Ausfall der Verifon H5000-Kartenterminals: Handel fordert Konsequenzen

Stop - PixabayDas Thema "Ausfall der Verifon H5000-Kartenterminals" zum 24. Mai 2022 in deutschen Geschäften, Tankstellen und Supermärkten beschäftigt weiterhin die Beteiligten. Noch ist mir keine transparente Erklärung der Verantwortlichen bekannt, was genau passiert ist – und es könnten durchaus noch einige Läden geben, wo keine Kartenzahlung auf Grund der Problematik möglich ist. Der Handel hat in Gestalt des Handelsverbandes Deutschland (HDE) eine Umfrage unter seinen Mitgliedern durchgeführt und fordert nun Konsequenzen. Hier eine kurze Nachbereitung dieser Thematik.


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Schlag ins Kontor: Terminals ausgefallen

Ich hatte den Sachverhalt ja zeitnah im Beitrag Probleme mit Kartenzahlung im Handel: Softwarefehler schuld (24.5.2022) hier im Blog aufgegriffen. Seit dem 24. Mai 2022 streiken in zahlreichen Geschäften, Supermärkten, Tankstellen etc. die Verifone H5000 Kartenleseterminals für Giro- und EC-Karten. Eine bargeldlose Zahlung ist mit den betroffenen Kartenterminals nicht mehr möglich.

H5000-Zahlungsterminals im Service

Seit Wochen arbeiten die Zahlungsdienstleister am Austausch der betroffenen Verifone H5000 Kartenleseterminals in den betroffenen Läden. Ich hatte den Zwischenstand Anfang Juni 2022 aufbereitet (siehe Probleme mit Verifone H5000-Kartenlesegeräten, der Status zum 5. Juni 2022).

Zertifikate fehlen auf H5000-Terminals
Zertifikate fehlen auf H5000-Terminals, Quelle: Cedric Fischer

Bis zum heutigen Tag liegt mir aber keine transparente Erklärung vor, was da genau passiert ist, um die H5000-Kartenterminals reihenweise in den digitalen Tod zu schicken. Die im Beitrag Verifone-Stellungnahme zum H5000-Kartenleser-Ausfall (14.6.2022) aufgegriffene Erklärung des Herstellers trägt nichts zur Aufklärung bei.

Der HDE fordert Konsequenzen

Gut, ich bin persönlich nicht betroffen, und habe das nur noch am Rande verfolgt. Auf Twitter bekomme ich aber mit, dass es auch in den vergangenen Wochen zahlreiche Kartenterminals in Geschäften gab, wo keine Kartenzahlungen möglich waren. Auch hier gibt es eine aktuelle Nutzermeldung diesbezüglich. Die Bundesfinanzaufsicht und die Bundesbank "wollten sich bei den Zahlungsdienstleistern informieren", was Sache war und stellten kein systemisches Problem fest – habe ich in den am Beitragsende verlinkten Artikeln irgendwo thematisiert.

Betroffene Händler sind da allerdings nicht amüsiert, da gab es Einnahmeausfälle und der Austausch der Geräte bleibt auch bei diesen Stellen hängen – einige mussten 30 Kilometer zu einer Service-Stelle des Dienstleisters fahren, um das Gerät reparieren zu lassen. Der Handelsverband Deutschland (HDE), der seine Mitglieder vertritt, hat nun eine Umfrage gestartet, wie der BR hier schreibt. Die Ergebnisse der Umfrage sind recht interessant:

  • Bei 83 Prozent der Betroffenen dauerten die Störungen der Verifone 5000-Kartenterminals zufolge mindestens vier Tage (bei großen Filialistenging der Austausch fix nach dem ersten Wochenende über die Bühne),
  • 70 Prozent der Befragten gaben an, dass sie länger als sieben Tage auf das Terminal verzichten mussten (der Großteil der Nutzer wartete auf Ersatzterminals oder Reparatur vorhandener Geräte.

Immerhin konnten Kunden bei den Händlern und Firmen teils über alternative Verfahren wie Rechnungskauf, Lastschrift, Terminals anderer Hersteller oder Paypal bezahlen. Der BR-Bericht führt auch aus, dass bargeldloses Zahlen – wohl bedingt durch Corona – inzwischen bei fast 60 Prozent der Kunden beliebt ist. Der Umsatzanteil der Kartenzahlungen im stationären Handel stieg von 50,5 Prozent (Jahr 2019) auf 58,8 Prozent (Jahr 2021). Das belegt eine Anfang Mai 2022 veröffentlichte Untersuchung des Kölner Handelsforschungsinstitutes EHI.


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"Die vor wenigen Wochen aufgetretenen Störungen bei vielen Zahlungsterminals hatten eine nie zuvor gesehene Dimension", wird HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth zitiert. Das sei für viele der betroffenen Handelsunternehmen mehr als nur ein Ärgernis gewesen. "Hier gingen Umsätze verloren, Kundinnen und Kunden waren zeitweise extrem verunsichert." Genth verlangte im Namen des HDE, die Terminalbetreiber müssten jetzt die Ursachen transparent aufarbeiten und für die Zukunft sicherstellen, dass ein solch kompletter Ausfall durch Notfallsysteme oder bessere interne Sicherungsmaßnahmen nicht erneut passieren könne. Ich denke, das Thema ist noch nicht vom Tisch – oder hat jemand weitere, abschließende Informationen?

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10 Antworten zu Ausfall der Verifon H5000-Kartenterminals: Handel fordert Konsequenzen

  1. Frank sagt:

    Hallo,
    nachdem mich ein befreundeten Händler angerufen hatte und sagte, dass das Gerät auf einmal englisch spricht, habe ich versucht, in den Resten der Einstellungen die noch vorhanden waren, die Sprache wieder auf Deutsch umzustellen. Und dann wurde es interessant: Unter "Select Language" bot das Terminal genau 2 Sprachen an:
    Englisch und Russisch !!
    Da macht man sich schon seine Gedanken.
    Viele Grüße

    • Günter Born sagt:

      Ich glaube, ich muss wie Fefe einen besonderen Bereich aufmachen "wer schöne IT-Verschwörungstheorien hat, her damit". Dabei wollte ich es eigentlich ruhiger angehen lassen ;-).

      Danke für den Hinweis – vielleicht kommt diesbezüglich ja noch mehr in Insides aus der Leserschaft. Von den Zahlungsdienstleistern und Verifon wird ja gemauert, würde ich mal sagen.

  2. Andy sagt:

    Bei uns hat der Austausch der betroffenen Terminals übrigens einen ganzen Monat gedauert.
    Bekommen haben wir dann reparierte H5000 und die Aussage, dass wir zum Herbst andere Terminals ordern sollen. Also nicht jetzt. So nach dem Sommer.
    Wie auch immer man das alles interpretieren will: es knirscht ordentlich im Gebälk.

    • Ralf S. sagt:

      … und zeigt uns, wie schlecht solch eine wichtige Infrastruktur hinter den Kulissen wohl eigentlich aufgestellt ist …!

      Wir wandeln auf rostigen Drahtseilen! Und dies wohl nicht nur hier bei diesem Fall …

      • Blubmann sagt:

        Ist gefühlt in der ganzen IT so. Egal wo ich unterwegs bin, es wird extrem nach dem Motto never change a running system gelebt…..Windows 2000 als Produktionsrechner, ach der ist doch noch gut……Und ist zwar schon 10 Jahre alt, aber es funktioniert ja noch. Die Bereitschaft schon vorher Geld in die Hand zu nehmen ist gering. Aber wie bei vielem, es muss erst richtig knallen, damit etwas passiert.

  3. Ralf S. sagt:

    "Noch ist mir keine transparente Erklärung der Verantwortlichen bekannt, was genau passiert ist …"

    Schlimm, dass dies mal wieder so ist! Mal wieder sehr "vertrauenserweckend" das alles …

    Und dann diese Aussage wieder:
    "Genth verlangte im Namen des HDE, die Terminalbetreiber müssten jetzt die Ursachen transparent aufarbeiten und für die Zukunft sicherstellen, dass ein solch kompletter Ausfall durch Notfallsysteme oder bessere interne Sicherungsmaßnahmen nicht erneut passieren könne."

    Ohh, man ruft mal wieder nach absoluter Sicherheit! Ja natürlich wird man "diesen Ausfall" wohl für die Zukunft entsprechend "absichern" können (und DIES ist noch nicht mal sicher, dass DIES so sein wird) aber dann knallt es halt dafür an anderer Stelle irgendwann wieder … Wie blauäugig (oder besser weltfremd) muss eigentlich solch ein "Interessenvertreter" sein, um nicht erkennen zu können, dass es seine geforderte Sicherheit niemals geben wird? Man fragt sich echt, wann eigentlich mal einfach aufrichtige Ehrlichkeit und (Selbst)reflexion einzieht und an die Stelle von Realitätsverweigerung tritt!? Na ja, gibt ja auch Menschen, die an die "Vision Zero" (= 0,0 Verkehrstote) im Straßenverkehr aufgrund der Digitalisierung glauben …

  4. Sascha Bertelt sagt:

    Mir ist aufgefallen, dass in betroffenen Geschäften oft noch immer Chaos herrscht. Teilweise gibt es "EIN" Ersatzgerät, welches bei Kartenzahlungen zwischen den Kassen herumgereicht wird. Das habe ich sogar in dieser Woche noch erlebt.
    Hier sieht man mal deutlich, wie empfindlich unsere "digitale" Welt doch geworden ist.

  5. Sven Fischer sagt:

    Ich meine, da muss man dem Hersteller/Dienstleister in den Ar…… treten, das die Terminals wieder funktionieren. Ich bin selbst ITler im Service und mir steigen meine Kunden auch aufs Dach, wenn was klemmt. Im schlimmsten Fall bekommste ein Schreiben vom Anwalt, zwecks Regress/Verdienstausfall etc. Wenn du da nicht versichert bist, kannste die Bude gleich dicht machen.
    Klar kann hin und wieder was passieren, Hardwareausfall etc. aber da muss eben eine zeitnahe passende Lösung parat sein. Gerade im laufenden Betrieb, darf/sollte/kann es so gut wie keine Fehlzeiten geben.

    • Anonymous sagt:

      Und die (alterativlos abhängigen) Händler, die den Hersteller jetzt mit (durchaus berechtigten) Anwaltsschreiben usw. "belästigen", bekommen dann leider zufällig gar keine Geräte mehr, Containerknappheit, Quarantäne, Lieferketten, Softwareproblem, menschliches Versehen, "voraussichtlich in Kürze", "sobald lieferbar", suchen Sie sich was aus, also lieber mal die Klappe halten…

      • Sven Fischer sagt:

        Locker bleiben, den Artikel von Günther mal vollständig lesen und verstehen.
        Hier gehts um PingPong zwischen Hersteller, Zahlungsdienstleistern und noch einigen anderen Akteuren. Der Dumme ist leider derjenige welcher, der diese Geräte einsetzt und nun sehen muss, wie er damit fertig wird. Zumal auch ganze Supermarktketten davon betroffen sind und nicht nur der kleine Laden um die Ecke.

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