Mega-Fail: eBay und die kaputten Werbealgorithmen

Zum Wochenende noch ein Infosplitter in Sachen automatische Werbung, der zeigt, wie kaputt das System des Trackings und der automatisierten Schaltung von Werbeanzeigen eigentlich ist. Dieses Mal geht es um einen Mega-Fail von eBay, welches nicht nur ‘kritische’ Angebote wie die deutsche Reichsflagge über geschaltete Werbeanzeigen bewirbt, sondern den Leuten dann sogar noch Empfehlungen per Mail auf diese Produkte ins Postfach spült.


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Stein des Anstoßes – eine eBay-Werbeanzeige

Kürzlich hat mich ein Blog-Leser im 50Plus-Blog auf eine dort geschaltete eBay-Anzeige aufmerksam gemacht. Es handelte sich um Werbung für ein fragwürdiges eBay-Angebot. Ich habe die Angebotsseite mal per Screenshot dokumentiert, und einige Bestandteile verfremdet.

Werbung für fragwürdiges eBay-Angebot
(Werbung für fragwürdiges eBay-Angebot)

Beworben wird eine Variante der Reichskriegsflagge, die aus historischen Gründen in Deutschland zumindest fragwürdig bzw. umstritten ist. Da die Nazisymbole (Hakenkreuz) aus dieser Flaggenvariante entfernt wurden, ist ein Verbot gemäß § 86 a StGB (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen) nicht möglich. Aber diese Art Flaggen können in Brandenburg und anderen Bundesländern “wegen Verstoßes gegen die öffentlichen Ordnung” von der Polizei eingezogen werden. Die Artikel hier und hier thematisieren die sich daraus ergebenden Implikationen in anderem Kontext.

Diese Art Werbung möchte ich aber weder von eBay noch von anderen Anbietern in meinen Blog haben. Daher bin ich immer dankbar, wenn Blog-Leser-/innen mich per Mail auf so etwas aufmerksam machen (möglichst Screenshot der Anzeige sowie Link auf die Zielseite dokumentieren und mitschicken). Ich kann dann handeln und einen bestimmten Werbetreibenden sperren bzw. sperren lassen. Ist zwar Aufwand und oft ein Katz- und Mausspiel, aber ich reagiere.

So etwas zu verkaufen (eBay ist ja nur die Handelsplattform) , ist die eine Sache – dafür aktiv Werbung zu machen, ist aber eine gänzlich andere Hausnummer. Da dies nicht der erste Mega-Fail in Sachen krude eBay-Anzeige in dieser Richtung war, habe ich eBay jetzt umgehend im Adsense-Werbefilter komplett gesperrt. Gleichzeitig wurden meine Werbepartner angewiesen, eBay als Plattform ebenfalls komplett für Anzeigen in Googles Ad Exchange etc. zu sperren. Geht nicht anders, da eBay als Werber wohl keine Werbefilter-Kategorien der Art ‘sensitive politische Artikel’ bietet. Von beiden Plattformen lagen mir binnen weniger Stunden die Rückmeldungen vor, dass die Sperre steht. So weit so gut.

2. Mega-Fail: Werbung per eBay-Mail im Nachgang

Die Sperre ist seit dieser Nacht bzw. heute Morgen aktiv. Kommen wir jetzt zum zweiten Mega-Fail von eBay und den Grund, warum ich die Geschichte hier dokumentiere. Hängt mit Tracking und dem Glauben der Werber an Algorithmen zusammen. Technisch ist mir die Sachlage klar: Ich selbst bin im Internet zwar mit diversen Browsern, i.d.R. aber bewusst ohne Adblocker unterwegs, um mir ein Bild zu verschaffen, welche Art Werbung geschaltet wird und wie die daher kommt (kann man als eine Art Honeypot ansehen). Mir ist auch klar, dass dort getrackt wird – und ich kenne auch die Argumentation der Adblocker-Nutzer diesbezüglich. Den Fall, den ich hier dokumentiere, ist natürlich Wasser auf die Mühlen derjenigen, die nur mit Adblocker im Internet unterwegs sind – und er untergräbt auch das Modell, dass Webseiten sich über Werbung finanzieren. Ich publiziere das Ganze trotzdem, um öffentlichen Druck aufzubauen – denn der Artikel hier wird mit Sicherheit gefunden. So viel als Vorbemerkung.

Da ich die Tage über eBay etwas bestellt habe, war noch ein Cookie im Browser gesetzt und mit meinem eBay-Konto verknüpft. Gleichzeitig hatte ich die von dem Blog-Leser im Kommentar gemeldete eBay-Anzeigenseite mit dem Flaggenangebot besucht. Die Dumpfbacken von eBay (gut, das sind deren Algorithmen) schlossen daraus, dass ich wohl gesteigertes Interesse an so einem Dreck habe. Jedenfalls schlug wenige Stunden später diese Werbemail von eBay in meinem Postfach ein.

Mega-Fail: eBay-Werbe-Mail
(Mega-Fail: eBay-Werbe-Mail)


Werbung

Gut, technisch ist mir klar, was dort passierte. Und da ich längere Zeit keine Bestellungen mehr auf der Plattform vorgenommen habe, bombardieren die mich seit kurzem mit Empfehlungen (könnte ich abstellen, aber dann bleiben mir solche Fails halt verborgen). Aber der Fall ist zum Haare ausraufen! Da versucht man, irgendwie die Fahne für ‘akzeptable Werbung’ hochzuhalten – und dann kommen die eBays, Facebooks, Bings, Googles und machen alles mit einem Federstrich zunichte. Und werbemäßig ist so etwas natürlich auch ‘mit Schrot auf leere Büchsen zu schießen, in der Hoffnung, irgendwann einen Hasen zu erlegen’.

Ist nicht nur ein Mega-Fail von eBay, sondern das typische ‘Es geht der Krug zum Brunnen, bis er bricht’. Die Unternehmen hatten es in der Hand, einen Kodex für akzeptable Werbung und sensitives Tracking zu entwickeln, reagieren aber nicht. Die ePrivacy-Verordnung wird in der EU kommen – und es wird ein Blutbad für alle Beteiligten, die irgendwie in Sachen Online-Werbung aktiv sind.

Ich habe jetzt mal die Presseabteilung von eBay auf den Fall hingewiesen – denke aber, dass da nichts passiert. Persönlich heißt dies, dass ich bei dieser Plattform künftig ebenfalls einen Cookie-Blocker sowie Tracking-Schutz aktivieren werde. Denn in manchen Fällen lande ich bei der Bestellung von Ersatzteilen leider auf dem Marktplatz dieses Anbieters.

Ergänzung: Die sind bei eBay noch kaputter als kaputt

Der Vorfall wurde von mir vor einer Woche per Mail an die Presseabteilung als inakzeptable gemeldet. Heute bekomme ich eine Mail mit einem Gutschein, um eine solche Flagge zu kaufen.

Ich fasse es nicht!


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9 Responses to Mega-Fail: eBay und die kaputten Werbealgorithmen

  1. Blupp sagt:

    ebay …
    … nein da passiert rein garnichts, denke ich.
    Natürlich kann man nicht sagen wie jetzt mit Hinweisen und Beschwerden seitens ebay umgegangen wird und Verallgemeinerungen sind auch nicht unbedingt zielführend.

    Meine Erfahrungen mit ebay sind jedoch sehr düster. So reagierte ebay schlicht nicht als mitgeteilt wurde, dass ein verurteilter Straftäter auf der Plattform weiterhin sein Unwesen treibt. Pikant war, dass vorher im Zuge der Strafermittlungen der Account der Person gesperrt war und nach der Verurteilung ebay bei den weiteren Betrügereien seelenruhig zugesehen hat – bring ja Umsatz, man ist ja nur die Plattform und wäscht die Hände in Unschuld …
    Oder wie erst gestern als ich einen Ventilator kaufte und nach dem Kauf während des Bezahlvorganges auf ebay der Mauszeiger automatisch auf ein “Jetzt bestellen”- Button einer Geräteversicherung gesetzt wurde.
    Wer dachte, dass es mit dem nächsten Klick wie gewohnt zu Paypal weiterginge und nicht aufpasst schließt dann womöglich ungewollt einen Versicherungsvertrag ab.

    Wirklich, bei ebay wundert mich schon sehr lange garnichts mehr.
    Auch verfassungsfeindliche Symbole auf Fahnen wundern mich da nicht – ebay halt, bringt ja Umsatz…

    • Günter Born sagt:

      Schade, Du hast nicht zufällig Screenshots des Vorgangs? So was wäre schön als Blog-Beitrag zu thematisieren gewesen.

      • Blupp sagt:

        Wenn damit das Verhalten von ebay bezüglich des verurteilten Straftäters gemeint ist muss ich schauen, es kann sein das noch ein paar alte Akten im Keller vor sich hinrotten. Damals war ich einer der Betrogenen und hatte das zur Anzeige gebracht. Das war aber schon vor knapp 10 Jahren, ist aber noch lebhaft in meinen Erinnerungen und somit Teil meiner tollen Einkaufserfahrungen auf dieser Plattform.

        Wenn der Kauf des Ventilators gemeint ist, nein das habe ich nicht dokumentiert. Das Ableben das alten Erfrischers machte mich wohl träge. Kann aber sagen, dass es gut ist zur älteren Generation zu gehören, da hat man es nicht mehr so eilig, wäre ich 40 Jahre jünger hätte ich vielleicht draufgeklickt und mich später gewundert.
        Wenns hilft hier die ebay Artikelnummer: 153514920570
        Die Offerte zum Produktschutz ist da schon prominent platziert. Bei ebay heißt es immer: aufpassen.

        • Roland Moser sagt:

          Es muss nicht zwingend die Plattform sein, welche ein Problem ist.
          In der Schweiz sind die Staatsanwaltschaften teils das Problem, und reagieren erst, wenn man ihnen mit Anzeigen wegen Amtsmissbrauchs droht. Wenn man der Schützling einer Rot-Grünen ist, der in der Staatsanwaltschaft oder bei der Polizei arbeitet, passiert einem praktisch nichts. Das gilt auch für Sachbeschädigungen, Drohungen, Nötigungen usw.
          Ich habe es selbst erlebt. Der Online-Shop, der nur Geld kassiert, aber nichts geliefert hat, wurde dann geschlossen.

        • Günter Born sagt:

          Ventilator war gemeint – hätte man aber mit einem Screen-Video dokumentieren müssen – ist aber schwierig.

          • Blupp sagt:

            Ja das wäre nötig gewesen.
            Nur denkt man nach dem Ableben das alten Gerätes kaum an eine solche Falle auf ebay und wenn man es vor sich geschehen sieht ist es für das Video schon zu spät.

  2. Anonymous sagt:

    Danke für diese Ausführungen. Sind doch sehr aufschlussreich.

    fred59

  3. Werbung

  4. Thomas D sagt:

    Moin Moin,

    kleine Anmerkung OT:
    Monosnap ist ein Tool womit man Video Screenshots ganz gut machen kann.
    Die freie Version ist halt ohne Ton ;-)

    Zum Thema:
    eBay ist auch für mich in den letzten Jahren ein noGo geworden.
    Das immer mehr kommerzielle dort anbieten ist ja das eine.
    Ich will etwas haben, und mir persönlich ist es egal ob der andere Privat oder kommerziell das anbietet (und eventuel be***).
    Kann man überall haben.
    (Meiner Frau ist das vor ca einem halben Jahr passiert. Bei Kijiji.
    Nach Meldung bei der Polizei, die sich dann mit der doch ermittelbaren Person in Verbindung gesetzt hat, klappte der Deal dann doch wie vereinbart…)

    Aber mittlerweile muss man vernünftige Sachen suchen, und nicht nur die echten Fails und die falschen Sachen raus filtern.
    Und bei den Preisen schauen.
    Es nimmt mir mittlerweile MEHR lebenszeit in Anspruch als was Ich sparen kann woanders.
    Wo bis auf den “Preis” alles stimmt..

    Just IMHO.
    :-)

    So long
    Tom

  5. Günter Born sagt:

    Sind die bei eBay besoffen? Vor einer Woche als ‘geht gar nicht’ an die eBay-Presseabteilung gemeldet – jetzt kriege ich auch noch einen Gutschein, um die Nazi-Fahne zu kaufen. Ich fasse es nicht.

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