Facebook im Sturzflug, Exit-Drohung in Europa? (Feb. 2022)

[English]Schwarze Wolken über dem Horizont für Facebook und seine Nutzer? Oder freudige Nachrichten für Internet-Nutzer? Seit Facebook (neuerdings nennen die sich Meta, ich nutze aber noch Facebook hier im Artikel) den letzten Quartalsbericht vorlegte, ist die Aktie im Sturzflug, denn die gewinnen kaum noch neue Nutzer. Und nun gibt es auch noch die Drohung, dass man sich aus Europa zurückziehe, wenn man nicht weiter Daten aus Europa in die USA übertragen und für Micro-Targeting auswerten darf.


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In den USA kommt Facebook bzw. Meta als Konglomerat jetzt echt unter Druck, denn eine Klage, die die Zerschlagung des Unternehmens zum Ziel hat, ist kürzlich zugelassen worden (siehe z.B. diesen Artikel). Die Skandale bei Facebook, auch nach den Zukäufen von WhatsApp und Instagram, sind einfach zu viel (siehe WhatsApp aktualisiert Datenschutzbedingungen, Daten werden mit Facebook geteilt).

Facebook-Beben: 200 Milliarden futsch

Die Tage gab es dann den Quartalsbericht von Facebook für Ende 2021, in dem man bekannt geben musste, dass die Zahl der täglich aktiven Mitglieder binnen drei Monaten um rund eine Million sank. Die machten zwar einen Gewinn von knapp 10,3 Milliarden Dollar (siehe statista.de), der fiel aber gegenüber dem Vorjahr um 8 Prozent (siehe). In Folge verloren die Facebook-Aktien binnen Tagen 200 Milliarden Dollar an Börsenwert. Die Tagessschau hat diesen Artikel dazu publiziert und schreibt von einem Facebook-Beben.

(Leere) Drohung des Facebook EU-Exits?

Ich bin gerade auf Twitter über diverse Artikel gestolpert, dass Facebook mal wieder mit einem Exit aus Europa droht, wenn die EU ein Microtargeting samt Datentransfer in die USA verbietet. Das wird in folgendem Tweet thematisiert.

Facebook EU-Exit

Quelle ist wohl der Meta Annual Report to the US Securities and Exchange Commission (2021), Seite 36, und dieser Mashable-Artikel. Dazu gehört auch, dass die Daten europäischer Nutzer nicht auf US-Server zur Auswertung übertragen werden dürfen. Mashable zitiert:

​If we are unable to transfer data between and among countries and regions in which we operate, or if we are restricted from sharing data among our products and services, it could affect our ability to provide our services, the manner in which we provide our services or our ability to target ads … we will likely be unable to offer a number of our most significant products and services, including Facebook and Instagram, in Europe.

Heißt im Klartext: Wenn wir nicht mehr die Daten auswerten und verschieben dürfen wie wir wollen, können wir in den Regionen die Dienste nicht mehr anbieten. Facebook hofft, 2022 entsprechende Abkommen abschließen zu können. Möglicherweise spielt da auch noch dieses jüngste belgische Urteil mit rein.

An dieser Stelle hole ich mal den Beitrag Facebook droht mit Rückzug aus der EU wegen Datenschutzauflagen aus 2020 hoch. Auch damals gab es bereits diese Drohung, sich aus der EU mit ihren 410 Millionen Nutzern zurück zu ziehen. Ich formuliere es mal so: Ich halte es für unwahrscheinlich, dass ein US-Unternehmen einen so großen Markt fallen lässt, zumal die ja ihre Rechenzentren sowie die selbst geschriebene Software überall auf der Welt betreiben können.

Hurra, oder Risiko?

Wenn ich die Leserschaft hier im Blog und den Zeitgeist so betrachte, ist da schnell die "sollen die doch, wäre etwas Gutes"-Haltung da. Kann man so sehen, ist aber eindeutig zu kurz gedacht.


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Eigene Überlegungen/Erfahrungen

Klar, ich bin da auch nicht jubelnd bezüglich Facebook, und WhatsApp habe ich längst gelöscht, und Instagram als Test-Account ist ungenutzt. Aber ich sehe ganz klar, wie sich Wunsch und Wirklichkeit bezüglich Facebook gestalten, wenn es um Business geht. Hier einige persönliche Erfahrungen aus diesem Bereich, da ich seit Jahren "social Media mit Augenmaß" versuche.

  • Aus diesem Grund habe ich mal vor vielen Jahren stark auf Google + gesetzt (einfach um zu FB zu differenzieren). Ich hatte etwas über 1.000 Follower auf Google +, als diese Plattform eingestellt wurde – von 0 auf gleich pulverisiert, und die Follower, die ich zu meinen Kreisen hinzugefügt hatte, waren hochkarätig, was Informationen betraf.
  • Es hat einige Jahre gedauert, bis ich etwas ähnliches auf Twitter wieder erreicht habe (und Twitter steht ja auch in der Kritik). Es gäbe zwar noch mewe.com, wo ich mit 330 Kontakten herum dümpele, sowie Mastodon, wo ich auf social.tchncs.de auf stolze 7 Folgende komme.

Auf Facebook habe ich zwar auch nur 434 Follower, erreiche aber über diverse Gruppen mit meinen Postings viele Tausend Gruppenmitglieder (und da spreche ich von Windows Server-Administratoren oder IT-Dienstleistern in diesem Bereich, oder auch einfach Gruppen, die sich mit Sicherheit in der IT befassen). Wenn ich als Content-Provider und Publisher Reichweite für meine Blogs will, komme ich um Facebook nicht herum – jedenfalls, solange es Facebook in Europa gibt. Privat komme ich dagegen auf dieser Plattform nicht wirklich vor.

Geschäftsmodelle mit Facebook

Aber es geht ja noch weiter: Viele Firmen haben inzwischen Geschäftsmodelle um Facebook gestrickt. Wenn die ihre Facebook-Seiten oder die Werbung auf Facebook nicht mehr schalten können, bricht da einiges zusammen bzw. stärkt die Marktmacht der verbleibenden Teilnehmer (Google, Amazon, Microsoft).

Und es ist auch so, dass einzelne Firmen inzwischen Social Media-Teams als Kundendienst-Ansprechpartner aufgebaut haben, die die Leute dort abholen, wo sie sich häufig aufhalten – nämlich bei Facebook. Wenn das gut gemacht ist, kann das einen Vorteil für das jeweilige Unternehmen bieten, ohne dass da ein riesiger Aufwand reingesteckt werden muss. Und vor allem kann das, wenn das Team gut ist, so manchen Shitstorm den Wind aus den Segeln nehmen. In solche Szenarien ist es dann tödlich, nicht (kompetent) auf Social Media vertreten zu sein.

Identitätsmanagement mit Facebook

Beim letzten Ausfall von Facebook & Co. (siehe Facebook, Instagram und WhatsApp weltweit ausgefallen und Facebook, Instagram und WhatsApp haben wieder Probleme (8.10.2021)) ist zudem noch ein ganz anderes Problem deutlich geworden: Viele Webseiten setzen beim Identitätsmanagement auf Facebook und benutzen deren Login-Token für den Zugang. Achtet einfach mal beim Zugang zur Registrierung, wie viele Webseiten eine Kommentierung mit einem Twitter- oder Facebook-Konto ermöglichen. Fällt so ein Provider aus, geht nichts mehr – ich hatte das im Blog-Beitrag Der Facebook-Ausfall und die Abhängigkeiten beim Identitätsmanagement angesprochen.

Die EU soll hart regulieren

Alles also nicht so optimal – vermutlich versucht Facebook den Rückzug als Drohkulisse aufzubauen. Aber wir sind natürlich auch beim Kuchen von 410 Millionen potentiellen EU-Nutzern, den sich Facebook nicht wirklich entgehen lassen kann. Ich sehe es so, dass die EU da endlich Nägel mit Köpfen machen und hart regulieren sollte: Es wird der Datentransfer in die USA sowie Microtargeting und Profilbildung für Werbezwecke für alle Marktteilnehmer verboten und mit harten Auflagen der Anbieter sanktioniert. Dann herrscht Parität und einzelne Anbieter können sich keine Vorteile mehr verschaffen, indem sie das Schlupflöcher finden oder sich über Vorgaben hinweg setzen. Dann werden sich neue Geschäftsmodelle, ggf. mit europäischen Anbietern, etablieren – was vielleicht nicht das Schlechteste sein kann. Oder wie seht ihr das so? Ergänzung: Techcrunch befasst sich inzwischen in diesem Artikel mit dem Thema – auch die wollen eine Regulierung – Facebook bekommt Gegenwind. Und auf SPON habe ich auch eine interessante Einschätzung gelesen.

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45 Antworten zu Facebook im Sturzflug, Exit-Drohung in Europa? (Feb. 2022)

  1. MOM20xx sagt:

    seit bestehen von facebook, meta oder wie auch immer der mist heisst, account frei bei denen und ich lebe immer noch. also von mir aus weg mit ihnen

    • Wil Ballerstedt sagt:

      Ganz großes Kino. Für dich als Privatmensch ist es eine ganz andere Sache als für Geschäftstreibende …

      • mvo sagt:

        Wie konnten die nur überleben, als es Facebook noch nicht gab?

      • Steter Tropfen sagt:

        Geschäftstreibende als Getriebene. Die meinen, sie müssten auf jeder Hochzeit mithopsen, weil sie sonst weg vom Fenster wären. Und schaffen damit erst die Tatsachen, von denen sie glauben, abhängig zu sein.
        Wie war das noch mit den Händlern, denen der Bankrott droht, weil Amazon ihnen plötzlich willkürlich das Konto einfriert?

      • Andreas sagt:

        Alles klar, also gilt für Facebook das gleiche Prinzip wie für große Banken: Da sie systemrelevant sind, muss man sie machen lassen was sie wollen.

        Wer findet den Fehler?

        • Bernd Bachmann sagt:

          Hast Du das auf Facebook gelesen?

          Systemrelevante Banken können mitnichten machen, was sie wollen, sondern sie haben deutlich höhere Vorgaben z.B. was Eigenkapital angeht, und werden durch die Bankenaufsicht deutlich stärker überwacht als "normale" Banken. Oder anders formuliert: Eine Bank möchte es möglichst vermeiden, als systemrelevant eingestuft zu werden.

          Ein Werbevermarkter wie Facebook/Meta dürfte wohl kaum systemrelevant sein.

          • Andreas sagt:

            > Hast Du das auf Facebook gelesen?

            Nein, ich lese dort nichts und habe dort erst recht kein Konto.

            > Systemrelevante Banken können mitnichten machen, was sie wollen, sondern sie haben deutlich höhere Vorgaben z.B. was Eigenkapital angeht, und werden durch die Bankenaufsicht deutlich stärker überwacht als "normale" Banken.

            Wer's glaubt wird selig, sagte meine Omma in solchen Fällen. Und außerdem noch: Papier ist geduldig.

            > Ein Werbevermarkter wie Facebook/Meta dürfte wohl kaum systemrelevant sein.

            Einige Kommentatoren, incl. Günter Born selbst, tun aber so als ob – die Versorgung von Günter mit News bzw. die Geschäftsmodelle diverser Firmen drohen zusammenzubrechen.

          • mvo sagt:

            Ach so. Deswegen ist und war die Deutsche Bank immer brav wie ein Lamm…

      • MOM20xx sagt:

        Eine Firma, deren Supportkanäle und deren Kundenkontakt nur per Facebook existiert, ist es nicht Wert mich als Kunde zu haben. Wie haben Firmen nur vor der Zeit von Facebook Support und Kundenkontakt betrieben?!?!?

        • NetUse sagt:

          MOM20xx hat da voll Recht. Telefon, E-Mail, Chat usw. und eine Homepage im Internet (nicht FB) da geht auch Kundenkontakt ohne ein Konto bei FB zu haben.

  2. Thierry sagt:

    Ich bin sehr froh, dass der Wind bei fac(k)ebook endlich mal aus dem Segel genommen wird. Aber die NSA wird ganz bestimmt Mark unter den Arm greifen.

  3. bumblebee sagt:

    meine erste Reaktion: ja ja ja und nochmals ja. Und dann bitte auch noch Whatsapp. Nachteile? Sehe ich keine. Firmen können ja wieder ein old school Homepage betreiben statt einen Facebookauftritt. Auf der Homepage gibt es auch Möglichkeiten ein Forum, einen Blog, … zu betreiben. Weg mit diesen ganzen Likes, den ganzen Influencerzeug, … – ach wie wäre die Welt ein wenig schöner.

  4. janil sagt:

    Der Exit von FB vs. Meta wäre nett, wird nur nicht kommen. Geld und Aktien, den europäischen Markt kann Meta gar nicht abschreiben, glaube, dann könnten sie gleich dicht machen.

  5. riedenthied sagt:

    Ist mir egal, wer darauf sein "Business" aufbaut. Das ist der schlimmste und niederträchtigste Konzern in der Geschichte. Die hätte man schon vor vielen Jahren zerschlagen müssen.

  6. Ärgere das Böse! sagt:

    Meine These zum Kurs-Sturz der Facebook-Aktien:
    Der Kurs war eine Spekulationsblase. Der Kurssturz ist gewollt, und wurde durch massive Verkäufe erreicht. Gekauft hat man die Aktien natürlich günstiger :-) Wen wunderts?
    Entweder springen die Verkäufer jetzt eine andere Aktie an, oder teilweise wieder Facebook. Die Investmentbanken suchen sich immer was aus, wo sie den Kurs in die Höhe treiben, und dann irgendwann hoch oben wieder rausgehen.
    Der Vorteil der Banken: Für den Eigenhandel bezahlen diese praktisch nichts an Gebühren, weshalb der Eigenhandel mit Wertpapieren sehr lukrativ sein kann, vor allem wenn man so gross ist, dass man die Börsenkurse mit seinen Käufen und Verkäufen manipulieren kann.

    Ist der Kurs um mindestens 30 % gefallen, könnte man mal bei Facebook einsteigen, und hoffen, dass der Kurs wieder ein wenig steigt. Da man beim Kauf und Verkauf Gebühren und Provisionen zu entrichten hat, ist das Ganze aber sehr gut durchzurechnen.

    Viele Kurse an der Börse sind nur noch Spekulations-Blasen und haben nichts mehr mit dem Wert der Firma zu tun.

    • mvo sagt:

      Börsenkurse orientierten sich schon immer an den Erwartungen an das Unternehmen und weniger an Umsatz und Gewinn.

      • Ärgere das Böse! sagt:

        Natürlich nicht!
        Der aktuelle Kurs von Facebook war eine Spekulations-Blase. Hatte also nichts mit dem von Dir gennanten zu tun. Unter Spekulations-Blase verstehe ich einen künstlich erzeugten höheren Kurs, als er natürlich wäre (Also über dem inneren Wert eines Wertpapiers), von 1 Aktie, von mehreren oder von ganz vielen.
        Hier die Wikipedia-Definition: https://de.wikipedia.org/wiki/Spekulationsblase

        Hier kannst du auch nachlsesen, was so eine Spekulations-Blase anrichten kann: https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Donnerstag
        Spekulations-Blasen gibt es, weil es die Börse gibt, oder weil sie zu wenig reglementiert ist.

        Die Börse ist zum investieren und nicht zum spekulieren. Das war der ursprüngliche Gedanke der Börse.

    • chw9999 sagt:

      Es ist nicht nur mein Surfverhalten, was durch 1-Pixel-Bilder an FB als "Beifang ohne eigenes Konto" verkauft wird, mein Gesicht hängt da auch noch drin, denn es wurde sicherlich schon zig-mal "aus Versehen" von Verwandten nach FB hochgeladen. Ganz abgesehen von meinen Telefonnummern, die in irgendwelchen Kontakten auf Handys lagern (ha! …nach FB versandt wurden!). Warum sollte ich sowas dulden wollen?

  7. Andy sagt:

    Die Durchsetzung der Regeln der DSGVO gegen alle Widerstände,.auch von Meta, halte ich für essentiell.
    Denn nur so kann die Marktverzerrung wieder aufgelöst werden, die sich aus der Missachtung der Regeln durch Meta/Facebook ergibt, die sich kleine(re) Marktteilnehmer ja nicht leisten können.
    Letztlich ist die Mitteilung von Meta also meines Erachtens eine Drohgebärde an die europäische Politik, um eine "Lex Meta" oder eine "Lex Silicon Valley" zu erzwingen.

  8. mvo sagt:

    Ich bin in meinem Leben bislang ohne Facebook ausgekommen, werde es auch in der Zukunft und es ist mir daher relativ egal, ob die weiterhin in Europa ihr Unwesen treiben. Es wäre aber eine logische Konsequenz sich aus Europa zurück zu ziehen, wenn das Geschäftsmodell einfach nicht mit den europäischen Gesetzen in Einklang zu bringen ist oder das für Facebook schlicht unattraktiv wäre. Arrogant, wie die ganzen US Unternehmen sich aber auf der Welt aufführen, wird dann aber gefordert, dass sich die Gesetzgebung in Europa gefälligst an die jeweiligen Unternehmen anzupassen hat. Das kennen wir von Apple, Amazon, Uber und wie sie sonst alle heißen… Sollen Sie alle gehen. Mir wäre es recht.

  9. Bolko sagt:

    Facebook ist das "LifeLog Project" des US-Verteidigungsministeriums.

    Wired gab am 4.2.2004 (dem Erscheinungstag von Facebook) den Wink mit dem Zaunpfahl:

    "The Pentagon canceled its so-called LifeLog project, an ambitious effort to build a database tracking a person's entire existence. Run by Darpa, the Defense Department's research arm, LifeLog aimed to gather in a single place just about everything an individual says, sees or does:"

    www[.]wired[.]com/2004/02/pentagon-kills-lifelog-project

    "Online 4. Feb. 2004"
    de[.]wikipedia[.]org/wiki/Facebook

    Das Pentagon hat sein "Lifelog Project" aber natürlich nicht ersatzlos eingestampft, sondern eben unter dem Namen Facebook laufen lassen.
    Das ist praktisch eine Tarnfirma eines US-Geheimdienstes mit Marc Zuckerberg als Frontman-Agenten.
    Der ist sowas wie Howard Hughes mal für die CIA war, als er ein Schiff baute, um angeblich Manganknollen vom Meeresboden zu heben, aber tatsächlich das russische U-Boot K-129 für die USA heben sollte (Azorian Project).

    Die Facebook-Module befinden sich seit einigen Jahren nahezu unlöschbar in der Firmware in fast allen Smartphones und zusätzlich auch noch als Module in manchen Apps (das kann man mit "Exodus Privacy" feststellen).

    Der Facebook-Anmeldebutton sowie Facebook Tracking Pixel befinden sich auf sehr vielen Webseiten.

    In Summe erstellt dann Facebook ein umfassendes Profil eines Users, selbst dann, wenn der User gar nicht bei Facebook angemeldet ist. Dann wird alles in Schattenprofilen gespeichert und man bleibt identifizierbar.

    en[.]wikipedia[.]org/wiki/Shadow_profile

    Facebook protokolliert sogar mit, welche Seiten oder Postings man sich nur anschaut.
    Ein aktiver Klick auf "Like" ist gar nicht notwendig.
    Mit Stalking Tools kann man dann das Profil analysieren und weiß dann wofür sich ein User interessiert bzw wo er sich herumtreibt.

    Wenn jemand ein Foto mit mehreren Personen hochlädt, dann analysiert die Gesichtserkennung das Foto und trägt dann die gefunden Namen ein, die man sich dann mit Maus-over auch anzeigen lassen kann. Das fand ich damals wo ich noch auf facebook aktiv war ziemlich erschreckend.

    In der US-Serie "First 48", wo echte Kriminalfälle während der Aufklärung gezeigt werden, schauen die Ermittler manchmal auf facebook nach und haben damit oft Erfolg, wenn sie einen Verdächtigen oder einen Zeugen suchen, weil irgend jemand im Täterumfeld oder im Wohnumfeld irgend wann einmal ein Foto hochgeladen hatte, mit dem man dann diverse Verbindungen herstellen kann.

    Seit einigen Jahren habe ich aber durch 1204 Einträge in der hosts Datei facebook umfassend gesperrt.
    Allerdings befürchte ich, dass durch Meta diese Liste auch nicht mehr ausreicht und ergänzt werden müsste.

    • mvo sagt:

      Ich mag Facebook auch nicht. Dass es sich dabei aber um ein Projekt des US-Verteidigungsministeriums handeln soll und für diese gewagte These eine Fernsehserie als "Beweis" angeführt wird, ist schon echt skuril…

      • Bolko sagt:

        Die Fernsehserie war nicht der Beleg für Lifelog.

        Der Beleg bzw die Indizien sind das selbe Datum 4.2.2004 und die Projektbeschreibung des Livelog Projects, das zu Facebook passt wie die Faust aufs Auge.

    • ThBock sagt:

      "Seit einigen Jahren habe ich aber durch 1204 Einträge in der hosts Datei facebook umfassend gesperrt."

      Verflixt, ich hab' nur 905!
      Hast du 'nen Link?

      • Homer sagt:

        Moin,

        es sind nicht, wie Bolko geschrieben hat, 1204 Einträge in der Hosts-Datei sondern ganze 2103 Adressen und der Link dazu ist:
        https://pastebin.com/UFm7gUE1
        was auch für Blokada, NetGuard etc. kompatibel ist.

        • Bolko sagt:

          Stimmt, Zahlendreher, nicht 1204, sondern 2104 inklusive unwirksamer Überschrift, also 2103 Einträge.

          Diese Liste hatte ich am 20.März 2021 erstellt und im April bei pastebin hochgeladen.

  10. Wil Ballerstedt sagt:

    An alle "Privatiers": Gaaanz großes Ding, dass ihr alle ohne FB/Meta überlebt, Mega!1! Internet via CMD?

    Andere wollen diesen riesengroßen Discounter, weil sie dort alles bekommen. Auch ihr steuert irgendeinen Discounter an, weil ihr keine Lust habt, für eure Einkäufe mit immer schwerer werdenden Taschen in 3, 4 oder 5 Geschäften aufzuschlagen (nix Auto, zu Fuß).

    FBs Macht ist unheimlich aber es sind wieder Mal zuerst die Menschen, die diesem Konzern diese Macht verleihen (wenn Internet = Facebook ist).

    Echte Alternative zu FB? Mastodon? Telegram? Bräuchte einen richtigen Web-Auftritt. Welches aus den hunderten weiteren, die einzelne kennen aber kein größerer Kreis?

  11. 1ST1 sagt:

    Vorneweg. Ich habe auch keinen Facebook-Account. Aber gut, man hat schon Weltreiche zerplatzen sehen und altavista.digital.com und Yahoo sind auch nicht mehr (das was sie mal waren). Aber ich halte es für anmaßend, zu behaupten, Facebook wäre überflüssig. Und das jenseits von Werbung. Denn hinter Facebook steckt immer noch die alte WKW-Idee, mit Menschen mit gleichen Interessen oder Freunden und Familien auf der ganzen Welt interaktiv in Kontakt zu sein. Allerdings ja, Facebook könnte ruhig wieder etwas mehr hin zu dieser Ursprungsidee, weniger Kommerz, dann würde ich es mir evtl. auch überlegen.

    Was mich sehr wundert, es wäre ja durchaus im Interesse dieser Konzerne, wenn die sich mal mit der amerikanischen Regierung und der EU an einen Tisch setzen würden, und mal zusammen ein vernünftiges (für Europa tragbares, also DSGVO-konformes) Safe-Harbour-Abkommen erarbeiten würden, was für alle Seiten tragbar ist. Hier stehen sich die großen Internetkonzerne wie Google, Amazon, Microsoft, Meta usw. echt selbst auf den Füßen!

  12. mvo sagt:

    Ein vernünftiges (für Europa tragbares, also DSGVO-konformes) Safe-Harbour-Abkommen stünde nur diametral im Gegensatz zu den Interessen von Google, Amazon, Microsoft, Meta usw. Die EU will Datenschutz, die Konzerne alle Daten ohne diese zu schützen.

    • MOM20xx sagt:

      Datenschutz das eine. Steuern abführen in der EU das andere. Man macht mit den Leuten aus der EU ja jede Menge Gewinne. Steuern will von diesen US Grosskonzernen aber hier keiner abführen.

    • Wil Ballerstedt sagt:

      Mit EU und Datenschutz habe ich meine Schwierigkeiten. Erste Priorität der DSVGO sehe ich in verpasster Digitalisierung und dazu gehörender wirtschaftlichen Rückstand. Datenschutz im Sinne uns Verbraucher wird ebenfalls eine Rolle spielen …

  13. Callahan sagt:

    Schon übel egoistisch, wie mit primitiven Stammtischparolen über Verbleib und Zukunft von Facebook entschieden wird.
    Wenn Euch Facebook nicht gefällt, nutzt es nicht. Handelt einfach frei nach dem Motto:" Für Euch gibt es hier nichts zu sehen, geht einfach weiter!"
    Denkt mal an die vielen Menschen, Einzelpersonen und Gruppen, welche Kontakte pflegen und sogar aufbauen konnten. Und seit vielen Jahren viel Spass bei der Nutzung von Facebook oder durch deren haben. Was würde man denen nehmen, wenn man auf Euch hörte?
    Klasse auch die Leute, die sagen: "Ich habe zwar kein Konto bei Facebook, ich will aber trotzdem, dass das weg kommt.". Aha. Und wieso? Einfach nur um mit der Menge zu blöcken?
    "Ich bin keine Frau, also weg mit den Frauenärzten." ist genauso dumm.

    Ich habe kein Facebook Konto, werde auch nie eins haben. Ich weiß auch nicht, ob Freunde, Verwandte oder wer auch immer ein solches Konto hat.

    • Carsten sagt:

      Für mich ist es problematisch, dass ich, obwohl ich noch nie ein Facebook-Konto hatte, nicht sicher sein kann, dass Facebook Daten von mir und über mich sammelt. Auf den meisten Smartphones gibt es eine Facebook-App, und auf vielen davon kann man sie maximal deaktivieren, aber nicht entfernen. Das weckt nicht gerade Vertrauen bei mir, dass es ausreicht, Facebook einfach nicht zu nutzen, um mit Facebook nichts zu tun zu haben.

    • Bolko sagt:

      Es ist aber ziemlich schwierig, facebook zu entgehen, denn es steckt in der Firmware von Smartphones, in Apps, auf Webeiten etc und sammelt Daten über dich.

      Es reicht eben nicht aus, die Hauptseite facebook[.]com nicht aufzurufen und dort nichts zu machen, denn facebook schnüffelt dir trotzdem hinterher und protokolliert was du machst auch wenn du wissentlich gar kein Konto dort hast.

      Es gibt über 200.000 Apps, die mit dem Facebook SDK programmiert worden sind und alle diese Apps sammeln Daten über den User und schicken diese Daten dann an Facebook.
      Davon merkt der User nichts, aber es passiert trotzdem.

    • riedenthied sagt:

      Eben, wie Carsten sagt. Man kommt quasi nicht umhin, dass man von dieser Bude überwacht wird. Vollkommen egal, ob man da einen Account hat. So einfach kann man die eben nicht ignorieren, da bin ich gern egoistisch.

      Und reden wir gar nicht erst über Cambridge Analytica…

    • mvo sagt:

      Dass Facebook mit Spaltung und Hetze Geld verdient, weil es praktisch deren Geschäftsmodell ist, ist kein Problem eines Einzelnen, sondern der gesamten Gesellschaft. Ich bin auch kein Konsument der BILD Zeitung, finde aber trotzdem, dass diese aus der Medienlandschaft verschwinden sollte.
      Etwas Weitblick ist nie verkehrt.

  14. Frank T. sagt:

    Ich benötige Facebook berufilich und privat. Insta auch privat. Wenn das wegfallen würde wäre das eine Katastrophe. Ich hoffe es wird nicht soweit kommen. Vom mir aus kann Facebook machen sie wollen, für mich ist der Dienst eine absolute Bereicherung meines Lebens. Wenn ich an meine sozialen Kontakte denke möchte ich nicht mehr in die alte Zeit zurück.

    • mvo sagt:

      Eine Katastrophe wäre für mich, wenn mein Haus abbrennt oder ich im Rollstuhl säße. Aber offenbar setzen einige Menschen ihre Prioritäten deutlich anders…

  15. Diesescheele sagt:

    Von mir aus kann der Konzern gerne seine Zelte abbauen.
    Werden sie aber nicht machen, das bleibt ein schier unerschöpflicher Markt, der sehr viel Geld generiert. Und die Konkurrenz muss klein gehalten werden, also wird man Abwanderung mit allen Mitteln verhindern; ich halte das aus dem Grund für leere Drohungen, um die Mitglieder gegen die böse DSGVO aufzuhetzen.

    Das Problem sind die Nutzer selbst, die sich und ihr Leben davon abhängig gemacht haben, dass es vielen sehr schwer fallen wird, diese Komfortzone zu verlassen. Ich finde die allgegenwärtige Präsenz und Abhängigkeit durchaus beängstigend, dazu muss man kein Verschwörungstheoretiker sein.
    Ich bin bislang ohne "soziale Medien" ausgekommen, wenn ich jemanden kontaktieren will, rufe ich an oder gehe selbst hin……

    • Carsten sagt:

      Zu Deinem Punkt "Ich bin bislang ohne "soziale Medien" ausgekommen, wenn ich jemanden kontaktieren will, rufe ich an oder gehe selbst hin…": In meiner Jugend gab es noch nicht in jedem Haushalt ein Telefon (damals noch mit Wählscheibe). Irgendwann gab es dann Mobilfunk, und als dieser erschwinglich wurde, wollte es kaum einer mehr missen, einfach so überall telefonieren zu können. (Wie man die ständige Erreichbarkeit empfindet oder wie man damit umgeht, darüber müssen wir hier nicht diskutieren.)
      Worauf ich hinaus will: Die Menschen wachsen mit dieser Technik auf und gewöhnen sich an deren Annehmlichkeiten. Und im Prinzip ist die Idee der "sozialen Medien" meiner Meinung nach auch keine schlechte. Mir missfällt jedoch, was Unternehmen wie Facebook daraus gemacht haben.

      • Diesescheele sagt:

        Ein Telefon erfüllt einen Zweck und ist ein recht simpler Gebrauchsgegenstand, dafür bezahlt man Geld.
        Facebook ist für manche (nicht jeden) aber quasi essentiell, wenn ich z.B. manche Kommentare hier lese, werden sogar berufliche Existenzen davon abzuhängen.

        Das kann es doch nicht sein, dass man sich in ein so großes Abhängigkeitsverhältnis begibt, ständig mit Werbung berieselt wird und ein Nutzerprofil über jedwede Tätigkeit, die man dort ausbreitet, erstellt wird – so reflektiert sollte man sein und auch z.B. Kindern und Jugendlichen klarmachen, dass das keine Wohltätervereine sind, sondern ganz klar auf Datenerhebung und Gewinnmaximierung orientiert sind.
        Und leider muss ich feststellen, dass man bereits eine Außenseiterrolle annimmt, wenn man nicht den "Marktführer" bei den sozialen Medien wählt.

  16. Max sagt:

    Immer weg damit, mehr ist dazu nicht zu sagen. Kontakte kann man auch anders pflegen.

  17. Tom das G sagt:

    Ich war schon 2008 als einer der damals ganz wenigen Europäer bei Facebook dabei. Der Grund war für mich damals, dass ich gerne mit Freunden im Ausland in Kontakt bleiben, bzw. dort neue Kontakte finden wollte. Und einfach etwas mehr über das dortige Tagesgeschehen erfahren wollte, ohne Filter durch die klassischen Medien, einfach im direkten Austausch mit Freunden und Bekannten. Hintergrund dazu ist, dass ich Französisch studiert und in Frankreich gelebt habe, es mir aber seit meiner Rückkehr nach Deutschland sehr schwer fiel, am Ball zu bleiben. Und mit Facebook hatte ich da auf einmal ein wunderbares Tool, mit dem das alles super unkompliziert möglich war. In den frühen 2010ern war ich dann sehr aktiv in der französischen Verlagsszene, wo sich eine ganze Reihe total spannender Klein- und Kleinstverlage gegründet hatte, die voll auf die Veröffentlichung in digitalen Formaten gesetzt haben und einfach unheimlich spannende Ideen hatten. Da war so ein richtiges Gären in der Szene.
    OK, meine Präsenz bei Facebook war schon sehr stark „special interest"-getrieben, soll aber nur ein Beispiel dafür sein, was FB so alles möglich gemacht hat. Weg bin ich dann vor ca. drei Jahren, weil es einfach zu viel an Missbrauch gab (Cambridge Analytica und Co.) und v.a. weil ich feststellen konnte, wie ich in Diskussionen immer mehr polarisieren wollte. Oder, wie Jaron Lanier es so schön ausgedrückt hat, „wie man zum Arschloch wurde". Das ging halt einfach nicht mehr. Auch bei Twitter bin ich raus, seit es da wirklich nur noch darum ging, seine Mitmenschen zu zerlegen und zu polarisieren bis zum Abwinken. Ich habe mir dann Mastodon angeschaut, aber da hat sich schon eine sehr eigene Flora und Fauna entwickelt, die dort ihre ökologische Nische gefunden hat. Und da habe ich mich halt nie so richtig wohl gefühlt. Von daher wäre ich schon sehr traurig darüber, wenn es FB in Europa nicht mehr gäbe, andererseits haben sie sich den immer massiveren Gegenwind ja absolut selbst zuzuschreiben. Ich hoffe einfach, dass die „sozialen Medien" da insgesamt draus lernen und ein dann vielleicht wieder akzeptables Angebot sind, wo es eben um Kontakte und Austausch und Menschlichkeit geht. Und spannende Themen. Schaun' wir mal…

  18. HV sagt:

    Wäre mir wurscht wenn FB verschwindet (EU oder ganz) oder weiter an Börsenwert einbüßt, es ist wie bei allen diesen "Globalen Konzernen" – restlos überbewertet. Der Aktienkurs hat nichts mehr mit dem Realkurs zu tun!

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