigarette mit dem (ranghöheren) Stehnachbarn zu klönen. Jetzt muss man ggf. durch eigene, gute Arbeit auch bei anderen auffallen. Schafft hat nicht jeder… Gab’s aber auch schon andere Untersuchungen vor der von MS, die das aussagten.

  9. Phadda sagt:

    Die Studie benutzt Informationen die schon über ein Jahr alt sind, echt jetzt? Von Anfang 2020 bis jetzt hat sich extremst viel verändert und es wird sich noch einiges verändern. Eine Studie kann nicht für alle Firmen auf der Welt übertragen werden, es ist eher ein Nachweis das es ggf bei MS nicht klappt. Daran ist aber nicht Remote Working schuld, sondern eher das das Unternehmen nicht darauf vorbereitet ist, es nicht will, die Führungskräfte nicht die Mitarbeiter unterstützen etc etc etc

    Schauen wir zu Opel, dort wird Remote Working der neue Arbeitsplatz von Office Mitarbeiter sein. Lediglich 10% der Büros verbleiben und werden CoCreation Sites. Der Rest kommt weg!

    Alles eine Frage der Unternehmenskultur, Führungskräfte, Vision und Technik.

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