Uni Innsbruck setzt auf Matrix/Element statt auf MS Teams

Interessante Geschichte: Die Universität Innsbruck setzt das freie Matrix/Element für 5.000 Mitarbeiter und 27.000 Studenten als Kollaborationslösung  ein. Bei der Auswahl hat man sich bewusst gegen die andernorts propagierte Microsoft Teams-Lösung entschieden.


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Die IT der Universität Innsbruck muss mit ihren Leistungen die Anforderungen von ca. 5.000 Mitarbeiter und 27.000 Studenten abdecken. Wenn ich diese Seite richtig interpretiere, wird den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sogar eine kostenlose Installation für Microsoft Office 365 für die dienstliche Nutzung auf Ihrem privaten PC oder Mac (at home) zur Verfügung gestellt.

Kein Microsoft Teams

Intuitiv hätte ich da ja gemutmaßt, dass auch Microsoft Teams als Lösung für Chat etc. eingesetzt wird. Auf der Seite erfährt man aber auch, dass die Universität Innsbruck zur Zeit das Produkt Microsoft Teams nicht anbietet und auch den Universitätsangehörigen nicht zugänglich macht. Ich habe dann auf der Webseite der Universität Innsbruck diese Information vom 6.10.2020 gefunden:

Ab dem Wintersemester stellt die Universität Ihren Studierenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern neue Kommunikationstools zur Verfügung, um die digitale Lehre und die Kommunikation zwischen Studierenden und Lehrenden zu vereinfachen.

Webkonferenztool EasyConference

EasyConference basiert auf der OpenSource Software jitsi.meet und kann von den Studierenden eigenständig verwendet werden um sich online zu treffen. Dieses unkomplizierte Webkonferenztool eignet sich hervorragend für kleinere Meetings und Treffen in Projekt- und Studiengruppen. Auch EasyConference verfügt über einige Features, wie z.B. das Teilen des Bildschirms, Chatfunktion etc.

Chatsystem Matrix/Element

Für eine schnelle und einfache Kommunikation zwischen Studierenden, Projektgruppen und LehrveranstaltungsleiterInnen und Studierenden, steht ab dem Wintersemester das OpenSource Chatsystem Matrix/Element zur Verfügung. Hier können, wie in den meisten Messengern, Eins-zu-Eins Chats und Gruppenchats geführt, oder auch Räume für Projektgruppen oder Lehrveranstaltungen angelegt werden. Der Chat für Studierende ist unter https://studentchat.uibk.ac.at erreichbar. Darüber hinaus wird eine App für IOS und Android angeboten. Über die Suchmaske können Studierende gefunden und in Räume und Chats eingeladen werden.

Die Uni setzt also auf das freie Matrix/Element und das Tool EasyConference. Zudem steht universitätsweit noch der Sync&Share-Dienst Fileshare zur Verfügung, der jedem Studierenden 20GB Speicherplatz für hochgeladene Dateien, die mit anderen Studierenden und Lehrenden auf verschiedene Arten geteilt werden können.

Beweggründe für diese Entscheidung

Das heise-Medium iX Magazin hat mit den Verantwortlichen ein Interview geführt und nachgefragt, warum die Entscheidung in Richtung Open Source und gegen Microsoft Teams fiel, schließlich heißt es doch häufig, dass MS Teams alternativlos und eh im Funktionsumfang von Office 365 enthalten sei. Im Laufe des Interviews geben die Verantwortlichen der Universität Antworten auf bestehende Fragen. So war es bei der Auswahl wichtig, dass die Möglichkeit, das Chat-System mit der bestehenden Infrastruktur – vom Lernmanagementsystem über Webkonferenzsysteme bis hin zu Entwicklungssystemen wie GitLab – zu integrieren und bestehende lokale Authentifizierungssysteme (Shibboleth/SAML) zu nutzen.

Für die Universität war die Möglichkeit einer offenen und verteilten Kollaboration mit anderen Organisationen oder Personen (über eigene Server von Organisationen oder auch öffentliche Server, wie den von Element selbst) sehr wichtig. Zudem gibt man man, dass an sah, dass sich eine Reihe großer öffentlicher Organisationen (von Regierungsorganisationen bis hin zu Universitäten) auf Matrix/Element gesetzt hatten oder begannen, sich damit zu beschäftigen. Im Rahmen einer Evaluierung fiel dann der Entschluss, auch auf Matrix/Element zu setzen. 

Microsoft Teams fiel als geschlossene Lösung aus der Auswahl heraus. Im Interview gibt die Universität Innsbruck auch frei ihre Bedenken zu Protokoll. Im Interview heißt es dazu, dass Microsoft Teams sehr weit verbreitet, aber eine geschlossene System- und Kommunikationslandschaft sei – und weiter:

[…]wir sehen auch die Gefahr, dass sich die Geschichten um Office oder später Exchange wiederholen – dass es ein neues „Lockangebot“, ein neuer Eintrittspunkt in eine geschlossene Microsoft-Umgebung ist – und damit gezielt offene Entwicklungen/Systeme/Standards in einem heterogenen Umfeld verhindert.

Das ganze Interview lässt sich hier nachlesen und enthält bemerkenswerte Aussagen in Richtung der strategischen IT-Ausrichtung der Universität, die die häufig gehörten Argumente pro Microsoft 365 oder Office 365 samt Teams doch arg ins Wanken bringen.


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8 Antworten zu Uni Innsbruck setzt auf Matrix/Element statt auf MS Teams

  1. Der Name sagt:

    Unerhoehrt, was erlauben sich die strammen Kommunisten da drueben? Sollen sie doch nach Nordkorea oder Kuba auswandern wenn sie unser schoenes Microsoft nicht moegen.

  2. Michael B. sagt:

    Eine kluge Entscheidung seitens der Uni. Ganz abgesehen vom datenschutzrechtlichen Aspekt/Vorteil, was die Sache mit sich bringt. Microsoft hat auch schon erkannt, dass ihnen Kunden weglaufen und setzt jetzt explizit für deutsche Kunden auf zwei Rechenzentren in Frankfurt und München, wo künftig Kerndaten von Microsoft 365 gehostet werden. Der Umzug für Kunden, die sich dafür bis zum 30.04.2021 entscheiden konnten, teils auch aus Irland, soll bis 2023 abgeschlossen sein.

    Und mal ganz ehrlich: Kommunikation auf Open Source aufzusetzen, hat enorme Vorteile und schafft Unabhängigkeit von Big Brother.

    • Michael sagt:

      Stimmt, deshalb steigt auch Umsatz, Kundenwachstum und Börsenwert…, weil die Kunden davon laufen…

      • Dat Bundesferkel sagt:

        Naja, Umsatz und Börsenwerte steigen zumeist dann, wenn mal wieder Massenentlassungen anstehen.

        Und davon haben Microsoft und Intel in der Vergangenheit ordentlich Gebrauch gemacht – und den Mehrwert abgegrast.

        Ich würde auch nicht sagen, daß Microsoft die Kunden davonlaufen. Die Unbelehrbaren bleiben bei Microsoft, ganz gleich wie sehr sie gegängelt werden. Die Abhängigkeit vorhandener Fach-Anwendungen macht einen OS-Wechsel zumeist auch sehr schwierig.

        Sowohl privat, als auch beruflich, habe ich/haben wir natürlich auch Microsoft-Produkte im Einsatz. Aber zugegeben: Sowohl beruflich, als auch privat, sinkt der prozentuale Anteil langsam, aber stetig. Es werden aber keine neuen Systeme mehr mit Microsoft-Produkten versehen – weder beim OS, noch bei den Anwendungen. Konsequenterweise natürlich auch bei Produkten von Adobe – denn die sind noch mal 2 Schippen schlimmer, was das Gängeln von Kunden angeht, als Microsoft.

        Man muß Alternativen natürlich auch sicher und vernünftig laufen lassen können. Und das braucht Zeit.

  3. Paul sagt:

    Gut zuhören, aber:
    Verstehe ich richtig, dass MS (daraufhin?) ein Angebot gemacht hat, der Uni die MS-Lizenzen zu schenken oder ist das Teil der Preisverhandlung?

    Es gibt m.W. nur zwei Anbietergruppen die ihre Kunden „User“ nennen:
    Softwareanbieter und Dealer… ;-)

    Wollen wir hoffen das die Uni den „Angeboten die man nicht abschlagen kann“ von MS widersteht und es nicht doch mittel Lobbyismus wie Limux verendet.

    • Dat Bundesferkel sagt:

      „Es gibt m.W. nur zwei Anbietergruppen die ihre Kunden „User“ nennen:
      Softwareanbieter und Dealer…“
      Ok, Du treibst Dich nicht auf Erotik-Seiten herum. Da gibt es auch immer „spontane Treffen mit Usern“. :-D

      „Verstehe ich richtig, dass MS (daraufhin?) ein Angebot gemacht hat, der Uni die MS-Lizenzen zu schenken oder ist das Teil der Preisverhandlung?“
      Nein, das hast Du eher falsch verstanden. Bildungseinrichtungen kommen seit jeher in den Genuß stark vergünstigter bzw. kostenfreier Produkte. Die Nutzung ist aber letztlich stark eingeschränkt, wenn man sich die jeweiligen AGB mal in Ruhe durchliest, da ist nämlich nicht von normaler Nutzung die Rede.
      Man spekuliert natürlich darauf, die Nutzer abhängig zu machen, damit sie im Anschluß ihre „Erzeugnisse“ weiter nutzen können/dürfen und brav Abonnements abschließen.

      Schlagworte bezüglich Bildungseinrichtungen sind hier MSDNAA/DreamSpark/Imagine (und wie auch immer das heute heißen mag – die wechseln die Markennamen recht häufig).

  4. Blupp sagt:

    Element, ehemals Riot, ist auf allen Plattformen zu Hause und Synapse sicher zu betreiben ist auch keine Herausforderung. Man hat alles was man braucht, Datenschutz inklusive.

  5. Michael sagt:

    In geschlossenen großen Umgebungen klappt so etwas immer gut. Probleme gibt’s dann eher, wenn man nach Außen mit jemanden kommunizieren muss. Wenn mein Kunde sagt er ist nur über Teams oder nur über Zoom erreichbar, dann muss ich mich danach richten. Leider gibt es immer noch keine gesetzlich verpflichtende Interoperabilität bei Kommunikation – müssen ja nicht alle Features sein, aber Grundstandards im Bereich Text, Audio und Video, reicht ja schon aus. Wenn ich die Wahl hätte würde ich auch auf jitsi setzen.

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