Windows 11-Verbreitung April 2022: Neue Zahlen, neue Fragen

Windows[English]Wie verbreitet ist das im Oktober 2021 erstmals freigegeben Windows 11 inzwischen? An dieser Frage scheiden sich die Geister, denn Microsoft gibt keine Zahlen bekannt. Die Daten, die sich von Dritt-Quellen irgendwie heranziehen lassen sind dagegen arg widersprüchlich. Nachdem AdDuplex seine neuesten Zahlen für April 2022 vorgelegt hat, steht auf jeden Fall fest, dass die Zunahme der Windows 11-Nutzung seit März 2022 stagniert.


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Die AdDuplex-Zahlen vom April

Das Cross-Promotion-Netzwerk für Windows Store-Apps und -Spiele, AdDuplex, veröffentlicht monatlich Zahlen zur Verteilung von Betriebssystemen auf verschiedenen Plattformen. Diese werden aus den Daten von mehr als 10.000 aktive Apps und Spielen ermittelt, die das AdDuplex-Netzwerk nutzen und täglich mehr als 30 Millionen Ad Impressions ausliefern. AdDuplex hat nun den AdDuplex Report for April 2022 mit Daten vom 26. April 2022 veröffentlicht, der sich mit der Verteilung von Windows 10 und Windows 11 auf dem Desktop befasst.

AdDuplex Report for April 2022
AdDuplex Report for April 2022, Source: AdDuplex

Obige Grafik zeigt, dass Windows 11 auf den von AdDuplex vermessenen Maschinen auf einen Anteil von 19,7 % kommt, der Rest teilt sich – bis auf die 0,7% Windows 11-Insider – auf Windows 10-Systeme auf. Man könnte jetzt postulieren, dass Windows 11 auf 19,7+0,7 % = 20,4 % der Windows Desktop-Systemen läuft. Aber so einfach ist es nicht, denn einerseits werden in obiger Darstellung keine Systeme mit Windows 7 und Windows 8.x erfasst. Zudem misst AdDuplex über seine Apps ganz bestimmte Zustände, die auf Systeme, auf denen Spiele-Apps oder ähnliches mit AdDuplex-Telemetrie-Funktionen laufen. Das dürfte nicht repräsentativ für die Verteilung von Windows sein.

Statcounter Windows-Verteilung bis März 2022
Statcounter Windows-Verteilung bis März 2022, Quelle: Statcounter

Martin Geuß hatte die Tage bereits auf Dr. Windows die Zahlen von Statcounter zur Windows-Verteilung bis Ende März 2022 gepostet. Windows 10 kam dort auf 74,82 %, während Windows 11 bei 8,45 % segelt. Windows 7 liegt immer noch bei 12,11 Prozent und Windows 8.1 findet sich noch auf 3,1 % aller Windows-Desktops.

Und dann könnte ich noch die Lansweeper-Sicht der Dinge aus dem Artikel Windows 11: Marktanteil auf XP-Niveau, ist die Euphorie vorbei? in die Debatte werfen. Die Firma Lansweeper erhebt auf dem US-Markt ebenfalls Daten zur Betriebssystem-Nutzung. Die von denen publizierte Windows-Versionsverteilung vom 4. April 2022 sieht Windows 11 bei mageren 1,44 %. Frei nach dem Roman "Wie ihr wollt", kann sich jetzt jeder die Zahlen rauspicken, die im am ehesten nach seinem Gusto sind. Zur Klarheit über den Grad der Windows 11-Verbreitung wird das Ganze nichts beitragen.

Was sagen uns die Zahlen?

Interessanter als der Anteil von Windows 11 zum Stichpunkt X finde ich den Verlauf der Anteile der Windows-Versionen. Bereits die obige Statcounter-Grafik zeigt, dass Windows 11 im März 2022 kaum mehr in der Verbreitung zunehmen konnte. Im AdDuplex-Report hebt der Anbieter in einer Legende hervor, dass der Nutzungsanteil von Windows 11 im April 2022 um weniger als 0,4 % angestiegen sei. Bereits im März 2022 schwächelte Windows 11, konnte dessen Verbreitung auf den von AdDuplex erfassten Maschinen in diesem Monat nur um 0,2 % zunehmen.

AdDuplex Report for April 2022, Source: AdDuplex
AdDuplex Report for April 2022, Source: AdDuplex


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Interessant ist auch die obige Grafik, die die Zunahme verschiedener Windows-Versionen in der Nutzung über die Jahre zeigt. Bei Windows 10 ist bei jedem neuen Release eine sehr steile Zunahme in der Nutzung zu verzeichnen. Einzige Ausnahme ist 2018, wo das Windows 10 Oktober 2018 Update (Version 1809) scheinbar in der Verbreitung "schwächelte". Das ist aber zu erklären, da Microsoft den Rollout der Windows 10 V1809 wegen gravierender Probleme stoppte und das Betriebssystem nachbesserte. Als die Freigabe dann Ende November 2018 erfolgte, begann der Umstieg dann doch recht zügig.

Die blaue Fläche in der rechten unteren Ecke stellt die Zunahme der Nutzung von Windows 11 dar. Dort wird ein atypischer Verlauf sichtbar, denn nach einem Anstieg zwischen Oktober 2021 und Februar 2022 flacht die Kurve für März und April total ab. Wenn das so bleibt, scheint der Umstieg auf Windows 11 weitgehend zum Erliegen gekommen zu sein. Wer sich für das Betriebssystem interessiert, ist vermutlich bereits umgestiegen. Die Masse der Leute wartet aber wohl ab.

Meine persönliche Einschätzung: Mit dem Rollout der Windows 11 Version 22H1, die ich für Spätsommer 2022 erwarte, wird es wieder mehr Wechselwillige geben. Die Masse der Anwender und Firmen wird erst 2023 oder sogar erst 2024 in Richtung Windows 10-Ablösung schielen. Das Ganze bleibt also spannend – aber irgendwie ist für mich die Erfahrung auch neu, dass ein neues Microsoft-Betriebssystem raus kommt, und dieses derart verhalten angenommen wird.

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9 Antworten zu Windows 11-Verbreitung April 2022: Neue Zahlen, neue Fragen

  1. Ärgere das Böse! sagt:

    "…aber irgendwie ist für mich die Erfahrung auch neu, dass ein neues Microsoft-Betriebssystem raus kommt, und dieses derart verhalten angenommen wird…"
    Aus meiner Sicht liegt das an
    – den System-Anforderungen und dem skandalösen Verhalten betreffend
    – die Taskleiste und
    – dem Startmenü

    Ich weiss echt nicht, wieso die derart bescheuert sind, und das brauchbare Win10 Menü und die brauchbare Win Taskleiste in Win 11 unbrauchbar gemacht haben.

    • Hobbyadmin sagt:

      Aus Gründen muss unbedingt ein Betriebssystem (Windows 11) ausgerollt werden, das per TPM vernagelt und dann später ohne grössere Widerstände über sukzessive unabschaltbare Updates zum reinen Cloud OS (Windows 365 o.ä.) mit ausschliesslich zentral zertifiziertem Zugang umgebaut werden kann und wird.

      Ändert man als Hersteller jetzt im Vergleich zu Windows 10 nur augenscheinlich wenig, ist es allgemein sehr schwer vermarktbar bzw. vermittelbar, dass jeder unbedingt doch dieses "neue" Betriebssystem braucht.

      Daher muss es sich von der vorherigen Version signifikant für jeden erkennbar und auch zentral sichtbar unterscheiden: Siehe Startmenü, Taskleiste, "dunkel" gegen "hell", mehr direkt wahrnehmbare Veränderung geht eigentlich nicht.

      Fehlt nur noch ein digitaler ID ohne den man sonst kaum noch was machen kann und der nur mit vernageltem Windows 11 funktioniert, dann wird auch noch die Hardwareaustauschlücke geschlossen.

      Einen digitalen ID wird es garantiert nicht so schnell geben? Na dann schaut mal nach Frankreich, wenige Tage nach der Wahl liefert Macron schon:

      https://www.google.com/search?q=macron+digital+id

      Prognose: April 2023 werden die Windows 11 Zahlen völlig anders aussehen.

    • 1ST1 sagt:

      Ich bin mir sicher, das war beimÜbergang von XP zu Vista und von 7 auf 8 ganz genau so. Schade dass die Statistiken nicht (mehr) so weit zurück reichen.

  2. Singlethreaded sagt:

    Bei uns im Unternehmen ist Windows 11 derzeit noch kein Thema. Das liegt auch daran, dass von uns eingesetzte Software teilweise noch keine produktive Freigabe für Windows 11 erhalten hat. Um Support im Fehlerfall zu erhalten, ist diese Freigabe aber erforderlich.

    Windows 10 erhält noch über Jahre Sicherheitsupdates und daher sehe ich da derzeit auch keinen besonderen Druck zur Migration. Mir ist es lieber die Anbieter nehmen sich Zeit und testen Ihre Software auf Herz und Nieren, statt vorschnell die vollständige Kompatibilität zu Windows 11 zu versprechen. Zumindest träumen darf man ja.

    Ein weiterer Punkt sind die Hardware-Anforderungen. Lange nicht alle PCs im Unternehmen sind gemäß der Vorgaben von Microsoft für ein Upgrade qualifiziert. Klar geht es mit Tricks trotzdem, aber dann ist wieder die Frage: Erhalte ich im Fehlerfall Support, wenn ich eine nicht unterstützte Plattform verwende? In der Regel ist ein Ticket in so einem Fall schnell geschlossen.

    Abwarten bietet aus meiner Sicht einfach die meisten Vorteile:

    – Software kann in der Zwischenzeit besser angepasst werden
    – Microsoft arbeitet (hoffentlich) an der Verbesserung diverser Kritikpunkte
    – Alle Clients werden mit der Zeit ausgetauscht, so dass die Anzahl der kompatiblen Geräte über die Zeit steigen wird

    Gruß Singlethreaded

  3. Holger sagt:

    In dem Unternehmen, in dem ich arbeite und bei dessen Kunden ist Windows 11 noch kein Thema. Ein Produkt, das sich noch im Alpha-Stadium befindet (erkennbar daran, dass noch fleissig geschraubt wird, also noch nicht fertig), setzt man im Unternehmensbereich einfach noch nicht ein, um keine unangenehmen Überraschungen zu erleben.

    In meinem Bekanntenkreis kenne ich auch noch niemanden, der Windows 11 installiert hat. Das mag eben auch an den Hardwareanforderungen liegen und auch daran, dass die fTPM-Funktion im BIOS standardmäßig nicht aktiv ist. Vielleicht ist das der größte Hemmschuh für die weitere Verbreitung zumindest im Heimanwenderbereich.

  4. Paul Brusewitz sagt:

    Mit dem Rumgeeiere ob PCs weiter Updates erhalten, auch wenn sie nicht den Anforderungen entsprechen, hat MS sich keinen Gefallen getan. Das hängt wie ein Schwert über der ganzen Refurbed-Branche und schreckt auch viele Privatanwender ab. Wer will sich schon die Arbeit machen, das Betriebssystem und alle Anwendungen neu zu installieren und konfigurieren und auf einmal ohne Sicherheitsupdates da zu stehen? Also läßt man Win 10 bis zum Support-Ende laufen und gönnt sich dann ggf. einen neuen PC mit vorinstalliertem Windows 11. Eine einzige klare und verbindliche Aussage von MS würde reichen um die Win 11-Verbreitung in die Höhe schießen zu lassen. Nur war nicht die Ankurbelung des Hardwaremarktes und der Verkauf von möglichst vielen neuen PCs das ursprüngliche Ziel? Hat das denn wenigstens geklappt?

    Freundliche Grüße P.B.

  5. Sven Fischer sagt:

    Dito, da kann ich den vorherigen Posts zustimmen. Seit der Veröffentlichung am 5.10.22 habe bei keinem PC/Notebook bei mir im Service ein Upgrade gemacht. Es kamen zwar schon Kundenanfragen, aber die habe ich bis auf 22H1 / 22H2 vertröstet. Das ist alles noch zu neu und dann bekommst du vom Kunden einen vorm Latz, wenn das Geraffel nicht richtig funktioniert.

    Bei der ganzen Betrachtung muss man auch sehen, durch welche "Umstände" Win11 veröffentlicht wurde und ob das von seitens MS so gewollt war. Imho hätte es gut getan, Win11 erst 2023 auf dem Markt zu bringen. Daher 24 Monate vor Suppotende bei Win10. Da hätte man noch genug Luft gehabt sich darauf vorzubereiten. Auch die Hersteller von Hard- und Software hätten davon profitiert, zwecks Anpassung/Kompatibilität.

  6. Antalus sagt:

    Ist doch recht einfach: Werden keine Zahlen veröffentlicht, passen sie dem Unternehmen nicht, also verläuft der Start auch nicht blendend.

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