Broadcom gibt E-Mails von VMware-Administratoren weiter; AWS bei VMware als Kunde raus, Erleichterungen für Cloud-Kunden

[English]Heute noch ein kleiner Sammelbeitrag zu Broadcom und VMware. Broadcom ist ein Fehler passiert und die haben die E-Mails von Administratoren bei Kunden für jeden einsehbar per Mail rund geschickt, wie das Unternehmen eingestehen musste. Und bei VMware by Broadcom hat sich Amazon Web Services (AWS) wohl als Großkunde verabschiedet. Zum Wochenabschluss daher noch eine kurze Zusammenfassung von Informationen, die mir bereits seit einigen Tagen vorliegen.


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Erleichterungen für Cloud-Service-Anbieter

Die Kollegen von The Register haben sich bereits zum 1. Mai 2024 im Beitrag VMware by Broadcom blinks again – this time easing change for cloud service providers darüber ausgelassen, dass VMware by Broadcom erneut "geblinkt habe" und dieses Mal Erleichterungen bzw. Zugeständnisse für Cloud-Service-Anbieter angekündigt habe. Es gab ja von Broadcom das Signal, dass man sich für solche Cloud-Service-Anbieter etwas überlegen werden.

Ahmar Mohammad, VMwares Verantwortlicher für den Vertrieb von Partnern und fortgeschrittenen Lösungen, hat wohl Anfang Mai 2024 weitere Details zu den Vereinbarungen für diesen Kundenkreis bekannt gegeben. Alle bestehenden VCSP-Premier-Tier-Mitglieder sollen diesen Status beibehalten und das gilt wohl auch als besondere Ausnahme für "Partner, die sich noch nicht für das Programm angemeldet haben und die möglicherweise besondere regulatorische Beschränkungen oder länderspezifische Anforderungen an hoheitliche Daten haben (Beispiel: Europäischer Wirtschaftsraum und Vereinigtes Königreich)" gewährt werden können, heißt es wohl.

Das klingt, laut Ansicht von The Register, nach einem Zugeständnis an die Eurocloud-Vereinigung CISPE, die Broadcom scharf kritisiert und eine Untersuchung der Übernahme von VMware durch die Europäische Kommission gefordert hat (siehe Zerlegt sich Broadcom mit seinen VMware-Maßnahmen? Stille Entlassungen und CISPE fordert EU-Maßnahmen und VMware plant zwei Cloud Foundation-Releases, können die es reißen? CISPE-Beschwerde eingereicht).

Eine weitere große Änderung sehe vor, so The Register, dass Partner, die aus dem VMware Cloud Service Provider (VCSP) Programm ausgestiegen sind, ihre Cloud-Services bis Ende April 2025 weiter betreiben dürfen. Einige dieser Partner hatten sich wohl nicht für den Ausstieg aus dem Programm entschieden, sondern wurden von VMware by Broadcom gekündigt – mussten vor dieser Ankündigung ihre Clouds sofort schließen und/oder sich für den Wiederverkauf von White-Label-Services anmelden (siehe VMware by Broadcom: (Vergebliche) Hoffnung der Partner auf den "Rettungsanker" White Label?). Die Migration zu Alternativen war für diese Kunden praktisch unmöglich – jetzt haben die Firmen ein Jahr Zeit, um die Dinge zu regeln.

Eine weitere Änderung, die The Register auflistet, besagt, dass VCSP-Partner einen zusätzlichen Monat Zeit haben, um eine Ausnahmegenehmigung zu beantragen. Diese Genehmigung soll es den VCSP-Partnern ermöglichen, das Programm fortzusetzen oder White-Label-Dienste von einem anderen Partner zu beziehen.

AWS ist als Kunde bei VMware raus

Amazon Web Services (AWS) bot ja die Möglichkeit für Kunden, dort eine VMware-Virtualisierung zu buchen. Nun gab es Spekulationen, dass Amazon bei AWS die Kooperation mit VMware by Broadcom beendet. The Register hat sich zum 1. Mai 2024 im Beitrag VMware by Broadcom blinks again – this time easing change for cloud service providers über diesen Sachverhalt ausgelassen.

Es wurde ausgeführt, dass mehrere Social-Media-Beiträge der letzten Tage darauf hindeuten würden, dass VMware Cloud on AWS eingestellt wird. Konkret würde AWS ab dem 1. Mai 2024 den Verkauf von VMware-Lizenzen in AWS einstellen, der Dienst bleibe aber weiterhin verfügbar. Mir ist z.B. dieser Post auf reddit.com untergekommen – und Fritz schreibt in diesem Kommentar, dass AWS sich verabschiedet habe.

Bei Hock Tan, Präsident von Broadcom, liest sich das im Beitrag  VMware Cloud on AWS – here today, here tomorrow vom 6. Mai 2024 natürlich optimistischer. Es seien "falsche Berichte" im Umlauf, was die seit sieben Jahren bestehende Möglichkeit zur VMware-Virtualisierung in der AWS-Cloud beträfe. Der Dienst (Vmware Virtualisierung in der AWS-Cloud) existiere nach wie vor und kann genutzt werden.


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Aber VMware Cloud on AWS wird nicht mehr direkt von AWS oder seinen Vertriebspartnern verkauft. Das bedeutet, dass Kunden, die VMware Cloud on AWS bisher bei AWS erworben haben, nun mit Broadcom oder einem autorisierten Broadcom-Händler zusammenarbeiten müssen, um ihre Abonnements zu verlängern und ihre Umgebungen zu erweitern. Kunden, die aktive, ein- oder dreijährige, Abonnements mit monatlichen Zahlungen haben, die von AWS erworben wurden, werden bis zum Ende ihrer Laufzeit weiterhin von AWS in Rechnung gestellt.

Man kann es auch so übersetzen: Natürlich laufen bestehende Abonnements weiter – aber Amazon hat VMware by Broadcom bei AWS den Stiefel ins Gesäß gedrückt und die raus gekickt. Als Kunde ist AWS raus – wie viele Kunden nun bei Broadcom ihre Verträge für Abonnements verlängern, wird man sehen.

Das Broadcom Datenleck

Abschließend noch ein kleiner Datenschutzvorfall bei Broadcom. Die haben zum 1. Mai 2024 Kunden darüber informieren müssen, dass die E-Mail-Adressen von VMware-Administratoren bei Kunden offen in einer Rundmail geleakt wurden. Hier die betreffende Mail, wobei die E-Mail-Adressen verschleiert wurden.

Broadcom-Mail 1

Und nachfolgend die Mail, in der der Fehler eingestanden wird (jemand hat das in einer Facebook-Gruppe gepostet).

Broadcom-Mail 2

Sieht so aus, als ob es derzeit unruhige Zeiten bei Broadcom und im VMware-Management sind. Aber die Zeiten sind für VMware-Kunden auch nicht gerade ruhiger – oder?

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11 Antworten zu Broadcom gibt E-Mails von VMware-Administratoren weiter; AWS bei VMware als Kunde raus, Erleichterungen für Cloud-Kunden

  1. Hanz Dampf sagt:

    Den Rückzug von AWS ist zu begrüßen, da geht richtig Umsatz flöten. Wenn AWS das macht, machen das vielleicht andere auch. Dann ist das Produkt in zwei bis 3 Jahren vielleicht schon wieder verkauft.

  2. Ralf M. sagt:

    Passt irgendwie alles zusammen. Aber das in 2024 immer noch Anbieter unterwegs sind die BCC nicht zwangsaktiviert einsetzen ist einfach unglaublich.

    • Pau1 sagt:

      Das BCC ist in Microsoft Office Default deaktiviert.
      Man will die User nicht überlasten.

      Außerdem macht man solche Aussendungen per Verteiler, nicht BCC.

      • Pau1 sagt:

        Außerdem gehört bei einer Solchen Email die eigene Adresse in An: und nur diese.
        Mehr als 10 An/Cc sollten allerdings gesperrt werden.

        Da war wohl eine ungelernte Hilfskraft zugänge.

        • Anonym sagt:

          > Außerdem gehört bei einer Solchen Email die eigene Adresse in An: und nur diese. <

          Würde ich ggf. auf Rechtssicherheit prüfen lassen. Zweifel ob eine solchermassen zugegangene Willenserklärung rechtswirksam zugegangen ist, da weder in den Headern noch im Body der eigentlich intendierte Adressat als Partei angegeben ist, sind m. E. erlaubt und harren noch einer höchstrichterlichen Würdigung. Bing Copilot ist der selben Meinung.

  3. 1ST1 sagt:

    Eins der *-Insider-Portale (dazu gehört auch: chip.de) schreibt ganz pasend: "VMware by Broadcom : Das Ende eines Industriestandards". Mehr muss man dazu eigentlich nicht mehr wissen.

  4. Thierry sagt:

    Es gibt eine chinesische Sage: "Wer mit dem Feuer spielt, wird sich am Ende verbrennen."

  5. Anonym sagt:

    > AWS bei VMware als Kunde raus <

    Das trifft die Sache m. E. nicht so richtig. Treffender wäre eher 'AWS bei VMware als Wiederverkäufer raus'.

    Der Lehrling fragte schon 'Und womit virtualisieren die jetzt?'. Deshalb, aus dem Lexikon: "Initially, EC2 used Xen virtualization exclusively. However, on November 6, 2017, Amazon announced the new C5 family of instances that were based on a custom architecture around the KVM hypervisor, called Nitro."

    • Günter Born sagt:

      Dann solltet ihr euch selbst und dem Lehrling beibiegen, nicht nur die Headline zu lesen, sondern auch den Text. Dann hätte auch eurem Lehrling klar werden müssen, dass er sich seine eigene VMware-Virtualisierung kaufen kann …

  6. Anonym sagt:

    > dass er sich seine eigene VMware-Virtualisierung kaufen kann <

    Gut, aber was muss er dann von Amazon als Unterbau kaufen? Bare Metal? Wohl kaum. Ich sehe die Perspektive für Neukunden nicht.

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