Windows 10 S–Schlag ins Wasser oder Chromebook-Killer?

Noch ein kurzer Zwischenruf in Richtung Microsofts Windows 10 S-Ansatz als Chromebook-Killer. Ist der Microsoft-Ansatz lebensfähig oder eher ein Schlag ins Wasser, der keine wirkliche Chance hat?


Anzeige

Ich hatte ja schon den einen oder anderen Gedanken zu Windows 10 S und den dazu gehörenden Rechnern hier im Blog geäußert. Meine Vorbehalte: Die Fokussierung auf Windows Store Apps sowie der Fußabdruck von Windows 10 S (16 GByte gegenüber ca. 5 GByte beim Chromebook) lassen der Lösung wenig Chancen, gegen Chromebooks zu punkten.

Ohne Google Chrome wird das nix

Jetzt bin ich aber bei MS Power User über einen weiteren gedanklichen Ansatz gestolpert, den ich bisher nicht auf dem Radar hatte. Die Argumentation, warum das Windows 10 S-Zeugs wohl keine wirkliche Chance gegen Chromebooks hat, ist recht einfach.

  • Auf Windows 10 S-Maschinen ist nur der Microsoft Edge als Browser, das Teil, was freiwillig kaum jemand nutzt.
  • Auf Windows 10 S-Maschinen ist Microsofts Bing als Suchmaschine wohl fest voreingestellt (siehe diesen Artikel).
  • Wegen der Begrenzung auf Windows Store Apps wird der Google Chrome-Browser wohl nicht unter Windows 10 S zur Verfügung stehen.

Nimmt man dies als gegeben an, ergeben sich einige Implikationen, wie man MS Power User schreibt. Der Erfolg einer Plattform wird durch den Browser und die Suchmaschinen (mit-)bestimmt. Wenn Studenten keinen Google Chrome-Browser installieren können und auf Bing als voreingestellte Suchmaschine festhängen, ist das wie eine Fußfessel. Man kann zwar auch in Edge die URL einer Suchmaschine eingeben und mit alternativen Plattformen suchen. Aber wer macht das in der heutigen Zeit schon?

Windows 10 S-Nutzer sehen einfach ‘doof’ aus

Und noch ein Aspekt wird angeführt: Für das Umfeld der Lehre (Schüler und Studenten) scheint sich in den USA ein wachsendes Angebot an ‘empfohlenen’ Chrome Erweiterungen zu etablieren. Stehen diese auf einem Windows 10 S-System nicht zur Verfügung, sieht der Besitzer eines solchen Geräts alt aus. Er kommt dann bezüglich dieser Empfehlungen sichtbar zu kurz.

Möglicherweise schafft Microsoft es zwar, dass solche Chrome-Erweiterungen unter Microsoft Edge laufen. Aber die Gefahr, dass Nutzer eines Windows 10 S-Systems einfach ‘doof’ dastehen, weil sie immer Klimmzüge machen müssen, um auf den Stand von Chromebook-Funktionen zu kommen, ist durchaus gegeben. Der Ansatz dieser Nutzergeneration ‘muss für meine Zwecke perfekt funktionieren, sonst ist das nix’ – was auch nachvollziehbar ist.

Und dann kommt es zur Abstimmung mit den Füßen – oder die Leute wechseln gleich zu einem System mit Windows 10 Home oder Pro. Wenn man sich so anschaut, was Studenten an Software fahren – Stichworte sich Mathematica, Mathlab oder Entwicklungsumgebungen wie Eclipse oder Visual Studio, kommt man an einem vollständigen Notebook mit Windows 10 nicht herum – das App-Geraffel nervt da einfach nur. Damit sind wir wieder beim Upgrade auf Windows 10 Pro. Dann hätte Windows 10 S aber keine wirkliche Daseinsberechtigung. Im MS Power User-Artikel sind noch einige Argumente gegen Windows 10 S angeführt. Aber ich denke, die oben heraus derivierten Kernpunkte reichen schon für die rote Karte.  Oder wie seht ihr das?

Ähnliche Artikcl:
Windows 10 S und Surface Laptop vorgestellt
Windows 10 S: Gratis-Upgrade auf Pro für Menschen mit Behinderungen
Citrix Receiver: Anwendungen unter Windows 10 S ausführen
Das Wechselthema Windows 10 S/Pro am Surface Laptop
Windows 10 S: Sicher und Trojaner-resistent? Mitnichten


Cookies blockieren entzieht uns die Finanzierung: Cookie-Einstellungen

Anzeige


Dieser Beitrag wurde unter Windows 10 abgelegt und mit Chromebooks, Windows 10 S verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Windows 10 S–Schlag ins Wasser oder Chromebook-Killer?

  1. Tim sagt:

    Bei der Möglichkeit zum wechseln, scheint es mit 10 S zumindest zu einem Teil eh um nur eine weitere Sparversion zu handeln, die im Kern nur eine noch schwächere oder noch beschränktere Home Version ist.
    Irgendwer scheint wohl noch daran zu glauben, das verschiedene Versionen des gleichen Systems eine tolle Idee sind, die Geld einbringen soll. Vielleicht geht das bei einem 10 S zum verschenken sogar auf, wenn der Nutzer tatsächlich wechseln muss, um überhaupt was anderes als Apps zu nutzen. Wer will das schon?

    Der bisherige Ansatz von Home, Premium, Pro, Business und was nicht alles schon zu finden ist, finde ich eher blödsinnig. Auch weil beispielsweise Notebooks sehr oft mit einer Home Version daher kamen, wo z.B. Bitlocker bespielsweise sinnvoll gewesen wäre, aber dank Home Version haben die Nutzer halt darauf verzichtet, statt noch ein „höherwertiges“ Windows dazu zu kaufen.

    Die einfachen Nutzer lebten mit dem OEM Kram und die erfahrenen Leutchen haben eine entsprechende Lizenz extra und kaufen nur das Notebook, oder den Rechner und setzten eh neu auf, statt den OEM Kram zu nutzen. Mit einem 10 S kann zukünftig aber nicht mal ein einfacher Nutzer leben, behaupte ich mal…

    Die Frage ums Endgerät ist bei 10 S halt auch interessant. Bei Notebook und PC wirds dann echt komisch, bei der benötigten Leistung im Falle eines Upgrades auf 10 Pro. Schließlich gibts auch zur App mutierte Spiele die Leistungshungrig sind…
    Oder die Geräte erreichen wieder nur unterste Leistungsgrenzen und sind eh in einem Jahr wieder nur noch Müll, oder auch direkt beim Kauf…

    • Günter Born sagt:

      Zur Aussage ’nur eine weitere Sparversion zu handeln, die im Kern nur eine noch schwächere oder noch beschränktere Home Version ist‘ liegst Du technisch definitiv falsch (von der Funktionalität her hast Du Recht). Mehr darf ich nicht verraten, da ich da leider der Geheimhaltung unterliege.

      • Tim sagt:

        Mag sein das ich technisch falsch liege, ist ja noch nicht fertig und ich hatte den Kram noch nicht in den Fingern, allerdings hinkt der Vergleich mit den Chromebooks ja auch in der Theorie etwas, weil schon die Grundideen dahinter so weit auseinander liegen. 10 S ist von seiner Herkunft her was ganz anderes, was nur ähnlich funktioniert, als das bei Chromebooks ist.
        Ob 10 S überhaupt in breiter Masse in den Läden liegen wird weiß auch noch keiner wirklich. Wenn aber doch, wirds kritisch.

        Bei Chromebooks ist die Hardware eher nebensächlich, das ist bei Windows mit seiner Softwarewelt eben nicht der Fall, außer man verkauft einfach wieder so schwache Geräte, das eben wieder einige Store-Anwendungen, wie zum Beispiel die angesprochenen portierten Spiele, und wer weiß was noch für Anwendungen im Store kommen, überhaupt nicht laufen.
        So Aktionen mit schwachbrüstigen Geräten passiert im Windows Universum ja regelmäßig.

        Von der Funktionalität her, ist also der letztlich auschlaggebende Punkt. Oder gehts mal wieder um einen Flopp mit Ansage? Dann weiter so MS…

        Auf Chromebooks läuft jede Store App. Für 10 S brauchste aufgrund der Anforderungen der jetzt schon im Store erhältlichen „Apps“ ungefähr nen Mittelklasse Gaming Notebook, wenn du alles nutzen willst, erst recht wenn man mal ein Upgrade durchzuführen gedenkt und mehr will, und in dem Produkt Bereich ab Mittelklasse ist 10 S auch in naher Zukunft hoffentlich nicht vorinstalliert im Laden zu finden. Das ist von Haus was für den Low Cost Bereich. Für „mehr“ gibts doch das „richtige“ Windows. Oder etwa nicht?

        Anders wäre geradezu krank, oder eben wie schon angesprochen die nächste Einladung der EU zum Thema Marktmachtmissbrauch, wenn man erst zu Pro wechseln muss, um das vollständige Windows Universum zu erfahren… Kunden zahlen hier doppelt Eintritt?
        Ein Wechsel zu einer 10 Pro Version sollte überhaupt nicht nötig sein bzw. ist er funktional vollkommen überflüssig.
        Außer aus Sicht von Microsoft um nicht weiter verschenken zu müssen.

        Noch größerer Ferkelkram wäre schlicht eine Beschränkung der verfügbaren Apps im Store. Was nicht läuft, oder nicht laufen SOLL, wird einfach nicht angezeigt. Diesen Weg geht Microsoft ja eh schon länger. Den einen Store gibts es ja gar nicht.
        Dann erkennt der Kunde wenigstens direkt, welchen Scheiß er gekauft hat…

        Ich hätte statt Sparversion auch von Anfang an Billig Scheiße schreiben können, vielleicht wäre ich dann verständlicher gewesen… darauf läufts in meinen Augen hinaus, wenn 10 S für die breite Masse kommen sollte, egal was sich Microsofts ursprünglich mal dabei gedacht hat. Dann wirds der kleinere Bruder der Home Version. Deren ursprünglich gute Ideen sehen in letzter Zeit praktisch alle in der Praxis mies aus.
        Ob das nur die Soft- oder/ und auch die Hardware Seite betreffen wird, werden wir ja erleben.

        Mich würde jedenfalls nicht groß wundern, wenn man zukünftig nach einem Pro Upgrade auf ganz neue Probleme mit derartigen Geräten stößt, die mit 10 S verkauft wurden.

  2. Tim sagt:

    Nebenbei: Ob die Prüfer von der EU wohl schon ihre Bleistifte anspitzen, weil da jemand seine Marktmacht missbraucht, um ein „anderes“ eigenes Produkt an die Frau, den Mann, zu bringen? So kann man ein „nur Apps“ Windows mit Upgrade Möglichkeit zum richtigen Windows nämlich auch sehen.

    Alle Entwickler in den Store zu zwingen, oder deren Produkte auszuschließen, ist gewissermaßen ein Schachzug in Richtung Marktmacht missbrauch.

    • Andy sagt:

      das wäre wohl eher kein Problem: Apple hat ja auch nur seinen Store und jeder Entwickler darf seine Apps darauf anbieten.

      • Tim sagt:

        Ich denke das es auch erst ein Problem wird, wenn MS es tatsächlich schafft, Windows auf geschlossenen Shop Kurs zu bewegen. Eine zentrale Anlaufstelle mag ja auch was gutes sein, aber ein Knebel ist eben keine gute Idee. Was glaubst Du, wie viele Entwickler auf Apple verzichten, wegen dem Store Knebel?
        Und was nicht im Store zu finden ist, muss automatisch schlecht sein. Nur die Stores sind sauber und mit toller Software gefüllt, so erzählt man das Märchen… daneben entsteht dann natürlich auch kein Markt mehr. Geschickt eingefädelt.
        Bei Android genau das gleiche Prinzip, nur ein Riese wie Amazon kann sich einen eigenen App Store überhaupt auf Dauer neben Google leisten, ohne schief beäugt zu werden. Vor allem anderen wird gewarnt und man muss am besten die Installation externer Software extra einschalten, bestätigen und beaufsichtigen. Die Stores sind der heilige Gral, im Moment, zumindest für die Shopbetreiber…

        Noch haben Entwickler tatsächlich die Wahl, ob sie den Apple oder Microsoft Store nutzen möchten, oder darauf verzichten und frei und selbst bestimmt nur für Windows entwickeln. Mal abgesehen von den App Zombies, ist die Windows Welt noch immer bunter und vielfältiger, als das Apple Universum, und größer allemal.
        Auf Apple kann man daher noch verzichten und sagen kein Problem… Schlimm wirds erst, wenns keinen Unterschied mehr macht.

Schreibe einen Kommentar zu Andy Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Hinweis: Bitte beachtet die Regeln zum Kommentieren im Blog (Erstkommentare und Verlinktes landet in der Moderation, gebe ich alle paar Stunden frei, SEO-Posts/SPAM lösche ich rigoros). Kommentare abseits des Themas bitte unter Diskussion.