Das “Desaster” mit USB 3.1 Typ C-Kabeln – bricken Geräte

Momentan geistert wieder ein Zombie durch das Web: ‘Minderwertige’ USB 3.1 Typ C-zu-USB A-Kabel, die eine Gefahr für Notebooks und andere Geräte sind. Einfach ein paar Infos und meine Gedanken dazu.


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Das Thema ist mir letzten Freitag im heise.de-Artikel Gefahr durch minderwertige USB-Typ-C-Kabel unter die Augen gekommen. Ein Benson Leung hat ein Review bei Amazon zu einem 3M USB A-to-C-Kabel verfasst. Sein Chromebook Pixel und ein Twinkie haben den Geist aufgegeben, als er diese mit einem 12 Watt iPad Ladeadapter anschloss.

(Quelle: Chromium Projekte)

Zum Twinkie – dass ist ein USB-Sniffer, der in den Chromium Projekten beschrieben wird. So weit so schlecht. Zur Erinnerung: Benson Leung ist ein Google Mitarbeiter und im November 2015 hatte ich das Thema im Blog-Beitrag Privat: Vorsicht vor USB Typ C zu USB Typ A-Adapterkabeln bereits abgehandelt. Offenbar hat man (bei Googles Benson Leung und bei heise.de) nun weitere USB A-to-C-Kabel getestet und teilweise die gleichen Erfahrungen gemacht: “Minderwertige” Exemplare bricken die Geräte …

(Quelle: Google+)

Das gipfelt in der Forderung, die im The Verge-Artikel USB-C cables are playing Russian Roulette with your laptop erhoben wird: Amazon möge doch bitte die “falschen” USB A-to-C-Kabel aus dem Verkauf nehmen. Als Beispiel wird das Hoverboard-Debakel genannt, wo Amazon den Verkauf unterbunden hat. Nun ja, der The Verge-Artikel ist schon, zumindest in meinen Augen, ein wenig für die Tonne – angefangen von den “five steps” zur Auswahl des Kabels bis hin zur Forderung nach einem Verkaufsstopp. Bei einem >100 Euro Hoverboard ist der Aufwand noch irgendwo nachvollziehbar – bei den USB A-to-C-Kabeln kann eigentlich jede chinesische Klitsche diese bei Amazon einstellen. Ließe sich sicherlich mit einem Filter lösen. Aber dann müssten eigentlich alle USB A-to-C-Kabel geblockt werden. Träfe auch die Kabel, die funktionieren – es sei denn, Amazon schwingt sich zu technischen Kontrolleur auf, der den Job von Leuten macht, die versagt haben …

USB 3.1 Typ C-Standard: kaputt by design?

Ich schnüre mal den Schuh von der anderen Seite auf: Das USB-Standardisierungsgremium (bzw. das USB-IF) hat es verkackt. Imho hat ein Design eine immanente Sicherheit zu gewährleisten, denn es kann nicht sein, dass ein falsch verbauter/verdrahteter Widerstand darüber entscheidet, ob meine Hardware abraucht oder nicht. Ich schätze, dass die Gier nach noch mehr Ladestrom für neue Gadgets da über die Vernunft gesiegt hat – mag mich aber täuschen. Oder die Designer der USB 3.1 Typ C-Buchsen in den Geräten haben Mist gebaut und auf eine Strombegrenzung verzichtet. Aus Sicht der Verbraucher ist das aber irrelevant, die Industrie hat foolproof Designs in diesem Bereich zu liefern, wenn sie noch ernst genommen werden will – Punkt!

Wenn Apple und Google am Entwurf der Spezifikation der USB 3.1 Typ C-Schnittstelle beteiligt waren, muss etwas gravierendes schief gelaufen sein. Entweder beherrschen die Jungs bei Google den Job nicht – oder Apple hat alle über den Tisch gezogen. The Verge schreibt ja, dass Apple das bei Lightning-Kabeln durch ein MFi-“Lizenzprogramm” für sich gelöst habe. Kostet zwar, was Apple-Fans gerne abdrücken. Bei der USB 3.1 Typ C-Schnittstelle darf aber offenbar jeder rum schnitzen wie er mag – und als Kunde bist Du gearscht.


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Denn Hand auf’s Herz: 3M gilt bei mir nicht als beliebige chinesische Klitsche, sondern es ist ein weltweit agierender Multi-Technologiekonzern. Die haben den Adapter übrigens aus dem Angebot bei Amazon zurückgezogen – dort findet man nur noch China-Kracher. Auch bei Amazon.de gibt es die günstigen China-Kracher – wobei ich mir nicht zutraue, da ein Kabel, welches im “grünen Bereich” ist, auszuwählen. Denn der Preis kann es nicht sein! Und ich will nicht diese Kalkulationstabelle durchgehen, ob das Kabel meiner Wahl da aufgeführt ist – nutzt deutschen Kunden nix. Man könnte die Bewertungen anderer Kunden heranziehen.

Aber irgendwie ist das alles Mist – es gehört ein Logo “zertifiziert von xxx” vom Standardisierungsgremium oder beauftragter Quellen an das Produkt und auch eine Instanz, die Produktfälschungen oder Lizenzverstöße verfolgt und drastisch ahndet. Wollte man aber nicht – so dass die ganze Geschichte in meinen Augen nur noch kaputt ist.

Nachtrag: Ok, ich habe mir mal im Nachgang die Nutzerkommentare zum heise.de-Artikel durchgelesen – scheint, als ob ich mit meiner Meinung nicht so ganz alleine bin (siehe hier und hier) – und dass wohl die USB-Ports auch ein Mist-Design haben.


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9 Antworten zu Das “Desaster” mit USB 3.1 Typ C-Kabeln – bricken Geräte


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  2. 1ei sagt:

    D A N K E !!!

  3. Pingback: Anonymous

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  5. Dekre sagt:

    Danke für Arkitel und die Verlinkung.

    Was auf dem Kabelmarkt los ist, das geht auf keine Kuhhaut mehr. Es ist nicht nur
    o.g., zumal USB 3.1 völlig unklar ist. Es geht nicht nur um die Masse an USB-Anschlüsse, auch Internetkabel etc.
    Die Offiziellen vom “Hersteller” des Gerätes funktionieren teilweise nicht. Weder Preis noch Hersteller der Kabel sind noch eine Garantie mehr. Das gilt übrigens auch für Festplatten, USB-Sticks, USB-Karten, USB-Ports und Internet-Desktop-Switches und was nicht alles.
    Ich spreche hier aus Erfahrung und es jedes Mal wieder ein Risikospiel bei Neukauf.

    • Dekre sagt:

      Ergänzung:
      Und ich überlege beim Kauf oft mehrfach und ich kaufe keine “No-Name”-Produkte mehr. Sonderangebote im Internet meide ich generell. Es muss gesagt werden, dass man sehr aufpassen muss mit diesen.
      Preiswert kann schon gut sein, ab das weiß man nicht. Externe und interne Festplatten sollten nicht nur von einem guten Hersteller kommen, sondern der Händler muss auch vertrauenswürdig sein. Und das gilt insbesondere für USB-Speicher-Sticks!

  6. Stephan sagt:

    In dem Zusammenhang auch lesenwert : http://www.computerbase.de/2016-02/usb-typ-c-stecker-viele-moeglichkeiten-wenig-durchblick/

    Finde ich einfach unglaublich das ganze, sowohl die meiner Ansicht nach für den 0815-Otto-Normal-Verbraucher viel zu undurchschaubare, unzumutbare Komplexität, also auch das es jetzt (wenn auch nur vereinzelt) Geräte zerstören können soll.

    Alleine wenn ich mir diese “Kalkulationstabelle” angucke…mal ehrlich…wer soll da noch durchblicken ? Das ist wirklich nicht mehr normal. Selbst ein eifriger PC-Freak stößt da doch an seine Grenzen, der unerfahrene 0815-Käufer solls dann kapieren ?

    Widerstände verbaut in Kabeln, wer kommt auf sowas ? Widerstände gehören aufs PCB und basta, solche in Kabeln einzusetzen ist doch wie eine Krücke für einen eben ansich nicht ganz durchdachten Standard.
    Und dann diese winzig kleinen Logos und Beschriftungen neben USB-C Anschlüssen für welche man eine Lupe braucht.

    Zu den USB-Anfangszeiten hate man ein,zwei Anschlussnormen, ein stinknormales USB-Kabel und die Sache war gegessen.

    Jetzt haben wir einen Anschluss in unzähligen Variationen deren Beschriftung kaum lesbar ist, ob sie auch wirklich zutrifft auch nicht so wirklich vertrauenswürdig, dazu Kabel welche man nicht vertrauen kann und als Krönung einen ersten Fall von dadurch beschädigter Hardware.

    Fortschritt sieht für mich anders aus.

  7. Dieter Schmitz sagt:

    Ich sag nur:

    Die PC-Verkäufe stagnieren, da kann geplante Obsoleszenz nicht schaden…

  8. Tim sagt:

    Ich bin froh, noch nix mit diesen Dingern zu tun zu haben ;)

    Das ganze hatte doch schon vor einiger Zeit ein Google Mitarbeiter thematisiert und entsprechend rumgemeckert:

    https://plus.google.com/+BensonLeung/posts/LH4PPgVrKVN

    Andererseits war es ja zumindest im Smartphonebereich in letzter Zeit eh ein Glücksspiel mit Drittanbieter Zubehör. Wenns läuft ists ja schön, aber wehe, wehe…

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  10. Update: Amazon.de wirft wohl eine Menge dieser Kabel aus dem Store, wie dieser heise.de-Bericht nahelegt.

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