Microsoft: Windows 10 Sicherheit gegenüber Windows 7

Angesichts der Sicherheitsbedrohungen in 2017 und der in 2018 kommenden Vorfälle, regt Microsoft den Umstieg auf Windows 10 an. Dabei zielt man auf Windows 7-Anwender, die irgendwie nicht weichen wollen. Da stellt sich die Frage: Ist Windows 7 noch sicher und hat Windows 10 nun in der Zahl der Installationen Windows 7 überholt oder nicht. Microsoft hat dazu mal wieder etwas verlauten lassen – und sich dann später heimlich korrigiert.


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Sicherheit und Windows 10

Tanmay Ganacharya, Principal Group Manager, Windows Defender Research,  hat einen umfangreichen Artikel A worthy upgrade: Next-gen security on Windows 10 proves resilient against ransomware outbreaks in 2017 veröffentlicht. Der Beitrag handelt davon, wie wichtig der Umstieg auf Windows 10 aus Sicherheitsgründen sei und führt aus, wie gut Windows 10 gegen moderne Bedrohungen abgesichert sei. So hat Microsoft festgestellt, dass Windows 7 –Systemen im Zeitraum von Juni bis November 2017 mehr als 3,4 Mal so häufig von Ransomware befallen worden seien als Windows 10. Das Ganze wird durch nachfolgende Grafik belegt.

Ransomware-Befall in Windows
(Quelle Microsoft)

Was den krassen Anstieg im November bewirkt hat, ist mir allerdings unklar. Der Abfall bei Windows 10 dürfte durch die Änderungen im Hinblick auf Advanced Thread Protection (ATP) beim Defender in Windows 10 Fall Creators Update initiiert sein – mag mich aber täuschen. Der englischsprachige Beitrag ist ganz lesenswert, da er auf die Schutzmechanismen von Windows 7 und Windows 10 eingeht.

Hat Windows 10 nun Windows 7 überholt?

Nun mag man ja durchaus die Vorteile von Windows 10 im Hinblick auf Sicherheit sehen. Alleine, die Nutzerbasis verharrt auf Windows 7 und Windows 10 steigt nur langsam im Anteil. An dieser Stelle wird die Geschichte aber leicht ‘obskur’ – weshalb der Blog-Beitrag entstanden ist. Tanmay Ganacharya hat nämlich eine Aussage bezüglich der Installationsbasis von Windows 7 im Vergleich zu Windows 10 getroffen, die nun wieder verschwunden ist. Zeit, auch einen zweiten Blick auf diesen Sachverhalt, im Spiegel der Vergangenheit zu werfen (ist das Salz in der Suppe eines Bloggers).

Wasserstandsmeldungen von Microsoft

Bisher war es ja so, dass gelegentliche Wasserstandsmeldungen von Microsoft ‘100 Millionen, 200 Millionen’ Windows 10-Installationen veröffentlicht wurden. Das Ziel, bis 2018 auf eine Basis von 1 Milliarde Windows 10-Installationen zu kommen, wurde aber deutlich verfehlt.

1 Milliarde Windows 10-Installationen bis 2018(Quelle: Microsoft)

Die letzte Zahl, die ich bewusst gehört habe, waren 600 Millionen aktive Windows 10-Geräte (siehe meinen Beitrag 600 Millionen aktive Windows 10-Geräte vom September 2017).

Windows-Statistikdaten

Hier im Blog habe ich, wie andere Webseiten auch, auf Statistikdaten von Anbietern wie Net Market Share oder Statcounter zugegriffen, um ein Bild von der Verteilung der Windows-Versionen auf Desktop-Systemen zu bekommen. Der letzte Beitrag Windows 10 und darüber hinaus in Zahlen von Anfang des Jahres sah Windows 7 noch immer deutlich vor Windows 10.


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Windows-Verteilung Dezember 2017
(Windows-Verteilung Dezember 2017, Quelle: Net Market Share)

Die obige Grafik zeigt noch eine deutlichen Abstand zwischen Windows 7 und Windows 10. In Deutschland sah das anders aus, laut StatCounter hat Windows 10 in den Nutzungszahlen Windows 7 längst überholt und liegt über 50 % ‘Marktanteil’ auf dem Desktop. Details finden sich im verlinkten Artikel.

Die Diskrepanz in den obigen Daten der Statistikanbieter ist ein Hinweis, dass nicht immer akkurat gemessen wird. Die Anbieter sind ja auf Webseitenbesucher auf bestimmten Webseiten angewiesen. Dies kann natürlich zu Abweichungen von der Realität führen. Im Trend halte ich die Daten aber für belastbar. Aber Microsoft müsste es doch genauer wissen, denn schließlich gibt es diese kleine, aber feine Telemetrie, die alles, vom Starten einer App, bis hin zur Gesundheit des Rechners erfassen soll.

Microsoft lässt eine Information fallen und korrigiert

Bei MS Power User bin ich auf den Beitrag Microsoft claims Windows 10 has a “much larger install base” than Windows 7 gestoßen, der sich auf den Artikel A worthy upgrade: Next-gen security on Windows 10 proves resilient against ransomware outbreaks in 2017  von Tanmay Ganacharya bezieht. Tero Alhonen ist aufgefallen, dass Ganacharya eine Aussage zur Installationsbasis von Windows 7 im Vergleich zu Windows 10 trifft – und hat dies in einem Tweet dokumentiert.

Es steht dort ganz klar, dass die Installationsbasis von Windows 10 sehr viel größer als die Installationsbasis von Windows 7 sei. Der springende Satz aus diesem Zitat ist fett hervorgehoben:

From June to November, Windows 7 devices were 3.4 times more likely to encounter ransomware compared to Windows 10 devices. Considering that Windows 10 has a much larger install base than Windows 7, this difference in ransomware encounter rate is significant.

Im Zitat geht es darum, dass Windows 7 von Juni bis November 2017 mehr als 3,4 Mal so häufig von Ransomware befallen worden sei als Windows 10. Wegen der größeren Verbreitung von Windows 10 seien die Windows 7-Infektionszahlen für Ransomware noch signifikanter. Hat natürlich bei mir die Aufmerksamkeit geweckt. Als ich dann versucht habe, die Aussage zu verifizieren, habe ich dann doch gestaunt. Hier die aktuelle Passage des Microsoft Blog-Beitrags.

Textvariante neu

Da ist nichts mehr von der Aussage, dass Windows 10 längst Windows 7 in der Zahl der Installationen überholt habe, zu finden. Also habe ich mal im Google Cache nachgeschaut. Beim ersten Aufruf habe ich den Satz, dass Windows 10 eine größere Installationsbasis als Windows 7 habe, noch gesehen. Als ich beim Schreiben des Blog-Beitrags einen Screenshot machen wollte, war die Passage auch aus dem Cache gelöscht. Ergo: Irgendwo hat Siggi Freud wohl bei Microsoft zugeschlagen und im Text war beim jetzt gelöschten Satz wohl der ‘Wunsch, der Vater des Gedankens’. Ihr könnt also liegen bleiben, Windows 7 dürfte auch weiterhin in Bezug auf die Installationsbasis die Nase vorne haben.

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3 Kommentare zu Microsoft: Windows 10 Sicherheit gegenüber Windows 7

  1. Steter Tropfen sagt:

    Ach, Zahlen, die auf Telemetrie beruhen. – Wer Windows 7 behalten hat, muss schon zu den fortgeschrittenen PC-Nutzern gehören, die wissen wollen, was auf ihrem Rechner vorgeht. Andernfalls hat ihn nämlich MS überrumpelt und ihn auf Windows10 zwangs-upgedatet.
    Was aber macht man als misstrauischer PC-Nutzer? Das „Programm zur Verbesserung des Nutzererlebnisses“ deaktivieren, verdächtige Updates boykottieren und anstelle der offerierten monatlichen Überaschungspakete mühsam nach den Security-only-Updates suchen, um sich nur ja keine Telemetrie-Trojaner einzufangen.

    Sprich: Wenn Microsoft seine Telemetrie-Meldungen auswertet, fehlen eben gerade die Rückmeldungen solcher verschwiegener Win7-Rechner. Logisch, dass da die Win10-Plaudertaschen scheinbar die Nase vorn haben.

    Die höhere Infektionszahl von Windows-7-Rechnern ist sicher auch auf jene Anwender zurückzuführen, die eben wegen der dubiosen Updates und der zeitweilig kurz vor dem Zusammenbruch stehenden Update-Suche irgendwann beschlossen haben „Ich deaktiviere jetzt den Updatedienst und installiere nichts mehr, was MS mir unterjubeln will.“ Klar, dass die dann leichter Opfer von Wannacry wurden. Aber das liegt nicht an Windows 7 an sich.

  2. Uwe Albrecht sagt:

    Was der Kunde will und was er bekommt sind immer noch zwei Paar Schuhe. Wer ein Windows 7 hat und etwas von Computern versteht, gibt es nicht leichtfertig auf. Wer neugierig ist, hat auch ein Windows 10 am Laufen und erkennt schnell, das der Mehrwert jenseits des Marketings begrenzt ist.

    …und wo wir gerade am Rechnen sind:

    2 mal rund 260 Millionen neue Geräte in den letzten 2 Jahren macht schon mehr als 500 Millionen theoretische Windows 10 Zwangsinstallationen. Da bleibt nicht mehr viel Luft für freiwillige Wechsel, denn die hatten ja auch klageverdächtige Zwangsformen. Windows 10 Erfolg?

    Ich wage die Prognose, dass Microsoft Windows 10 bald wie Android quelloffen weiterentwickeln lasst, weil damit kein Geld mehr zu verdienen ist. Auf einem neuen PC nehme ich aus Bequemlichkeit / Unwissenehit das was ich bekomme, aber Windows 7 auf dem älteren Gerät wird nicht fallen gelassen und läuft und läuft….

  3. Michael Ba sagt:

    Guten Abend zusammen,

    ich bin ein stiller und begeisterter Leser dieses Blogs und möchte mich nun bei Herrn Born einmal höchstpersönlich für die vielen informativen und hilfreichen Artikel bedanken. Vielen Dank für alles.

    Ich bin seit ewigen Zeiten Nutzer des Betriebssystems Windows und habe alle Versionen auf meinen Rechnern gehabt. Ich war bisher eigentlich immer sehr zufrieden und hatte, bis auf wenige Ausnahmen, so gut wie keine Probleme zu beklagen.
    Seit Einführung der Version Windows 10 dreht sich meine Einstellung allerdings und ich muss sagen, dass, trotz einiger Vorteile, die Windows 10 unter der Haube hat, die Nachteile so langsam aber sicher überwiegen und mit Einführung von 1709 auf meinen Rechnern einen unschönen Höhepunkt erreicht haben.
    Das effektive Arbeiten unter Windows 10, also mit Office und anderen Programmen, erweist sich oft als regelrechte Katastrophe. Immer werkelt etwas im Hintergrund und stört bei der Arbeit, hin und wieder gibt es Freezes oder Programmabstürze, die einfach nicht reproduzierbar sind.
    Seit dem Update wegen der Intel-Sicherheitslücke ist mein Hauptrechner extrem lahm -und das trotz ansprechender Hardware.

    Ich überlege ernsthaft, ob ich nicht entweder auf Windows 7, oder auf Windows 8.1 zurücksetzen soll. Das hätte ich nie für möglich gehalten.
    Ich warte aber jetzt noch ab, wie es sich weiterentwickelt. Ich halte den Weg, den MS derzeit beschreitet, für äußerst bedenklich. Ständig werden überwiegend Features und Funktionen erneuert, anstatt erst einmal für Stabilität und Sicherheit zu sorgen.
    Viele Grüße.

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