DSGVO: Aus für WhatsApp & Snapchat bei Continental

[English]Ein zu erwartender Schritt, aber richtig. Die Firma Continental untersagt Mitarbeitern auf Firmenhandys ab sofort die Nutzung von WhatsApp und Snapchat. Begründet wird dies mit der rechtlichen Lage (DSGVO) und dem Schutz von Geschäftsgeheimnissen.


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Continental ist als Technologieunternehmen einer der großen Automobilzulieferer mit vielen Werken und weltweit etwa 235.000 Mitarbeiter an über 400 Standorten in 61 Ländern (Stand 2017, Quelle Wikipedia). Im Unternehmen sind etwa 36.000 Diensthandys im Gebrauch.

WhatsApp & Snapchat als Datenschutz-GAU

Unter der Überschrift ‘Continental fordert „Vision Zero“ für den Straßenverkehr muss auch für Datenverkehr gelten’ nimmt das Unternehmen jetzt die Mitarbeiter in die Pflicht.

  • Das Technologieunternehmen Continental untersagt seinen Mitarbeitern ab sofort die Nutzung von Social-Media-Apps wie „WhatsApp“ und „Snapchat“ im weltweiten Unternehmensnetzwerk.
  • Nach Einschätzung des Unternehmens weisen diese Dienste Datenschutzdefizite auf. Denn sie greifen auf persönliche und damit potentiell vertrauliche Daten ihrer Nutzer zu, wie zum Beispiel deren Adressbucheinträge und damit auf Informationen unbeteiligter Dritter.

Im Fall der genannten Anwendungen kann der Zugriff auf das Adressbuch nicht eingeschränkt werden. Die Verantwortung zur Einhaltung der Datenschutzgesetze und der DSGVO wird damit auf die Nutzer der Apps abgewälzt. Die daraus entstehenden Datenschutz-Risiken will das Unternehmen nicht tragen und darüber hinaus zugleich die eigenen Beschäftigten und Geschäftspartner schützen.

Klare Ansage des Continental-Vorstands

Der Continental-Vorstandsvorsitzende Dr. Elmar Degenhart sagt: „Für uns haben die Sicherheit von Technologien und das Vertrauen der Nutzer in sie klar Vorfahrt. Wir arbeiten an null Unfällen im Straßenverkehr und fordern daher eine solche ‚Vision Zero‘ auch für den Datenverkehr.“ Degenhart hält es nicht ‘nicht für akzeptabel, die Erfüllung von Gesetzen zum Datenschutz einseitig auf die Nutzer zu übertragen. Daher setzen wir [bei Conti] auf sichere, verfügbare Alternativen.’

„Daten verpflichten“, ergänzte Degenhart mit Blick auf die Continental-Strategie: „Technologieanbieter sollten die Einhaltung der Datenschutzgesetze auf einfachste Weise ermöglichen. Gerade Technologieführer tragen hier eine besonders hohe Verantwortung. Daher ist Datenschutz für uns, unsere Produkte, Dienste und Arbeitsabläufe keinesfalls reine Sonderausstattung. Diese Grundhaltung stärkt langfristig weltweit das Vertrauen in neue, datenbasierte Mobilitätsdienste.“

Mit Sorge beobachtet Continental das Geschäftsgebaren einzelner Software- und IT-Diensteanbieter. „Funktionale Einschränkungen und Hürden zur Einhaltung der Datenschutzgesetze schwächen das Vertrauen der Menschen in Technologien“, sagte Degenhart und fordert in der Technologieentwicklung generell „Vorfahrt für Vertrauen und Sicherheit.“

Schutz der Geschäftsinteressen

Continental weist in einer Erklärung auf das hin, was ich hier im Blog eigentlich seit Jahren schreibe. Der Schutz der Geschäftsinteressen, der Mitarbeiter und der Geschäftspartner geht vor.


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Seit einiger Zeit haben Datenschutzbehörden und Gerichte, insbesondere in Deutschland, ernsthafte Bedenken wegen der seit dem 25. Mai 2018 einzuhaltenden europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und anderer Datenschutzgesetze durch Social-Media-Apps geäußert. Aus Sicht von Continental wälzen diese Anwendungen in einigen Fällen die Verantwortung auf die Nutzer ab. Um die Anforderungen der DSGVO einzuhalten, müsste im Fall von „WhatsApp“ jeder Nutzer von jeder einzelnen Person in seinem Adressbuch die Zustimmung für das Teilen ihrer Daten mit diesen Diensten einholen.

Pünktlich zum 25. Mai 2018 musste ich im Blog-Beitrag DSGVO? Und WhatsApp teilt Nutzerdaten mit Facebook leider vermelden, dass Facebook und WhatsApp dem Ganzen noch die Krone aufgesetzt haben. Weil die irische Datenschutzaufsicht ab diesem Stichtag verantwortlich ist, schert man sich nicht mehr um Urteile deutscher Gerichte und hat von Facebook die WhatsApp-Nutzerdaten abgerufen.

Continental hält Lösungen wie WhatsApp und Snapchat für im Alltag nicht ausreichend zuverlässig und damit praktisch untauglich. Zum Schutz seiner Geschäftsinteressen, Mitarbeiter und Geschäftspartner entschied sich das Technologieunternehmen daher zum kompletten Nutzungsverbot der heutigen Versionen der Social-Media-Apps „WhatsApp“ und „Snapchat“. Continental zeigte sich offen, diese Regelung aufzuheben, sollten die Anbieter eine unbedenkliche Nutzung ihrer Dienste im Sinne des Datenschutzes schon in der Grundeinstellung ermöglichen.

Continental setzt sich für Datensparsamkeit ein

Continental setzt sich für eine Zukunft ohne Verkehrsunfälle ein. Diese „Vision Zero“ muss auch auf der Datenautobahn gelten. „Sicherheit, Schutz und Sparsamkeit im Umgang mit Daten sind Grundprinzipien unseres Geschäfts. Für das vernetzte, automatisierte und autonome Fahren sind persönliche Daten keine Grundvoraussetzung. Anonyme Daten genügen in den meisten Anwendungsfällen völlig“, erläuterte Degenhart.

Das als „Privacy by Default“ benannte Prinzip sorgt dafür, dass ohne Eingriff des Nutzers alle Funktionen in den Grundeinstellungen die Privatsphäre achten. So interessiert sich das Fahrerassistenzsystem von Continental zum Beispiel nicht für das Kennzeichen eines vorausfahrenden Fahrzeugs.

Also, ich finde es gut, was Continental dort beschlossen hat. Wenn wir dann noch lesen könnten, dass auch Windows 10, die Cloud und Office 365 dort gebannt werden, wäre das schon ein gewichtiges Zeichen. (via, via)


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8 Antworten zu DSGVO: Aus für WhatsApp & Snapchat bei Continental


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  2. Rene sagt:

    Na hoffentlich zieht das noch weitere Kreise.
    MS-Office 2016 wird vom CCC als Spyware bezeichnet, Windows 10 soll wohl auch nicht wirklich besser sein.
    Ich würde es begrüßen, wenn auch diese Produkte aus Deutschen Firmen gefegt werden.

    • Sam sagt:

      Überträgt Windows 10 auch Deine Kontakte an Microsofts Server? Das scheint für Conti ja der ausschlaggebende Punkt zu sein.

      • Kannst du ja so bei Windows 10 Einstellen, das Kontaktdaten/Passwörter/Verbindungspunkte zu Microsoft Servern übertragen werden um sie mit anderen Geräten zu Aktualisiert, ob die Daten auf den Microsoft Servern eingesehen werden können, dort nur gecacht werden um sie weiterzugeben und ob das Ausschalten dieses Dienstes Übertragung tatsächlich unterbindet weiß ja niemand Microsoft hält darüber ja auch stillschweigen welche Daten übertragen werden.

        Sofern Microsoft keine nachprüfbare Stellung abgibt welche Daten dort übertragen und ob diese Daten auch sicher gelagert und auch wieder gelöscht werden, solange hat Windows 10 nichts in Deutschen Amtsstuben verloren.

        Aber allzu große sorgen mache ich mir da nicht, da die alten PC Krücken in Deutschen Amtsstuben nicht dazu in der Lage sind auf Windows 10 umgerüstet zu werden, es wird den PCs wahrscheinlich genauso ergehen wie mit XP.

        • Gaga sagt:

          Dann gehe zur Rentenversicherung in Hessen/Heppenheim…
          Dort läuft Windows 10 und alle Formulare werden per Internet Explorer befüllt und bearbeitet. Prost Mahlzeit!

      • Seita sagt:

        Gegenfrage: Weißt du was W10 alles überträgt?

        Die Entscheidung von Conti find ich gur,es sollten noch viel mehr große Firmen dasselbe machen.

      • Martin Feuerstein sagt:

        Aus der Microsoft-Supportseite zu Windows 10: “Ihr Microsoft-Konto bietet Ihnen […] die Möglichkeit, Ihre Einstellungen und anderen Daten auf mehreren Windows 10-Geräten zu nutzen.” –> Ich würde sagen, die übertragen die Kontakte auf Microsoft-Server (wenn du ein Microsoft-Konto verwendest), Google und Apple sind da auch nicht viel besser. Der Unterschied ist: die Daten werden (hoffentlich) nicht mit den Daten anderer Nutzer abgeglichen.

        Wusstest du, dass die Outlook-App für Mobilgeräte nicht etwa selbst Daten synchronisiert, sondern stattdessen die Zugangsdaten auch für deinen privaten Mailserver erstmal in die MS-Cloud überträgt, dann mit deinen Zugangsdaten die Daten vom Originalserver abruft und zum Schluss aus dem MS-Rechenzentrum in deine App überträgt?

  3. Cmd.Data sagt:

    Hoffentlich bleibt es nicht bei Continental.

    Leider gibt es bei der Bevölkerung keinerlei Aufschrei ob des asozialen Verhaltens von Facebook oder Microsoft.

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  5. Al CiD sagt:

    Ich wundere mich, dass erst jetzt im Rahmen der Medienwirksamkeit von DSGVO solch ein Schritt erfolgt, die Daten wurden ja schon vorher bei den genannten “Diensten” ausgelesen und übertragen.

    Generell sollten solchartige “Dienste”, besonders WhatsApp und FaceBook in geschäftlichem Umfeld verboten sein.

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