X.com (vormals Twitter) bremst(e) Seiten, die Kritik üben, aus

Die Platform x.com (vormals Twitter) ist erneut negativ aufgefallen, weil sie bei Links Weiterleitungen auf bestimmte Plattformen um mehrere Sekunden verzögert hat. Die betroffenen Plattformen waren in der Vergangenheit durch Kritik an Musk und Twitter aufgefallen.


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Ob borncity.com betroffen war, kann ich nicht feststellen – aufgefallen ist mir nichts. Aber mir ist die Nacht nachfolgender Tweet von Will Dormann untergekommen, den ich aber nicht sofort interpretieren konnte.

Später bin ich dann auf diesen Artikel der Washington Post und diesen Beitrag bei The Verge gestoßen. Diesen war der Post eines Nutzers in The Hacker News aufgefallen, der schrieb:

Go to Twitter and click on a link going to any url on "NYTimes.com" or "threads.net" and you'll see about a ~5 second delay before t.co forwards you to the right address.

Twitter won't ban domains they don't like but will waste your time if you visit them.

I've been tracking the NYT delay ever since it was added (8/4, roughly noon Pacific time), and the delay is so consistent it's obviously deliberate.

Eine Analyse der Washington Post hat ergeben, dass x.com (vormals Twitter) bei verkürzten Links, die der Nutzer in Tweets anwählt, nur verzögert auflöst und weiter leitet. Es wurde wohl eine künstliche Verzögerung von ca. 5 Sekunden für die Weiterleitung eingeführt. Die  fünfsekündige Verzögerung tritt aber nur bei Weiterleitungen von verkürzten Links zu Webseiten wie die New York Times, Facebook und weiteren Websites, die Elon Musk häufig angreift.

Die Verzögerung betraf die Domäne t.co, einen Link-Verkürzungsdienst, den X zur Verarbeitung aller auf der Website veröffentlichten Links nutzt. Der Datenverkehr wird über die Domain geleitet, was es X ermöglicht, die Aktivitäten auf der Zielwebsite zu verfolgen – und in diesem Fall zu drosseln

Zu den verzögerten Websites gehörten die Online-Rivalen von X, Facebook, Instagram, Bluesky und Substack, sowie der Nachrichtendienst Reuters und die Times. Sie alle wurden zuvor von Musk in der Vergangenheit Ziel von Spott oder Angriffen. Ein Schnelltest hat gezeigt, dass andere große Nachrichtenorganisationen und Websites wie YouTube und Fox News nicht von diesen Verzögerungen betroffen sind.

Die Interpretation geht dahin, dass Musk diesen Websites durch die verzögerte Weiterleitung von X Traffic und in Folge auch Werbeeinnahmen entziehen wollte. Hintergrund ist das Wissen, dass Verzögerungen, selbst kleine, sich auf den Traffice einer Website auswirken können. Die Nutzer werden ungeduldig, wenn Inhalte nicht innerhalb von ein oder zwei Sekunden geladen werden.

Am Dienstagnachmittag, nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung des Berichts der Washington Post begann X, die Drosselung der Weiterleitung auf einige dieser Websites rückgängig zu machen und die Verzögerungszeiten wieder auf Null zu reduzieren. Es ist der Washington Post nicht bekannt, ob alle gedrosselten Websites ihren normalen Dienst wieder aufgenommen hatten.

Der Vorfall zeigt, wie durchgeknallt Elon Musk ist, der auf der einen Seite "Free Speech" im Munde führt, aber hinten rum alles behindert, was ihm nicht in den Kram passt. Musk hat auf Anfragen der Washington Post nicht geantwortet. Die Mitbegründer von Substack, Chris Best, Hamish McKenzie und Jairaj Sethi, erklärten gegenüber der Washington Post, dass sie X dazu drängten, die Entscheidung über die Verzögerung von Substack-Links rückgängig zu machen.


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7 Antworten zu X.com (vormals Twitter) bremst(e) Seiten, die Kritik üben, aus

  1. Elon sagt:

    Wer am längeren Helbel sitzt sollte man nicht ans Bein pinkeln. ;)

    • Thorky sagt:

      Stimmt, lieber gleich gegens Knie kicken: Konsequent keine Daten mehr von X ziehen und die Plattform einfach links liegen lassen. Little Musktator. ;)

  2. the Real Elon sagt:

    Ich kann ihn irgendwie verstehen. Ich finde das ganze Prinzip "Twitter" sowieso witzlos.
    Er hat es sich gekauft, darf jetzt machen damit, was er will. Es ist seine Firma, die er in den Ruin treiben möchte.
    Vielleicht sieht er sich als eine Art Märtyrer, um das Monopol Twitter aufzulösen. Zeitgleich neckt er all die "großen" Webseiten.

    Ich denke, er sieht das Internet, als was Spielerisches an. So wie es halt nun mal damals war. Heute ist alles nur noch Kommerz voller alter Leute die irgendwelche Regeln nun auch da aufstellen wollen und die riesen fette Kohle verdienen wollen.

    Alles nur meine Spekulationen und keine Quellenangaben. So auf die Art freie Meinungsäußerung.

    • Günter Born sagt:

      Zum "Er hat es sich gekauft, darf jetzt machen damit, was er will."

      Mitnichten, die Sicht greift schlicht zu kurz. Twitter dürfte von seiner Größe eine Gatekeeper-Funktion in der EU innehaben (auch wenn Twitter m.W. in der Liste der ersten sieben Unternehmen nicht enthalten ist). Damit unterliegt Twitter gewissen Regeln, und unliebige Unternehmen ausbremsen wird nicht gehen – würde mich nicht wundern, wenn da nicht noch juristisch was nachkäme.

      • Ralph D. Kärner sagt:

        Eine eventuelle Gatekeeper-Funktion oder sonstige in der EU vielleicht relevante Dinge dürften im geschilderten Fall vollkommen ohne Belang sein. Die im Artikel angesprochenen Unternehmen sind durchweg in den USA beheimatet.

        • Günter Born sagt:

          Noch ist Twitter nicht vertreten – aber nur mal das Zitat aus den EU-Gatekeeper-Ansätzen: "Auf den digitalen Märkten fungieren einige große Online-Plattformen als "Gatekeeper". Das Gesetz über digitale Märkte stellt sicher, dass es auf diesen Plattformen fair zugeht. Gemeinsam mit dem Gesetz über digitale Dienste ist es eines der Kernelemente der EU-Digitalstrategie."

          Wenn Twitter in der EU aktiv bleiben will, und als Gatekeeper identifiziert wird, greifen die Regeln. Ansonsten fällt der EU-Kommission sicher noch was anderes ein, um Elon zu piesacken.

    • Ralph D. Kärner sagt:

      "voller alter Leute die irgendwelche Regeln nun auch da aufstellen wollen" Diese Annahme ist falsch. Das Internet war noch NIE ein rechtsfreier Raum. Die Generationen nach denen, die das Netz für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und erschlossen haben, sind nur immer der Meinung, dass man im Internet machen könne, was man wolle, weil man sich dort ja weitestgehend unerkannt aufhält und bewegt.

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