Microsoft Posse: iGroove erst fördern, dann verklagen

Heute noch eine Posse, die sich Microsoft (mal wieder) geleistet hat. Da fördert man erst einen Musikdienst mit dem Namen iGroove. Dann schaut jemand genauer nach und stellt fest: Ups, wir haben einen Musikdienst Groove und holt die juristische Keule raus. Wenn das mal kein Streisand-Effekt wird.


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Kleine Hintergrundinformationen

Groove ist eigentlich ein Begriff aus der Musik, der ein Taktmuster angibt. Dann gibt es noch eine deutsche Zeitschrift mit diesem Namen und es gab eine Softwarefirma in den USA, die 97 durch Ray Ozzie gegründet wurde. Ist irgendwann durch Microsoft aufgekauft worden. Und es gibt noch einen Musikdienste von Microsoft unter dem Namen Groove Music. Hieß auch schon mal Zune und Xbox Music – dank einem kaputten US-Namensrecht konnte man auf Groove Music umfirmieren.

Fördern und fordern – Microsoft macht’s vor

Seit dem Jahr 2015 können Künstler ihre Songs auf der Schweizer Musikplattform iGroove verkaufen. Gegründet wurde diese Plattform aus Lachen in der Schweiz von Dennis Hausammann und Moris Marchionna.

Über iGroove kann man Songs beziehen, die dann per SMS bezahlt werden – es braucht weder eine Registrierung noch die Angabe von Kreditkartendaten. Die Macher von iGroove haben dabei das Ziel, den Musikern möglichst viel Geld (bis zu 92% der Einnahmen werden verteilt) zukommen zu lassen.

Die Idee, die dem Startup zugrunde liegt, hat Microsoft, in Gestalt des deutschen Ablegers wohl gefallen. Es gibt von Microsoft Gründerprogramme in Form des Microsoft Ventures Accelerator. Zitat von deren Webseite:

Der Microsoft Accelerator ist ein Programm, das Startups in ihrer Frühphase umfassendes Mentoring, Coaching und Workshops zu Technologie, Design, Business Development, Marketing und HR bietet. Für die Dauer des Programms ziehen die Gründungsteams für vier Monate bei Microsoft Berlin ein.

2016 bewarben sich die Schweizer beim Berliner Microsoft Ventures Accelerator und wurden aus 500 Firmen ausgewählt. Microsoft förderte das Startup für 4 Monate und stellte wohl auch Büros in Berlin zur Verfügung.

Eigentlich wollten die Gründer von iGroove international expandieren. Das Startup hat 20 Millionen Songs im Angebot und täglich werden wohl 2.000 Titel heruntergeladen. Sie ließen daher die Marke iGroove in Europa schützen. Und dann gab es kürzlich Post von der Microsoft Rechtsabteilung. Diese verlangte die Änderung des Namens iGroove, weil man zu nah am ‘bekannten’ Musikdienst Groove Music liege. Da das Startup sich keinen Prozess mit Microsoft leisten kann, wird man sich wohl oder übel umbenennen müssen. Weitere Informationen kann man beim Blick nachlesen. (via)


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4 Responses to Microsoft Posse: iGroove erst fördern, dann verklagen

  1. Tim sagt:

    Ist der Name iGroove nicht auch entsprechend gewagt gewählt?

    Mag ja Zufall sein und nur mir passieren, direkt bei diesem Namen auch an Apple und Microsoft zu denken… Es könnte aber auch volle Absicht gewesen sein und bewusst so gewählt. Wer erinnert dich nicht an den iPott?

    Die hatten noch Ärger mit Eierbechern

    http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region/koziol-reagiert-auf-apple-klage-pott-fuers-ei-statt-ei-pott-11025478.html

    aber Bull+Bear verticken auf Amazon problemlos den Becher iPott

    Neben Eierbechern und Kaffeebechern ist bei einem Musikdienst wohl noch eher damit zu rechnen, das Apple oder Microsoft, oder einer davon, halt entsprechend auf Angriffsflächen reagiert. Wundert mich nun nicht.

    Allerdings ist sowas ja auch immer fein Werbung… wer kannte vorher schon iEierbecher oder iGroove? Gehört vielleicht zur Förderung dazu… ;)

  2. Gaga sagt:

    Und das ist eines der großen Probleme: Kleine innovative Unternehmen werden von den Großen entweder kaputt gemacht oder geschluckt und niemand hier (im ach so tollen Europa) schütz sie.
    Und da wundert man sich in Europa, dass hier nichts zustande gebracht wird und wir den Amis immer nur hinterher rennen. Wie armselig!

    Das System ist sowas von kaputt!

    Und das neue „Netz“ das Springer, Daimler usw. aufbauen möchten wird nichts weiter als ein riesiges Werbenetz, sonst nichts. Ist doch bequem, wenn man durch die (freiwillige) Registrierung der Menschen, unter dem Deckmantel des Datenschutzes, an alle Daten der Europäer kommt. Wie blöd muss man sein…

    Ist doch alles lächerlich was hier in Europa betrieben wird. Wir haben gegenüber den Amis auf breiter Front verloren weil verschlafen, durch Gesetze verhindert (und behindert) und mangels Förderung.

    • Herr IngoW sagt:

      Also ich würde an deiner Stelle auswandern.
      Am besten zu den oberschlauen Amis.
      Viel Spaß mit Trump!

      • Gaga sagt:

        Ähm… falscher Hals!? Ich habe nicht die Absicht irgendwohin auszuwandern. Aber das ist auch so ein Punkt der furchtbar nervt: Mangelnde Kritikfähigkeit! Wer Kritik übt ist entweder rechts (weil nicht Mainstream), links oder Trump/Putin (und ggf. zusätzlich Aluhut-Träger). Toll! Schwarz-Weiß in allen Farben könnten man sagen, wenn es nicht so unsinnig wäre…

        Es ist nun mal so, dass hier in Europa nicht wirklich viel zustande gebracht wurde in den letzten 1-2 Jahrzehnten. Für unsere Regierung war das Internet bis vor ein paar Jahren (und vielleicht sogar heute noch…) Neuland. In einer Zeit also, in der sich US-Konzerne die Märkte bereits aufgeteilt haben.

        In Deutschland/Europa wird einiges dafür getan das kleine Unternehmen, wenn diese auf dem Felde der Großen grasen, nicht vorwärts kommen (Konzerndenken). Das fängt bei der Gesetzgebung an und zieht sich über die Bürokratie bis hin zur Kapitalbeschaffung.
        Mangelnde Förderbereitschaft ist ein zusätzliches Hemmnis was Innovation in der Fläche verhindert.

        Gesetzgebung – Bürokratie – Förderbereitschaft/Risikokapital. Das sind die drei Punkte die uns von den Amis unterscheiden.
        Wir haben großartige Denker, Entwickler und Handwerker aber leider nicht die passenden Rahmenbedingungen…

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