Vorsicht, Partitionierungsfalle bei Windows 8 – Teil 1

Windows 8 besitzt, wie frühere Windows-Versionen auch, Werkzeuge, um Festplatten in mehrere Partitionen zu unterteilen und dort logische Laufwerke zuzuweisen. Durch Zufall bin ich jedoch auf ein “Feature” gestoßen, mit dem sich unerfahrene Benutzer den Inhalt einer Festplatte unter Windows 8 (und Windows 7) versemmeln können.


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Auch Windows 8 bietet über die Datenträgerverwaltung die Möglichkeit, eine Festplatte in mehrere Partitionen zu unterteilen und dann logische Laufwerke zuzuweisen. Auf diesen Sachverhalt hatte ich bereits unter Windows 7 unter [1] hingewiesen. Es reicht, die Computerverwaltung über den Kontextmenübefehl Als Administrator ausführen über die Startseite aufzurufen (im Suchfeld der Startseite Verw eintippen und dann Einstellungen wählen – dann sollte das Symbol Verwaltung in der Liste auftauchen, welches bei Anwahl ein gleichnamiges Ordnerfenster öffnet – dort kann die Computerverwaltung aufgerufen werden).

Wechselt man zur Datenträgerverwaltung, zeigt diese die gefundenen Datenträger sowie deren Partitionierung und logische Laufwerke an. Dies ist in nachfolgendem Screenshot zu sehen. Der Benutzer kann nun Partitionen mit der rechten Maustaste anwählen und über den Kontextmenübefehl Volume verkleinern freien Platz auf dem Datenträger schaffen. In diesem freien Bereich ließen sich weitere Partitionen und ggf. logische Laufwerke anlegen (siehe auch [1]).

So weit so gut. Ein Problem gibt es allerdings: So manches OEM-System enthält eine Festplatte, die als MBR-Datenträger partitioniert wurde und bereits vier Partitionen aufweist. Ich habe dies in obigem Screenshot mit einem roten Pfeil gekennzeichnet. Ein MBR-Datenträger kann aber nur vier Primärpartitionen aufnehmen (siehe Verweise [3, 4,5] am Beitragsende). Man müsste also die vierte Partition in eine Sekundärpartition (erweiterte Partition) umwandeln, um dort eine beliebige Anzahl logische Laufwerke einrichten zu können. Das Problem hatte ich unter [1] skizziert – und mit ein paar Tricks oder Dritt-Partitionierungstools klappt dies auch.


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Bei Windows 7/Windows 8 geht das schief

Gelegentlich erkennt der Benutzer aber nicht unbedingt, dass bereits vier Primärpartitionen auf dem Laufwerk vorliegen. Denn manche Hersteller verwenden eine vierte versteckte Recovery-Partition, die man nur am Partitionierungsschema erkennen kann. Oder er weiß nichts von der Begrenzung auf vier Partitionen für MBR-Datenträger.

Enthält der Datenträger bereits vier Partitionen, und verkleinert der Benutzer eine Partition, sollte sich im unpartitionierten Bereich keine weitere Primärpartition einrichten lassen (in der Datenträgerverwaltung gibt es in Windows 7/8 eine entsprechende Fehlermeldung). Im Rahmen der Forendiskussion unter [6] bin ich nun auf eine Falle gestoßen, die bei Windows 7/8 lauert: Man kann den freien Bereich per Rechtsklick anwählen und den Kontextmenübefehl Neues einfaches Volume verwenden.


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Dann startet ein Assistent, der die Benutzer durch die Schritte zum Erzeugen dieses Volumes (logisches Laufwerk) führt. Zuerst wird in nachfolgendem Dialogfeld die Größe des logischen Volumes abgefragt.

Dann folgt das nachfolgend sichtbare Dialogfeld zum Festlegen des logischen Laufwerksbuchstabens.

Im nächsten Dialogfeld wird das Format für das logische Laufwerk abgefragt.

Sieht alles sehr gut aus, so wie man es als Benutzer erwartet (wenn man mal vom Umstand absieht, dass das auf einem MBR-Datenträger eigentlich nicht gehen kann, noch eine fünfte Primärpartition zuzuweisen). Der nachfolgende Hinweis wird von den Benutzern daher auch nicht ernst bzw. als wichtig genommen.

Bestätigt der Benutzer dieses Dialogfeld mittels der Ja-Schaltfläche, wandeln Windows 7/8 (bzw. die Datenträgerverwaltung) den MBR-Datenträger in einen dynamischen (GPT-)Datenträger um. Dieser wird gemäß der nachfolgenden Abbildung angezeigt.

Aus dem MBR-Datenträger, von Microsoft als Basislaufwerk bezeichnet, ist jetzt ein dynamischer Datenträger geworden (dieser besitzt eine spezielle, Microsoft-spezifische Struktur). Erkennbar ist dies an der Datenträgerkennung. Ein solcher Datenträger kann ca. 2000 logische Laufwerke aufnehmen – die in der Datenträgerverwaltung mit einem grünlich-braunen Farbton angezeigt werden.

Anmerkung: In der Ursprungsfassung hatte ich geschrieben, dass die Datenträgerverwaltung die MBR-Partitionierung in eine GPT-Partitionierung konvertiert. Blog-Leser Hans-Peter M. machte mich darauf aufmerksam, dass ein GPT-Datenträger nicht zwingend dynamisch sein muss. Es gibt auch auch GPT-Datenträger vom Typ “Basis” – und ein dynamischer Datenträger muss nicht unbedingt eine GPT-Partitionierung aufweisen. Ich habe nochmals nachgeschaut, es sieht so aus, als ob die MBR-Partitionierung erhalten bleibt, aber durch eine MS-spezifische Struktur für dynamische Datenträger ergänzt wird. Damit können Betriebssysteme, die eine MBR-Partitionierung erwarten, nichts anfangen. Im Blog-Beitrag habe ich die Nomenklatur verwendet, die die Datenträgerverwaltung von Windows 7/8 beim oben skizzierten Vorgang erzeugt – es wird ein dynamischer Datenträger angelegt.

Das installierte Windows 8 wird auch weiterhin booten. Aber eventuell in Benutzung befindliche Fremdtools, die direkt auf Datenträgerebene eingreifen (wie Acronis True Image [7]) verweigern u. U. die Arbeit. Zudem lassen sich auf anderen Partitionen des Datenträgers installierte Betriebssysteme u. U. nicht mehr booten. Der Anwender hat sich mit dieser Aktion das System versemmelt.

Abhilfe schafft dann nur noch, die neue Partition zu löschen und den dynamischen Datenträger in einen Basisdatenträger (MBR-Disk) zurück zu wandeln. Dies wird in Teil 2 skizziert.

Artikel:
a: Vorsicht, Partitionierungsfalle bei Windows 8 – Teil I
b: Dynamischen Datenträger in Basisdatenträger konvertieren – Teil II

Links:
1: Partitionierung, (k)ein Buch mit 7 Siegeln?
2: Was steckt hinter der Medion OEM-Partition?
3: Partition (Informatik) (Wikipedia)
4: Master Boot Record (Wikipedia)
5: GUID Partition Table (Wikipedia)
6: Forendiskussion bei MS
7: Forendiskussion bei MS


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18 Kommentare zu Vorsicht, Partitionierungsfalle bei Windows 8 – Teil 1

  1. Marc sagt:

    über Partitionierung liest man ja hier und dort im www.
    leider kann man jedoch keine Empfehlungen finden, wie eine Festplatte optimal aufgeteilt werden soll.

    Manche sind der Auffassung, aufgrund der schnelle/großen Datenspeicher ist eine Partitionierung “old school”, die anderen gliedern nur das OS aus, wobei selbst hier die “Größen-Empfehlungen” von x bis y reichen.

    Selbstverständlich ist das alles eine “User/Geschmacksfrage”, aber evtl. Anhaltspunkte (Empfehlung?) wären gar nicht so verkehrt.

    • Günter Born sagt:

      Grundsätzlich ein paar Infos:

      – Windows 7 richtet (wie Windows 8) standardmäßig zwei Partitionen (system-reserviert & system) ein
      – so gut wie alle OEM-Systeme werden vorpartitioniert ausgeliefert (die obigen 2 Windows-Partition, eine Treiber-Partition und meist eine Recovery-Partition)

      Damit haben wir dann typischerweise die vier Primärpartitionen, die ich im Artikel anziehe – egal, was da Leute über “old school” im Web verzapfen.

      Persönlich habe ich mir angewöhnt, mein System in mehrere Partitionen aufzuteilen. Es gibt die Betriebssystempartition, ca. 70 bis 80 GB (neben der System-reserviert-Partition), sowie eine Latte weiterer Partitionen, die ich zur Installation zusätzlicher Betriebssysteme, für Daten oder für Backup-Zwecke (Treiber etc.9 nutze). Zudem habe ich sehr viele portable Anwendungen im Einsatz. So reduziert sich das Neuaufsetzen eines Windows 7-Systems zwischenzeitlich auf – ein paar Dateien aus dem Benutzerprofil auf eine Backup-Partition kopieren – das Master-Backup zurückspielen – die gesicherten Benutzerdateien wieder in das Profil zurückkopieren und fertig.

      Aber das sind just my 2 cents

  2. Wolfgang B. Strecker sagt:

    Vorsicht, Partitionierungsfalle bei Windows 8 – Teil 2:
    Bitte Link korrigieren
    Fehler 404 – Nicht gefunden

  3. André sagt:

    ich habe nur 2 Partitionen:

    C: – Windows + Programme, die ist bei mir 128GB
    D: – alle Daten + portablen Programme (der Rest von 1TB)

    Betriebssysteme und Programme testen ich in VMs und wenn ich ein natives Windows benötige installiere ich es in eine VHD und boote davon.

  4. Günter Born sagt:

    @Wolfgang: Welchen Link meinst Du? Ich habe die Links am Artikelende geprüft, die tun es alle.

    Update: Ok, hab mich selbst ins Knie geschossen und nicht daran gedacht, dass sich ein Link auf einen zweiten Teil bezieht, der erst am 30.6. online ging (da ich an WordPress angemeldet bin, funktionierte der Link) – und sollte nun allgemein auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

    Hier noch ein kurzer Text, den mit Blog-Leser Hans-Peter Matthis zukommen ließ (die Infos habe ich bereits im Blog-Beitrag eingepflegt).

    Moin Günter,

    da ich keinen Bock auf doofe Captchas und Webformulare hab, per E-Mail in
    schönem Text. ;-)
    Ich hätte drei Anmerkungen zu
    https://www.borncity.com/blog/2012/06/29/vorsicht-partitionierungsfalle-bei-windows-8/

    > Enthält der Datenträger bereits vier Partitionen, und verkleinert der
    > Benutzer eine Partition, sollte sich im unpartitionierten Bereich keine
    > weitere Primärpartition einrichten lassen (unter Windows 7 gibt es eine
    > entsprechende Fehlermeldung).

    Nö, mein Test war ja gerade mit Win 7. Da wurde automatisch nach dynamisch
    konvertiert. Es kam keine Verweigerung. Und der OP, der da über die
    unerwartete “Dynamisierung” jammerte, hatte auch Win 7.

    > Aus dem MBR-Datenträger ist jetzt ein GPT-Datenträger (von Microsoft als
    > dynamischer Datenträger bezeichnet) geworden.

    Es gibt auch GPT-Datenträger vom Typ “Basis”. Muss nicht unbedingt dynamisch
    sein. Oder dynamisch muss nicht unbedingt GPT sein. In der
    Datenträgerverwaltung hat man ja z.B. die Wahl “dynamisch, aber nicht GPT”
    oder “GPT, Typ Basis, nicht dynamisch”.

    > @Wolfgang: Welchen Link meinst Du? Ich habe die Links am Artikelende
    > geprüft, die tun es alle.

    Er meinte
    https://www.borncity.com/blog/2012/06/30/dynamischen-datentrger-in-basisdatentrger-konvertieren-teil-2/

    Da kommt bei mir derzeit auch 404

    Gruß, Hans-Peter

    Mein Dank an Hans-Peter. Mit den Captches ist reine Notwehr, da ich ohne diese und zig Spam-Filter jeden Morgen 100 – 200 Spam-Kommentare im Blog finden würde.

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  6. Marc sagt:

    @Günter
    a.) Danke für die Info

    b.) Wolfgang meint den 2ten Teil, der morgen erscheint ;-)

  7. Pingback: Problem mit Paragon Partitions Manager 12

  8. Petra sagt:

    Hallo Herr Born,
    lange habe ich mich gewehrt ein anders BS als XP zu verwenden. Nun benötigt mein Kind mindestens Office 2010 für ihre Facharbeit. Office 10 und XP passt nicht. PC zu alt für Win 7. Also musste ein neuer PC, ein Laptop her. Gibs für uns bezahlbar nur noch mit Win8. Natürlich sind schon 4 Primärpartitionen drauf. In Ihrem Artikel, Auszug unten erkenne ich nicht, ob die Riesen-Primär-Partition nun “geteilt” werden kann oder nicht. Kann man diese nun in eine primäre und eine erweiterte aufteilen? Verwaltet Windows 4 Primär- und eine Erweiterte Partition.
    Seit Tagen suche ich nach einer Lösung, kann aber nichts gescheites finden.
    Vielleicht liegt die Lösung im fehlenden Bild?
    Viele Grüße aus Plauen Petra

    Vorsicht, Partitionierungsfalle bei Windows 8 – Teil 1
    Publiziert am 29. Juni 2012 von Günter Born

    Sieht alles sehr gut aus, so wie man es als Benutzer erwartet (wenn man mal vom Umstand absieht, dass das auf einem MBR-Datenträger eigentlich nicht gehen kann, noch eine fünfte Primärpartition zuzuweisen). Der nachfolgende Hinweis wird von den Benutzern daher auch nicht ernst bzw. als wichtig genommen.

    Bild wird hier leider nicht angezeigt!

    Bestätigt der Benutzer dieses Dialogfeld mittels der Ja-Schaltfläche, wandeln Windows 7/8 (bzw. die Datenträgerverwaltung) den MBR-Datenträger in einen dynamischen (GPT-)Datenträger um. Dieser wird gemäß der nachfolgenden Abbildung angezeigt.

    • Günter Born sagt:

      @Petra: So ganz verstehe ich den Post nicht. Dass jemand für eine Facharbeit Office 2010 benötigt, ist schon krass – es sei denn, die Arbeit geht über dieses Produkt. Hier läuft Word 2000 auf Windows 7 – und damit werden immer noch die Manuskripte für die Bücher geschrieben. Aber ich muss das nicht verstehen – Du wirst deine Gründe für die Auswahl haben.

      Das Bild ist gefixt, danke für den Hinweis – da lässt mich ein Bilderhoster manchmal im Stich, indem er Uploads von nicht registrierten Benutzern sporadisch löscht.

      Zum Thema “Notebook und Windows 7” -> eine kleine Suche nach “notebook windows 7 preisvergleich” bringt mir dieses Angebot – keine Ahnung, ob es taugt. Aber da ist WIndows 7 dabei.

      Zum Thema Partitionierung: Bei MBR-Datenträgern sind definitiv nur vier Primärpartitionen möglich. Was geht, sind drei Primärpartitionen und eine Sekundärpartition, die ihrerseits beliebig viele logische Laufwerke aufnehmen kann. Aber moderne Windows 8/8.1-Systeme sind mit UEFI und GPT-Datenträgern ausgestattet. Da sieht die Welt wiederum anders aus. Lies dir bitte GPT-FAQ: Wissen zu GPT-Datenträgern durch. Das ist wichtig, nicht dass Du nachher in einer anderen Partitionierungsfalle sitzt.

      Klinke mich hier aus, da ich momentan arg knapp an (Online-)Zeit bin.

  9. Pingback: Anleitung: Bootprobleme nach Backup-Wiederherstellung unter Windows 7 und Windows 8 beheben - Der Tutonaut

  10. Karin sagt:

    hallo Herr Born,

    ich bin nach längerer Suche auf Ihre Seite gestoßen und ich würde Sie bitten, ob sie mir behilflich sein könnten. Seit ca. zwei Tagen zeigt der PC an, dass kein freier Speicher mehr verfügbar ist, obwohl ich auch einiges gelöscht habe. heute waren es dann ca. 370 MB, jetzt wieder 0 MB. ich habe zwar viele Videoclips auf der FB drauf, aber kann das der Grund sein? der Umfang sollte 750 GB betragen, was real aber wohl etwas weniger sein dürfte. jetzt habe ich die Frage, ob das mit der Partition zusammen hängt, da dort ja die Datenträger (in der D-Verwaltung) angezeit werden. bei mir sieht es so aus: Datenträger () Basis 698,51 GB Online und dann FÜNF blaue Balken, ich dachte mehr als vier geht nicht?! die Balken sind so aufgeteilt: 100 MB fehlerfrei, 900 MB fehlerfrei, OS (C) 279,45 GB NTFS fehlerfrei (Startpartition), DATA D: 398,07 GB NTFS (Auslagerung) fehlerfrei, 20,01 GB Wiederherstellungspartition. was heißt das konkret? mein Kaspersky kann kein Update mehr durchführen, ev hängt das auch zusammen. ich ersuche dringend um Hilfe, denn ich bin leider kein Fachmann, danke! mfg Karin

    • Günter Born sagt:

      Kontaktiere Sachverstand vor Ort – per Blog ist da keine Hilfestellung möglich. Zu deine Ausführungen: Du hast vermutlich einen GPT-Datenträger – was da voll läuft kann ich nicht beurteilen.

  11. Pingback: Anonymous

  12. Pingback: Aufteilung UEFI Partitionen bei Neuinstallation von Win 8.1

  13. Ikem sagt:

    > Aus dem MBR-Datenträger, von Microsoft als _Basislaufwerk_ bezeichnet

    Typo.

  14. Ikem sagt:

    > Es sieht so aus, als ob die MBR-Partitionierung erhalten bleibt, aber durch eine MS-spezifische Struktur für dynamische Datenträger ergänzt wird.

    Microsoft erstellt eine 100MB Grosse Partition. Die wird dann verwendet, wenn Basis-Datenträger zu dynamischen Datenträgern konvertiert werden.

  15. Pingback: Installation: Windows 7 als zweites Betriebssystem neben Windows 8.1

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