Big-Data-Analyse: Werden alte iPhone-Modelle "gebremst" um Verkäufe neuer iPhones anzukurbeln?

Noch eine nicht ganz uninteressante Fundstelle aus dem Apple-Kosmos: Ärgert ihr euch, dass ältere iPhones kurz vor dem Release einer neuen iPhone-Version immer langsamer werden? Gibt eine Big-Data-Analyse zu der Frage, die nun in Spekulationen gipfelt, dass Apple da vielleicht nachhelfen könnte …


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Es gibt den alten Spruch „Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast“. Fiel mir ein, als ich die neueste Spekulation las, dass Apple möglicherweise ältere iPhone-Modelle „drosseln“ könnte, um den Verkauf neuerer Modelle anzukurbeln. Basis dieser Spekulation über so was wie eine „geplante Obsoleszenz“ ist eine Big-Data-Analyse, die bestimmte Suchmuster auswertet. Es gibt ja bei vielen Nutzern eines iPhones das Bauchgefühl, dass das Modell irgendwie extrem langsam geworden ist, sobald ein neues iPhone herauskommt. Bauchgefühl ist das ein, exakte Daten sind das andere. 

Laura Trucco, eine Haward-Doktorandin im Bereich der Wirtschaftswissenschaften, ist der Frage nachgegangen – ihr Doktor-Vater hat wohl häufiger vor Studenten über sein Bauchgefühl referiert, dass iPhone-Modelle vor dem Release eines neuen Modells langsamer werden. Wie macht man das als Wissenschaftler? Ein Techniker würde messen, ein Wirtschaftswissenschaftler bemüht Big-Data. Trucco hat die Suchanfragen „iPhone slow“ mit den Release-Daten neuer iPhone-Modelle korreliert. Herausgekommen ist dieses Diagramm (welches im Web herumgereicht wird).

 iPhone-slow-01
(Quelle: Google Trends, Laura Trucco)

Sieht verdammt nach einer Korrelation aus (man kann auch direkt die Google Trends-Seite aufrufen, dann wird es nicht ganz so deutlich). In diesem New York Times-Artikel schreibt der Autor, dass die Suchanfragen sprunghaft beim Erscheinen des neuen iPhone-Modells ansteigen (und nicht, wie man erwarten könnte, bei der Ankündigung des neuen Modells). Laura Trucco hat dann zum Vergleich noch eine Analyse des Begriffs „Galaxy slow“ gestartet, wo diese Korrelation nichts sichtbar wird. Die Grafik findet ihr in diesem New York Times-Artikel (hier ist die Google Trend-Seite). Mir fällt auf, dass es da nur einen kontinuierlichen Anstieg der Anfragen über die Jahre gibt – irgend etwas läuft also falsch – bei Samsung und bei Apple.

Lange Rede kurzer Sinn, hier wird spekuliert, dass es kein Zufall sein kann, dass die Leute direkt beim Release eines neuen iPhones nach „iPhone slow“ suchen. Hülfe, die Käufe der neuen Modelle anzukurbeln. Ob da was dran ist? Ich kann’s mangels iPhone nicht beurteilen – in diesem New York Times-Artikel werden einige Relativierungen diskutiert und man kommt zu dem Schluss, dass das Ergebnis einer Big-Data-Analyse von Suchanfragen nicht unbedingt für den Nachweis einer geplanten Obsoleszenz dienen kann. Könnte natürlich auch sein, dass da irgend ein psychologischer Effekt die Apple-Fan-Boys zum Schluss bringt, dass das Teil langsamer geworden sei und die dann danach googeln.

Verrückte Welt – erinnert ihr euch noch an die Zeiten (liegen lange, lange zurück), wo man mit einem Handy einfach nur telefonieren konnte? Damals, als eine Akku-Ladung noch Wochen hielt und man nur schauen musste, dass die Prepaid-Karte Guthaben zum Abtelefonieren hatte? Haben wir uns damals um „langsamer werdende Handys Gedanken gemacht“? Verdammt lang her – aber vielleicht verkläre ich da auch was in meiner Erinnerung …

Links:
Hold the Phone: A Big-Data Conundrum
Does Apple throttle older iPhones to nudge you into buying a new one?
Erscheint ein neues Apple-Gerät, wirkt das alte langsam
Google Trends „iPhone slow“
Google Trends „Galaxy slow“


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1 Antwort zu Big-Data-Analyse: Werden alte iPhone-Modelle "gebremst" um Verkäufe neuer iPhones anzukurbeln?

  1. lorhinger sagt:

    Da kann man wegen der Nichtversorgung mit aktuellen Android Versionen durchaus parallelen erkennen bei diversen Handyherstellern aus Südkorea etc. Und, da die Zielgruppe immer hip sein will, ist es sogar aus der Sicht der Hersteller zu verstehen, einzig der Verbraucher, der sein Gerät 2+++ Jahre nutzen möchte, ist der Gekniffene

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