1 Jahr Copilot, das kommt bald von Microsoft

Microsoft hat vor einem Jahr erstmals seine AI-Lösung Copilot der Öffentlichkeit vorgestellt und 2023 war quasi das AI-Hype-Jahr. Zum Jahrestag hat Yusuf Medhi, Executive Vice President, Consumer Chief Marketing Officer, einen Überblick gegeben und beschreibt, was Microsoft noch vor hat.


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Das Microsoft AI-Jahr 2023

Das Jahr 2023 geht nach Microsofts Lesart als das Jahr in die Geschichte ein, in dem Nutzer erstmals Zugriff auf AI-Funktionen erhalten haben. Microsoft hat im Februar 2023 Bing Chat (neuerdings heißt es Copilot) zum Testen freigegeben (siehe Bing mit AI-Support zum Testen freigegeben). Yusuf Medhi schwelgt im Beitrag Celebrating the first year of Copilot with significant new innovations regelrecht vom überwältigen Feedback, welches Microsoft auf die Einführung von Bing Chat erfahren habe.

Alles ist jetzt Copilot

Dann hat Microsoft die ChatGPT-Funktionen in Microsoft 365, Microsoft Edge und Windows integriert, um neue Szenarien mit immer mehr Kontext und Intelligenz für die Menschen zu erschließen. Copilot wurde vor wenigen Wochen als Preview an Windows 10- und 11-Nutzer ausgeliefert. Vor zwei Wochen hat Microsoft dann alle diese Lösungen unter dem Begriff Microsoft Copilot vereinigt – alle Microsoft Produkte kommen mit Copilot (siehe Ignite 2023: Microsofts Zukunftsvision: Copilot in allen Produkten).

2023, das Jahr der Kontroversen

Abseits der verklärenden Darstellung des Microsoft Manns ist mir 2023 als das Jahr in Erinnerung, in dem es extreme Kontroversen um das Thema AI und vor allem um Microsofts Copilot gab. Die generelle Rolle der AI-Lösungen, die Verantwortung der Firmen für den Einsatz etc. ist bisher in keiner Weise geklärt. Microsofts Copilot oder ChatGPT (das LLM von OpenAI) fällt immer wieder durch Fehlfunktionen auf. Hier im Blog gibt es einige Beiträge zum Thema – und das unfertig als Preview auf die Nutzer losgelassene Windows Copilot ist auch für Ärger gut.

In der EU wird Windows Copilot beispielsweise standardmäßig noch nicht aktiviert, weil die Einordnung in Bezug auf den Digital Markets Act für Microsoft noch unklar ist. Die Einordnung von Copilot in Microsofts Produkten ist im Hinblick auf die DSGVO, und den Schutz von Unternehmensdaten vor einem Abfluss keinesfalls geklärt – diesbezüglich liegt bei Microsoft meiner Meinung nach eine Nullstelle vor.

Windows 10- und Windows 11-Nutzer sind genervt, weil ein aktivierter Copilot beispielsweise einen Bug verursachte, der die Desktop-Symbole im Multimonitorbetrieb verschiebt – ein Fix kommt möglicherweise im Dezember 2023 zum Patchday. Und bei den Antworten fällt ChatGPT oder Copilot immer noch durch konfabulieren auf.

Pläne für 2024

Für das Jahr 2024 hat Microsoft große Pläne, was man alles in Bezug auf seine AI-Lösungen in Produkten auf den Markt werfen möchte. Im Bing Blog hat Microsoft einen Ausblick gegeben.

  • GPT-4 Turbo: In Kürze soll Microsofts Copilot in der Lage sein, Antworten mit dem neuesten Modell von OpenAI, GPT-4 Turbo, zu generieren. Microsoft verspricht, dass dann komplexere und längere Aufgaben wie das Schreiben von Code und mehr bewältigt werden können. Dieses Modell befindet sich derzeit in der Testphase mit ausgewählten Benutzern und soll in den kommenden Wochen umfassend in Copilot integriert werden.
  • Neues DALL-E 3-Modell: Mit dem aktualisierten DALL-E 3-Modell können Anwender mit Copilot Bilder erstellen, die noch hochwertiger und genauer sind als mit früheren "Prompt-"Lösungen. Diese Möglichkeiten stehen ab sofort per bing.com/create zur Verfügung. Oder Copilot kann aufgefordert werden, ein Bild zu erstellen.
  • Inline Compose mit Rewrite-Menü: Mit Copilot sollen Microsoft Edge-Nutzer ganz einfach auf den meisten Websites schreiben können. Als Nutzer ist einfach der zu ändernde Text auszuwählen. Dann kann der Nutzer den Copilot bitten, den Text neu zu schreiben. Die Funktion soll demnächst für alle Edge-Benutzer verfügbar sein.
  • Multi-Modal mit Search Grounding: Microsoft will die Leistung von "GPT-4 mit Vision" mit der Bing-Bildersuche und Websuchdaten kombinieren. Ziel ist es, ein besseres Bildverständnis für Abfragen zu liefern. Diese neue Funktion soll in Kürze verfügbar sein.
  • Deep Search: Die in Kürze für Bing verfügbare Deep Search-Funktion soll die Leistungsfähigkeit von GPT-4 nutzen, um optimierte Suchergebnisse für komplexe Themen zu liefern. Die Aktivierung von Deep Search erweitert Suchanfragen in umfassendere Beschreibungen, mit dem Ziel, relevantere Ergebnisse zu liefern. Informationen dazu finden sich im Bing Blog.

Zudem arbeitet Microsoft an Funktionen für Code Interpreter. Man entwickelt eine neue Funktion, mit der Anwender komplexe Aufgaben wie genauere Berechnungen, Codierung, Datenanalyse, Visualisierung, Mathematik-Aufgaben und mehr angehen können sollen. Aktuell sammelt Microsoft die Rückmeldungen von Benutzern und entscheidet, wann die Funktionen allgemein verfügbar gemacht werden sollen.


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Die Pläne klingen alle "hochfliegend", wobei ich mir beim querlesen so ganz spontan die Frage gestellt habe: "Wer braucht das jetzt wirklich so dringend"? Sind wir alle Bildermaler, oder suchen wir jeden Tag im Web nach Bildern? Und wenn ich mir so anschaue, was ChatGPT in der Vergangenheit bei einfachen Texten an Fehlern und Mist als Antworten produziert hat, bin ich sehr vorsichtig, die obigen Pläne als "Stein der Weisen" anzusehen. Mal schauen, was 2024 so wird – dankbare Blogger-Themen dürfte es auf jeden Fall geben.


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8 Antworten zu 1 Jahr Copilot, das kommt bald von Microsoft

  1. Phadda sagt:

    Bei den zusätzlichen Kosten per User und einer Mindestabnahme von 300, bist schon bei einem Jahresbudget von 90.000$. Plus Adoption & Change Mgmt bzw. Trainings im Umgang mit Copilot… Monitoring basierend auf KPIs um den Return of Invest zu sehen, wird dann Interessant wie schnell/langsam dieser ist (unabhängig vom Mehrwert) :-)

    • andy sagt:

      Wow, endlich mal jemand der Adoption, Change Mgmt und Training im Bezug zu Copilot in den Mund nimmt. Toll! Der Großteil sieht das durch die Hypebrille und meint es passieren magische Dinge wenn der Schalter umgelegt wird. Das wird ziemliches Shit in – Shit out

  2. michael sagt:

    Noch konnte mir keine KI zufriedenstellend beantworten, ob es Gott gibt. Alles darunter bekomme ich auch ohne KI hin. Vielleicht wäre rasant wachsende PISA-Testgruppe eine geeignete Zielgruppe.

    KI ist eher NLP und den Meinungskorridor PC korrekt zu nivellieren – zu offensichtlich. Irgendwann gibt es dann auch zu Gericht nur noch die allwissende KI, wie jetzt schon in der Kriegsführung eine KI über Leben und Tod entscheidet.

    • Dat Bundesferkel sagt:

      Sprachmodelle sind nun einmal keine (künstliche) Intelligenz. Und dennoch betet die Regenbogenpresse es fortwährend ungeprüft rauf und runter, weil es Klicks generiert.

      Man mag schon gar nicht mehr die vielen altbekannten Webseiten öffnen, weil entweder…

      … das Trumpeltier wieder was verbockt hat…
      … Rußland mal wieder Cyber-Angriffe fährt…
      … in China ein Sack Reis umgefallen ist…
      … der Junkie Musk wieder irgendeinen Mist produziert hat…
      … oder die Zauber-K.I. – als Lösung allen Übels – hochgepriesen wird.

      Das Gefrickel von Microsoft ist nicht mal ein brauchbares Sprachmodell, geschweige denn irgend eine Form von Intelligenz. Außer, man behauptet nun, Kieselsteine seien intelligent. Dann könnte man darüber fachsimpeln.

      • michael sagt:

        Die Regenbogenprese (heise und Co :-) wird durch meine MI (menschliche Intelligenz) ausgeblendet. Die Technik-Gläubigen bilden mittlerweile eine eigene große irrlichterne Glaubensgemeinschaft.

  3. Andy sagt:

    "In der EU wird Copilot standardmäßig noch nicht aktiviert, weil die Einordnung in Bezug auf den Digital Markets Act für Microsoft noch unklar ist." <- diese Aussage ist nicht korrekt in dem Artikel. Copilot in Edge ist GA und aktivier und auch in Rahmen eines Enterprise Enviroments für Subscriptions verfügbar, Copilot für Github ist aktiviert und GA wenn man eine Subscription hat, Copilot für 365 ist im Early Adopter Access (300 Seats aufwärts) verfügbar über EA zum Beispiel. CSP und Einzellizenzen werden wir dieses Jahr noch ein Annoucnement hören. Der Copilot der NICHT akrtiv ist ist der Copilot in den Windows Versionen weil das ist derjenige weswegen es noch Diskussionen mit der EU gibt.

  4. Bernie sagt:

    Ergänzend für IT-Admins:
    Auf seinem WindowsPro Blog hat Wolfgang Sommergut gestern (21.12.2023) einen Beitrag veröffentlich, wie sich Copilot in Windows und Microsoft Edge mit Gruppenrichtlinien deaktivieren lässt.
    Nähere Infos, siehe:
    https://www.windowspro.de/wolfgang-sommergut/copilot-windows-microsoft-edge-gruppenrichtlinien-deaktivieren

  5. Hummel sagt:

    Copilot und der Datenschutz.
    Da habe ich eben einen interessanten Artikel bei Mike Kuketz gelesen:
    https://www.kuketz-blog.de/datenschutzverstoesse-bei-der-app-microsoft-copilot/
    Man kann gespannt sein, was da noch so folgt.
    Gruß

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