Microsoft schlachtet Gruppenrichtlinien in Windows 10 Pro

Dienstag, den 2. August 2016, kommt das Anniversary Update für Windows 10. Das zweite große Update hebt Windows 10 auf die Version 1607. Für Besitzer von Windows 10 Pro werden dann einige Gruppenrichtlinien zum Blocken von Features deaktiviert und stehen nur noch in den Enterprise-Editionen zur Verfügung.


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Dass Microsoft an der Funktionalität von Windows 10 schraubt und gerne mal was unter den Tisch fallen lässt, ist nichts neues. Beim Umstieg auf Windows 10 verlieren Upgrade von Windows 7 SP1 und Windows 8.1 nicht nur die Kontrolle über die Windows Update-Einstellungen, sondern auch das eventuell benutzte Windows Media Center sowie die DVD Video-Wiedergabe im Media Player. Und mit dem November Update (Version 1511) wurde Windows 10 Pro der Möglichkeit beraubt, den Zugriff auf den Store per Gruppenrichtlinien zu blocken. Ich hatte im Artikel Windows 10 Pro: Store-Zugriff nicht mehr blockierbar berichtet.

Weitere Gruppenrichtlinien werden in Pro deaktiviert

Mit der Version 1607 setzt Microsoft diese Politik fort und schaltet diverse Gruppenrichtlinien in Windows 10 Pro ab. Martin Brinkmann hat dies vor 2 Tagen in seinem Blog auf ghacks.com erwähnt und Gruppenrichtlinien genannt, die nicht mehr funktionieren.

Zwischenzeitlich hat Microsoft einen Artikel auf Technet publiziert, der die Änderungen in Windows 10 Pro Version 1607 bestätigt. Gruppenrichtlinien, die sich auf die Abschnitte “tips and tricks” und “store suggestions” beziehen, lassen sich in Windows 10 Pro zukünftig nicht mehr sperren. Microsoft gibt folgende Features an, die nicht mehr per Gruppenrichtlinie beeinflussbar sind:

  • Windows Spotlight on the lock screen. Daily updated images on the lock screen that can include additional facts and tips in “hotspots” that are revealed on hover.

  • Start menu app suggestions. App suggestions in Start that recommend productivity tool or utilities from the Windows Store.

  • Additional apps on Start. Additional apps pre-installed on the Start screen which can enhance the user’s experience.

  • Windows tips. Contextual tips that appear based on specific user actions to reveal related Windows features or help users complete a scenario.

  • Microsoft account notifications. For users who have a connected Microsoft account, toast notifications about their account like parental control notifications or subscription expiration.

Die konkreten Gruppenrichtlinien (in englisch) wurden von Martin Brinkman im oben verlinkten Artikel aufgelistet. Ziel von Microsoft ist es, Nutzer, die auf Gruppenrichtlinien zur Verwaltung der Systeme angewiesen sind, von Windows 10 Pro weg und hin zu einem Abo der Windows 10 Enterprise-Versionen zu bewegen. Die folgende Tabelle zeigt dies sehr deutlich.

In Windows 10 Enterprise lassen sich die Features per Gruppenrichtlinie deaktivieren. Mein Fazit: Im Anniversary Update entfernt Microsoft erneut Funktionen aus Windows 10 Pro, was nicht als “kundenfreundlich” gesehen werden kann. Ich hatte dies bereits im gestrigen Artikel Windows 10: Microsofts Abschied vom Business-Einsatz? thematisiert.

Und die Absicht, Nutzer zum Umstieg auf Windows 10 Enterprise zu bewegen, ist für viele Kunden keine wirkliche Option. Denn die Windows 10 Enterprise steht nur auf Abonnement-Basis für Kunden mit Volumenlizenz-Vertrag (Software Assurance Agreement) zur Verfügung. Dieses Agreement gibt es aber erst ab 5 Arbeitsplätzen und auf Basis jährlicher Lizenzzahlungen. Zusammen mit der in der Einstellungen-App nicht mehr abschaltbaren Cortana-Suche (siehe folgende Artikel) zeigt dies, wo die Reise hin gehen soll. Es sieht so aus, als ob Microsoft alles tut, um die Kunden von Windows 10 abzuhalten. Oder man testet aus, wo die Schmerzgrenze liegt. Was meint ihr?


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17 Kommentare zu Microsoft schlachtet Gruppenrichtlinien in Windows 10 Pro

  1. deo sagt:

    MS fällt vielleicht noch ein, die Registry auf ihre Servern auszulagern, die dann bei jedem Windows Start synchronisiert wird. Nicht Volumenlizenzbenutzer sind noch nicht mal Nutzer 2. Klasse, sondern 4. (Holz) Klasse.

    • Ralf sagt:

      Sags nicht laut, durchaus möglich :-)) Jeder PC kann dann zukünftig zwangsweise nur noch in eine ADS-Domäne bei Microsoft installiert werden. In fünf Jahren vielleicht? Aber besser gleich den ganzen Schritt, SecureBoot in jedem Fall zwangsweise ohne Abschaltmöglichkeit, das System nur noch als XBOX und Software nur noch über den Windows-Store ohne lokale Installationsmöglichkeit. Apple hat es vorgemacht und Microsoft schafft es, die Milliarde PCs in das gleiche Korsett zu zwingen.

      Und nur eine kleine versprengte Schar spielt auf Ihren Raspberries und träumt von vergangenen Zeiten …

  2. sandy sagt:

    Einfach nur traurig, dass MS so etwas nötig zu haben scheint und die Nutzer nicht einmal gefragt werden, ob sie damit einverstanden sind. Reicht es denen denn nicht, dass bereits Klagen wegen des Zwangsupgrades eingereicht wurden? Anscheinend wohl nicht!
    Bald hat man als Nutzer gar keine Möglichkeit mehr, die Einstellungen so zu wählen, wie man sie gern haben möchte! Das kann es doch nicht sein, oder?

  3. Ralf sagt:

    Erinnert mich immer mehr an ein Android Smartphone von Samsung. Wenn es denn mal ein Update gab, hatte man hinterher immer wieder einen Haufen von unnötigen Apps installiert. Ist jetzt die Rache von Microsoft, wenn denn schon Windows Mobile 10 nicht läuft und wieder in der Smartphone Sparte Menschen entlassen werden, dann mutiert man halt den normalen PC zum Smartphone mit 30 Zoll-Display :-))

    Ist man auf einmal mit einem iPhone mit IOS10 besser dran, da kann man auch Standard-Apps, wenn schon nicht deinstallieren, zumindest dann doch ausblenden.

    Da liebe ich dann doch die Bootalternative Linux auf meinem Haupt-PC. Muss doch langsam mal dann denken, auch bei Steam nur noch Spiele zu kaufen, die auch unter Linux lauffähig sind. (Falls sie nicht ausserhalb von Steam ganz ohne DRM erhältlich sind.)

  4. Addi sagt:

    Ich bin noch auf Win8.1 und kann mir das Microsoft’sche Win10-Schauspiel noch bis 2023 anschauen. Für mich wirds wohl eine Abschiedsvorstellung. Das muss ich mir nicht antun. Für mich bleiben einige Jahre um vollends auf Linux zu schwenken.

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  6. Thorky sagt:

    Hatte mir extra Windows 7 Ultimate geholt, um auf dem neuen PC ein Upgrade auf Windows 10 Pro per Clean Install machen zu können. Eben wegen des Gruppenrichtlinien-Editors. Irgendwie kommt mir die ganze Chose vor wie geplante Obsoleszenz. Immerhin: noch könnte ich zurück auf Windows 7. Muss ich mir mal durch den Kopf gehen lassen.

    • ThBock sagt:

      Gar nicht mal Obsoleszens.
      Eher lauter kleine Meilensteine.
      Es ist doch nicht schwer zu erraten, wo MS hin möchte.
      Irgendwann wird ein aktiviertes TPM Pflicht, sonst läuft Windows nicht mehr.
      (Natürlich wg. der Sicherheit)
      Dann signiert man die Programme aus dem Store & und TPM verhindert die Ausführung aller Programme, die diese Signatur nicht haben.
      Ab diesem Zeitpunkt müssen ALLE Programme über den Store angeboten werden.
      Auch die “großen” (Adobe, SAP, etc,pp)
      Das ist eine Goldgrube, und DA will MS hin…
      …und es ist ganz einfach.

  7. Remo sagt:

    Noch kann ich mit dem W10 Ding arbeiten und zwar so, dass ich selber bestimme, was gut für mich ist. Wenn diese Zurechtstutzerei seitens M$ aber so weitergeht, muss ich mich wohl auch anders orientieren.

    Das ist aber nicht so einfach, wenn man sich recht teure Software zugelegt hat, welche man z.B. mit einem Linux-Unterboden schlicht spülen kann.

    Aber es ist natürlich so, dass irgendeinmal auch beim User die rote Linie überschritten wird. Die leeren Worthülsen à la ‘wir wissen, was dem Nutzer gut tut’ passen hervorragend zu dem M$-Laden rund um den Krämer Nadella. Die Leute auf Abo-Software zu trimmen, scheint oberste Priorität zu haben. Und wir werden sicher die nächste penetrante Werbewelle erleben. Auf dass unsere PCs mit Müll zugestopft werden, welchen die Welt nicht braucht.

    Und ähnlich der unsäglichen Android Welt, wird dann das ‘wegklicken’ von diesem Werbe-Mist so winzig klein sein, dass auch ein mit feinmotorisch hervorhängenden Eigenschaften ausgestatteter Nutzer dieses X nur mehr schwer trifft.

    So langsam geht mir das Ganze ziemlich auf den Senkel.

    • Tim sagt:

      “wird dann das ‘wegklicken’ von diesem Werbe-Mist so winzig klein sein, dass auch ein mit feinmotorisch hervorhängenden Eigenschaften ausgestatteter Nutzer dieses X nur mehr schwer trifft.”

      Dagegen helfen Gaming Mäuse mit 10000000Hz Polling Rate aber nur 200 DPI eingestellter Abtastung… dann schaffens auch Grobmotoriker ;p

  8. 1ei sagt:

    Danke – auch an die Kommentatoren!!!!!!!!!!!!!!!!!

  9. Hans Hoppe sagt:

    Das wird so weitergehen, garantiert.
    Vor kurzem hier doch noch die Diskussion gehabt mit den Argumenten: “man kann das doch alles abschalten” – tja dumm gelaufen.
    Noch hat man genügend Zeit Alternativen zu suchen :D

  10. Tim sagt:

    Hmmm…

    Langsam sollte sich der Kurs bei Microsoft wirklich ändern, oder ich werde halt noch häufiger mein System neu booten müssen, um nativ zwischen Linux und Windows zu wechseln.

    Für Microsoft mag “Windows as a Service” das bedeuten, was sie lustig vorantreiben und was mir nach der langen Reise seit etwa MSDOS 5 Zeiten jetzt vollkommen gegen den Strich geht. Ich beginne diesen Windows Service vollends abzulehnen und sehe die Alternative in “Windows nur bei Bedarf” und seit Win8 nur noch in nativer VHD Boot Umgebung, weil diese gegen größere Upgrades bisher immer dank verweigerung geschützt war, easy zu sichern ist und eine Neuinstallation nach einem großen Update/-grade nur erforderlich macht, wenn ich es will. Das hat mich mal geärgert und jetzt ist es ein Gold Feature geworden.

    Ernsthaft brauche ich Windows nur noch für ein paar Programme, für die ich noch keine Alternativen gefunden habe und schlicht für Spiele.
    Theoretisch würde mir sogar ein altes XP/ Vista (je nach Programm) reichen, das dann halt nicht ins böse Internet darf. Das braucht dann nicht mal Sicherheitsupdates und diesen Punkt vergessen sehr viele. Den Job im Netz macht Linux eh besser, ohne heimlich eingeführtes P2P Netzwerk, und derzeit auch zumindest theoretisch noch immer sicherer gegen Viren und Co als Windows.

    Am Notebook ist es etwas problematischer, weil die Treiber, Hardware und Energiemanagment Unterstützung unter Linux trotz aller Unkenrufe noch immer fürn Popo ist. Geht auch, aber holpriger als unter Windows. Kann man sich aber dran gewöhnen. Allerdings ist auch Windows 10 hier nicht der Hit. 8.1 war noch deutlich besser, steckte ja auch nicht so viel Mist drin.

    Theoretisch könnte ich also auf neue Windows Versionen verzichten und zwar sofort und hätte nicht mal Sicherheitsprobleme mit alten Windows Versionen.
    Der Gedanke gefällt mir auch immer besser, wenn ich bedenke, was “Windows as a Service” schon jetzt bedeutet. Mal schauen ob ich dieses Anni Update überhaupt mitmachen werde. Einen Grund dafür sehe ich nicht. Derzeit nicht mal aus Spielersicht, denn DX12 Unterstützung ist weniger weit verbreitet (und wenn, oft sogar nur Teilweise umgesetzt), wie eben Windows 10 selbst.

    Das ist schon ein dolles Ding, das Herr Nadella es tatsächlich schaffte, mich von Windows weg zu bewegen. So gesehen Glückwunsch… Über Bill Gates hat man oft geflucht, Ballmer oft belächelt, aber der Typ hat den Schuss nicht gehört. Aber was erwartet man schon von einem Hardcore Cloud Optimisten mit Scheuklappen gegen alles andere? War mir von Anfang an nicht sympatisch und roch nach Ärger und mittlerweile bestätigt sich mein Bauchgefühl hier ja auch. Mag nen netter Kerl sein, aber für Windows ist der Mann Gift. Vielleicht ja auch nur eine ideale Vorstands/Aktionärs Marionette, die den Kopf hinhalten muss, wenns dann mal knallt…
    Man weiß es nicht.

    Unangenehme Veränderungen sind ja im Moment in Mode, wenn man so in die Welt schaut, also warum nicht auch mal über Windows neu nachdenken und es als 2. Wahl einsetzen? Das ist wohl noch die leichteste Übung dieser Zeit.

  11. Paule21 sagt:

    Den Sperrbildschirm wird man auch nicht mehr abschalten können. Das fehlt noch in der Auflistung.

  12. Der T sagt:

    Als Admin im Hochschulumfeld kommen wir um Windows nicht herum, werden aber noch eine Weile Windows 7 einsetzen und Windows 10 weiter evaluieren. Planungssicherheit für Kunden scheint bei Microsoft nicht gewollt. Interessant ist, dass scheinbar bei M$ Deutschland Ende Juni 16 noch nicht durchgedrungen war, was der Funktionsumfang vom Redstone Update in den einzelnen Editionen sein soll! One Drive kommt bei uns nicht in Frage. Datenschutzverordnungen verbieten das Speichern von personenbezogenen Daten auf US-Servern. Kann Mickysoft das garantieren bzw. wie lange können die das garantieren? Wann kommt ein Updates des Updates des Updates, das dann genau diese Features wieder prominent anbiedert? So langsam habe ich die Faxen dicke.

    Daheim habe ich gerade den Schritt zu Linux (Mint 18 Cinnamon) gewagt und auf meinem Notebook installiert – momentan noch parallel zur Windows. Wie weiter oben bereits angeklungen im Dualboot. Da ich eh vorrangig auf OpenSource Software setze ist bei den Anwendungen eh keine großer Unteerschied! Und in Sachen HW-Erkennung (PC-Komponenten, Drucker, Scanner und Co) hat Linux eh aufgeholt und ist problemlos in der Handhabung.

    • Tim sagt:

      “Datenschutzverordnungen verbieten das Speichern von personenbezogenen Daten auf US-Servern. Kann Mickysoft das garantieren bzw. wie lange können die das garantieren?”

      SOLL wohl derzeit ein (zwei) MS Datenzentrum in Deutschland anlaufen für genau derartige Zwecke, sprich Datengrab in Deutschland. Da wurde mehrfach nebenbei drüber berichtet an verschiedenen Stellen. Startzeitpunkt müsste meines Wissens irgendwann ab diesem Monat sein.

      Ob das ganze aber nun für privat, oder erstmal zahlende Firmenkunden gilt, welchen man hier derartige Garantien aussprechen möchte, keine Ahnung…

  13. JohnRipper sagt:

    Mit eigenen WSUS für private (!!!) Zwecke kann ich 1607 ja ein Jahr rauszögern. Bis dahin schaue ich mir das alles in Ruhe an und wenn es so weitergeht, dann wird eben irgendwann umgestellt.

  14. Tommi sagt:

    Tja was will man da sagen. Ich hab viele Spiele auf Steam, die auf Ubuntu nicht laufen. Also muss eben eine Übergangslösung her:
    Win10 Pro bekommt eine kleine Partition, nur so zum Zocken.
    Alles Andere kann ich auch problemlos auf Ubuntu/Linux machen.

    Sollte das allerdings noch so weiter gehn, tja dann is halt schluss mit Windows.
    Windows 7 war geil, und dann nur noch Dreck. Die können sich von mir aus ins Knie fi****!

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