Exchange Server 2010: Support bis 13. Oktober 2020

[English]Überraschende Ankündigung, die Microsoft vor einigen Stunden gemacht hat. Das End of Life-Datum von Exchange Server 2010 wird bis Oktober 2020 verlängert.


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End of Life war eigentlich am 14. Januar 2020

Bisher war bekannt, dass der im November 2009 freigegebene Exchange Server 2010 am 14. Januar 2020, zusammen mit Windows 7 SP1 und Windows Server 2008 R2 aus dem Extended Support herausfallen wird. Gehe ich auf das Microsoft-Dokument Ende des Supports für Exchange 2010 – Roadmap findet sich dort zum 17.9.2019 noch die Mitteilung:

Am 14. Januar 2020 ist das Ende des Lebenszyklus von Exchange Server 2010 erreicht.Wenn Sie noch nicht mit der Migration von Exchange 2010 zu Office 365 oder Exchange 2016 begonnen haben, ist es jetzt an der Zeit mit der Planung zu beginnen.

Den Kollegen von deskmodder.de ist eine Ankündigung von Microsoft in der Techcommunity aufgefallen, dass das Supportdatum bis auf den 13. Oktober 2020 verlängert wird.

Microsoft Extending End of Support for Exchange Server 2010 to October 13th, 2020

After investigating and analyzing the deployment state of an extensive number of Exchange customers we have decided to move the end of Extended Support for Exchange Server 2010 from January 14th 2020 to October 13th 2020.

Begründet wird dieser Schlenker damit, dass man sich die sich ändernden Bedürfnisse der Kunden erfüllen wolle. Übersetzt heißt dies wohl, dass die Masse der Kunden weiterhin auf Exchange Server 2010 setzt, statt auf Nachfolgeprodukte zu migrieren. Die (lange bekannte) Einstellung des Supports für ein Produkt, das so beliebt und zuverlässig wie Exchange Server 2010 war, scheint wohl bei den Kunden zu einem Aufschrei geführt zu haben. Anders kann ich mir diesen Schritt von Microsoft nicht erklären. Andererseits zieht Microsoft damit das Supportende mit Office 2010 und SharePoint Server 2010 zusammen.

Ab Oktober 2020 ist Schluss

Redmond stellt aber klar: Nach dem 13. Oktober 2020 wird Microsoft keinen technischen Support mehr für auftretende Probleme anbieten. Das gilt auch für Bugfixes für Probleme, die entdeckt werden und die die Stabilität und Benutzerfreundlichkeit des Servers beeinträchtigen können. Und noch wichtiger: Das gilt auch für Security Fixes für entdeckte Schwachstellen, die den Server anfällig für Angriffe machen können, sowie für Zeitzonen-Updates.

Kunden können zwar die Installation von Exchange 2010 auch über dieses Datum hinaus betreiben, laufen dabei aber durch die fehlenden Updates in Risiken. Zudem erinnert Microsoft daran, dass der Exchange Server 2010 auf Windows Server 2008 und Windows Server 2008 R2 läuft. Der Extended Support für diese beiden Server-Varianten endet aber am 14. Januar 2020. Microsoft bietet aber ein Re-Hosting für Windows Server 2008 und Windows Server 2008 R2 auf Microsoft Azure. Dann gibt es weitere 3 Jahre Extended Security Update-Support für diese Server-Versionen.

Hat Microsoft ein Cloud-Problem?

Für mich wirft das Ganze eine spannende Frage auf. Das Supportende von Microsoft Exchange Server 2010 war ja lange bekannt. Warum wechseln die Leute nicht frühzeitig auf ein Nachfolgeprodukt. Frank Zoechling hat in seinem Blog folgende Möglichkeiten zum Wechsel aufgezeigt.

  • Migration zu Exchange Server 2016 (auf Windows Server 2016)
  • Migration zu Exchange Server 2013 (auf Windows Server 2012 R2)
  • Migration zu Office 365

Die On-Premises-Lösung Exchange Server 2013 fällt aber bereits am 11. April 2023 aus dem Support, Exchange 2016 wird noch bis zum 14. Oktober 2025 unterstützt. Selbst der Exchange Server 2019 läuft bereits am 14. Oktober 2025 im Support aus. Frank hat bereits 2015 eine dreiteilige Artikelreihe zur Migration von Exchange 2010 zu Exchange 2016 veröffentlicht. Da ich keine Aktien in diesem Bereich habe, bin ich nicht so firm – und frage mich, warum die Leute nicht springen? Interessant ist für mich in diesem Zusammenhang Microsofts Einlassung zur Supportverlängerung:

Wir wissen auch, dass einige von Ihnen gerade dabei sind, auf eine neuere Version von Exchange Server vor Ort umzusteigen oder transformative Migrationen in die Cloud mit Office 365 und Exchange Online durchzuführen. In diesem Sinne verlängern wir das Ende des Supports bis zum 13. Oktober 2020, um Exchange Server 2010-Kunden mehr Zeit für den Abschluss ihrer Migrationen zu geben. Diese Erweiterung passt auch zum Ende der Unterstützung für Office 2010 und SharePoint Server 2010.


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Im Techcommunity-Beitrag propagiert Microsoft massiv den Umstieg auf die Cloud. An diesem Punkt stellt sich mir die Frage, wie lukrativ für Betroffene die Migration zu Office 365 oder Exchange Online ist? Wechselt ihr eher zu Exchange 2016 oder sind Exchange Online bzw. Office 365 angesagt? Beides sind ja Abo- und Cloud-Modelle, wenn ich es richtig sehe.

Hintergrundinformation zu Exchange

Microsoft Exchange Server ist eine Groupware- und E-Mail-Transport-Server-Software des Unternehmens Microsoft. Das Produkt dient der zentralen Ablage und Verwaltung von E-Mails, Terminen, Kontakten, Aufgaben und weiteren Elementen für mehrere Benutzer und ermöglicht so die Zusammenarbeit in einer Arbeitsgruppe oder in einem Unternehmen. Exchange Server setzt eine Microsoft-Windows-Server-Software voraus und findet deshalb vor allem in von Microsoft-Produkten geprägten Infrastrukturen Verwendung.


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11 Antworten zu Exchange Server 2010: Support bis 13. Oktober 2020


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  2. Andreas K. sagt:

    Wir sind im August mit der Migration Exchange 2010 -> 2016 fertig geworden. Die “Bedienung” ist erst mal ne Umgewöhnung, MMC habe ich gerne genutzt (Ich weiß, die Profis arbeiten generell in der Shell ;-) ).

  3. Michael B. sagt:

    Wir sind auch vor 2 Monaten mit der Migration von E2010 nach 2016 fertig geworden. Für uns stellte sich betriebswirtschaftlich und eben aus den besonderen Cloud-Gründen die Frage nach 365/Exchange Online nicht. Gerade, weil unser Unternehmen Wert auf Einhaltung des Datenschutzes legt, haben wir noch fast alles inhouse. Aus ähnlichen Gründen haben wir auch vor anderthalb Jahren die Entscheidung für Office 2016 anstelle der Cloud-/Aboversion getätigt.
    Dazu kommt die höhere Planungssicherheit und Laufzeit der Offline-Version (3 Jahre bis zur nächsten Version, noch längerer Support).

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  5. Lothar sagt:

    Einen Kunden (60 Postfächer) habe ich von Win Server 2008R2/Echange 2010 nach Win Server 2016/Exchange 2016 migriert.

    Stehe aber momentan davor einen Kunden mit SBS2011 zu migrieren (15 User).
    Leider ist mir noch nicht die wirklich zündende Idee gekommen, da beim Kunden nur eine miese Internetanbindung besteht (Down/UP 10/1Mbit/s).
    Win Server 2016 Esssentials / Exchange 2016??

    • Georg S. sagt:

      Das einzige Szenario was Microsoft offiziell Supported ist wohl Server 2016 Std dabei empfiehlt es sich die Aufgaben auf zwei VMs aufzuteilen eine VM als Datenserver + DC und eine für Exchange, dazu werden noch 15 Cals für den Server + für 15 Cals für Exchange fällig was das ganze leider fast 900€ teurer macht als mit dem Server Essentials.

  6. Ralf Lindemann sagt:

    Nette Entwicklung. Dachte gerade beim Lesen an Bolkos Hinweis, den er vor ein paar Tagen gepostet hat: „Das neue Servicing Stack Update [für Windows 7] KB4516655 enthält eine Datei zur Installation der Updates ab Februar 2020.“ Das passt vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung schön ins Bild: Plant Microsoft eine ähnliche Galgenfrist für Windows 7? Ausreichend „Masse“ an interessierten Nutzern und Nutzerinnen dürfte vorhanden sein …

  7. Chris sagt:

    Für mich ist völlig klar was da vorgeht.

    Office 2010 wird noch bis 10/2020 mit Updates versorgt, da macht es Sinn auch den Exchange 2010 so lange laufen zu lassen….. klingt nett von MS, dahinter steckt aber eine Geschäftsidee, dazu unten mehr.

    Das Problem:
    Es ist zu berücksichtigen das die Kombinantion Outlook/Exchange passen muss.

    Ein Exchange 2019 kann nicht von Outlook 2010 angesteuert werden.
    Anders herum kann man auch Outlook 2019 nicht mit Exchange 2010 nutzen.

    Somit stehen Office 2010 Anwender vor einen Problem, Office 2010 läuft noch 13 Monate, kann aber nicht mit dem neusten Exchange genutzt werden. Das macht das Upgraden schwer. Er müsste jetzt ein Exchange 2019 kaufen und auf 2016 downgraden um sein Outlook 2010 weiter nutzen zu können. 9 Monate später steht dann die Anschaffung eines neuen Office Version an, welche mit Exchange 2019 laufen würde. Der Admin kotzt, da er nun den Exchange 2016 auf Version 2019 bringen darf (nicht unbedingt muss, aber warum 2016 weiter laufen lassen wenn man 2019 rumliegen hat). Doppelte Arbeit und evtl. auch doppelte Dienstleister Kosten.

    Nun könnte man meinen, MS ist einfach nett und will uns die Arbeit erleichtern indem man das Datum gleich setzt. So könnte man ein neues Office holen und sofort Exchange 2019 installieren und müsste keinen 9 Monate Umwege über Exchange 2016 gehen. Alles sind glücklich… kommen wir zum tieferen Sinn der Aktion:

    MS will sein Cloud Produkt verkaufen und wenn eine Firma zeitgleich vor der Anschaffung von Office + einen neuen Exchange steht, könnten die hohen Einmalkosten die Cloudlösung plötzlich attraktiver erscheinen lassen als Office und Exchange 9-12 Monate zeitversetzt zu kaufen.

    So einfach ist das ;-).

    • Joe_Gerhard sagt:

      An alle in Unternehmen, klein wie groß, lesen Sie den letzten Abschnitt von Chris‘ erstklassigem Beitrag!

      Danach packen Sie den Taschenrechner aus, nehmen sich einen Zettel dazu und rechnen einmal die Cloudkosten, eine gemischte Lösung mit Exchange Online bei einem Dienstleister, normalen Office Lizenzen und Server in-house und eine komplette in-house Lösung zusammen, sagen wir für sechs oder acht Jahre. Mit dem Ergebnis gehen Sie dann im Zweifel zur Bank und leihen sich das, was Sie brauchen, die Zinsen sind klein.

      Oder, Sie tragen mit Ihren ach so preiswerten Abos zum weiteren fantastischen finanziellen Erfolg von Microsoft bei.

      Die Abschaffung der SBS und die komplizierte Migration auf neue Versionen ist m.E. eine monopolistische Verhaltensweise eines marktbeherrschenden Unternehmens, welches das Abomodell nach so vielen anderen auch entdeckt hat. Mail- und Serverfunktionalitäten könnten für die allermeisten kleineren und mittleren Unternehmen billiger und einfacher sein, allerdings würde damit dann wohl viel weniger Geld in die MS-Kassen fließen.

      Danke an Chris für seinen Beitrag!

    • Steffen sagt:

      Hi,

      wir haben hier noch einen Ex2010 am Werkeln, der Aufstieg steht uns noh bevor. Allerdings haben wir auch eine sehr druchwachsene Office-Landschaft. Unter anderem auch Office 2019 H&B/Pro, die sehr wohl mit unserem Exchange 2010 zusammenarbeiten. Bei Konfigurierend es Kontos wähle ich bewusst “Exchange” und nicht “Exchange 2010”. Aber ich vermisse keine Funktionialität, die ich nciht auch vorher bei Office/Outlook 2013 hatte.

      Viele Grüße, Steffen

    • Georg S. sagt:

      Da ein Exchange 2010 & Exchange 2019 sowieso nicht gleichzeitig in einer Domäne existieren kann muss der Admin sowieso den Zwischenschritt über Server 2016 gehen (oder den Exchange 2019 gleich auslassen wenn der Support sowieso gleichzeitig mit dem 2016er endet).
      Da der Office Support ausläuft bevor die Nächste Office Version erscheint benötigt man ja sowieso Lizenzen für Office 2016 oder 2019 ob man die jetzt ein paar Monate früher oder später kauft ist hier nicht wirklich relevant da der Support dadurch auch nicht früher oder später ausläuft. Außerdem laufen wohl 90% der Exchange 2010 Server auf einem Server 2008R2 welcher ab Januar nicht mehr unterstützt wird deshalb sollte der Umstieg sowieso noch im aktuellen Jahr durchgeführt werden.

  8. Dirk sagt:

    >Anders herum kann man auch Outlook 2019 nicht mit Exchange 2010 nutzen.

    Läuft ohne Probleme.

    Gruß Dirk

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