DSGVO-Splitter zum Wochenstart

Seit vorigen Freitag, den 25. Mai 2018, ist sie gültig, die Datengrundschutzverordnung (DSGVO) der europäischen Union (Englisch GDPR). Zum Wochenstart einige Informationen, die mir unter die Augen gekommen sind.


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Die NSA aktualisiert ihre ‘Privacy Policy’

Ich habe unweigerlich auf den Kalender geschaut, aber wir haben nicht den 1. April. Die NSA ist ja der amerikanische Geheimdienst, zuständig für das Ausspionieren von Leuten weltweit. Laut Duffle-Blog hat auch die National Security Association (NSA) ihre General Data Protection Rules (GDPR), oder Datenschutzerklärung, im Zuge der europäischen Datengrundschutzverordnung aktualisiert.

Die Blog-Betreiber schreiben, dass das ganze Internet über diese GDPR-Änderung informiert worden sei. So etwas mehr als 2,5 Milliarden E-Mails hat die National Security Agency verschickt, in denen sie das gesamte Internet darüber informierte, dass sie ihre Datenschutzrichtlinien aktualisierte (verlässliche Quellen haben das gestern bestätigt). Dank eines ungenannt bleiben wollenden Informationen, ist es mir gelungen, Einblick in wenigsten ein paar Teile dieser NSA-Datenschutzerklärung zu bekommen.

“Wir aktualisieren die Art und Weise, wie wir mit Ihren persönlichen Daten umgehen”, heißt es in der NSA-E-Mail. “Wir wissen, dass Privatsphäre eine wichtige Illusion für die Gesellschaft ist, und wir möchten, dass Sie wissen, dass wir sehr stolz darauf sind, diese Fantasie aufrechtzuerhalten.”

“Die Verwendung von Daten ist für Datenschutzbeauftragte zu einem brandheißen Thema geworden; Unternehmen auf der ganzen Welt haben Schritte unternommen, um ihre Transparenz darüber zu erhöhen, wie genau die persönlichen Daten ihrer Kunden verwendet werden. Wir von der NSA machen da keine Ausnahme.” Der E-Mail zufolge (ganz darf ich aus Gründen des Informantenschutzes nicht zitieren) hat die NSA intern eine 70-Punkte-Roadmap erstellt. Die legt genau fest, wie personenbezogene Daten verwendet werden sollten. Allerdings wurde das gesamte Dokument als STRENG GEHEIM eingestuft – daher kann ich auch nichts zitieren.

Die Massen-E-Mail der NSA an das ‘ganze Internet’, die meinen Informanten vorlag, beantwortete jedoch die meisten Fragen zum Umgang mit persönlichen Daten.

Das Ganze ging mir natürlich wie Öl runter, hat die EU doch endlich was geschaffen, mit dem man Trump und Konsorten mal richtig gezeigt hat, was eine Harke made in old world ist. Mal schauen, wann die Kollegen vom Postillon das Thema aufgreifen.

US-Presse sperrt EU aus oder ändert Angebot

Mit dem Inkraft-treten der DSGVO haben einige US-Medien reagiert. Sobald europäische Benutzer versuchen, diese Webseiten aufzurufen, erhalten sie die nachfolgend gezeigte Meldung.

EU-Inhaltssperre

Andere Medien haben für europäische Besucher werbefreie Angebote zusammen gestellt, die die Leute angezeigt bekommen. Auf der Seite https://eu.usatoday.com/ findet man eine solche Seite. Das wird auf lange Sicht aber wohl geändert.

Bremsspuren: Das Internet wird leerer

Hier im Blog bekomme ich die Konsequenzen der DSGVO schon massiv zu spüren. Damit meine ich nicht, die Arbeit, die ich in das Erstellen von Datenschutzerklärungen samt vorherigen Recherchen gesteckt und nutzlos verbraten habe. Nein, es geht darum, dass eine Menge sinnvolle Seiten aus dem Internet verschwunden ist. Hier im Blog stecken momentan über 10.000 Beiträge (ich lösche gelegentlich schon mal alte, nicht mehr relevante Posts, sonst wären es mehr). Und in vielen Beiträgen sind Link auf externe Artikel. Seit Freitag fällt auf, dass da verdammt viele Links brechen – nicht selten findet man beim Abruf der Zielseiten den Hinweis, dass der Inhalt in der EU nicht mehr verfügbar sei (Zollschranken und Wirtschaftskrieg in Internetzeiten).


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DGSVO-Inhaltssperre

Oder es wird direkt gesagt, dass das Angebot wegen DSGVO geschlossen wurde. Der obige Screenshot stammt von einer Seite, die ein MVP-Kollege als FAQ für den Internet Explorer gefüllt hat.

Das ICANN liegt zudem mit dem zu Tucows gehörenden deutschen Registrar EPAG wegen der DSGVO über Kreuz. Hintergrund: Viele Registrare veröffentlichen keine Details zu Domains mehr auf Whois. EPAG will auch keine Daten mehr über die Domaininhaber mehr erfassen.

Einnahmen brechen drastisch ein

In diesem Artikel wird das Thema ‘Einnahmen aus Werbeanzeigen’ nach dem Tag 0 der DSGVO aufgegriffen. Mit dem Inkrafttreten der Allgemeinen Datenschutzverordnung am 25. Mai stürzt die digitale Medien- und Werbebranche gerade ab.

Seit den frühen Morgenstunden des 25. Mai ist das Volumen der europäischen Anzeigennachfrage laut Quellen teilweise zwischen 25 und 40 Prozent eingebrochen. Die Anbieter von Werbeanzeigen haben ihre Kunden darüber informiert, dass sie starke Nachfragerückgänge über ihre Plattformen von Google voraussagen. Einige US-Verlage haben alle programmatischen Anzeigen auf ihren europäischen Websites eingestellt.

Google kontaktierte, laut ungenannter Quellen, in den letzten Tagen DoubleClick Bid Manager-Kunden. Ziel war es, die Kunden zu warnen, dass bis zum Abschluss der Integration in das Interactive Advertising Bureau Europe und das GDPR Transparency & Consent Framework des IAB Tech Lab Verlage, Werbepartner und Werbetreibende ab dem 25. Mai mit einer “kurzfristigen Unterbrechung” bei der Auslieferung ihrer DoubleClick Bid Manager-Kampagnen auf europäische Bestände Dritter rechnen müssen.

“Es wird erwartet, dass die Einnahmen und die Anzeigennachfrage auf breiter Front drastisch zurückgehen werden”, sagte ein Verlagsleiter unter der Bedingung der Anonymität. Die 40 % Einbruch sind da noch optimistisch – ich habe in folgender Grafik mal die Werbeumsätze für meinen Blog für die letzten Tage über Ad Exchange auftragen lassen.

DSGVO-Umsatzeinbruch

Bereits am 24. Mai zeichnete sich ein Rückgang der Einnahmen aus. Ab dem 25. sind die regelrecht eingebrochen (50-60%). Ganz aussagekräftig ist das Ganze noch nicht, da Wochenenden weniger Besucher und damit weniger Werbeeinnahmen bringen.

Die Frustration der Publisher richtet sich gegen Google. Am Tag vor dem Stichtag wurden die Käufer auch gewarnt, kein Inventar über Google an Drittbörsen zu kaufen, insbesondere nicht über Tracking und Ad-Verifikationspixel, da Google laut Quellen nicht überprüfen konnte, ob diese Partner konform waren oder nicht. Einige Agenturgruppen wurden am 24. Mai darauf aufmerksam gemacht, während andere der Meinung waren, dass es keine Google-Anleitung gab, so die Quellen der Agentur.

“Sie [bei Google] suchen nach einer Lösung. Deshalb schlagen wir unseren Kunden vor, dass wir nur die Tracking-Tools von Google verwenden”, sagte ein Medieneinkäufer, der anonym bleiben will. Obwohl dieser Käufer nicht besonders verunsichert war, weil die Updates die Live-Kampagnen der Agentur noch nicht allzu sehr beeinflusst hatten, ist die Situation alles andere als ideal. Andere waren unverblümter in ihrer Kritik.

“Es war Arroganz”, sagte ein Werbetechniker, der anonym bleiben will. “Sie [Google] dachten, sie könnten jeden dazu zwingen, ihr eigenes [GDPR]-System zu benutzen. Aber die [Werbe-]Industrie hat sich umgedreht und sie in die Eier getreten. Sie [Google] mussten eine peinliche Wendung machen, um sich nun in das [IAB]-Framework zu integrieren. Doch damit rückt Google ins Rampenlicht der Regulatoren. Ich denke nicht, dass Google über diese ganze Situation glücklich sein wird, da es die Aufmerksamkeit auf sie lenkt. Die Ironie ist, dass es kurzfristig Google sein wird, das kommerziell gewinnt, während alle anderen darunter leiden.”

Manche Werber beklagten sich, dass Google am Abend des 24. Mai über die Änderungen informiert habe. Ein Werber sagt: “Es bedeutet, dass wir keine Zeit haben, die Medien zu kaufen oder Kunden zu informieren – und wir sind auch gezwungen, AdX zu benutzen.”

Ein Google-Sprecher sagte laut digiday: “Wir haben gemeinsam mit unseren externen Austauschpartnern eine Zwischenlösung entwickelt, um Störungen zu minimieren, während wir die Integration mit dem IAB-Framework abschließen. Google hat versprochen, bis Anfang Juni ein personalisiertes Adserving für Publisher zu ermöglichen, die das IAB-Framework nutzen, und bis August wird es vollständig in das IAB-Framework integriert sein, so dass Publisher personalisierte Anzeigen basierend auf der Zustimmung eines Nutzers, pro Anbieter oder nicht personalisierte Anzeigen schalten können.”

“Die GDPR ist eine große Veränderung für alle”, sagte der Google-Sprecher. “Im Laufe des letzten Jahres haben wir mit über 10.000 unserer Verlage, Werbetreibenden und Agenturen in fast 60 Ländern durch Veranstaltungen, Workshops und Gespräche über die Veränderungen, die wir vornehmen, um mit dem GDPR konform zu sein, zusammengearbeitet. Wir werden unseren Verlagspartnern weiterhin unsere Türen öffnen, um uns an diesen Diskussionen über die Einhaltung der GDPR-Richtlinien zu beteiligen.” Google arbeitet auch mit den Werbebörsen für alternative Zustimmungsmöglichkeiten außerhalb des IAB zusammen.

Sowohl Käufer von Anzeigen als auch Verleger (Publisher) treibt aber die Frage um, warum Google bis zur letzten Minute gewartet hat. Die GDPR (DSCVO) ist schließlich seit drei Jahren im Entstehen begriffen. Einige Medienagenturen haben von den technischen Plattformen wie Google so widersprüchliche Botschaften erhalten, dass sie Kampagnen pausieren, wo immer Unsicherheiten aufkamen. Das ist ein Faktor, der zu dem Nachfragerückgang beigetragen haben wird.

Die meisten Beteiligten glauben, dass die Probleme Wochen, wenn nicht Monate dauern werden. Allerdings liegen noch mehr als zwei Monate vor dem Stichtag von Google für die vollständige Integration in den GDPR-Rahmen des IAB im August 2018. Das dürfte kein leichter Lauf werden, und es bleibt zu hoffen, dass die DSGVO wirklich ein großer Wurf wird und Vorteile bringt. Denn angesichts der Durststrecke, die wohl auf Publisher und Werbeindustrie zukommt, wird es Entlassungen geben. Irgendwo habe ich die Info gelesen, dass einige Medienhäuser an eine Personalreduzierung von 40% denken. Keine Ahnung, wie wir mit Lindners FDP-Wahlkampfspruch ‘Digital first – Bedenken second’ aufgestellt wären.

Spotify GDPR-Play-List

Und zum Abschluss: Auf Spotify kursiert eine Play-List mit Liedertiteln, passend zur GDPR.


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20 Antworten zu DSGVO-Splitter zum Wochenstart

  1. Herr IngoW sagt:

    Also auf dieser Seite ist kein Werberückgang zu sehen, es werden sieben Anzeigen angezeigt die teilweise zwei drittel des Bildschirms bedecken und auch mehrfach zu sehen sind (im Moment grade fünf mal)
    Auf dem Smartphone wird die Seite ständig neu geladen wenn man auf die Bestätigung für die Nutzung Tippt (also auf dem Handy so gut wie nicht nutzbar weil diese Bestätigung ein viertel des Kleinen Bildes abdeckt).

    • Günter Born sagt:

      Zu ‘Auf dem Smartphone wird die Seite ständig neu geladen wenn man auf die Bestätigung für die Nutzung tippt’: Ich bin gestern noch mit einem Nexus 4 auf der Seite gewesen, da ist mir nichts aufgefallen (am iPad sowieso nicht). Also habe ich es jetzt mal im Privacy Modus des Browsers getestet. Da kommt einmalig eine Information (den Text muss ich noch anpassen). Nach Bestätigung ist der weg. Wenn die Seite ständig neu geladen wird, wenn man auf die Bestätigung tippt, muss das einen technischen Grund haben. Ich tippe darauf, dass entweder Cookies blockiert werden, oder eine Komponente da zusätzlich Unsinn macht. Doof ist, dass das Banner, wie eigentlich gewünscht, nicht ganz am unteren Rand erscheint – ob ich eine Chance habe, das zu ändern, weiß ich nicht (der Teufel Mobilgeräte-Rendering steckt im Detail).

      Bzgl. Handy-Unterstützung: Da sind meine Möglichkeiten und Optionen begrenzt. So 2-3 % der Blog-Besucher kommen per Handy – das rechtfertigt nicht den technischen Aufwand, für diese Besuchergruppe was separates zu gestalten – ich habe das mehrfach mit einfachen Maßnahmen versucht. Dies gilt besonders, wenn man weiß, dass jedes sich Mobilgerät da anders verhält.

      Zum Thema: Wie die Höhe der Werbeeinnahmen beeinflusst werden, ein paar Hintergrundinformationen – auch für Mitleser. Das hängt damit zusammen, wie ein Publisher Anzeigen einbindet.

      a) Ich habe alle Automatismen von Google rausgenommen (habe das erst Freitag gemerkt, dass da noch was drin war) und feste Blöcke für mögliche Anzeigen vorgesehen. Dort lassen sich von Werbenetzwerken Anzeigen platzieren (oder auch nicht, sind praktisch die Litfasssäulen des Blogs) – ist bei einem Großteil der Publisher so. Damit sind Anzeigen, die willkürlich irgendwo im Text platziert werden, seit dem Wochenende weg. Es gibt also eine Reduzierung in der Zahl der Anzeigen, deren Prozentwert ich aber nicht angeben kann, da ich die Algorithmen von Google nicht kenne.

      Die Zahl der Anzeigeblöcke (Litfass-Säulen) im Blog ist begrenzt (< 10), wobei das von der Länge des Blog-Beitrags und der Menge der Kommentare abhängt.

      b) In meinen Publisher-Konten gibt es bei Adsense einen Filter, der Anzeigen begrenzen soll, falls diese die Werbeeinnahmen nicht mehr erhöhen. Die Anzeigeplätze bleiben dann leer. Da ich regulär ständig auf meiner Seite unterwegs bin, sehe ich, dass das (für mich immer noch) sehr gut funktioniert. Es gibt sehr oft Seitenaufrufe, wo mir so gut wie keine Werbung mehr angezeigt wird – kann aber beim nächsten Refresh anders sein.

      Ich habe gerade aber mal nachgesehen: Der Filter war bisher auf 80% eingestellt (20 % der potentiellen Anzeigen wurden rausgefiltert) und funktionierte ganz gut. Durch den Umbruch der letzten Tage klappt der Filter aber bei der Masse der Besucher nicht mehr. Habe es heute kontrolliert und musste den Regler von 80% auf 65% reduzieren, um die gleiche Filterwirkung zu erzielen. Alleine dort sieht man, dass das Ganze um mind. 15 % zurück gegangen sein muss.

      c) Donnerstag Nacht habe ich alle Anzeigen aus Google-Netzwerken von benutzerbezogenen Anzeigetypen auf kontext- und ortsbezogene Anzeigenauslieferung umgestellt. Wo früher ein Seitenbesucher Anzeigen nach seinen Interessen angeboten bekam, findet es heute nur noch Anzeigen, die auf dem Kontext des Artikels oder seinem Ort (Location kommt grob vom Provider, hat nichts mit GPS-Ortsbestimmung zu tun) basieren und ist detaillierter in der Datenschutzerklärung nachzulesen. [Ergänzung: Nachdem ich jetzt das Ganze eine Woche lang laufen gelassen habe, bleibt die bittere Erkenntnis, dass die Werbeeinnahmen im Keller sind – da kann ich die Blogs gleich dicht machen. Nach einer Nachricht meines Ad Exchange-Betreuers ist das bei allen Werbetreibenden, die das so gemacht haben, der Fall. Schweren Herzens habe ich das Ganze wieder auf benutzerbezogene Anzeigetypen zurück gesetzt. Jeder Nutzer kann aber bei Google unter seinem Konto diese benutzerbezogenen Anzeigetypen blockieren.]

      Ich schätze, dass alleine diese Maßnahme die Anzeigenplatzierung bei den Werbenetzwerken kräftig nach unten beeinflusst hat. Alles, was deren Algorithmen zu wissen glaubten, ist von einer Minute auf die andere obsolet. Ergo klappt die Filterung oder Platzierung in der vorherigen Form so nicht mehr. Die Algorithmen müssen erst lernen.

      Alleine das dürfte einen weiteren großen Batzen in den Einnahmerückgängen ausmachen. Aber das sind Resultate, die letztendlich auf meinen Entscheidungen und beeinflussbaren Vorgabeeinstellungen basieren.

      Was nach meinem dafürhalten aber die Einnahmehöhe (auch bei anderen Publishern) signifikant beeinflusst, sind die Anzeigepreise. Für jede Anzeige geben Werbeinteressenten über die Werbenetzwerke Angebote ab (das bekomme ich aber nicht im Detail mit). Wenn 40 % der möglichen Anzeigekäufer wg. der DSGVO-Unsicherheiten temporär keine Anzeigen schalten oder schalten können, gibt es kaum Wettbewerb in den Anzeigebörsen und die Preise pro Anzeige rauschen in den Keller.

      Ich kann da nur abwarten, beobachten, ggf. optimieren und hoffen, dass das alles irgendwann in ein paar Wochen wieder im Lot ist. Ende 2018 werde ich alles neu bewerten (wie ich es die letzten 3 Jahre auch getan habe). Ist alles kein Rocket Science, sondern ein filigran abzustimmendes Gebilde, was aus dem Tritt geraten ist.

      Ist etwas weiter gefasst: Bei der Lehmann-Pleite 2008 hat man gesehen, wie ein lokales Ereignis plötzlich Schockwellen durch eine ganze Branche schicken kann. Bei den Banken hat man viel Staatsgeld in die Hand genommen, um die Folgen abzumildern und Kapitaleigner zahlen dies im Moment durch Null- oder Negativzins. Das obige Thema ist zwar etwas anders gelagert – aber es wird spannend zu verfolgen, welche Verwerfungen das erzeugt. Alles duckt sich momentan wegen möglicher US-Importzölle auf Stahl, Aluminium und Autos weg. Wenn bei den großen Anzeigenetzwerken die Umsätze um 20 bis 30 % oder mehr zurück gehen, trifft das nicht nur Google, sondern die ganze Kette der Verwerter. Ich möchte aktuell kein Controller in diesem Bereich sein. Als One Man Show habe ich kaum Fixkosten und kann schnell reagieren. Wie das in Firmen mit einem größeren Personalstamm aussieht, wenn die Einnahmen für mehrere Wochen um 30-40% einbrechen, kann man sich aber ausmalen. Wenn die ersten Publisher und Agenturen Leute wegen der Einnahme-Rückgänge entlassen (müssen), trifft das nicht ‘den großen Google und dessen Aktionäre’, sondern Menschen wie Du und ich. Nur als Hinweis, da mir am Wochenende begeisterte Tweets von Leuten aufgefallen sind, die das alles großartig fanden. Eine kurze Recherche zeigte, dass es Leute waren, die von der öffentlichen Hand irgendwo in Instituten finanziert werden, sich also weder in der Branche auskennen noch sich Gedanken zu machen brauchen, wie am Ende des Tages die Miete oder die Lebenshaltungskosten zu finanzieren sind.

      Wie im obigem Blog-Beitrag bereits angedeutet: Die monetäre Sache ist momentan Diskussion am grünen Tisch – die kommenden 4 – 8 Wochen werden zeigen, wie das (auch technisch) weiter geht. Sollte die DSGVO am Ende des Tages bewirken, dass alles besser und sicherer wird, wäre das zu begrüßen. Macht mir den Job auch einfacher, wenn die Branche der Werbenetzwerke und Werber sich bewegt. Dass ich momentan ein etwas anders gelagertes Gefühl habe, schiebe ich mal auf eine etwas kritischere Grundhaltung und Erfahrungswerte ;-).

      Auch die Auto-Play-Blocker in Google Chrome sind ein guter Schritt in die richtige Richtung. Aber dort hat Google nach der Scharfschaltung vor einigen Tagen zurück rudern müssen, weil es Fehlfunktionen gab. Bei der oben diskutierten Problemstellung geht das so nicht.

      Was momentan wirklich auffällt: Die Zahl der gebrochenen Links auf externe Blog-, News- und Forenbeiträge. Die Links werden hier ständig von einem Plugin überprüft und mir ausgeworfen. Gebrochene Links deaktiviere ich dann, wenn ich keinen Ersatz finde. In der Vergangenheit gab es immer mal wieder ‘Bursts’, wenn ein Forum dicht gemacht wurde oder Microsoft seine Webseiten monatlich aufgeräumt hat. In den letzten Tagen sind aber die Mehrzahl der Fälle Kollateralschäden der DSGVO.

      PS: Stelle gerade fest, dass Zeilenumbrüche im Kommentartext vermutlich nicht immer korrekt umbrochen werden. Ist dann die nächste Baustelle, wo ich schauen muss, wo die Ursache liegt. Wenn euch diesbezüglich was auffällt, hinterlasst einen Kommentar.

      • Herr IngoW sagt:

        Ja Ok. ist sehr Ausführlich beschrieben das Ganze drumherum. DANKE dafür. Wird sich dann mit den Anzeigen schon einspielen hoffe ich.
        Die “Bestätigung für die Nutzung” hat sich wie es aussieht erledigt, lag an den “Cookie-Eistellungen”, ladet jetzt zwar neu aber die “Bestätigung für die Nutzung” kommt dann nicht nochmal wieder.

        • Günter Born sagt:

          Wird in 30 Tagen wieder kommen – habe ich mal so eingestellt, setze das aber möglicherweise wieder etwas hoch. Ist auch ein DSGVO-Anhängel, dass man ein Verfallsdatum vorgeben muss.

  2. oblaaten-prob sagt:

    Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) (1. Absatz)

    “Seit Freitag fällt auf, dass da verdammt viele Links brechen”
    das tun die allerdings auch ohne VO, nennt sich normal, bzw. tritt nach einiger vergangener Zeit andauernd auf, immer schon. hatter wohl vergessen zu erwähnen…
    ;-)

  3. Werbung

  4. Andreas sagt:

    Die NSA verschickt 2,5 Milliarden EMails an “das Internet” – Mist, ich habe keine bekommen. “The elders of the NSA” scheinen mich nicht zu kennen. :-(

    Zitat: “Wir aktualisieren die Art und Weise, wie wir mit Ihren persönlichen Daten umgehen”, heißt es in der NSA-E-Mail. “Wir wissen, dass Privatsphäre eine wichtige Illusion für die Gesellschaft ist, und wir möchten, dass Sie wissen, dass wir sehr stolz darauf sind, diese Fantasie aufrechtzuerhalten.” Zitat Ende.

    :-))

    Machen Sie gerade eine Dependance des Postillons auf, Herr Born?

    • Günter Born sagt:

      Postillon Konkurrenz? Nö, würde ich mich nie trauen. Dass wir beide da keine Benachrichtigung bekommen haben, hängt wohl mit der Geheimhaltung zusammen. Wir haben keine Freigabe, so was einzusehen – so wie Millionen andere Empfänger.

      Zum Hintergrund: Technisch hat die NSA es geschafft, dass man ohne Sicherheitsfreigabe dann die Benachrichtigung halt eben nicht sehen kann.
      Finde ich persönlich wesentlich eleganter als den Ansatz von Microsoft, uns eine geschwärzte Anzeige – den Insidern als black screen bekannt – zu zeigen.

  5. Das hat sich die Werbeindustrie aber auch selbst zuzuschreiben, irgendwann hat das alles eben mal ein ende, ich war vor dem 20.05 mal ohne Werbeblocker unterwegs und habe mir noch mal einige Seiten Ungeblockt angesehen Links ein Werbe-Frame, Rechts ein Werbe-Frame und zwischen den Texten auch noch Werbung wie soll da bitte noch ein Mensch Lust haben dort etwas Ungeblockt zu lesen, zudem ist Werbung noch dazu so gestaltet das man das Gefühl bekommt man liest einen Artikel irgendwie schon eine Perversion der ganzen Werbung.

    Das schlimmste sind Webseiten mit Videos die ungefragte los krakeelen möglichst noch zwei unterschiedliche auf einmal, wenn die DSGVO dazu führt das Videos nicht Automatisch anlaufen dürfen hat das schon etwas gebracht.

    Wenn man sich anschießend nach einem Ungeblockten Webseitenbesuch ansieht wie viele Cookies man ungefragt dabei gesammelt hat kommt einem das Kalte grausen, wie viele davon auf dem nächsten Link wieder abgefragt werden.

    Ich muss gestehen ich liebe eigentlich gut gemachte Werbung, aber sobald die Werbung versucht mich für Dumm oder wie ein Stück Schlachtvieh aus der man noch das letzte bisschen an Information herauszuquetschen kann, woher ich komme, wohin ich gehe, wie lange ich an einer stelle verweile, hört es bei mir echt auf!

    • Günter Born sagt:

      Die Werbeindustrie ist mir zu viel pauschaliert – wer soll das bitte sein? Google Adsense? Der Broker, der Werbeplätze für seine Kunden bucht? Der Publisher, der die Anzeigen mit Popunder und was weiß ich in seine Seite bringt? Der Designer einer Anzeigenkampagne? Der Kunde, der eventuell bei Google Anzeigenschaltungen kauft und dort deren Inventar nicht richtig bedient, so dass die Anzeige zig mal untereinander auf einer Seite ausgespielt wird (ich hatte das mal in einem Kommentar/Blog-Beitrag angerissen). Ich kann zwar die Anschuldigung ‘Werbeindustrie ist selbst schuld’ verstehen, das führt aber genau so wenig weiter wie ‘die Politik ist schuld’, wenn die Rente nicht reicht oder was auch immer.

      Meine Hoffnung ist, dass die Google-Initiative in Chrome (Auto-Play-Blocking) und die notwendige Anpassung mittels der kommenden ePrivacy-Verordnung was verbessert bzw. so viel Zwang erzeugt, dass sich was zum Guten bewegt.

      Ich schreibe absichtlich von Hoffnung, denn ich fürchte, diese Hoffnung wird mal wieder enttäuscht werden. Momentan kann man zwar auf einer Reihe Seiten Cookies ausknipsen. Aber ich bin nicht sicher, ob das technisch auch geschieht. Ich wüsste z.B. aktuell nicht, wie ich ein Opt-out für zig Werbepartner, die über Google Ad Exchange buchen, sauber implementieren könnte. Erst wenn Google sich bewegt und eine API für so was bereit stellt und Plugins das auch nutzen, wird sich was bewegen. Ich sitze also klassisch mal wieder zwischen allen Stühlen – und anderen Publishern geht das ähnlich.

      Die tapsigen Ansätze unserer Politiker sind da wenig hilfreich. Wenn wir irgendwann die Cookies im Griff (sprich: geschlachtet) haben, wird das Tracking und Profiling über andere Schienen gefahren. Die Techniken sind bekannt.

      Persönlich bin ich nach wie vor ohne Werbeblocker unterwegs. Die Seiten, die ich so besuche, sind alle vernünftig abrufbar – was schon mal nervt, sind Autoplay-Videos. Aber da hat sich mit gesetzten Einstellungen ein bisschen was getan (man kann in Anzeigen das Autoplay abschalten). Und Googles AutoPlay-Blocker im Chrome wird den Rest regeln.

      Die Älteren erinnern sich noch an die Popups, die vor 15 Jahren die Monitore füllten. Dank Popup-Blockerfunktion in jedem Browser hat sich das erledigt. Die Abzocke durch Dialer wurden dann (wenn auch zu spät) durch den Gesetzgeber und Urteile beendet. Dafür haben sich die Schwarzen Schafe neue Geschäftsmodelle überlegt.

      • Ja keine Ahnung wer hinter dieser ganzen Werbung steckt, Google, Facebook & Co eben, irgendjemand macht sie, irgendjemand kauft sie und irgendwie wird sie halt über die Kundschaft verteilt und alle verdienen sich dabei etwas, außer natürlich der Kunde der die ganze Werbung beim kauf eines Produkts ja auch mit bezahlt, hat mich bisher auch nie wirklich interessiert weil sie halt nur herum nervt klickibuntie links und rechts nervt das menschliche Auge versucht es abzulenken das ich die Satzzeile verliere, kein wunder also das die Leute zu Werbeblocker greifen, ist doch auch irgendwie selbstverständlich.

    • Holger sagt:

      Ich bin hier auf Günters Blog immer mit deaktiviertem Blocker unterwegs. Bis jetzt hat mich weder optisch noch akkustisch je eine Werbung genervt, obwohl ich manchmal schon mit dem Kopf schütteln musste, weshalb gerade für mich jetzt Google eine bestimmte Werbung ausgespielt hatte.

      Momentan ist es lustig. Für mich ist die aktuell angezeigte Werbung tatsächlich zumindest theoretisch zutreffender als vorher. Aber mit meinen Browsereinstellungen mache ich es Google auch nicht leicht mit der Identifizierung.

  6. auch-da sagt:

    Kleiner Hinweis: Klickt man auf den Link “Datenschutzerklärung” hier im Footer dieser Blog-Seiten, gelangt man aber ins Impressum, nicht zur Datenschutzerklärung. Sollte im Hinblick auf script-crawlende Rechtsanwälte behoben werden :-)

    • Günter Born sagt:

      Da habe ich jetzt eine Nuss zu knacken. Hatte das noch gar nicht gesehen und habe aktuell keinen Plan, wie der Link dort hin kommt. Muss ich mal wieder auf die Suche gehen. Danke für den Hinweis.

      Ergänzung: Sollte nun hier stimmen – die Auflösung: Es gibt zwei Stellen, die darum kämpfen, die Datenschutzerklärung (neben meinen eigenen Links) noch irgendwo in den Blog zu schießen. Eines ist das EU-Cookie-Law-Plugin, welches ich wegen Google brauche. Das war dieses Mal unschuldig (auch wenn mich einige Updates die Tage überrascht haben). Und in WordPress hat man eine ‘Datenschutzerklärungsautomatik’ eingebaut. Kann zwar nix, hat mir aber den direkt nach dem Update eingestellten Link auf das Impressum/Datenschutzerklärung in den Footer geschossen. Irgendwann zwischen WP-Update und dem Tag, an dem ich ermattet von der DSGVO auf das Sofa gesunken bin, habe ich die Information gefunden, dass ein Richter die Trennung von Impressum und Datenschutzerklärung für erforderlich befunden hat. Ergo habe ich den Text zerrupft und in zwei Seiten aufgeteilt – aber die WP-Datenschutzeinstellungen vergessen. Werde das in meine mittlerweile 2 DIN A4-Seiten umfassende Checkliste eintragen (dort habe ich notiert, was ich jeweils für jeden der 6 Blogs nach einer Änderung kontrollieren muss).

      Ich hätte es nie gelaubt – aber Windows 10-Updates sind nix dagegen ;-). Nochmals danke für die Hinweise – was wäre ich ohne meine Leser. Aber an solchen Stellen wird klar, warum so was, meinen Nerv trifft. Man könnte glatt lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Ich habe ja noch wenigstens minimale Kenntnisse, welche Hebel im Maschinenraum des Blogs was bewirken. Aber ein normaler Nutzer mit WP oder einer Homepage dürfte verzweifeln. Hab mir gestern den Podcast von Sascha Lobo mit Jan Philipp Albrecht mal angetan. Lobo beschreibt exakt das Dilemma.

  7. Werbung

  8. Matthias G. sagt:

    Erstmal danke für die vielen informativen und hilfreichen Blogeinträge.

    Noch ein kleiner Verbesserungsvorschlag zur deiner Datenschutzerklärung.
    Es wird darin ständig zwischen der Ich- und Wir-Form hin- und hergewechselt. Das könnte man vielleicht vereinheitlichen.
    Als One-Man-Show wäre die Ich-Form wohl angemessen. :-)

  9. theo sagt:

    Und dann gibt es noch die durchaus lesenswerte Variante von xkcd:
    https://xkcd.com/1998/

  10. Al CiD sagt:

    Jaja, wenn die Hardware mit der Software koppelt… Schwachsinn³

    https://www.tweakpc.de/news/42114/dsgvo-deaktiverte-maus-bis-zur-annahme-der-neuen-datenschutzregeln/

    Das und der ganze Mist mit IoT in Bezug auf die DSGVO – friss oder stirb.

    Alles hat 2 Seiten und die Ergüsse der DSGVO bzw. die Kopplung Hardware mit Cloud ist nicht die allerschönste Seite

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