Windows 10: Doch ISO-Dateien für Normalverbraucher?

Ich gebe es ungerne zu, aber ich habe mich mal geirrt – zumindest ein wenig, so ein kleines bisschen. Worum es geht? Dass es für Otto-Normalnutzer wohl doch die (von mir gestern noch negierte) inoffizielle Möglichkeit gibt, eine ISO-Datei zur Installation von Windows 10 legal herunterzuladen.


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Worum geht es genau?

Beim Start von Windows 10, Ende Juli, hatte Microsoft kurzzeitig, für ein paar Stunden, die ISO-Dateien für Windows 10 für die Allgemeinheit freigegeben. Ich hatte im Artikel Windows 10: ISOs auch öffentlich verfügbar darüber berichtet und prompt am 30.7. einen Kommentar kassiert, dass die Links tot sind.

Um keine toten Links im Blog zu haben und durch Google abgestraft zu werden, habe ich die Verweise aus dem Artikel gelöscht und gut war. Damit war das Thema für mich weitgehend erledigt – zumal ich als Besitzer eines MSDN-Abonnements auf die ISO-Dateien zugreifen kann (siehe Windows 10: ISOs für MSDN-Abonnenten verfügbar). In Firmen, die über Volumenlizenzverträge verfügen, gibt es ebenfalls Wege, um die ISOs von Windows 10 herunterzuladen.

Normal-Anwender haben “nur” das Media Creation Tool …

Für “Otto-Normal-User” gibt es ja die Möglichkeit, eine ISO-Datei für das Windows 10-Upgrade per Media Creation Tool herunterzuladen. Ich habe das Thema erschöpfend in der folgenden Artikelreihe behandelt.

Windows 10: Download mit dem Media Creation Tool – Teil 1
Windows 10: Tipps und Infos zum Download– Teil 2
Windows 10: Upgrade vom Installationsabbild – Teil 3
Windows 10: Clean Install vom Installationsabbild – Teil 4

Daher besteht eigentlich auch keine Notwendigkeit für einen direkten Download-Link der ISO-Dateien – auch wenn es für Manchen gefühlt eine Arme-Leute-Lösung ist.

… ich lag falsch

Ich habe mich im gestrigen Blog-Beitrag Microsoft will ISOs für Windows 10 Insider Preview bereitstellen über die “mangelnde ISO-Download-Möglichkeit” für Normalanwender mokiert. Und da habe ich mich geirrt, und zwar in der Behauptung, dass man sich als Normalnutzer keine ISO-Datei mit dem Windows 10-Installationsabbild direkt herunterladen kann und auf das Media Creation Tool angewiesen sei …

Es geht doch, per Tech Bench-Update-Programm

Ist ein richtiger Zungenbrecher, das Tech Bench-Update-Programm ermöglicht den direkten Download von ISO-Installationsabbildern. Die richtigen Hardcore-Insider wissen das natürlich schon längst – und auch die Leute, die die Microsoft-Meldungen richtig, also Wort für Wort lesen: Es gibt einen ISO-Download, ganz offiziell (indirekt als Info hier in der Microsoft Windows 10-Ankündigung erwähnt).

Retail partners are ready to help people upgrade to Windows 10 with our largest tech bench program ever, including more than 100,000 trained retailers and tens of thousands of stores around the world. Free upgrade programs will be available Wednesday, with Windows 10 software becoming broadly available in retail stores around the world between mid-August and September.

Ist zwar nur eine Randnotiz, ohne harte Fakts und Download-Links. Aber Vertriebspartner haben wohl die Möglichkeit, über das Tech Bench-Programm Windows 10-Upgrades zu verteilen. Im tenforums.com gibt es die Info über diese Download-Möglichkeit samt Link, und bei Dr. Windows hat MVP-Kollege Martin Geuß auch gerade drauf hingewiesen (http://goo.gl/v5r6cB). Interpretiere ich diesen MS Answers-Beitrag richtig, ist der Ansatz für Windows 8.1 with Bing sogar für Microsoft OK – der Rest soll bitte das Media Creation Tool verwenden. Aber wer hört schon auf so was – daher hier die Details.

Auf der Webseite Windows 10 Tech Bench-Upgradeprogramm kann man die ISO-Installationsdateien für Windows 10 direkt herunterladen.

Die in obigem Listenfeld gezeigten Varianten enthalten die Installationsdateien für Windows 10 Home und Pro in unterschiedlichen Varianten. Die N-Variante ist die EU-Ausgabe ohne Windows Media Player, während die KN-Ausgabe den Media Player für Korea weg lässt.

In den überwiegenden Fällen wird man also schlicht “Windows 10” auswählen und dann über Betätigen im nächsten Schritt die Sprache für die Windows-Installationsdateien festlegen.

Und dann bekommt man zwei Download-Schaltflächen für die 32- und die 64-Bit-Download-Version. Die Links sind für 24 Stunden gültig – also obacht, falls ihr eine sehr langsame DSL-Verbindung habt, könnte es knapp werden.


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Nicht wirklich offiziell für Endanwender …

Das Ganze ist natürlich nicht offiziell für Otto-Normal-Verbraucher von Microsoft aufgesetzt worden, sondern richtet sich an die oben zitierten Vertriebspartner, die die ISO-Dateien brauchen, um eine Installations-DVD oder einen Installations-USB-Stick anzufertigen und dann Windows 8.1-Systeme auf Windows 10 aufrüsten. Deshalb kann man sich über die verlinkte Seite auch eine 70 MByte große ZIP-Datei mit PowerShell- und anderen Skripten herunterladen (siehe folgende Foto).

Diese PowerShell-Scripte und Batch-Dateien ermöglichen einem Händler auf einfache Weise einen USB-Installations-Stick zu erstellen. Dabei kann der Name des Händlers mit angegeben werden. In Begleit-Dokumenten wird auch erklärt, wie man vorzugehen hat. Im Ordner TechBench gibt es dann noch diverse “Clean-Scripte”, die ein System ggf. aufräumen.

Einen Seitenhieb kann ich mir nicht verkneifen. In schönster Juristen-Paranoia sind die Dokumente in diesem öffentlich herunterladbaren ZIP-Archiv mit “Microsoft Confidential – NDA only” signiert. Für die Nicht-Insider: NDA steht für Non Disclosure Agreement – also quasi so was wie der Streng vertraulich-Hinweis unserer Behörden auf diversen Dokumenten, für deren Veröffentlichung man man die Macher von netzpolitik.org wegen Landesverrat dran kriegen wollte. Dass der NDA-Vermerk jetzt in Microsoft-Dokumenten zu finden ist, die sich öffentlich herunterladen lassen, ist imho ein schlechter Witz.

Dass Microsoft Geschäftsgeheimnisse schützen will, ist in meinen Augen sicher irgendwie legitim. Auch ich habe als MVP ein NDA-Agreement unterschrieben und akzeptiere, das Vertrauliches vertraulich bleiben muss. Aber ich ärgere und wundere mich täglich über diese Praktiken bei Microsoft (die auch im aktuellen Fall wieder einmal absolut keinen Sinn ergeben) – oder anders ausgedrückt: Sankt Bürokratius führt bei Microsoft in den USA ein ausuferndes Eigenleben …

Stopp, noch nicht zum Download hecheln …

Bevor ihr jetzt alle die DSL-Leitungen mit Downloads glühen lasst, stellt sicher, dass Folgendes gegeben ist:

  • Genügend schnelle Internetverbindung, damit das mit dem Download binnen 24 Stunden gewuppt ist – ach, und es können Gebühren des Internetdienstanbieters anfallen, falls ihr mit UMTS oder Volumentarifen am Limit unterwegs seid.
  • Stellt ausreichend Datenspeicher auf einem Computer, USB- oder externen Laufwerk für die ISO-Downloads und Skripts bereit.
  • Besorgt euch einen USB-Speicherstick mit mindestens 16 GB für Systeme mit wenig Speicherplatz auf dem Datenträger.
  • Besorgt euch einen Micro-USB-Adapter für die Verwendung von Medien auf Tablets, sofern erforderlich.

Und wichtig: Lest die Dokumente für den Benutzer mit Bezug zu diesem Upgrade, darunter die Lizenzbedingungen, die Datenschutzerklärung und das Benutzerhandbuch für das Windows 10-Upgradeprogramm für neue PCs, in dem die Änderungen am PC während des Upgrades dokumentiert sind.

Ad in­fi­ni­tum – ‘s ist aber arg lang geworden …

Möglicherweise wundert ihr euch, dass der Artikel doch arg lang geworden ist. Es hätte ja auch “Gibt Windows 10 ISO, Link hier” in Twitter-Manier gereicht. Hätte, hätte Fahrrad-Kette. Einmal bin ich nicht wirklich in der Generation Twitter angekommen, wo man mit 140 Zeichen kommuniziert. Zum Anderen haben mich Nerven- und Muskelschmerzen aus dem Bett getrieben und ich habe mal probiert, wie breit man eine Nonsense-Meldung wohl auswalzen kann. Falls ihr bis hierher durchgehalten habt, wisst ihr, dass hinter NDA keine Unterabteilung des US-Geheimdiensts steckt und kennt sogar eine direkte ISO-Download-Möglichkeit. Das ist doch auch schon was, oder? tl;dr;

Kleiner Tipp: Es gibt zwischenzeitlich ein kleines Tool, mit dem man bisher die ISO-Dateien für diverse Windows- und Office-Versionen herunterladen kann. Ich habe das Tool im Beitrag Tipp: MS Windows und Office ISO-Download-Tool vorgestellt.

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14 Kommentare zu Windows 10: Doch ISO-Dateien für Normalverbraucher?

  1. Thomas Bauer sagt:

    Ich habs mal überflogen. Ich gebe bei Google „Windows 10 downloaden“ ein. Der 1. Eintrag ist von Microsoft.
    https://www.microsoft.com/de-de/software-download/windows10

    Dort wähle ich die 32 oder 64 Bit Version aus und fertig. Außer man braucht Spezial ISO’s wie die „N“ Editionen.

  2. MaxMaxel sagt:

    Und wo finde ich den Hashwert zu den ISOs ? Oder ist das bei Windows nicht so wichtig? Die werden ja bestimmt nicht korrumpiert. Ist ja Windows …

    • Frank Bell sagt:

      Der Witz ist, dass Microsoft über so ein Programm verfügt und man es von deren Webseite herunterladen kann:

      fciv.exe

      //
      // File Checksum Integrity Verifier version 2.05.
      //

      Aber die WERTE, die diese Programm verifizieren KÖNNTE, die werden nicht veröffentlicht.

  3. OlliD@IRQ8 sagt:

    HashTab
    Version 5.2.0.14 free for personal use on Windows.

    http://implbits.com/products/hashtab/

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  5. Hardy sagt:

    Super,sogar mit install.wim nicht wieder esd

  6. Axel sagt:

    Hatte die Seite mit den Downloads mal gesichtet, aber damals nicht weiter beachtet. Mal schauen ob die ISO brauchbar ist. Das Tool ist es nur bedingt.

  7. Axel sagt:

    Hier die SHA-1 (inoffiziell) für Win10_1511_2_German_x64.iso:
    D47D8436987CBF7CBC8D507E21E642D2D8310296

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  9. Michael sagt:

    Suche einen funktionierenden Link zu einem Build 1511 von Win10 64-bit. Über das MS Tool kommt man immer nur an die neuste Version.
    Ich brauche aber 1511 wegen einem inplace recovery.
    Gibt es sowas noch ?
    Danke für Hilfe
    Michael

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