Schufa Check Now: Telefónica beendet den Test

Kleines Update zum Thema ‚Schufa Check Now‘. Telefónica/O2, die einen Test dieses Diensts, der die Kontoauszüge der Kunden durchleuchten soll, durchgeführt haben, steigen aus dem Projekt aus.


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Hintergrund: Kontoauszüge mit Schufa Check Now durchleuchten

Es wurde gerade erst öffentlich: Die Wirtschaftsauskunftei Schufa hat in den letzten 12 Monaten ein neues Produkt mit dem Namen ‚Schufa Check Now‘ entwickelt. Der Ansatz des Projekts: Verbraucher sollen in Zukunft auch anhand ihrer Kontoauszüge bezüglich bestimmter Kriterien in ihrer Bonität bewertet werden. Kunden mit schlechter Bonität können durch eine freiwillige Einwilligung zum Zugriff auf ihre Kontoauszüge durch ‚Schufa Check Now‘ eine Neubewertung ihres Schufa-Score vornehmen lassen.

Die neue Zahlungsrichtlinie PSD2 der EU zwingt Banken eine Schnittstelle für Dritte schaffen, damit Finanzdienstleister auf die Kontendaten zuzugreifen. Gibt der Kunde also sein Einverständnis und den Zugriff auf die Kontendaten frei, können Dritte die Kontobewegung analysieren. Die Idee der EU war, den Wettbewerb zu stärken und den Markt für Finanzdienstleister zu öffnen – wie viel Lobby-Arbeit dieser Klientel hinter der PSD2-Richtlinie steckt weiß ich nicht.

Inzwischen werden aber die ersten hässlichen Seiten dieser Entwicklung sichtbar – und es stellt sich die Frage: Muss ich mich als Kunde von Versorgern, Versicherern, Mobilfunkanbietern bald gläsern machen und denen per PSD2 den Zugriff auf meine Kontoauszüge bei den Banken gewähren?

Zumindest beim Schufa-Produkt wird offensiv bei Banken und Kunden geworben. Aufgedeckt hat die ganze Sache rund um Schufa Check Now ein Rechercheteam von NDR, WDR und SZ. Nachdem die Rechercheure diese Dienstleistung an die Öffentlichkeit gebracht haben, hagelt es Kritik von Daten- und Verbraucherschützern.

Aktuell prüft auch das zuständige Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht die rechtliche Zulässigkeit der „freiwilligen Datenspende“ an die Schufa zur Auswertung über Check Now. Die Behörde ist (laut ZON) zuständig, weil die 2018 erworbene Schufa-Tochterfirma Finapi GmbH dort (ein Finanzdienstleister, der genau diese Kontendurchleuchtungen durchführen kann) ihren Sitz in Bayern hat. Der frühere Ansatz der Schufa, eine Datenbank für Gas- und Stromkunden anzulegen, um Bonus-Hopper ggf. auszusortieren, hatten Datenschützer mehr oder weniger kassiert. Ich hatte im Blog-Beitrag Schufa will Stromkunden und Kontoauszüge durchleuchten mehr Details berichtet.

Telefónica/O2 beendet den Test

Recherchen von NDR, WDR und SZ ergaben, dass bereits seit November 2020 ein erster Praxistest läuft. Im Tagesschau-Artikel, den ich in meinem Blog-Beitrag verlinkt hatte, heißt es, dass am 4. November 2020 der erste Praxistest in Zusammenarbeit mit dem Telefonanbieter “Telefonica/O2” gestartet sei. Die Begründung des Telefonanbieters war, laut diesem Artikel der Kollegen von Golem:

dass es „vereinzelt potenzielle Kunden“ gebe, „deren Vertragswunsch aufgrund einer fehlenden beziehungsweise unzureichenden oder älteren negativen Bonitätsinformation abgelehnt werden musste, obwohl ihre aktuelle finanzielle Situation völlig unproblematisch war“.

Genau diesen Ansatz halte ich persönlich für höchst problematisch, denn wenn der Damm bricht, wird jeder zum gläsernen Bürger. Geht gar nicht. Sehen auch andere so. Michael Will, Behördenleiter beim Bayerisches Landesamt für Datenschutzaufsicht, wird von ZON hier so zitiert, dass er grundsätzlich skeptisch sei, ob die Verbindung aus einer Auskunftei und einem Kontoinformationsdienst – wie im Fall Schufa/ Finapi – „so legitim, so hinnehmbar“ sei. „Das sind zwei unterschiedliche Geschäftsmodelle, mit denen wir es hier zu tun haben“, wird Will zitiert. Und es gibt die Information, dass das neue Projekt erst an dem Tag der Aufsichtsbehörde vorgestellt wurde, als es online und in den Testbetrieb ging.

Sieht für mich alles irgendwie wie ‚mit heißer Nadel gestrickt‘ aus. Nun steigt der Telefonanbieter “Telefonica/O2” aus. Golem zitiert in diesem Artikel eine Verlautbarung von “Telefonica/O2” gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (DPA) folgendermaßen:


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Die Ergebnisse dieses Tests haben unsere Erwartungen leider nicht erfüllt. Daher hat Telefónica/O2 heute beschlossen, den Test zu beenden und das Check-Now-Verfahren der Schufa nicht mehr länger zu nutzen.

Laut Golem nahmen am Pilotprojekt laut Telefónica etwa 100 Menschen freiwillig teil. Diese Personen mussten der Schufa ausdrücklich einen Auftrag erteilen, die dann die Auswertung vornahm. Ich habe das nicht verfolgt, aber dieses ‚ausdrücklich einen Auftrag erteilen‘ lief wohl so ab, dass Telefónica-Kunden bei einer O2-Bestellung ‚freiwillig‘ ein kleines Häkchen setzen konnten, das der Schufa den Zugriff auf das Konto gewährt.

Von der Schufa heißt es bei Golem: „Das Verfahren bietet die Schufa den Verbrauchern in komplett eigener datenschutzrechtlicher Verantwortung an.“ Die genutzten Kontoinformationen seien nicht gespeichert worden. Bleibt zu hoffen, dass das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht da recht fix einen Riegel vorschiebt. Zumindest könnte die negative Presse den Testkunden zum Rückzieher bewogen haben.

Irgend etwas läuft aktuell gravierend falsch in Deutschland und in der EU. Jeder kleine Blogger und Website-Betreiber muss einen Aufwand wegen DSGVO-Zustimmung betreiben, weil selbst IP-Adressen als ‚persönliches Datum‘ gesehen werden. Und dann liest man so nebenbei, dass eine Wirtschaftsauskunftei einfach mal so ein Produkt bereitstellen kann, bei dem der Verbraucher ‚eine freiwillige Datenspende‘ bei Vertragsabschlüssen leisten darf, worauf die Kontoauszüge bis auf’s intimste durchforstet werden. Und dass jetzt Verschlüsselung mit Hintertüren kommen soll, fällt in die gleiche Kategorie. Denkt drüber nach und geht auf die Barrikaden: Bleibt wachsam und wehret den Anfängen.


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4 Antworten zu Schufa Check Now: Telefónica beendet den Test

  1. Info sagt:

    Ein Grund warum ich „O2„, neben anderen Möglichkeiten, als langer Prepaid-Kunde Online niemals die Existenz/Verwendung meiner Konto-Nummer überlassen habe. Was das Kaufen mit Bargeld eines Guthaben an der Kasse wohl auch voraussetzt.

    Dann Überhaupt – „diese Möglichkeit“ als Prepaid-Kunde in den Einstellungen eine Kontonummer, für automatische Verlängerungen/Abbuchungen zu hinterlassen, führt die eigentliche Existenz als Prepaid-Kunde doch zum grundsätzlichen Schwachsinn, mal abgesehen von Kündigungsfristen / Vertragslaufzeiten.

    Als „O2“ Prepaid-Kunde wirst du laufend vorsätzlich bestraft.
    Viele Pseudo-Flats laufen nur noch 28Tage und nicht mehr „1 Monat“.
    Damit bei automatischer Verlängerung(Guthaben immer vorausgesetzt) du quasi doch einen laufenden Vertrag hast! Kündigst du den aktuellen Tarif zum Laufzeitende – kannst Du den aktuellen Tarif(im Highspeed-Modus) in dem Monat nicht sofort wieder aktivieren – bist also gezwungen bis zu 3Tage(Monatsende) zu warten. Kündigst Du sofort, kostet die Option ca. 3€ extra für das „sofort Kündigen“ – immer. Und du bist für die restlichen Tage, wenn nötig, gezwungen andere Tarife zu buchen.

    Was mir derzeit noch nicht absolut klar, aber möglicherweise „neu“ ist, das du verwendetes GPRS reduziertes Datenvolumen über das Datenvolumen des „Pseudo-Flat Tarif“ bei einer „sofortigen Kündigung“ nachbezahlen musst – das „war“ nicht so! Das heißt dann ca. 3€ für das sofortige Kündigen und dann noch…€ für das Datenvolumen über das Highspeed-Volumen. Ja klar, „O2“, Ihr – das Allerletzte!

    Ich kann es jederzeit lassen – aber so etwas „muss“ eben erwähnt werden!
    Kunden sollten in Zukunft mehr über schlechte Kundenbehandlung berichten. Online und ohne Grenzen. Was derzeit in allen Bereichen von Konzernen/Firmen/(Staat) so abgeht ist einfach unglaublich. Berechtigt lästern/schlecht machen was das Zeug hält…

    • Dat Bundesferkel sagt:

      Nutze auch O². Nachdem ich lange Zeit von Prepaid überzeugt war, mußte ich feststellen, daß die von Dir genannten Kritikpunkte (Laufzeit: 28 Tage, vertragsähnliches Verhältnis, Abbuchung, etc.) zutrafen.

      Dann kamen die Überlegungen… Vertrag oder Prepaid. Prepaid, ~10 Euro, 2-3 GB Volumen, (Teil-)Allnet-Flat vs. 7,99, 8 GB Volumen, Allnet-Flat im Vertrag (Black-Friday, sim.de, Marke der Drillisch-Gruppe).

      Bei 3 Nummern mußte ich nicht lange übernehmen (+ Multicards) und bin zum Vertrag gewechselt. Allerdings verwende ich für Bankeinzugsgeschichten ein eigenes Bankkonto ohne Dispo oder Einkommen – das wird mtl. von mir „gefüttert“. Da sollen die Unternehmen abbuchen und luschern, wie sie lustig sind. Das Konto hat zum Monatsende stets +/- 0.

      Prepaid kommt nicht mehr in Frage, da zu unattraktiv und vertragsähnlich geworden. Mein ISP daheim kann mir kein hinreichend attraktives Bundle in Verbindung mit dem Festanschluß bündeln. Macht mich aber auch ein Stück weit unabhängiger. :)

      • Info sagt:

        > Allerdings verwende ich für Bankeinzugsgeschichten ein eigenes Bankkonto ohne Dispo oder Einkommen – das wird mtl. von mir “gefüttert”. Da sollen die Unternehmen abbuchen und luschern, wie sie lustig sind. Das Konto hat zum Monatsende stets +/- 0.

        Exakt das richtige Vorgehen! :)

        Ich „hatte“ auch einmal eine Kreditkarte mit ausschließlich verfügbarem „Betrag“ den man bereitgestellt hat(Überweisung auf verfügbares Guthaben) für Kreditkarten-Zahlungen im Internet. Weiß nicht ob es so etwas noch gibt…

        • Dat Bundesferkel sagt:

          Ja, die gibt es in der Tat noch. Sogenannte Prepaid-Kreditkarten oder Debit-Kreditkarte.

          Sind aber leider nicht grenzenlos einsetzbar, Autoverleiher und andere Dienstleister, wo Kautionen verlangt werden, sind zumeist nicht nutzbar. Viele schreiben das mittlerweile auch auf ihre HP. :-/

          Für Internet-Händler, mit denen man nicht oft verkehrt, allerdings mehr als ausreichend (und sicherer).

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