Hat sich das europäische Cloud-Konsortium CISPE von Microsoft für 20 Millionen Euro kaufen lassen?

Ich verstehe es echt nicht. Da pustet das europäische Cloud-Konsortium CISPE weit die Backen auf und beschwert sich, dass Microsoft unfaire Wettbewerbsbedingungen bei der Cloud praktiziert. Die EU-Kommission könnte diesbezüglich eine Wettbewerbsuntersuchung durchführen. Und dann bekommt die CISPE 20 Millionen von Microsoft, damit die Beschwerde zurückgezogen wird.


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CISPE-Beschwerde aus 2022

Das Kürzel CISPE steht für Cloud Infrastructure Services Providers in Europe, ein gemeinnütziger Handelsverband für Infrastructure-as-a-Service-Cloud-Anbieter in Europa. Es wurde gestartet, um IaaS-Anbieter dabei zu unterstützen, ihr Geschäftsmodell gegenüber politischen Entscheidungsträgern zu erklären. CISPE wurde Anfang 2017 registriert und ist seit 2015 in Betrieb. Mitglieder sind eine Reihe europäische Cloud-Anbieter und Amazon.

Die CISPE hatte sich Ende 2022 bei der Europäischen Kommission beschwert und behauptet, dass die von Microsoft am 1. Oktober eingeführten Vertragsbedingungen dem europäischen Cloud-Computing-Ökosystem schaden würden. Es war davon auszugehen, dass die EU-Kommission eine formale Untersuchung gegen Microsoft einleiten wird, um das genauer zu untersuchen und ggf. die Praktiken zu unterbinden.

Mit 20 Millionen Euro geködert

Nun berichtet Reuters, dass Microsoft mit der CISPE einen Vergleich mit der CISPE erzielt hat. Microsoft zahl der CISPE 20 Millionen Euro, um eine Kartellbeschwerde über seine Cloud-Computing-Lizenzierungspraktiken beizulegen und damit eine EU-Kartelluntersuchung und eine potenzielle hohe Geldstrafe abzuwenden.

Microsoft-Präsident Brad Smith schreibt: "Nachdem wir mehr als ein Jahr lang mit CISPE und seinen europäischen Mitgliedern zusammengearbeitet haben, freue ich mich, dass wir nicht nur ihre Bedenken aus der Vergangenheit ausgeräumt haben, sondern auch gemeinsam einen Weg in die Zukunft gefunden haben, der noch mehr Wettbewerb auf dem Cloud-Computing-Markt in Europa und darüber hinaus bringt."

Laut Reuters will Microsoft ein Produkt entwickeln, das es den CISPE-Mitgliedern ermöglicht, Microsoft-Software auf ihren Plattformen in der Azure-Cloud-Infrastruktur des US-Technologieriesen auszuführen. Die Preisen sollen denen von Microsoft entsprechen. Das Unternehmen hat neun Monate Zeit diese Entwicklung.

Microsoft wird die CISPE-Mitglieder darüber hinaus auch für die entgangenen Einnahmen entschädigen, die ihnen durch die Lizenzkosten in den letzten zwei Jahren entstanden sind, teilte die CISPE mit. Das 20 Millionen Euro-Angebot Microsofts für diese Vereinbarung wurde nach Insiderberichten auf den Tisch gelegt, um díe Beschwerde geräuschlos abzuräumen.

Der Vergleich schließt Amazon Web Services (AWS), Google Cloud Platform und AliCloud nicht ein. AWS und Google haben bereits Kritik geäußert, schreibt Reuters. "Wir stehen weiterhin an der Seite einer wachsenden Zahl von Kunden, Anbietern und Regulierungsbehörden weltweit, die Microsoft auffordern, seine diskriminierenden Praktiken für alle Kunden zu beenden", zitiert Reuters einen AWS-Sprecher.

Der Leiter von Google Cloud sagte, er hoffe, dass Regulierungsbehörden in anderen Ländern die Lizenzierungspraktiken von Microsoft weiter untersuchen würden. "Viele Regulierungsbehörden haben Untersuchungen zu Microsofts Lizenzierungspraktiken eingeleitet, und wir hoffen, dass es Abhilfemaßnahmen geben wird, um den Cloud-Markt vor Microsofts wettbewerbswidrigem Verhalten zu schützen", sagte Amit Zavery.
"Wir prüfen unsere Möglichkeiten, weiterhin gegen Microsofts wettbewerbswidrige Lizenzierung zu kämpfen, um Auswahl, Innovation und das Wachstum der digitalen Wirtschaft in Europa zu fördern."


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Die für einen Almosen gekaufte CISPE erklärte, sie werde nun ihre EU-Beschwerde zurückziehen und keine Klagen zu diesen Themen in Europa oder anderswo einleiten oder unterstützen. "Diese Vereinbarung wird gleiche Wettbewerbsbedingungen für europäische Anbieter von Cloud-Infrastrukturdiensten und ihre Kunden schaffen", zitiert Reuters CISPE-Generalsekretär Francisco Mingorance.


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14 Antworten zu Hat sich das europäische Cloud-Konsortium CISPE von Microsoft für 20 Millionen Euro kaufen lassen?

  1. Anonym sagt:

    Hotspot "berichtet Reuters" ist kaputt.

  2. Sebastian sagt:

    Das CISPE sich kaufen lässt ist bemerkenswert – ich hätte gedacht die kann man nur mieten. Und MS hätte mal gespürt wie sich so ein Abo anfühlt.

  3. michael sagt:

    Wäre auch verwunderlich, gäbe es keine EU-Organisation die nicht korrupt wäre.

    • Steter Tropfen sagt:

      Nur ist die CISPE keine Organisation der EU, sondern ein Anbieter-Verband aus der freien Wirtschaft. Offenbar nicht mal ein Wikipedia-würdiger: für die ist CISPE eine Organisation zur Entzifferung antiker Papyri.
      Wünschenswert wäre freilich, dass EU-Regulierungsbehörden auch ohne Klage eines Mitbewerbers tätig würden. Aber warum sollten die der Arbeit hinterherlaufen?

    • Jupp sagt:

      Wäre auch verwunderlich, wenn das Schwurblervolk mal verstehen würde, was eine Institution ist und was nicht.

  4. MikeX sagt:

    Sollte dies Stimmen, möchte ich auch eine Interessenvertretung gründen, und meine Rente wäre gesichert.

  5. Alzheimer sagt:

    Überraschend wäre doch eher, wenn da, wo es wirklich um was geht,
    mal plötzlich KEINE Korruption, Vetternwirtschaft, Amtsmissbrauch, Vertuschung, Gedächtnislücken oder ähnliche Schweinereien erkännbar wären.

    Und wenn ein Viktor Orbán – die Nummer eins in Sachen Korruption in der EU – die Ratspräsidentschaft der EU übernehmen kann, zeigt das ja deutlich, dass Korruption in der Politik schon längst "salonfähig" und für jedes Amt geeignet ist.

    Die jammern alle rum, weil Trump evtl. wieder US-President werden könnte,
    aber schnallen nicht, dass ihr EU-Gesocks in Brüssel längst zu einem so erbärmlichen Sauladen verkommen ist, dass selbst Trump eine echte Bereicherung wäre…

    • Bernd Bachmann sagt:

      Mag alles sein, hat aber, wie "Steter Tropfen" oben schon schrieb, nichts hiermit zu tun, weil der/die/das CISPE keine EU-Behörde, sondern eine private Lobbying-Organisation ist.

      (Merke: "europäisch" != "EU")

      • Luzifer sagt:

        ist aber auch scheiss egal weil Wirtschaftsverbände der Politik in nichts nachstehen! Auch da geht es nur um Kohle und Gewinnmaximierung. Der Kunde ist nur dazu da dieses Ziel zu erreichen. Sonst bräuchtre es ja auch kein Kartellamt!

        Lobbying egal ob Politik oder Wirtschaft ist nur ne nette Umschreibung für Korruption!
        Weltweit akzeptiert aber wehe der kleine Mann macht das!

    • Fritz sagt:

      >>Orbán<<

      Es ist eine Grundeigenschaft der EU (ob Konstruktionsfehler, lasse ich mal dahingestellt) daß jede Regierung mit ihrer Weltsicht der anderen gleichgestellt ist und keine Ethik über der anderen steht.

      Gerade bei Orbán hat durchaus ein paar mal versucht, die turnusmäßige Rotation zu kippen.

      Andererseits – wir hatten ja auch einen Silvio Berlusconi und selbst bei einem Herrn Kohl war da mal was mit schwarzen Kassen, das bis heute nicht aufgeklärt ist.

  6. Phadda sagt:

    Nur 20 Mio? Peanuts :D

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