Baden-Württemberg: Belwue beendet alle Dienste für Schulen

Belwue, das Landeshochschulnetz Baden-Württemberg, hat letzten Freitag angekündigt, alle Dienste für Schulen in diesem Bundesland auslaufen zu lassen. Das trifft natürlich Schulen, die angesichts der Pandemie vermehrt auf Digitalisierung und die  Belwue-Dienste gesetzt haben, besonders hart. Hier ein grober Abriss, was Sache ist.


Anzeige

Wer ist BelWü?

Das Kürzel BelWü steht für Baden-Württembergs extended LAN, dies ist das Datennetz der wissenschaftlichen Einrichtungen des Landes Baden-Württemberg. Es verbindet, laut diese Webseite, Universitäten, Hochschulen und die Duale Hochschule Baden-Württemberg, sonstige wissenschaftliche und öffentliche Einrichtungen, Schulen und öffentliche Bibliotheken miteinander.

BelWü-Dienste
BelWü-Dienste, Quelle: BelWü

Obiger Screenshot listet die Dienste auf, die am bei BelWü buchen kann bzw. für Schulen muss es nun heißen "buchen konnte". Speziell Sachen wie E-Mail-Dienste, WebHosting oder der Betrieb der Plattform Moodle waren auch für Schulen sehr interessant.

BelWü stellt Dienste für Schulen ein

In einer kurzfristig ausgesandten Meldung hat der Betreiber BelWü wohl letzten Freitag eine recht unangenehme Informationen an Schulleiter verschickt. Hier ein Auszug des Schreibens, welches mir am Wochenende bereits auf administrator.de untergekommen ist:

Sehr geehrte Schulleiterin, sehr geehrter Schulleiter,
sehr geehrte Damen und Herren,
wir möchten Sie mit dieser E-Mail über anstehende Veränderungen im Bereich der von BelWü angebotenen Dienste informieren.
Sie erhalten diese Nachricht als Kontaktperson einer schulischen Einrichtung (Schulträger oder Schule), die einen der unten genannten Dienste bei BelWü nutzt und bitten Sie, diese Informationen für Ihre weiteren Planungen innerhalb Ihrer Einrichtung zu kommunizieren.

Ausgangspunkt für diese Änderungen sind nicht nur veränderte rechtliche Rahmenbedingungen (u. a. Vergaberecht, Steuerrecht), die in voller Auswirkung spätestens 2023 zum Tragen kommen, sondern auch die Beobachtung, dass die in den letzten Monaten ausgebauten Angebote im Bereich der digitalen Unterstützung von Lehre und Kommunikation eine langfristige Perspektive für einen gesicherten Betrieb benötigen, die wir im Rahmen der auf eine Vereinbarung zwischen dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport im Jahr 1997 zurückgehenden Kooperation mit BelWü aus verschiedenen Gründen nicht verlässlich dauerhaft erbringen können.

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst als für BelWü zuständiges Ministerium hat wohl bereits 2019 – im Einvernehmen mit dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport – einen systematischen Prozess einer Transformation angestoßen, der nun nach Erhebung aller dafür notwendigen grundlegenden Informationen in die nächste Phase gehen soll, heißt es in diesem Schreiben. Für Schulen, die an BelWü angebunden waren und Dienste nutzen, gilt wohl folgendes:

  • Die Dienste "E-Mail" und Lernplattform "Moodle" bleiben vorerst unverändert bestehen, sollen mittelfristig aber von einem anderen zentralen Dienstleister übernommen werden.
  • Das Hosting von Webauftritten (Homepages, Wikis, Foren, NextCloud, eigene Moodle-Auftritte etc.) wird ab sofort nicht mehr von BelWü angeboten. Bestehenden Auftritte werden in monatlichen Zeitfenstern zwischen 1.10.21 und 28.2.23 eingestellt.
  • Die Anbindung von pädagogischen bzw. Verwaltungsnetzen per DSL/Kabel (Anbindung per Glasfaser vorerst nicht betroffen) wird ab sofort nicht mehr von BelWü angeboten. BelWü wird zum 31.7.22 diesen Dienst einstellen.

Es heißt zwar im Schreiben, dass in enger Abstimmung zwischen dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, den kommunalen Spitzenverbänden, dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport und der Universität Stuttgart derzeit nach Lösungen gesucht werden, um insbesondere die breitbandige Anbindung von Schulen weiterhin anbieten und weiter ausbauen zu können. Aber Schulen, die momentan schon genügend mit der Coronavirus-Pandemie zu tun haben, wirft das einen neuen Knüppel zwischen die Beine. Einige dürften sogar heillos überfordert  werden – immerhin gibt es einen FAQ von BelWü für die betroffenen Schulen.

Ursprünglich hat linuxmusternet.de den Text veröffentlicht – und dort melden sich Betroffene auch in der Diskussion zu Wort. Die Kollegen von heise hatten dies zum Wochenende ebenfalls thematisiert. Im Artikel stellt die Redaktion den Sachverhalt deutlich dar und spricht von Schlingern in der Schulpolitik, der in einem Rausschmiss der Schulen ende. Kritisiert wird auch, dass, es keine Empfehlungen gebe, sondern Schulen sich selbst kümmern müssten.

Ich zitiere jetzt nicht das "Wir können alles, außer Hochdeutsch" als Slogan von Baden-Württemberg. Die BelWü begründet diesen Schritt – der ja von den Ministerien lange vor der Coronavirus-Pandemie angestoßen wurde – folgendermaßen:


Anzeige

Die aktuell praktizierte Form der Bereitstellung bringt es mit sich, dass die primären Dienste im hoheitlichen Bereich von BelWü, also die Konnektivität der Universitäten und Hochschulen auf internationalem Leistungsniveau, gefährdet werden, weil z. B. technische Kapazitäten des
Rechenzentrums anderweitig eingesetzt werden müssen.

Klingt für mich zwar nachvollziehbar. Auf den ersten schnellen Blick wirkt die gesamte Aktion zum jetzige Zeitpunkt aber recht unglücklich. Da wird in den angeschlossenen Schulen ein massiver Aufwand zur Migration entstehen und Ressourcen binden, die dringend für andere Vorhaben benötigt werden. Zudem wird nach meinem Gefühl eine Infrastruktur, wo Baden-Württemberg vorbildlich aufgestellt war, zurückgefahren. Ob da Vorgaben des Landesrechnungshofs oder andere Beweggründe ausschlaggebend für diese Entscheidung waren, weiß ich nicht. Der Artikel von heise stellt fest, dass eine offizielle Ankündigung des Kultusministeriums und des für das BelWü zuständigen Wissenschaftsministeriums in Stuttgart fehlt, was Spekulationen hervorruft.

Die Bekanntgabe fällt in eine Phase, kurz nach Bekanntgabe des Abschlusses der Koalitionsverhandlungen von Grünen und CDU für die kommende Landesregierung. Und mir ist noch geläufig, dass die Ex-Kultusministerin Susanne Eisenman vor der Landtagswahl die Schulen einheitlich auf Office 365 und Teams umstellen wollte (siehe Ärger um Microsoft 365 an Schulen in Baden-Württemberg).

Ähnliche Artikel:
Ärger um Microsoft 365 an Schulen in Baden-Württemberg
BW: Digitalpakt Schule und die 'Microsoft-Ausschreibung'


Cookies blockieren entzieht uns die Finanzierung: Cookie-Einstellungen

Anzeige


Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Cloud abgelegt und mit Allgemein, Cloud verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

13 Antworten zu Baden-Württemberg: Belwue beendet alle Dienste für Schulen

  1. mw sagt:

    Ich kann die Pseudobegründung der Landesregierung beim besten Willen nicht nachvollziehen. Daß die Anbindung und Bedienung der Schulen Resourcen benötigt ist klar. Die Landesregierung kann diese jederzeit ausbauen. Das Belwü, als wirklich professionell gemanagtes Netz, kann den Schulen einen sicheren und datenschutzkonformen Betrieb bieten. Im Hinblich auf den zweifelhaften Versuch, Schulen zu Microsoft zu zwingen, wird jetzt natürlich ein Schuh draus. Man wirft die Schulen einfach raus. Die freien Anbieter wollen nicht länger auf zusätzliche Einnahmen verzichten. Sind ja nur die Schulen, die benötigen schließlich keine Konnektivität auf internationalem Niveau, für unseren Nachwuchs genügen schließlich fünft-klassige Angebote zu überhöhten Preisen. Ganz davon zu schweigen, daß die Schulen und ihre Träger niemals ein professionelles Netzmanagement stemmen können. Man kann hier ganz deutlich die Digitalisierungsstrategie der grün-schwarzen Landesregierung erkennen. Ich kann nicht verstehen, wie jemand den Grünen und der Union Digitalisierung zutrauen kann. Deutschland fährt weiter aus Abstellgleis, Baden-Württemberg allen voran. Es ist zum Heulen.

  2. Paul sagt:

    "Bandbreite" Problem bei BelWü?
    Weil da 23000 User hinzugekommen sind?
    Machen die da immer noch "Pattex-D"? Wohl kaum.
    Oder sperrt die Telekom das peering resp. will Kohle vom BelWü sehen,
    weil auf eine mal mehr Traffic nach "ausserhalb" machen?

    Warum kommt man erst jetzt darauf das mehr User mehr Resourcen bedarf bedeuten den man nicht liefern will/kann?

  3. 1ST1 sagt:

    Nachdem die eigenen Online-Schooling-Plattformen der Schulen in BW letztes Jahr mit Pauken und Trompeten abgenibbelt waren, hatten sie jetzt wohl eine gut funktionierende Lösung über die Unis, und nun das. Teams dürfen sie ja auch nicht verwenden, letzteres in Hessen ab nächstem Schuljahr auch nicht, da ist ja dann die Duldung vorbei. Man baue mal eben schnell, jetzt ist Mai, eine Infrastruktur in BW für 3000 Schulen auf, die auch auf Anhieb funktioniert und skaliert. Hat schonmal jemand in jüngster Zeit einen Server bestellt, wie lange das dauert bis der geliefert wird? Und Server alleine sind ja nicht alles, Switches, Routing, Firewall, Serverschränke, Energieversorgung, Klima, Gebäude, wo das alles drin steht, Netzanbindung, Personal, … Unter den Vorraussetzungen eine Infrstruktur für 3000 Schulen mal grob 1500 Schüler (=4.500.000 Benutzer!) aufbauen? Bis Ende August? Und das nicht nur in BW, sondern gleich auch nochmal in Hessen?

    Ich bin mal gespannt, wie/ob das geht. Mich würde es nicht wundern, wenn am Ende die Datenschützer bekniet werden, dass es nochmal Teams sein darf.

    • Günter Born sagt:

      Es ist ein Trauerspiel und zum "aus dem Fenster springen" – ähnlich wie Impfung gegen COVID-19 im Impfzentrum versus beim Hausarzt. Wir haben da jetzt Erfahrungen auf beiden "Pflastern" – aber die Geschichte bringe ich mal im anderen Theater (für Zielgruppe 50 Plus). Ist aber ein längerer Roman …

      heute wird das nur kurz, neben der Trennung von Bill Gates von seiner Frau und anderen Katastrophen thematisiert. Yellow Press ist was herrliches – kannst sogar als Blogger auf diesem Parkett toben – und sozusagen alles vom Wendler bis zu Gates abhandeln. Und als ich kürzlich meine erste Einladung zum Jahreskongress der Frauenärzte erhielt, ging das runter wie Öl … habe dann aber nicht teilgenommen ;-). Wird schlimm mit mir enden …

      • nook sagt:

        au weia, Deine arme Frau.
        Siggi Freud hätte die größte Freude an Dir ;-)

      • Beachman sagt:

        Also Impfen hat hier super funktioniert. Mein Hausarzt hat mich vor 2 Wochen gefragt, ob ich Zeit hätte. In 5 Minuten war es erledigt. Kein Aufklärungsgespräch oder ähnliches. Nur das Merkblatt durchlesen und unterschrieben. Die einzige Frage war, "wollen sie links oder rechts".

        Ich habe da keinen Grund zum meckern. Wenn das mit der IT-Infrastruktur an den Schulen nur halb so gut funktionieren würde, wäre es ein Traum

        • Günter Born sagt:

          Bei meinem Hausarzt war das genau so (in 20 Minuten, inkl. des Wartens vor und nach der Impfung erledigt) – gestern habe ich meine Frau 2 Stunden durch ein Impfzentrum geschleust – nun kann ich einen Roman "wenn Borns geimpft werden" schreiben – und werde dazu auch noch was beim 50Plus-Blog veröffentlichen. Mein Hausarzt hat – aber erst nach meiner Impfung – und nicht wegen meiner Impfung – einen Leserbrief in einem örtlichen Medium veröffentlicht, in dem er seinen Frust deutlich ausdrückt – wohl begründet (er würde wollen, wenn man ihn ließe und mit Impfstoff versorgt, trotz der 20 Euro/Patient für die Impfung, während ein Impfzentrum 120 Euro pro Impfling bekommt). Seit gestern weiß ich, dass die Impfzentren voraussichtlich auch da mit "roten Zahlen" raus kommen – daher kann ich die Forderung "Impfzentren zügig schließen" schon nachvollziehen und finde es aus bisheriger Sicht sinnvoll. Wird aber off-topic.

          • 1ST1 sagt:

            Wie schön… Als noch nicht 60jähriger bin ich ja noch garnicht priorisiert. Hab meinen Hausarzt mal gebeten mich und meine Frau auf seine Warteliste zu setzen, hat er gemacht, aber darauf hingeweisen, dass ich sobald es geht mich auch beim Impfservice registrieren soll, er weiß nicht, was schneller geht…

        • Lars Weiler sagt:

          Nun ja,alle Experten sagen das es ein Aufklärungsgespräch mindestens 20 Minuten dauert.

          Im übrigen sollte auch jeder Arzt wissen das man NICHT impft wenn die Krankheit schon rumgeht.

          Eigentlich müsste auch jeder Arzt auch erst mal einen Antikörpertest machen,denn bekanntlich merken die meisten Leute gar nicht das sie infiziert wurden.Wer Antikörper hat braucht keine Impfung.

          • Günter Born sagt:

            Man kann auch mündige Bürger wie kleine Kinder über Bürokratie erden. Ich hatte einen Aufklärungsbogen – den gelesen und verstanden – und hätte den Arzt befragen können. Im Impfzentrum dauerte das Aufklärungsgespräch meiner Frau kein 5 Minuten – "wollen Sie geimpft werden – sie wissen, was rRMA ist … – ich brauche ihr Krankenkassenkärtchen" und schon war alles geritzt.

            Und zum Antikörpertest: Alle Theorie ist grau …

            und ich teste mich zu Tode, denn es gibt ja auch false positive und false negative und komme vor lauter Testen nicht zum Impfen. Bei jedem Zweifel schicke ich den Impfling nach Hause?

            Wenn jemand ohne Symptome ist, sollte eine Impfung nicht schaden. Und Genesene werden 6 Monate danach einmalig geimpft.

          • Ralf S. sagt:

            Genau wegen solcher "gründlich deutscher" Einstellungen kommen wir in Deutschland nicht voran mit dem impfen! Haut das Zeugs mit einem kurzen Info-Gespräch/"Beipack"-Info-Zettel rein und gut ist… So wie es uns die USA und viele andere Ländern vormachen – über die zuvor teilweise wieder mal recht überheblich gelacht wurde. Ist genauso wie mit den Wirtschaftshilfen für die z. Zt. geschlossenen Betriebe: Vor lauter „Vorab-Prüfungen", dass auch ja keiner 3,50 € zu viel bekommt, bekommt so gut wie gar keiner was rechtzeitig! Die November-Hilfe wurde einem Freund von mir (der ein Restaurant betreibt) dann endlich mal Ende März voll (!) ausbezahlt… Man kann auch nachträglich prüfen und evtl. zu viel gezahlten Hilfen dann zurückfordern. Aber so was geht bei uns natürlich nicht… German Angst und German Gründlichkeit for ever. Ordnung muss schließlich sein, auch wenn es um Leben und Tod und den Fortbestand von ganzen Existenzen geht…

    • Zocker sagt:

      "Unter den Vorraussetzungen eine Infrstruktur für 3000 Schulen mal grob 1500 Schüler (=4.500.000 Benutzer!) aufbauen?"

      Ich würde sagen, eine durchschnittliche Schule hat halb so viele Schüler. 1500 sind eher Gesamtschulen.

      "Ich bin mal gespannt, wie/ob das geht. Mich würde es nicht wundern, wenn am Ende die Datenschützer bekniet werden, dass es nochmal Teams sein darf."

      Man darf dabei nicht vergessen, dass sich plötzlich die Voraussetzungen geändert haben und Pläne dadurch über den Haufen geworfen werden. Es wäre mehr als bedauerlich und ein falsches Signal, wenn das nochmal verlängert werden müsste.

Schreibe einen Kommentar zu Günter Born Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Hinweis: Bitte beachtet die Regeln zum Kommentieren im Blog (Erstkommentare und Verlinktes landet in der Moderation, gebe ich alle paar Stunden frei, SEO-Posts/SPAM lösche ich rigoros). Kommentare abseits des Themas bitte unter Diskussion.