Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern will digital souveräner werden. Nachdem bereits die Umstellung von Microsoft SharePoint auf Nextcloud im Gange ist, wird der nächste Zug bekannt. Mecklenburg-Vorpommern will auch Microsoft Office auf den Arbeitsplätzen der Verwaltung durch eine quelloffene Alternative ersetzen.
SharePoint-Exit ist eingeleitet
Im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern gibt es eine Digitalstrategie der Landesregierung. Diese sieht vor, die digitale Leistungsfähigkeit, Unabhängigkeit und Sicherheit der öffentlichen Verwaltung zu erhöhen. Ein wichtiger Bestandteil stellt dabei die digitale Souveränität dar, um selbstbestimmt über eigene IT-Infrastrukturen und die zugrundeliegenden Daten verfügen zu können, schreibt die Landesregierung.
Erstes "Opfer" dieser Strategie ist nun Microsoft Sharepoint, welches in diesem Bundesland nun schrittweise durch Nextcloud ersetzt wird. Argument ist, dass Land diese Open-Source-Plattform selbst kontrollieren, prüfen und weiterentwickeln kann. Für den Aufbau und Betrieb der Plattform für den öffentlichen Dienst ist die DVZ M-V GmbH, der IT-Dienstleister des Landes, verantwortlich.
Aktuell nutzen rund 5.000 Beschäftigte die Kollaborationsplattform mit Filesharing bereits aktiv. Mittelfristig soll die Lösung für Chat, Videokonferenzen und Groupware-Applikationen ausgebaut werden und über 50.000 Beschäftigten des öffentlichen Dienstes – von den Ministerien bis zu den kommunalen Einrichtungen – in Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung stehen.
Die Einführung von Nextcloud ist Teil einer umfassenderen Open-Source-Strategie des Landes. Mecklenburg-Vorpommern setzt auf OpenProject als Alternative zu proprietären Projektmanagement-Lösungen und hat mit dem KI-Verwaltungschatbot LEA, der auf OpenWebUI basiert, einen eigenen, lokal kontrollierten KI-Assistenten für die Verwaltung entwickelt. Zudem ist Mecklenburg-Vorpommern bereits im November 2025 eine Kooperationsvereinbarung mit Schleswig-Holstein eingegangen, wie ich im Blog-Beitrag Mecklenburg-Vorpommern setzt auf Nextcloud statt auf Sharepoint berichtete.
Nächster Schritt ist die Microsoft Office-Ablösung
Die obige Entwicklung lässt die Ablösung weiterer Microsoft-Software erwarten. Die Clients laufen zwar weiter auf Microsoft Windows, und es ist wohl auch Microsoft Office in der öffentlichen Verwaltung im Einsatz. Aber die Tage von Microsoft Office könnten gezählt sein. heise hatte die Tage bei der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern nachgefragt und erfuhr, dass man an der Ablösung dieser Office-Lösung arbeite.
Die Ablösung von Microsoft Office sei "grundsätzlich Teil der strategischen Ausrichtung des Landes hin zu mehr digitaler Souveränität", sagte eine Sprecherin des Ministeriums für Finanzen und Digitalisierung auf Anfrage von heise. Noch ist aber keine finale Entscheidung für eine Office-Lösung gefallen. Durch die oben erwähnte Einführung von Nextcloud wäre Nextcloud Office auf Basis von Collabora Office naheliegend.
Der IT-Dienstleister des Landes Mecklenburg-Vorpommern fährt, laut einer Sprecherin der Landesregierung, ein Pilotprojekt mit Nextcloud Office aus. Aber es wird parallel den Einsatz von LibreOffice als Desktop-Office-Lösung geprüft, wie heise in obigem Artikel ausführt.



MVP: 2013 – 2016





Ich kann in diesem Zusammenhang nur die Nextcloud-App "Edit Files with Libreoffice" empfehlen, die folgendes macht:
Anstatt ein Office Dokument mit Collabora, Onlyoffice oder dem neuen Eurooffice im Webbrowser zu öffnen, wird das lokal installierte Libreoffice via WebDAV dazu genutzt, die Datei zu bearbeiten.
Ich finde eine elgenate Möglichkeit für alle, die sowas ungern im Browser wollen:
https://blog.jakobs.systems/micro/20211016-edit-files-with-libreoffice/
großartiger Tipp und Möglichkeit. Vermutlich ist eine gleichzeitige Bearbeitung (shared) dann aber nicht möglich. Meist braucht man das ja auch nicht, aber die Menschen gewöhnen sich an solche Features.
wie läuft es da mit Auschecken und Versionskontrolle?
Hervorragend. Mich macht es nur etwas stutzig, dass die Verwaltungen hier die Vorreiter sind. In der Privatwirtschaft, ist man in vielen Bereichen immer noch auf dem Standpunkt MS ist unersetzbar. (Es gibt auch Ausnahmen – ich kenne eine Deutsche Versicherung die schon Mitte des vorigen Jahrzehnts auf offene Varianten umgestiegen ist)
Es gibt sehr viele solche "Ausnahmen" in der Privatwirtschaft.
Ich bekomme häufig Vortragsfolien oder Unterlagen von verschiedenen Firmen (nicht nur Geschäftspartner, sondern auch im Vorfeld von Geschäftsanbahnungen) überlassen und stelle fest, daß der Anteil davon, die über eine irgendwie gebrandete Nextcloud kommen, deutlich höher ist als der "klassische" Weg mittels Sharepoint.
Wir selbst machen es übrigens genauso.
Dies liegt daran, dass man in der Privatwirtschaft, welche das Geld der Behörden ja erst generiert, Kosten/Nutzen-Abwägungen durchführen muss bei denen der Fokus meist nicht langfristig ist.
Da ist es dann schwer dem Chef zu vermitteln warum man etwas, das funktioniert, mit viel Tohuwabohu platt macht und radikal umsteigt. Die Sorgen und Prioritäten der Chefetagen sind idR anders. Trotzdem gibt es da natürlich Fortschritte. (Besonders attraktiv fand ich Libre/OO nie.)
Auf der anderen Seite: Es ist lächerlich, wie Politiker mit "digitaler Souveränität" schaulaufen und gleichzeitig die Unterwerfung gegenüber Palantir betreiben. Des Weiteren wie die wenigen europäischen Standortfaktoren wie Datenschutz (auch und gerade gegenüber dem Staat!) unentwegt untergraben werden.
Oh ja, ich kenne eine Firma, die monatlich ca. 13€ pro Account für Business Standard ausgibt und im wesentlichen nur die folgenden Funktionen benötigt:
– MS Teams
– Powerpoint zum Betrachten von Kundenpräsentationen (100% Kompatibilität notwendig)
13 Euro sind schon brutal….
Da kostest ja schon Adobe Acrobat mehr mit dem irgendwelches triviales Zeug getrieben wird, das heutzutage meist schon mit dem Browser möglich ist. Fachabteilungen sind allerdings recht gut darin, irgendwelche obskuren Nischen-Features für unersetzlich zu erklären und Papier-Workflows aus dem 20. Jahrhundert in digitale Steine zu meißeln.
Wie unser Meister (hat noch die goldene Zeit der IG-Metall Flächentarifverträge™ erlebt) immer zu sagen pflegte:
"Aus analoger Scheiße wird digitale Scheiße"
Durchaus OT: https://www.heise.de/news/Offene-Datenbank-Nextcloud-GmbH-behebt-potenzielles-Datenleck-11358275.html
Hach, was wäre wohl los wenn das MS / Hyperscaler / (US) BigTech passiert wäre und man dort "Uns ist derzeit kein Fall bekannt, in dem die Daten missbraucht wurden." kommunizieren würde. ;)
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GB: Ist aber mehr als Off Topic – es hat mit Nextcloud als Produkt, was die SharePoint-Ablöse betrifft, nichts zu tun. Es ist ein nicht abgesicherter ElasticSearch-Server bzw. eine Datenbank gewesen, die von der Nextcloud GmbH betrieben wurde. Siehe auch Potentielles Datenbank-Datenleck bei Nextcloud GmbH (von Mai 2026) behoben).
Na ja da wäre mehr "los" weil es gerade weltweit unwesentlich mehr Nutzer gibt? Passieren (in dem Sinne dass sich etwas radikal verbessert) würde trotzdem nichts, was gerade an dem de-facto-Monopol liegt. Außerdem liest ich der Kommentar so, als habe man nichts unternommen außer berechtigte Sorgen kleinzureden; tatsächlich hat man den Fehler binnen 48 Stunden behoben und die Behörden informiert.
Dies ändert natürlich nichts daran, dass das ein inakzeptabler Vorfall ist, der Nachlese und Besserung erfordert.
Unser Microsoft Exchange-Server wird in absehbarer Zeit durch Exchange Online ersetzt. Die Geschäftsleitung feiert diese Umstellung, weil dadurch Administratoren eingespart werden. Ich sehe diese Maßnahme in Bezug auf Datenschutz sehr kritisch. Gibt es vergleichbare Produkte zu MS Exchange und wie sind die Erfahrungen? Danke.
Bei 10. tausenden von Firmenpleiten fällt diese eine dann auch nicht mehr sonderlich ins Gewicht….
Klare Antwort: Kommt drauf an. Wie groß ist die Umgebung? Sind Drittlösungen angebunden? Ist Outlook als Client gesetzt/gewünscht?
Meine Kunden sind allesamt KMU, dort kommt oft das "gute alte" TeamDavid von Tobit zum Einsatz. Verwaltung und Daten komplett on-premise, alles recht easy und übersichtlich (wenn man sich einmal in das System eingefuchst hat).
Aber: Your mileage may vary; für Netze mit mehr als ca. 30-40 Anwendern würde ich TeamDavid nicht empfehlen.
Das verdeutlicht, dass die Geschäftsleitung den technischen und sicherheitsrelevanten Aufwand offenbar deutlich unterschätzt. Exchange Online reduziert nicht die Komplexität der Administration, sondern verlagert sie in eine cloudbasierte Betriebs- und Sicherheitsarchitektur. Ein sicherer Betrieb setzt mindestens sauber konfigurierte Conditional-Access-Richtlinien, MFA, Defender for Office 365, Defender for Identity sowie weitere Identitäts-, Zugriffs- und Schutzmaßnahmen voraus – in der Praxis meist auf Basis einer Entra ID P2- bzw. Microsoft-365-Premium oder E5-Lizenzierung. In diese Themen müsst ihr euch fachlich einarbeiten. Die Annahme, durch Exchange Online ließen sich Administratoren einsparen, ist aus technischer Sicht nicht belastbar. Viele Grüße an eure Geschäftsleitung.
@TBR schreibt: "Sicherheitsarchitektur".
Exakt die von Dir aufgeführten und auch notwendigen (!) Sicherheitsmaßnahmen führen zu beträchtlichem Mehraufwand.
Platt: Man schiebt zwar keine RAID-Platten mehr ins Gehäuse, muss sich aber viel um Compliance und Governance kümmern (nicht nur theoretisch, sondern die Prozesse müssen umgesetzt und gelebt werden).
So ist es.
Geschäftsleitung wird sagen: Diese Betreuung kann man dann durch billige remote off-shore Administratoren machen lassen…
Wir haben seit Jahren zwei Zimbra Server mit ca. 200 Postfächern statt Exchange im Einsatz und sind echt zufrieden. Support ist gut und schnell. Updates kommen zeitnah und werden rechtzeitig kommuniziert.
apt update -y && apt upgrade -y
Anschließend die Dienste durchstarten. Downtime fürs Update unter 5 Minuten.
Zum Thema Zimbea
https://www.bleepingcomputer.com/news/security/zimbra-urges-customers-to-patch-critical-web-client-xss-flaw/
Alle kochen nur mit Wasser.
'apt update' benötigt keinen '-y' Schalter.
Dadurch wird keine Administration eingespart, sondern die verlagert sich nur.
Evtl. erhöht sich sogar der Aufwand, da ja das Zusammenspiel der lokalen IT-Systeme mit Exchange Online hinzu kommt, was administrativen Aufwand erzeugt.
Und Exchange Online schafft regelmäßige Kosten, die kaum kalkulierbar sind (MS kann ja, siehe Broadcom mit VMWare lustig an der Preisschraube drehen).
Zudem schafft man sich Abhängigkeiten, die die Fehleranfälligkeit deutlich erhöhen:
1.- Zugangsprovider und eigene Internet-Zugangshardware (Router)
2. Internet allgemein
3. Microsoft
4. Politik (es wurden schon Zugänge diverser Leute aus politischen Gründen gesperrt, siehe Richter beim internationalen Strafgerichtshof)
Bei Exchange OnPrem fallen Punkt 3 und 4 weg und wenn Punkt 1 und 2 gestört sind, funktioniert immer noch die interne Mailkommunikation
Das ist bei Exchange Online nicht der Fall.
Es gibt immer wieder einmal kürzere oder längere Störungen bei Exchange Online.
Bei Exchange OnPrem ist das so gut wie nie der Fall (Seit Exchange 2000 bis heute hatten wir noch nie eine Störung bei Exchange gehabt).
Und dann kommt die Sicherheit hinzu:
Ein Cloudanbieter wie Microsoft ist sehr sehr deutlich mehr Cyberangriffen ausgesetzt als die IT eines einzelnen Unternehmens, denn bei Cloudanbietern hat man viel viel mehr Opfer, wenn der Angriff gelingt.
Und auch bzgl. DSGVO sehe ich das kritisch, denn Daten werden in die USA transferiert, auch personenbezogene Daten (z.B. Adressbücher).
Da hilft auch die Nebelkerze "Angemessenheitsbeschluss" nichts.
Und Microsoft hat vollen Zugriff auf die Mails und kann die auch auswerten und so z.B. Profile der Mitarbeiter und der Geschäftsbeziehungen der Firma etc. erstellen.
Und wegen des Cloud Acts haben auch US-Behörden Zugang zu den Daten.
Außerdem ist man bzgl. Features etc. von Microsoft abhängig.
Ein Beispiel: EWS.
Bei Online wird es im April 2027 permanent deaktiviert (vorher schon im Oktober 2026, aber es lässt sich bis April 2027 wieder aktivieren).
Hat man eine Anwendung, die per EWS auf Exchange zugreift, wird das ab April 2027 bei Exchange Online nicht mehr funktionieren.
Die Anwendung muss umprogrammiert werden, so das die per Graph API auf Exchange zugreift.
OnPrem funktioniert EWS auf unbestimmte Zeit weiter.
etc. etc.
Man gibt bei Exchange Online schlicht die Souveränität über seine Daten auf.
Wir haben den MDaemon Mailserver im Einsatz.
Support ist spitze und das System ist extrem schlank.
Lohnt sich auf alle Fälle einmal anzusehen.
Ich verstehe nicht, wie man durch die Umstellung auf Exchange Online Administratoren sparen sollte. EXO ist meiner Ansicht sogar komplexer, allein schon weil, es mit allem anderen von MS365 (Teams, Sharepoint etc.) verdrahtet ist. Es fallen zwar ein paar lokale Tätigkeiten weg, die aber in der Regel eh generisch sind und größtenteils automatisiert sind (Backups, Updates). Die ganzen Cloud-Funktionen zu überblicken, die extrem fragmentiert auf unterschiedliche Webinterfaces verteilt sind, ständigen Änderungen durch Microsoft im laufenden Betrieb unterliegen, teilweise nur per Powershell vernünftig wartbar sind, bringen zusätzliche Anforderungen und Herausforderungen, ganz sicher nicht weniger. Nicht zuletzt, und ich bin kein Gegner von WebUIs sind die Admin-WebUIs bei MS365 extrem träge und es mangelt an offensichtlichen Features wie Sortierung und Filterung, sodass vieles wie ein Prototyp statt ein fertiges Produkt wirkt. Typisches MS-Blendwerk eben: außen hui, innen pfui.
keine Mails in die US Cloud, ein absolutes nogo.
@R.St.: Aus Erfahrung kann ich sagen, dass sich die Sorgen verlagern: Vom operativen Betrieb hin zu
– dauerndem Change-Management ("Ever-green"-Ansatz von M365),
– komplexeres Debugging bei Fehlern, die man nicht mehr selbst verursacht hat und daher schwerer einzukreisen sind,
– verstärkte Sicherheitsmaßnahmen (System ist ja in der Cloud von jedermann zugänglich)
– ggf. aufwändigere Hybridstellung
– aufwändigere Integration von 3rd-party-Apps gemäß den MS-Regeln
– immer mehr Userwünsche zur Integration von Cloud-SaaS, MS365-Add-ins
"Admins einsparen" fällt aus wegen "is nix" ;-)
Alternative: HCL Notes/Domino?
„Hey, lass uns Office in der Verwaltung umstellen"
„Ja, OK LibreOffice sieht aber scheisse aus."
„Dann OnlyOffice!"
„Dann müssen wir aber die alten Formulare alle Anpassen Finanzsoftware, Bußgeldbescheide und all die tollen Fachverfahren. Kostet zwischen 5000 und 8000 Euro. Und Mitarbeiter schulen sonst rufen die andauernd an und beschweren sich."
„Ja passt sind ja dann Digital Souverän"
„Moment dann gehen aber die Mails nicht mehr weil Outlook Bestandteil vom Office Paket ist."
„Dann kaufen wir das einzeln!"
„Kostet genauso viel wie das ganz Office Paket."
„Dann nehmen wir ein Alternativ Produkt, was genauso gleichwertig ist, ich will meine Kalender und Shared Mailboxen und Einladungen und und und…."
„Dann müssen wir EM-Client kaufen und alle 3 Jahre erneuern."
„Aber dann sind wir ja schon wieder in einer Abhängigkeit."
„Ja schon und wenn wir den Exchange Server ablösen wollen, müssen wir auch eine Firma beauftragen die das alles unter Linux konfiguriert und wartet und dann fallen da auch wieder Lizenzgebühren an, die sind zwar etwas günstiger aber…"
„Ich seh schon Abhängigkeit tauschen mit einer anderen Abhängigkeit. Dann lassen wir alles so wie es ist."
Genauso siehts in den deutschen Firmen aus. Niemand übernimmt Verantwortung, denkt über den Tellerrand, ist bereit etwas umzustellen oder sich bzw. seine Mitarbeiter weiterzubilden. Man kauft immer brav beim "Marktführer", denn macht ja nichts falsch. Am Ende wundert man sich dann über Monopole und einen kaputten Markt.
"Am Ende wundert man sich dann über Monopole und einen kaputten Markt."
Beides dürfte der Geschäftsführung egal sein, wenn die Zahlen stimmen.
Hallo,
in solchen Artikeln bzw. Blockbeiträgen fehlt mir hin und wieder ein kritisches Betrachten. Deshalb mal eine unpopuläre Frage. Man könnte ja sagen: Der öffentliche Dienst in Deutschland hängt beim Thema Digitalisierung so schon Jahre dem Stand der Technik hinterher und schwimmt auch nicht im Geld. Jetzt stattet man diesen noch mit Tools aus, die im Gesamtfeatureset kommerziellen Angeboten hinter sind.
Wenn nur ein kleiner Teil des Featuresets benötigt wird, der in allen Tools gut nutzbar ist, ist ja alles gut. Wenn nicht, ist das aus meiner Sicht eher schwierig.
Das der öffentliche Dienst in Mecklenburg-Vorpommern eine Office-Anwendung weiterentwickelt, wenn beispielsweise LibreOffice eingestellt werden sollte (was ich nicht denke), halte ich doch eher für unrealistisch. Vielleicht ist man souveräner aber nicht unabhängiger.
Wie wird das hier gesehen?
Ich sehe da nicht die Aufgabe als Blogger, das "kritisch" zu betrachten (wie immer man das interpretieren mag). Warum?
Wie Du schon selbst erkannt hast, wird da jeder Anwendungsfall seine eigenen Anforderungen haben. Was für den Einen ein "super, passt" ist, ist für den Nnächsten ein No-Go, weil …
Ich gehe davon aus, dass die IT-Dienstleister, die das für Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern umsetzen, sich da durchaus Gedanken gemacht haben. Es ist schlicht eine politische Entscheidung, will ich digital souverän werden oder weiter an der Nadel der "kommerziellen Anbieter" hängen. Mit Microsoft 365 läuft es doch mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf hinaus, dass ein Schrems III-Urteil des EuGH kommt, der den Datentransfer in die USA untersagt und der Einsatz dieser schönen kommerziellen Software nicht mehr rechtens ist. Dann verpufft deine Super kommerzielle Lösung im rechtlichen Nirvana. Die gesamte Branche hangelt sich doch seit Jahren durch rechtliche Grauzonen, in der Hoffnung, dass niemals ein juristischer Riegel vorgeschoben wurde. Die Deutsche Datenschutzkonferenz (DSK) hat 2022 ganz klar geurteilt Nachbetrachtung zur DSK-Einstufung "Microsoft 365 weiterhin nicht datenschutzkonform".
Das wir gerade vom EU-Parlament die anlasslose Chatkontrolle, durchgeführt durch die US-Techriesen, durchgewunken haben (auch MS-Teams, OneDrive & Co. sind dabei), hatte ich noch gar nicht eingepreist.
Danke für die Antwort. Der Punkt als Blogger nicht kritisch sein zu müssen, ist vollkommen korrekt und soll auch so sein.
Ich finde, dass in diesen Diskussionen einfach sehr viele Dinge miteinander vermischt werden. Souverän zu sein, bedeutet ja nicht automatisch unabhängig zu sein. Abhängigkeit ergibt sich für mich aus Spezialisierung und ist für mich etwas Gutes. Ich kann etwas besonders gut, deshalb mache ich das und jemand anderes kann etwas anders gut, deshalb macht diese Person/Gruppe/… das. Wir nutzen dann jeweils die Dienstleistungen des anderen. In der Folge sind wir stark voneinander abhängig, da es auf Gegenseitigkeit beruht, können wir aber dennoch souverän sein. Auch die Frage wer eigentlich von was unabhängig sein soll, wird für meinen Geschmack häufig zu oberflächlich betrachtet. Europa soll unabhängig von anderen sein, ist ja vielleicht noch realistisch. Der öffentliche Dienst in Mecklenburg-Vorpommern soll möglichst von niemandem abhängig sein, wird schon weniger realistisch, aber ist letztendlich eine Frage von Ressourcen. Insofern wäre die Nutzung kommerzieller, europäischer Angebote ja ok für die Souveränität, auch wenn sie nicht OpenSource sind. Ich persönlich kann das "kommerzielle Produkte gegen OpenSource-Produkte auspielen wollen" auf Basis einer Souveränitätsbetrachtung nicht nachvollziehen.
Die Frage ist für mich (und ich habe keine Antwort drauf), sind die Lösungen für die eigenen Bedürfnisse auf längere Sicht gleichwertig oder wechselt man auf Krampf zu Lösungen mit denen man zwar souverän und eventuell unabhängiger ist, aber der Abstand zwischen Stand der Technik und eigener Arbeitsweise noch schneller noch größer wird?
Hinsichtlich der DSK gehört ja aber auch dazu, dass der Vorsitzende der AG, die zu diesem Ergebnis gekommen ist, 2025 ein Gutachten veröffentlicht hat, dass M365 datenschutzkonform einsetzbar ist. Eine abschließende juristische Klärung der zwei Rechtauffassungen gab es nach meinem Kenntnisstand bisher nicht.
>> kann das "kommerzielle Produkte gegen OpenSource-Produkte auspielen wollen" auf Basis einer Souveränitätsbetrachtung nicht nachvollziehen
Der wesentliche Unterschied ist m.E. folgender:
Wenn das kommerzielle Produkt aus irgendeinem Grund nicht mehr zur Verfügung steht (Lizenzbedingungen, Kosten, Produktpolitik, Anbieter-Insolvenz, politische Entscheidungen, whatever), hast Du ein unmittelbares, großes Problem. Großunternehmen schützen sich teilweise durch Escrow-Agreements, bei denen der Sourcecode für den Fall der Fälle bei einem Treuhänder hinterlegt wird, dagegen; für die große Mehrheit der Unternehmen (und Behörden) dürfte das nicht machbar sein.
Wenn Dein OpenSource-Produkt nicht weiterentwickelt wird, machst Du Dir einen privaten Fork; sonst ändert sich erst einmal nichts. Wenn Du es richtig gemacht hast, hast Du für das bei Lizenz- und Wartungskosten gesparte Geld ohnehin schon ein paar Mitarbeiter eingestellt, die sich an der Weiterentwicklung des Produkts beteiligt haben und es Dir dank ihres dabei erworbenen Wissens beliebig lange am Leben erhalten können.
Deine Souveränität ist im ersten Fall faktisch nicht gegeben, im zweiten dagegen sehr groß.
>> Hinsichtlich der DSK gehört ja aber auch dazu, dass der Vorsitzende der AG, die zu diesem Ergebnis gekommen ist, 2025 ein Gutachten veröffentlicht hat, dass M365 datenschutzkonform einsetzbar ist. <<
Da etwas unsauber und erwartungsvoll formuliert:
1. Der damalige Vorsitzende der DSK (Prof. Dr. Alexander Roßnagel) hat kein Gutachten unter seinem Namen veröffentlicht, sondern als Hessischer Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit (HBDI = behördliche Institution) einen Bericht veröffentlichen lassen. Weniger bedeutsam ist, dass er zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht mehr den DSK-Vorsitz innehatte.
2. Der Bericht (kein Gutachten) basiert "auf dem schriftlichen und persönlichen Austausch zwischen MS und dem HBDI", nimmt zu 7 von der DSK geäußerten Kritikpunkten bzgl. der Nichteinhaltung von Vorgaben des Art. 28 DS-GVO unter Berücksichtigung der aktuelleren MS-DPA eine rechtliche Neubewertung vor und leitete daraus Handlungsempfehlungen für Stellen in Hessen (!) ab.
Es handelt sich dabei um rechtstheoretisches Geschwurbel mit vielen Relativierungen und Einschränkungen, welches "grundlegende Rechts- und Handlungssicherheit" bieten soll. Darauf aufbauend sollen "Verantwortliche einzelne Bestandteile von M365 einer vertiefenden, datenschutzrechtlichen Betrachtung für den konkreten Einsatz unterziehen und im Erfolgsfall datenschutzrechtskonform einsetzen" können. Manche würden so etwas als Gedankenakrobatik ohne Nutzwert bezeichnen.
Es gibt also kein 2025er Gutachten, sondern nur einen Bericht zu ausgewählten Punkten mit Handlungsempfehlungen für Hessen, der keine abschließende juristische Beurteilung (er-)fordert und inhaltlich keine Begründung liefert, M365 datenschutzrechtlich Absolution zu erteilen.
PS: Mittlerweile scheint selbst die IT-Praxis bei diesem Thema mehr auf (passende) Rechtsauslegungen statt auf technische Aspekte zu schauen (zu hoffen?).
im Zeitalter von Subscription für MS Produkte ist jede Alternative erstrebenswert. Solange man noch Kaufoptionen mit kalkulierbaren Kosten für 10 Jahres Zyklen hatte, war das alles in Ordnung, mittlerweile nicht mehr und ich bin stark für Konkurrenz. Cloud ist ohnehin tabu.
Leider aber sehe ich gerade im Bereich Kollaboration keine ernstzunehmenden freien Alternativen.