Gimp ‘löscht’ Bildausschnitte durch ‘Transparenz-Maske’

[English]Gimp-Anwender aufgepasst. Das Grafikbearbeitungsprogramm hat ein eigenartiges Verhalten, was dazu führt, dass Bildausschnitte, die der Nutzer vornimmt, in der Grafikdatei nicht gelöscht, sondern nur über eine Transparenz-Maske ausgeblendet werden. Das kann dazu führen, dass vermeintlich entfernte (vertrauliche) Bildinhalte wiederhergestellt werden können.


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Ich bin durch einen Kommentar im Diskussionsbereich auf das Thema aufmerksam geworden (danke dafür). Will Dormann hat das Ganze in mehreren Tweet zuerst aufgegriffen, weil er das Thema kannte.

Dormann weist darauf hin, dass der Inhalt von Bildausschnitten bei Gimp nicht gelöscht werde. Vielmehr wird ein Alpha-Kanal erzeugt, der den Bildausschnitt ausblendet. Wird das Bild in sozialen Medien (wie Twitter) hochgeladen, kann das dazu führen, dass die vermeintlich gelöschten, aber nur ausgeblendeten Bildausschnitte nachträglich sichtbar gemacht werden können.

Auf Gitlab gibt es den Thread GIMP doesn’t properly remove image data when an alpha channel is supported der auf diesen Sachverhalt näher eingeht. Es gibt zwei Probleme, die GIMP betreffen, wenn bei einem Bild mit einer Alpha-Ebene gearbeitet wird:

  • Wenn ein Bild in einem Format gespeichert wird, welches den Alpha-Kanal unterstützt (z.B. PNG), werden die “entfernten” Bildinformationen nicht wirklich entfernt.  GIMP passt einfach den Alphakanal an, um den vermeintlichen Bildauschnitt transparent darzustllen. Aus der Perspektive des GIMP-Nutzers scheint das obige Bild korrekt bearbeitet, der Inhalt wurde ja entfernt. Aber in Wirklichkeit kann jeder den Alphakanal (z.B. mit ImageMagick “konvertieren” oder anderen Werkzeugen) aus dem Bild einfach entfernen und hat dann das ursprüngliche, nicht manipulierte Foto.
  • Wird das Bild in einem Format gespeichert, das den Alphakanal nicht unterstützt, aber ein Miniaturbild, enthält dieses Miniaturbild auch das unbearbeitete Bild.  Möglicherweise entfernt GIMP den Alphakanal des Bildes, um das Bild für die Miniaturansicht zu erzeugen? Dies wird klar, wenn ein Werkzeug verwendet wird, das die Miniaturansicht eines Bildes nutzt, z.B. der standardmäßige Ubuntu-Dateimanager.

Unbearbeitetes Bild
(Quelle: Gitlab)

Das Ganze wird auf Gitlab diskutiert – und Golem hat das Ganze in diesem deutschsprachigen Beitrag aufgegriffen. Das Problem, die Entwickler erklären, dass das so gedacht sei und haben den Fehlerreport von Dormann diesbezüglich geschlossen.

Das ist etwas, das mich kolossal ärgert. Ich erinnere mich an solche fruchtlosen Diskussionen vor zwei Jahrzehnten, als ich dreimal ein 1.000 Seiten Buch über OpenOffice.org schrieb. Als langjähriger Word- und WordPress-Benutzer wurde ich auf mehrere Schwächen von OpenOffice.org aufmerksam. Aber meine Vorschläge wurden abgelehnt und es scheint, dass die Entwickler nicht einmal den Sinn einiger einfacher Fragen verstanden haben. Es ist das Lock-in-Syndrom. Zu dieser Zeit endete es damit, dass ich das erste Buch über OpenOffice.org mit LaTex geschrieben habe – und Microsoft Word für die 2. und 3. Ausgabe verwendete – einfach albern. Ist der Grund, warum Linux nie über die 2 – 3 % Anteil auf dem Desktop hinaus kommt – und ich nutze Linux seit 1993.

Der von den Entwicklern hier angegebene Workaround ist nämlich eine typische Krücke: Übermalt den auszuschneidenden Bereich mit einem schwarzen Balken und schneidet dann aus. Dadurch werden die Pixel schwarz und über den Alpha-Kanal ausgeblendet. Entfernt jemand den Alpha-Kanal, sieht er nur die geschwärzte Bildstelle. Golem gibt in seinem Artikel noch einige weitere Hinweise zum Thema und hat ein Hilfs-Script für dieses Thema bereitgestellt.


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2 Antworten zu Gimp ‘löscht’ Bildausschnitte durch ‘Transparenz-Maske’


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  2. gpburth sagt:

    Das war doch “schon immer” so, dass viele Formate nicht wirklich gelöscht sondern “nur” ausgeblendet haben – insbesondere, wenn das “gelöschte” wiederherstellbar bleiben soll. Ich erinnere mich da an diverse Word- und Excel-Dateien, in denen frühere Stände mit einem Hexeditor lesbar waren – oder PDF-Dateien mit schwarzen Balken über zensierten Bereichen, die auf langsamen Anzeigegeräte und/oder bei hohen Zoomstufen lesbar waren, da der Balken nicht im eigentlichen Text sondern als “Ebene drüber” eingeblendet wird.
    Früher(?) wurden auch gerne mal Vorschaubilder in Grafikdateien nicht gelöscht, auch nicht beim Zuschneiden – bzw. allgemein beim Zuschneiden nur der angezeigte Bildbereich geändert, aber der Rest nicht entfernt (Gerne auch bei Bildern in Word, PDFs, …)

    Idealerweise sollte ein Programm aber natürlich einen “endgültig freigeben”-Button haben, der die “zensierten” Dinge auch tatsächlich entfernt. Würde in diesem Fall das PNG auch kleiner machen.

  3. Tom sagt:

    Wenn man was zensieren muss, kann man den Ausschnitt jeweils per Snipping Tool oder ähnlichem abfotografieren. Oder man druckt das zensierte aus und scannt es wieder ein. Alles andere ist meiner Meinung nach nur Makulatur.

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