Windows 8: PDF-Dokumente in der Reader-App anzeigen und mit Anmerkungen versehen

Nach den Vorstellungen Microsofts soll sich ab Windows 8.0 ja fast alles um Apps drehen. Diese Apps sind “für alles einsetzbar”, von der Buchhaltung bis zum was weiß ich nicht. In mehreren Beiträgen möchte ich mal einen kurzen Blick auf das Thema Anzeige von PDF-Dokumenten werfen und nachsehen, wie es mit so trivialen Sachen wie Anmerkungen in PDF-Dokumenten bestellt ist (an die eigentliche Bearbeitung von Apps ist erst mal nicht zu denken) …


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Ich muss gestehen: Ich bin ziemlich frustriert und genervt! Da habe ich ein Tablet PC, einen Eingabestift und könnte diese Kombination leicht und locker verwenden, um PDF-Dokumente abzurufen und mit handschriftlichen Anmerkungen zu versehen. Das letzte Mal wollte ich das an einer Korrekturfahne für ein Windows 8-Buch testen …

Ich war ja gewarnt – denn in den Microsoft Answers-Foren tauchten immer wieder Benutzer auf, die sich über fehlende Anmerkungsfunktionen bei PDF-Apps beschwerten. Aber das musste doch klappen – oder etwas nicht. Microsoft hat einen PDF-Reader, Adobe stoppelt mit einer PDF-App und es gibt weitere Anbieter – mal sehen, was geht. Im ersten Teil werfe ich einen Blick auf die Microsoft Reader-App, die bei Windows 8 mit an Bord ist und beleuchte nachfolgend, wie es um die PDF-Anzeige steht, bzw. wie sich Anmerkungen anbringen lassen.

Microsoft Reader – halbgar bis geht ja gar nicht

Mein erster Test gilt dem Microsoft Reader, der ab Windows 8 dabei ist. Wählt man ein PDF-Dokument unter Windows 8 per Doppelklick im Explorer an, öffnet sich standardmäßig die Reader App. Das Dokument wird dann angezeigt, wenn auch die Anzeigefunktionen – milde gesprochen – bescheiden sind.

Der obige Screenshot zeigt die Reader-App-Seite bei Windows 8.1 (Preview). Als Verbesserung zu Windows 8.0 findet sich in der linken oberen Ecke die Anzeige, die wievielte Seite im Dokument gerade angezeigt wird (in Windows 8.0 zeigt der Reader dies ebenfalls in der Einzelseitenansicht). Lesezeichen, eine Seitennavigation per Eingabefeld oder eine Fortschrittsanzeige, wie selbst einfache PDF- und eBook-Reader dies haben sollten, sucht man vergeblich.

Blendet man die App-Leiste ein, gibt es zwar Funktionen zum Suchen, zur fortlaufenden Seitenanzeige, zum Drucken, speichern und Drehen (Schaltfläche Mehr), das war es auch schon.


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Ach ja, markiert man per Maus einen Text im Dokument und klickt die Markierung mit der rechten Maustaste an, erscheint noch ein Kontextmenü. Auch so eine Sache: Bei meinem Tablet PC finde ich dann die drei Kontextmenübefehle Hervorheben, Notiz hinzufügen und Kopieren. Bei der Reader-App in einer virtuellen Maschine fehlt der Befehl Kopieren komplett – und ich habe keinen Plan, warum. Unter Windows 8.1 (Preview) ist nur der Befehl Kopieren übrig geblieben – aber das Teil ist eh buggy bis zum Abwinken.

Gehe ich auf den Kontextmenübefehl Notiz hinzufügen, öffnet sich das im vorherigen Screenshot sichtbare Fenster, in dem ich einen Text als Anmerkung eintippen kann. Das Textfeld wird geschlossen, sobald ich einen Bereich außerhalb des Kastens im Dokument anklicke oder antippe. Geht auch bei einem Touchdisplay mehr schlecht als recht – aber immerhin. Öffne ich das Kontextmenü einer mit einer Anmerkung versehenen Textstelle (ist im PDF-Dokument gekennzeichnet), finden sich Befehle zum Öffnen oder Löschen der Notiz.

Das war’s denn auch vordergründig – außer Spesen nichts gewesen – so mein Gedanke. Denn da hatte ich mir doch wesentlich mehr vorgestellt. Irgend Stift raus und einfach in die PDF meine handschriftlichen Anmerkungen oder Markierungen einbringen …

Handschriftliche Anmerkungen, das geht …

Eigentlich hätte ich das Thema ad acta legen können, denn auf meinem Tablet PC (WeTab) ließ sich auch mit einem Stift keine Handschrifteingabe bei der Microsoft Reader-App hervorlocken. Aber da war doch was. Da gibt es ein YouTube-Video [a4], welches eine solche Funktion beschreibt. Und in den nachfolgend verlinkten (Microsoft Answers-)Forenbeiträgen beschwerten sich Anwender, dass die handschriftlichen Anmerkungen in der Reader-App nicht löschbar wären …

a1: Reader App Render bug bei Notizen mit Stift (MS Answers Forum)
a2: Reader eingabe mit Stylus (MS Answers Forum)
a3: Notizen im Reader wieder löschen (Windows 8-Forum)
a4: Windows 8 Metro PDF Reader app review on Samsung Ativ 500T tab (YouTube)

Der obige, von einem Anwender gepostete, Screenshot zeigt, dass handschriftliche Anmerkungen in der Reader-App wohl möglich sind – wenn auch nichts mehr gelöscht werden kann. In der Diskussion habe ich bei den Anwendern nachgefragt und erfahren, dass die einfach ihren Stylus nehmen und loslegen – merkwürdig.

Die Sache mit dem aktiven Stift

Also bin ich auf Recherche gegangen – denn irgendwo musste es ja einen Unterschied geben, warum die Funktion bei mir nicht abrufbar war. Dieser MS Answers-Forenbeitrag war nicht wirklich zielführend, zeigte aber, dass ich nicht alleine war. Der Anwender hatte ein Acer Iconia W 500 mit Windows 8.0 bestückt, konnte aber nur die von mir weiter oben beschriebenen Features abrufen. Gut, in einem Notizenfeld könnte man bei eingeblendeter Bildschirmtastatur die Eingabe auf Handschrifteingabe umstellen und dann per Stift die Texte malen. Diese werden dann in gedruckten Text umgewandelt und in das Notizenfenster eingefügt. Nicht ganz, was man sich so vorstellt. Die alternative App, die der Anwender erwähnt, dürfte wohl PDF-Touch sein, die ich in einem separaten Artikel vorstelle.

Dieser Anwender brachte es im MS Answers-Forum auf den Punkt und mich in die richtige Richtung. Der Anwender hatte ein iPad und war es gewohnt, per Stift Handschrifteingaben zu tätigen – geht bei den entsprechenden iOS PDF-Apps ganz gut. Nun hatte der Nutzer den Fehler gemacht, sich ein Surface RT zuzulegen, wo genau dies nicht ging. In einer Antwort wurde dann darauf hingewiesen, dass nur beim Surface Pro ein aktiver Stift (Stylus) dabei sei und die Funktion der handschriftlichen Anmerkungen verfügbar sei. Auch die Leute beim Samsung ATIV erwähnten einen Stift – und bei Recherchen lernte ich, dass dort ebenfalls ein aktiver Stift zum Einsatz kommt.

Ich habe dann eine schlaue Suchmaschine nach “active Pen” befragt und wurde als erstes auf dieser Microsoft Webseite fündig. Zitat von der Webseite:

Active Stylus

Sketch, annotate, brainstorm, and mark up documents as intuitively as pen and paper, with sub-pixel accuracy. Use hover functionality, and track up to four individual styluses to recognize individual input.

Dann habe ich noch diesen Artikel gefunden, der Licht ins Dunkel meines Wissens brachte. Damit das handschriftliche Anmerken halbwegs in der Reader App tut, setzt Microsoft einen activen Stylus voraus, der vom Display erkannt wird. Interessant sind folgende Auszüge von der Webseite:

An active pen is a special stylus that allows for more natural handwriting. Using an active pen with … allows for:

  • pressure sensitive (natural) handwriting,
  • one or more side buttons to access tools and functionality quickly,
  • differentiating between pen and finger touch for alternate functionality,
  • detecting the pen hovering above the display,
  • eraser support on some active pens.

Current active pen enabled devices include:

  • Samsung Galaxy Note
  • Samsung Galaxy Note II
  • Samsung Galaxy Note 10.1
  • Samsung Galaxy Note 8.0
  • HTC Flyer
  • HTC EVO View 4G
  • HTC Jetstream
  • Lenovo ThinkPad Tablet

Each device manufacturer has an active pen that is compatible with their devices. Some active pens can be used across devices. There are two major active pen manufacturers: Wacom and N-trig. Current active pens for device manufacturers include:

  • Wacom
    • Samsung S Pen
  • N-trig
    • HTC Scribe Pen
    • Lenovo ThinkPad Tablet Pen

Ist also mal wieder “Special”, was da veranstaltet wird. Der Touchscreen besitzt eine spezielle Sensorschicht, die dann den activen Stift über elektrische Felder erkennen kann. Dabei sind auch Tastenerkennung am Stift oder die Ermittlung, wie stark der Stift auf das Display drückt, möglich. Und das Samsung ATIV kommt mit dem oben genannten Samsung S Pen daher.

Kein Wunder …

dass sich die App-Entwickler momentan so richtig überschlagen, für Windows 8.x Apps zu schnitzen. Was bei Android (z.B. bei der FoxIt Reader-App) kein Thema darstellt – da lassen sich textliche und handschriftliche Anmerkungen on the fly auf jedem Billig-Tablet vornehmen und auch wieder löschen, erfordert in Windows 8 ein Super-Duper-High-End-Touchdisplay mit aktivem S-Pen. Und als Anwender muss ich richtig tief in die Tasche greifen, um ein solches Tablet samt Stift zu bekommen – um dann festzustellen, dass die Microsoft App noch nicht mal das kann, was eigentlich überall heute Standard sein sollte: Handschriftliche Anmerkungen und Markierungen in PDF-Dateien einfügen und auch wieder löschen. Mein Urteil: 6, setzen, Microsoft. Und was mich besonders frustriert: Die Microsoft-Strategen wollen allen Ernstes, dass wir in diese Richtung maschieren und auf Apps setzen.

In einem weiteren Artikel möchte ich demnächst auf weitere Apps eingehen, wie den Adobe Reader – der gerade wieder ein Update spendiert bekommen hat. Es wird auch ein Blick auf die FoxIt-Reader-App geworfen – und ich habe hier die kostenpflichtige App PDF Touch, die zumindest rudimentäre Anmerkungsfunktionen beherrscht. Als Vergleich kommt noch die Desktop-Anwendung PDFXCview zur Anzeige, Bearbeitung und zum Einbringen von Anmerkungen zum Einsatz.

Artikel der Reihe:
i: Win 8: PDF-Dokumente per Reader-App anzeigen und mit Anmerkungen versehen
ii: Win 8: PDF-Apps – FoxIt Mobile, Adobe PDF Touch und PDF Touch
iii: Android: PDF-Anmerkungen mit der FoxIt & Co. vornehmen
iv: iPad/iPhone: iOS-Apps für Anmerkungen in PDF-Dokumenten


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3 Antworten zu Windows 8: PDF-Dokumente in der Reader-App anzeigen und mit Anmerkungen versehen


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  2. Stiftutzer sagt:

    Für mich ist der Microsoft Reader der einzige, der wirklich gut mit einem Stift nutzbar ist (sofern man einen Special Pen hat). Man kann wunderbar per Hand scrollen und per Stift kommentieren. Dies geht mit keinem anderen Tool besser.

    Traurig an der Aussage ist, dass dies kein Lob darstellt! Alle anderen sind einfach noch schlimmer. Gründe sind dafür z.B. scrollen per Hand ist bei anderen teilweise schwierig, fehleranfällig oder umständlich (z.B. Acrobat Reader) oder auch das Problem, dass die Stifteingaben viel zu stark geglättet wird (auch beim Reader ist die Glättung eigentlich zu viel).

    Der MS Reader wäre super wenn folgendes noch ginge:
    – Stift-Eingaben können gelöscht werden
    – Stift-Eingaben werden weniger geglättet, um Schrift besser zu ermöglichen

    Zusätzlich wäre es natürlich noch gut, wenn MS Reader auch Stifte ohne “Special” unterstützen würde. Dies wäre einfach, wenn einfach Stiftmodus einschaltbar wäre.

  3. Subdiakon Gerhard Eichhorn sagt:

    Ich habe mir günstig ein billiges Tablet von HP gekauft (Pavilion X2 für umgerechnet 230 Euro. Altes Modell). Zufällig erfuhr ich über das Internet, dass dieses Tablet über einen Digitizer Screen verfügt, der sich mit einem active Pen von Dell Venue pro bedienen lässt. Da ich in der Wohnung meiner Mutter dieses Tablet benutze konnte ich dies zufällig testen.

    … und zu meinem grossen Erstaunen arbeitet das Tablet in Windows 8 oder 10 mit diesem Stift.
    Auch die PDF Reader App läuft damit.

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